Native Instruments Pharlight
Native Instruments Pharlight

Native Instruments Pharlight kombiniert eine Sample- und eine Granular-Engine und lehnt sich damit sehr stark an das bereits bekannte Plug-in Straylight an.

Grundlage von Pharlight sind Vocal-basierte Klänge, ausgespielt über eine granulare sowie eine Sample-Engine.
Obwohl beide Plug-ins auf den ersten Blick identisch aussehen, gibt es doch Unterschiede – und das nicht nur im Klangmaterial. Vielleicht hätte man bei Native Instruments das mit einer etwas anderen Grundfarbe dokumentieren können. Trotzdem sind die Ähnlichkeiten so stark, dass man Pharlight ohne Probleme bedienen kann, wenn man bereits mit Straylight gearbeitet hat und vice versa. Patches und Samples kann man allerdings nicht austauschen.

Native Instruments Pharlight Test – Die Installation

Die Installation verläuft wie immer bei Native vorbildlich. Das ganze Verfahren wird über Native Access abgewickelt und erfolgt ausgesprochen „geräuschlos“. Das Plug-in ist mit 1,6 GB auch überraschend klein. Zur Nutzung benötigt man nur den kostenlosen KONTAKT Player ab 6.2.

Native Instruments Pharlight Test – Das Konzept

Pharlight basiert auf Vocal-Samples, darunter sowohl One Shots als auch komplexe Multisamples. Diese wurden organisiert in eine Grain Engine (270 Klangquellen) und in eine Samples Engine (59 Sets). Pharlight kombiniert also Sampling und Granularsynthese.

Das Basismaterial wurde von den Sounddesignern so gestaltet, dass es sich optimal für die Arbeit mit der Granularsynthese eignet. Beide Engines bilden also das Duo der Tonerzeugung, die als Layer geschaltet sind.

Im Mittelpunkt der Hauptseite (PERFORM) steht das XY-Pad, was natürlich zwischen den beiden Engines wechseln als auch höchst komplexe Modulationen für wirklich „lebendige“ Klänge in Echtzeit erzeugen kann. Die Kombination aus den beiden Engines wird als Snapshot bezeichnet, womit die oberste Ebene der Speicherorganisation beschrieben ist. Eine Ebene darunter werden dann die Grain- als auch Sample-Sources gelistet.

Native selbst nennt das Plug-in „Instrument für granulare Vocal-Texturen“. Dem folgend haben die Sounddesigner sich natürlich im Bereich der Vocals „ausgetobt“. Dies nahm man aber Gott sei Dank nicht ganz so streng, da man im Sample-Bereich auch durchaus veritable Piano-Sounds findet, die sich in Verbindung mit schwebenden Vocal-Sounds u .a. für New Age oder ähnliche Musikstile einsetzen lassen.

Um es deutlich zu machen, Pharlight bietet mehr Sounds an als eine reine Chor-Library. Wir finden Pads, Leads, Atmosphären, Pulses uvm.

Native Instruments Pharlight Test – Die Snapshots

Hat man Pharlight in KONTAKT aufgerufen (ein nki.-Instrument), kann es losgehen. Man befindet sich auf direkt auf der PERFORM-Ebene, die unmittelbar einen spielfertigen Snapshot anbietet.

Links sieht man den Grain-Sound und rechts den Sample-Sound. Beide müssen übrigens nicht identisch sein, man hat da die volle Auswahl und kann auch total verschiedene Klangfarben kombinieren.

Insgesamt stellt Pharlight über 300 Snapshots zur Verfügung. Das ist ein großer Fundus an Grundmaterial, das es erst einmal zu ergründen gilt. Eigene Snapshots lassen sich natürlich auch programmieren.

Bei der Suche nach bestimmten Klangfarben ist die sehr detaillierte Library-Funktion außerordentlich hilfreich, die verschiedenste Unterkategorien zeigt (s. Abb.).

Native Instrument Pharlight. Die Klänge sind nach Kategorien geordnet

Mich hat dabei ein wenig gestört, dass man dafür eine komplett andere Optik gewählt hat. Im ersten Moment hat man den Eindruck, sich gar nicht mehr in Pharlight selbst aufzuhalten. Ansonsten ist der Bereich wirklich gelungen. Allein schon durch die beliebige Kombination von Grain- und Samples-Sources als Snapshots lassen ohne großen Aufwand weitere Layer-Varianten bilden.

Zentrales Element ist hier das XY-Pad, das die verschiedensten Modulationen steuern kann. Den Cursor bewegt man mit der Maus oder über MIDI-Controller, die man den Funktionen X und Y zuweisen kann. Ansonsten lassen sich beide Engines aktivieren oder deaktivieren bzw. getrennt in der Lautstärke regeln.

Im unteren Bereich befinden sich noch vier Regler, die man mit Macros belegen kann. D. h., dass diese Elemente frei verfügbar sind. So kann man sich zu jedem Sound noch die wichtigsten vier Parameter „nach oben“ legen. Gut ist, dass sich dabei automatisch die Beschriftung des Reglers ändert. Sehr anwenderfreundlich. Diese Macros bleiben stehen, egal, ob man in die Grain- oder Sample-Ansicht etc. wechselt.

Weniger gefällt mir die Optik der PERFORM-Seite. Gut, der Designer hat sich insgesamt ein „feuriges“ Orange ausgesucht. Geschmacksache. Warum man aber dann den Hintergrund mit einer Art Gitteroptik versieht, die die Lesbarkeit ziemlich beeinträchtigt, kann ich nicht nachvollziehen. Bei den folgenden Seiten hat man diese dann Gott sei Dank weggelassen. O.K., auf der PERFORM-Seite stehen jetzt nicht so viele Informationen – aber trotzdem. Design sollte immer der Funktionalität untergeordnet sein.

Native Instruments Pharlight Test – Die Grain Engine

Wer schon Erfahrungen mit der Granularsynthese hat, der wird sich mit den Parametern in der Grain Engine auskennen. Andere werden sich erst einmal damit beschäftigen müssen. Dazu empfehle ich dann die Lektüre unseres Grundsatzartikels.

Im Zentrum steht die grafische Darstellung der Schwingung. Der gewünschte Ausschnitt aus der gesamten Schwingung wird mittels der Cursor-Position und der Range-Regler bestimmt. Mit letzteren lässt sich auch ein modulierbares „Fenster“ definieren, mit dem man per die gesamte Grain-Source „durchfahren“ kann.

Pharlight Grain Engine

Bestimmen lassen sich u. a. die Grain-Länge, Fade-in und -out zwischen den Grains, das Intervall zwischen den Grains (sogar mit dem Host-Tempo synchronisierbar) und verschiedene andere Parameter.

Native Instruments Pharlight Test – Die Sample Engine

Die Sample Engine ist deutlich weniger komplex als die Grain Engine. Trotzdem lässt sich auch das Sample hier umfangreich bearbeiten. Diese Sektion ist ähnlich aufgebaut wie die eines Synths: Filter (s. Effekte), dazu Cutoff, Resonance, ADSR Hüllkurve und Drive.

Native Instruments Pharlight Sample Engine
Native Instruments Pharlight Sample Engine

Eine weitere Hüllkurve (exponentiell oder linear) steht für den Amp bereit, ein Drive-Effekt. Einstell- und modulierbar ist der Sample-Startpunkt, natürlich per Macro, per MIDI CC oder per XY-Pad. Damit lässt sich das Sample in Echtzeit schon umfangreich verändern. Fast vergessen habe ich noch die Möglichkeit, das Sample fein oder grob zu stimmen.

Native Instruments Pharlight Test – Die Effekte

Die Effektsektion ist ganz clever gemacht. Meine erste Vermutung, der Bereich sei mit Effekten überfrachtet, die ich hier gar nicht brauche (z. B. VOX AmpSimulation), hat sich nicht bestätigt. Die Sektion ist trotz der zahlreichen Möglichkeiten recht einfach zu verstehen.

Jede Engine hat vier eigene Effekt-Slots, die ich aus dem Angebot von 9 Effekten belegen kann. Will ich einen oder gar alle Slots leer haben, dann wähle ich einfach „none“. Sogar die Reihenfolge der Effektkette kann ich bestimmen.

Native Instrument Pharlight: Der Effektbereich
Native Instrument Pharlight: Der Effektbereich

Alle 9 Effekte haben dann noch zahlreiche Varianten, die über die Pfeiltasten oben anwähle. Die Auswahl ist ohne Zweifel enorm. Die neun Grundeffekte sind:

  • Filter
  • EQ
  • Dyn
  • Gater
  • Drive
  • Mod
  • Delay
  • Rev
  • Util
  • None

Bei jedem Effekt bzw. jeder Effektvariante erscheinen andere Parameter, sodass der Screen immer übersichtlich bleibt. Auch die Auswahl an Parametern je Effekt sehe ich als gelungen an. Man hat stets Zugriff auf die wichtigsten Elemente. Kompliment.

Hervorheben möchte ich den Formant-Filter, der bei Multisamples die Formanten beeinflusst, was für Vocal-Synthese besonders wichtig ist.

Wem das noch nicht reicht, der kann nochmals im Mastereffekt-Bereich zulegen, der einen ähnlichen Aufbau hat. Und schließlich haben wir noch zwei Send Effekte für Reverb und Delay.

Und, man kann je Engine die Effekte auch ganz einfach deaktivieren, was immer sehr hilfreich sein kann.

Native Instruments Pharlight Test – Macros und Modulationen

Je Snapshot lassen sich bis zu vier Macros definieren, die wichtige Parameter nach oben legen, die aber nicht unbedingt über die Echtzeitkontrolle des XY-Pads gesteuert werden müssen. Dabei kann jeder virtuelle Regler mit einem Label versehen werden, damit der User sofort weiß, was der Regler tatsächlich macht. Eine gute Idee.

Eine weitere Unterseite befasst sich mit verschiedenen Modulationen. Hier finden wir zwei LFOs, einen Shaper und eine Modulationsmatrix. Dort lassen sich u. a. verschiedene Modulationsquellen für noch komplexere Modulationen verbinden.

Native Instruments Pharlight Test – Eigene Samples laden

Was bei Straylight erst mit einem Update möglich wurde, ist bei Pharlight direkt implementiert. Der User kann eigene Samples (WAV oder AIFF) laden – und zwar in die Grain- oder in die Sample-Engine.

Diese Samples lassen sich dann mit den Bordmitteln bearbeiten, abspeichern und in eigene Snapshots integrieren.

Auf der Suche nach einer INIT-Einstellung bin ich leider im Bereich der Taggings nicht fündig geworden. Die Snapshots lassen sich aber noch in einer Art Browser-Optik darstellen, wobei ich dann unter „Utitlity“ die INIT-Einstellung entdeckt habe. Warum man das so gemacht hat, hat sich mir nicht ganz erschlossen.

Das Sample wurde in der Init-Einstellung der Grain-Engine nicht exakt wiedergegeben. Um in die Richtung zu kommen, musste ich etwas nachjustieren

Das Hörbeispiel-Video oben gibt das Ursprungssample wieder (one shot, ohne Loop), einen kurzen Part eines Ethno-Chores (AIFF). Das zweite Beispiel gibt das Signal aus der Grain-Engine wieder.

Dann spiele ich das immer noch unbearbeitete Signal polyphon, wobei die Tonhöhen sich ändern, aber die Ablaufgeschwindigkeit jedes Tones eines Akkordes gleich bleibt. Das Ergebnis kann sich sehen oder besser hören lassen. Aus dem ursprünglichen Chor entsteht schon allein auf diesem Weg ein ganz anderes Klangerlebnis.

Und dann geht es ja erst richtig los. Die verschiedenen Tools der Grain-Engine verfremden das Ursprungsmaterial schon enorm. Wahrscheinlich wird man anfangs eher mit Trial & Error ergründen, was die verschiedenen Parameter bewirken. Dies birgt aber auch ein ungeheures kreatives Potential – angefangen bei der Auswahl eines Samples bis hin zur völligen Verfremdung. Natürlich kann man hier auch die Würfelfunktion nutzen und schauen, was dabei herauskommt.

Gnadenlos einfach ist übrigens die Einbindung eines externen Samples in Pharlight. Man wechselt in KONTAKT in die „File-Darstellung“, sucht auf seinem Rechner das gewünschte Sample und zieht es mit der Maus in das entsprechende Fenster. That’s it. Dabei sucht Pharlight sofort den richtigen Root-Key, sodass das Sample unmittelbar in der richtigen Tonhöhe spielbar ist.

Ich bin an die Einbindung eigener Samples ohne große Erwartungen herangegangen, habe mich aber überzeugen lassen, dass dies ein wirklich spannendes Tool sein kann.

Native Instruments Pharlight Test – Die Bedienung

Die Bedienung ist übersichtlich gestaltet, sieht man einmal von der Farbgebung auf der PERFORM-Seite ab. Etwas ungewohnt mögen für manchen User die Parameter aus der Granularsynthese sein. Welchen Effekt man genau mit welchem Parameter erzeugt, das muss man halt ausprobieren.

Da ist die Granularsynthese deutlich „sperriger“ als die gute alte analoge Synthese. Aber dafür kann man aber seiner Kreativität freien Lauf lassen und sehr viel experimentieren, was mit interessanten Klängen belohnt wird.

Den Designern von Native Instruments ist natürlich bewusst, dass man nicht wie gewohnt gezielt mit den Parametern umgehen kann, denn sonst hätte man die „Würfel-Funktion“ nicht integriert. Diese variieren zufällig Parameter innerhalb der Grain-Engine oder erzeugen ganze Snapshots.

Wenn es da noch eine Compare-Funktion gäbe, womit man zwischen Ausgangssound und neuem Sound hin- und herschalten kann, wäre das sehr hilfreich. Da könnte man bei Rob Papen und B.I.T einmal schauen, wie man das perfekt gestaltet.

Native Instruments Pharlight Test – Sound und Sounddesign

Wie bereits erwähnt, bietet Pharlight mitnichten eine Sammlung verschiedenster Chöre, um diese so authentisch wie möglich wiedergeben zu können.

Hier erzeugt die menschliche Stimme das Grundmaterial für viele „schöne“ bis abgedrehte Klangfarben, wobei man manchmal die menschliche Stimme nur noch erahnen kann. Und das ist gut so. Dafür findet man eine große Anzahl an spannenden Klangfarben, angefangen bei Pads und Texturen bis hin zu Bässen, Leads und Effektsounds. Will sagen: Das klangliche Spektrum ist ausgesprochen groß.

Besonders hervorheben sollte man die Modulationen, die, über das XY-Pad gesteuert, ausgesprochen interessante Klangverläufe generiert – und das in Echtzeit. Lohnenswert ist auch die kreative Arbeit mit der Granular-Engine, die manchmal in eine klangliche Sackgasse führt, manchmal aber auch völlig abgedrehte Sounds anbietet. Dabei lohnt es sich auch, das alles mit eigenen Samples durchzuspielen.

Pharlight bietet jetzt keinen ausgefuchsten Granularsynthesizer, die Dosierung der Parameter für den Einsatz hier scheint mir aber genau richtig.

Das klangliche Grundmaterial ist gelungen, die Klangqualität ausgezeichnet. Crisp in den Höhen, transparent und mit einem ordentlichen „Wumms“ im Bass. Da kann man nicht meckern.

Native Instruments Pharlight Test – Fazit

Pharlight ist ein spannendes Plug-in, das sich nicht nur an Sounddesginer, Film- und Gamekomponisten wendet. Die Vielzahl von Vocal-basierten Klangfarben eignen sich für mehrere Musikrichtungen. Und da beileibe nicht nur Pads, Atmosphären und ähnliche Klanglandschaften zur Verfügung stehen, sondern auch Leads und Bässe, dürfte das Plug-in vielfältig einsetzbar sein.

Der Umgang mit der Granularengine mag zwar für manche neu sein, bringt aber ein hohes kreatives Potential mit sich, verbunden mit der Aussicht auf Sounds außerhalb der eingefahrenen Wege. Wer sich für Pharlight interessiert, der sollte prüfen, ob der Basisklang das ist, was man für sein eigenes Sounddesign benötigt.

Das Asset liegt hier bei den bereits in großer Zahl mitgelieferten Sample- und Grain-Sources. Da hat man sich bei Native Instuments wirklich eine Menge Arbeit gemacht. Pharlight reklamiert jetzt nicht, ein komplett ausgestatteter Granularsynthesizer zu sein. Trotzdem nutzt er diese Syntheseform doch schon sehr umfangreich. Mehr als umfangreich sind die Modulations- und Effektmöglichkeiten, die die Samples und Grains erst so richtig lebendig gestalten. Und was natürlich das Wichtigste ist: Die Soundqualität ist absolut professionell.

Native Instruments Pharlight ist für 199 Euro zu haben. Gleiches kostet auch Straylight. Einen Bundlepreis habe ich bei Native Instruments jetzt nicht entdckt, aber Angebote könenn ja immer variieren.