Wave Sequencing
Wave Sequencing (Foto: Wikipedia/Korg)

Mit dem Korg wavestate ist das Wave Sequencing wieder aktuell geworden. „Geschichtlich“ Interessierte werden sich bei diesem Stichwort noch an die Korg Wavestation von 1990 erinnern, die zwar innovativ war, aber auch als sehr schwer zu bedienen galt.

Wir wollen hier mal einen kurzen Erklärungsversuch zum Thema Wave Sequencing starten, der auch für Einsteiger verständlich sein sollte, denn eigentlich ist alles ganz einfach:

Das Prinzip des Wave Sequencing ist – zumindest theoretisch – relativ gut nachzuvollziehen. Wir nehmen einen Sequenzer, dessen Sequenzen aus einer bestimmten Anzahl von Steps bestehen können. Nun lösen wir uns kurz von dem Gedanken, dass eine Sequenz in der Regel „nur“ aus einer Abfolge von verschiedenen Tönen bzw. Tonhöhen und ggf. Tonlängen besteht.

Sequenzen aus Schwingungen

Beim Wave Sequencing handelt es sich erst einmal um eine Abfolge von Schwingungsformen, im Fall des der Wavestation und Korg wavestate von Samples. Nehmen wir mal die einfachste Abfolge mit zwei Steps wie folgt an: Auf Step 1 liegt eine Dreiecksschwingung, auf Step 2 ein Sägezahn. Wir starten den Sequenzer und hören im Wechsel Dreieck und Sägezahn.

Damit das alles smoother vonstatten geht, definieren wir ein Crossfade zwischen den beiden Steps, sodass die unterschiedlichen Klangfarben ineinander übergehen. So einfach ist Wave Sequencing – aber: Da kommt noch was:

Nun stelle man sich vor, dass man auch komplexe Klänge je Step und nicht nur Dreieck und Sägezahn auswählen können (z. B. jedes beliebige Sample aus dem Samplevorrat des wavestate), und so eine Sequenz auch aus mehr als zwei Steps (drei, vier, 16 oder eben bis zu 64) bestehen kann.

Wave Sequencing – Das Klangerlebnis

Nachvollziehbar, dass dabei sehr spannende Klangverläufe entstehen können. Grundsätzlich erzeugen wir dabei damit zwei Soundvarianten:

  1. Evolving Sounds (Landscapes, Texturen), die sich über eine gewisse Zeit entwickeln, verändern, mal soft und mal drastisch, wie wir es vielleicht von der Wavetable-Synthese her kennen
  2. Rhythmische Patterns, die eher an eine Groove Box erinnern, oder komplexe Arpeggiatoren, die gerne von 8 Steps aber auch bis zu 64 Steps haben dürfen.

Aber was ist da mit Tonhöhe- und Dauer eines Sequenzer-Steps? Gute Frage, denn wir müssen noch mehr Parameter definieren als nur die Reihenfolge der Samples: Tonhöhe, Dauer eines Steps, etwaige Modulationen je Step, Gate-Time etc. Das hört sich dann schon etwas komplexer an.

Ist es natürlich auch, aber es hat nichts mit „Rocket Science“ zu tun. Alle die genannten Parameter müssen wir je Step natürlich mit berücksichtigen, was die Programmierung etwas umfangreicher macht, besonders dann, wenn man immer nur ein oder wenige Parameter im Display sieht (Wavestation) . Dass das auch einfacher geht, das beweist Korg mit dem neuen wavestate. Dieser gibt jedem Parameter (Tonhöhe, Duer etc.) eine eigenen Sequenzer-Linie, die unabhängig programmierbar ist.
Jede WaveSequenz des wavestate besteht dabei aus 7 Lanes. Diese könnte man mit 7 Reihen mit CV-Signalen eines analogen Sequenzer vergleichen (ja, ich weiß, jeder Vergleich hinkt). Mit jedem Regler pro Step verändert man dann einen anderen Parameter.

Nachvollziehbar, dass man damit ausgesprochen lebendige Klangerlebnisse schaffen kann, da man jeden Step wirklich komplett individuell gestalten kann. Die Schwierigkeit bei der Programmierung liegt halt darin, dass man schon eine Vielzahl von Parametern definieren muss. Dies ist natürlich etwas zeitaufwendiger. Und man muss sich schon überlegen, wohin man mit einem Klang will, um auch die richtige Sample-Auswahl zu treffen.

Belohnt wird man aber mit Rhythmen und Soundscapes, die alles andere als langweilig sind.