Dark ERA GUI und Box
Dark ERA GUI und Box

Mit Best Service Dark ERA erweitert Eduardo Tarilonte sein Portfolio um eine weitere Variante. Nach Ancient ERA Persia und Celtic ERA u.a. sind mit Dark ERA diesmal Klänge aus den Zeiten der dunklen Sagen der Wikinger und anderer heidnischer Völker an der Reihe. Eines kann ich schon vorweg versprechen: Dark ERA klingt deutlich anders als die Songs von Santiano.

Natürlich ist eine Library wie Dark ERA bestens geeignet für Komponisten und Produzenten aus den Bereichen Film, TV- und ganz besonders der Game-Industrie, wo mystische Klänge unbedingt dazugehören. Aber aufgepasst, Dark ERA ist nicht nur für die Vertreter geeignet, die Fantasy-Produktionen vertonen müssen. Die Vielzahl außergewöhnlicher Klangfarben und Loops können die Grundlage für fast alle Arten von Musik sein bzw. dieser eine ganz besondere Note verleihen.

Dark ERA läuft übrigens auf folgenden Systemen:

AAX native, AU, ENGINE powered, Mac, Standalone, VST, Win
Download Größe: 8,16 GB

Best Service Dark ERA Test – Die Instrumente

Mehr als 50 Instrumente aus der Epoche der Sagen und Mythen hat Tarilonte zusammengestellt, darunter 7 Saiteninstrumente, 17 Blasinstrumente und 33 Trommeln und Percussion-Instrumente.

Hier eine Übersicht über die zur Verfügung stehenden Klangquellen:

  • Bowed Strings: Tagelharpa / Jouhikko Small, Tagelharpa / Jouhikko Big und Crwth.
  • Plucked Strings: Cologne Lyre, Ancient Lyre, Trossingen Lyre und Utrecht Lute.
  • Winds: War Horn, White Horn, Curved Horn, Shofar, Bukkehorn, Shell, Long Trumpet, Big Horn, Double Flute, Small Bone Flute, Vulture Bone Flute, Pictish Pipes, Elderwood Flute, Overtone Fujara, Didgeridoo und Wooden Lur.
  • Percussion: Shamanic Drum Small, Shamanic Drum Big, Big Frame Drum, 5 Square Drums, 2 Skin Drums, 2 Skin Snares, Skin Tom, Sieves, Anvil, 3 Viking Mouth Harps, Jawbone, Pan Medium, Pan Rusted, 7 Seed Shakers, Small Bells, 2 Cowbells, Bullroarer, Horseshoe und Bronze Mortar.

Alle Instrumente wurden dabei mit allen möglichen Artikulationen aufgezeichnet, die man über die sogenannten Keyswitches abgerufen werden (so kam man auf über 20.000 Samples). Dabei sind Teile der Tastatur dem Abruf dieser Artikulationen vorbehalten. Jede Taste erzeugt dabei eine andere Artikulation.

Mit der rechten Hand spielt man das Instrument ganz normal auf dem dafür reservierten Bereich auf der Tastatur und ruft mit mit der linken Hand über den Keyswitch die gewünschte Artikulation oder den gewünschten Effekt ab (wie welcher Tastaturbereich belegt ist, dies zeigt auch das virtuelle Keyboard auf dem Monitor).

Diese Artikulationen sind es, die den Sounds zu ihrer wahren Lebendigkeit verhelfen. Man muss sich aber dabei im Klaren sein, dass es dabei einiger Übung bedarf, um solch ein Keyswitch-System gezielt zu beherrschen.

Die Belegung mit den Artikulationen sind zwar in der Bedienungsanleitung aufgeführt, sich das alles zu merken, wird nicht ganz einfach werden. Oftmals hilft dabei auch Trial und Error.

Positiv ist, dass man die Keyswitch-Belegung auch auf dem Bildschirm aufrufen kann. Dies ist sehr hilfreich, denn in den entscheidenden Situationen hat man möglicherweise das Manual nicht griffbereit in der Nähe liegen.

Viele Instrumente werden dem User im ersten Moment nicht viel sagen, das ändert sich natürlich schlagartig, wenn man dieses große Sound-Arsenal einmal durchspielt. Einen ersten Überblick gibt auch das Trailer-Video:

 

Best Service Dark ERA Test – Die Soundscapes

Viele Libraries hören an diesem Punkt bereits auf. Mehr als 50 verschiedene Instrumente im Zugriff, das ist ja auch nicht wenig. Mit dem Bereich Soudndesign folgt aber das nächste Highlight. Mehr als 100 Loops, Texturen und Klangteppiche bietet die Abteilung Soundscapes. Dieser Bereich ist in Epic Loops,Rhythmic Pads und Voices unterteilt.

Die Epic Loops bieten eine wunderbare Grundlage für rhythmisch-orientierte Loops. Jede Loop existiert in vier Varianten mit Fills und Endings. Unterstützt wird diese durch rhythmisch pulsierende Klänge. Jeder Rhythmus besitzt auch eine Art Bass-Unterstützung mit einem immer gleichen Pulse-Sound, den man aber in einer Produktion auch gegen andere, vielleicht interessantere Klangfarben austauschen kann/sollte.

Die Rhythmic Padsunterteilen die Tastatur in zwei Bereiche, links rufen wir die Rhythmus-Variationen ab und rechts die Pads. Dies macht absolut Sinn Beides zusammen ergib schon fast ein Playback.

Die Loops werden übrigens teilweise in verschiedenen Tempi angeboten. Das bedeutet nicht, dass sich Dark ERA dabei nicht an die Projektgeschwinsigkeit anpassen lässt. Sinnvollerweise wählt man die Samples, die im Tempo am nächsten am Projekttempo dran sind. Dies erhöht unzweifelhaft die Klangqualität.

Bei der dritten Abteilung, den Voices, sollte man keine Chöre erwarten. Hier gibt es u.a. Gesänge, die von der Kultur der Inuit (Eskimos) beeinflusst sind. Das sind eher rhythmische Silben mit Kehlkopfgesang. Sehr spannend, aber auch sehr ungewohnt.

In dieser Abteilung gibt es aber noch andere Klangfarben, die man dem Schamanen zuordnen kann. Interessant auch die Loops mit den Inuit-Gesängen. Bin mal gespannt, wer das als erster in seiner Produktion nutzen wird.
Klang: Vollkommen abgedreht!

Im nachstehenden Video kann man sich mal ein Hörbild machen, wie die Gesänge der Inuit klingen:

Die Voices umfassen die kurzen Silben und auch den Kehlkopfgesang, der sehr gutturale Klänge entstehen lässt. Von den damit möglichen Rhythmen geht eine unwirkliche Magie aus. Für die Voices stehen 24 MIDI-Loops zur Verfügung, wobei man aus den zur Verfügung stehenden Einzellauten, sich auch seinen eigenen Inuit oder Shamanengesang zusammenstellen kann.

Der Clou an den Soundscapes ist, dass sich diese aus bis zu 16 Instrumenten mit maximal 20 Spuren bestehen können, die im Mixer von Dark ERA einzeln in Volume und Panorama geregelt werden können. Über MIDI learn kann man den Funktionen auch MIDI-Controllern zuweisen. Gute Sache. Da ist es schon fast müßig zu erwähnen, dass die Geschwindigkeit der Loops mit der DAW automatisch. synchronisiert wird.
Für Änderungen im Tempo brauchte ich nur die entsprechende Funktion in Logic bedienen. Tolle Sache. So lassen sich die Loops auch einfach nachträglich in einen schon angelegten Song ohne Tricks integrieren. Und im Gegensatz zu den kürzlich getesteten Spitfire Audio LCO Textures bietet Dark ERA eine äußerst abwechslungsreiche Palette an rhythmisch dominierten Loops an.

Dark ERA Mixer
Dark ERA Mixer

Die Klangqualität

Es ist eigentlich wie immer bei Eduardo Tarilonte. Die Instrumente klingen so lebendig und nah, dass man stets den Eindruck hat, die entsprechenden Musiker würden „live“ neben dem User stehen. Das ist schon eine besondere Qualität, die Tarilonte eigentlich bei allen Produktionen zu bieten hat. Dies liegt daran, dass die Samples sehr direkt ohne Raumanteil aufgenommen wurden. Auch verzichtet man darauf, mehrere Mikrofonpositionen anzubieten, was mich eigentlich überhaupt nicht stört.

Alle Klänge zeichnen sich durch hohe Brillanz, Transparenz und Authentizität aus. Dazu kommt eine wirklich ungeheure Dynamik, die Tarlonte da in den Rechner gebracht hat. Mit den Warhorns und entsprechenden Lautsprecheerboxen kann man sich schon fast die Haare fönen-)

Best Service Dark ERA Test – Die GUI

Die Benutzeroberfläche ist so eine Sache bei Eduardo Tarilone. Er versucht stets, das Design an das Thema der Library anzupassen oder besser leider unterzuordnen. Dies geht bei allen Tarilonte-Produktionen ein wenig zu Lasten der Übersichtlichkeit. Da wird auch der zur Verfügung stehende Raum in der Engine bei weitem nicht ausgeschöpft. Die Schriften sind klein und bei einer Farbgebung mit gelber Schrift auf grünem Untergrund auch nicht optimal lesbar. Da hat man das „Dark“ doch ein wenig zu genau genommen…

Gottseidank ist die Library nicht besonders kompliziert, so dass die GUI kein allzu großer Nachteil ist.

Leider hat man das Schriftensystem in der zum Download angebotenen Bedienungsanleitung fortgesetzt: gelb auf grün und komplett in Versalien. Lesbar geht anders. Wenn ich das ausdrucke, dann sehe ich im wahrsten Sinne des Wortes schwarz.

Best Service Dark ERA Test – Bugs

Bei meiner Test-Version kam es manchmal zu kleinen Knacksern und ganz kurzen Aussetzern mitten im Sound. Das hatte nichts mit bestimmten Sounds oder Samples zu tun und tauchte völlig zufällig auf. So etwas wird normalerweise vom Hersteller schnell behoben. Best Service ist bereits darüber informiert. Der Fehler scheint jedoch nicht bei allen Systemen vorzukommen, was die Fehlersuche natürlich ziemlich erschwert. So wie ich Best Service kenne, wird man da schnell Abhilfe schaffen. Da das nichts mit der grundsätzlichen Qualität von Dark ERA zu tun hat, möchte ich dies auch nicht in den Minuskasten setzen.

Best Service Dark ERA Test – Fazit

Ich gebe zu, ich bin ein Fan dieser ERA-Serie, wobei ich Dark ERA fast schon als beste Variante dieser Reihe bezeichnen möchte. Angefangen bei der Vielzahl der Instrumente mit den über die Keyswitches abrufbaren Artikulationen und Effekten, über die Soundscapes mit den Loops und Voices bis hin zu Klangqualität – hier stimmt eigentlich alles.

Auch die automatische Anpassung der Loops an die Projektgeschwindigkeit der DAW und der Mixer, mit den man sich die Soundscapes nach Bedarf mischen kann, tun ein Übriges.

Sicher, Best Service hat bei der Konzeption von Dark ERA an die Vielzahl der Sounddesigner gedacht, die mit dieser Library sehr komfortabel Musik und für Film und vor allem die Gameindustrie erstellen kann. Doch ich kann Dark ERA wirklich jedem empfehlen, der mit ungewöhnlichen Klängen und Rhythmen seine Musik verändern will. Mit Dark ERA bekommt man eine Menge fürs Geld. Der Preis liegt bei 259 Euro.Hat man schon eine ERA-Version im Portfolio gibt es Crossgrade-Rabatte.

Und zum Abschluss noch ein paar Klangbeispiele (allesamt ohne Overdubs):

Acestors Legacy

Didgeridoo

Initiatic Journey


Inui Vocals

Land of Witches

Legion of Beasts

Ojallerhorn1

Pipes

Shamane

The Hunt 1

Winter Forest II