Celtic ERA im Testbericht, Bild: Best Service

Celtic ERA heißt ein neues Software-Instrument von Best Service. Dies stammt wie die erfolgreichen Libraries Ancient ERA Persia, Forest Kingdom, Desert Winds, Epic World und ERA Medieval Legends aus der „Feder“ von Eduardo Tarilonte.

Mit Celtic ERA nimmt uns Tarilonte nun auf eine Reise in den hohen Norden mitten in die keltische Kultur. Aber keine Angst, man muss aber nicht auf dem Sprung sein, gerade eine keltische Folkloretruppe zusammenzustellen, um sich für Celtic ERA zu interessieren.

Ganz im Gegenteil, die Sounds, die Celtic ERA bietet, sind zwar eindeutig dem Ethno-Bereich zuzuordnen, passen aber eigentlich in jede Art von Musik. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Und sind wir nicht alle ständig auf der Suche nach neuen Klängen und Texturen?

Uns so sehe ich Celtic ERA als spannendes Objekt für alle, die gerne mit Klängen experimentieren.

Klar, wer gerade einen Dokumentarfilm über die schottischen Highlands vertonen muss, der kommt bei Celtic ERA voll auf die Kosten. Wer aber für seine Musikproduktion noch außergewöhnliche klangliche Farbtupfer braucht, der ist bei allen oben genannten Libraries richtig.

Die Instrumente von Celtic ERA

Insgesamt verfügt Celtic ERA über 23 Instrumente bei einem Umfang von 18 GB mit rund 18.000 Samples! Das ist schon eine Menge Holz.

Die Instrumente stellen sich wie folgt dar. Auch wenn man mit manchem Instrument auf den ersten Blick vielleicht nicht viel anfangen kann: Reinhören – es lohnt sich.

Blasinstrumente

  • Irish Flute
  • Irish Whistle
  • Low Whistle (D)
  • Highland Pipes
  • Uilleann Pipes

Percussion

  • Bodrahns

Keys:

  • 2 Concertinas

Strings:

  • 2 Celtic Harps
  • Irish Fiddle
  • Acoustic Guitar (fingered und plucked)
  • Irish Bouzouki
  • Tenor Banjo

Strummed:

  • Acoustic Guitar und Irish Bouzuoki

Ancient Instrumente:

  • Carnyx
  • Cornu
  • War Horn

Diese Instrumente liegen dann noch in verschiedenen Version vor, so dass wir von über 60 Patches reden. Diese sind dann wie folgt organisiert:

  • Strings
  • Soundscapes: Wunderbare Pads
  • Percussion
  • Keyed
  • Ancient
  • Wind

Manche Sounds liegen dann auch in gespielter Version vor, wie z.B. die Strummed Gitarre oder die Fiddle.

Die Klangqualität von Celtic ERA

Mir fällt nur ein Wort ein: Umwerfend. Der Klang sämtlicher Instrumente ist von einer absolut hohen Qualität. Manchmal hat man den Eindruck, dass eine Kelte mit dem Instrument live im Raum hinter dir steht.

Die Klänge sind klar, plastisch, crisp, lebendig, transparent, authentisch und was man alles so an Beschreibungen im Tonstudio gerne in den Mund nimmt.

Wenn man dann noch damit anfängt, die Artikulationen (Keyswitches s.u.) einzubauen, dann erwacht die Library zum Leben.

Fast alles Sounds sind defaultmäßig mit einer Menge Reverb versehen, was man aber abschalten kann, die Samples sind trocken aufgenommen.

In der folgenden Playlist habe ich sieben Klangbeispiele von Celtic ERA für unseren Testbericht aufgenommen.

Benutzeroberfläche von Celtic ERA

So sehr mich Celtic ERA begeistert, mit der grafischen Aufbereitung habe ich meine Probleme. Und da geht es nicht darum, ob die Grafik schön, kitschig oder furchtbar ist. Das ist alles Geschmackssache und liegt im Auge des Betrachters. Mich stört es aber immer, wenn die Grafik zu Lasten der Funktionalität und damit die Übersichtlichkeit verloren geht. Und dies ist hier definitiv der Fall.

Celtic ERA soll doch ein professionelles Tool in einer Studio-Umgebung sein. Es ist doch kein musikwissenschaftlicher Exkurs. Brauche ich da ein keltisches Design wie aus einem Mystic Video Game? Ich finde nicht. Zumal man die Parameter hier kaum noch lesen kann. Auf einem großen iMac mag das gehen, auf einem MacBook schon weniger.

Man verschenkt eine Menge vom Bildschirm für unnötige Informationen (Bildchen) und „vergisst“ dann, die Keyswitch-Belegung anzuzeigen (ein Anruf bei Best Service erbrachte, dass man das aber auf der to-do-Liste hat).

In solchen Fällen muss man die Grafiker(innen) „knechten“, immer an die User zu denken. Funktion sollte sich bei solchen Anwendungen nie dem Design unterwerfen. Wie so oft ist „Gut gemeint“ das Gegenteil von „Gut gemacht“ (ich stelle mir gerade vor, Steinberg als Hamburger Unternehmen würde Cubase in die Optik des Hamburger Hafens einbetten…).

Da die Bedienung von Celtic ERA nicht sehr komplex ist, fällt das nachher bei der Gesamtbewertung nicht so sehr ins Gewicht.

Zurück zum Produkt: Also, wir sehen diesen keltischen Ring, der an den 6 Kugeln verschiedene Parameter auflistet. Diese Parameter können zwischen den Instrumenten variieren. Das Auge in der Mitte ist quasi ein Peakmeter.

Links unten in der Ecke kann man sich über eine Info-Box Zusatzinfos über das gewählte Instrument geben lassen.

Darunter sehen wir eine Tastatur, die man auch über die Maus spielen kann. Dort gibt es die nötigen Infos über den „spielbaren“ Bereich und den Steuerbereich (Keyswitch).

Tasten, die weder einen Ton erzeugen noch eine andere Funktion haben, sind grau markiert.

Insgesamt ist die Bedienung von Celtic ERA nicht sehr kompliziert – wenn jetzt die Grafik noch stimmen würde!

Das grafische Interface von Celtic ERA. Die Abbildung stammt aus der Bedienungsanleitung.

Bedieneroberfläche von Celtic ERA

Die Keyswitches

Celtic ERA bietet mitnichten nur einfache Samples der 26 Instrumente. Sehr aufwendig wurden hier die Instrumenten-typischen Artikulationen mit aufgezeichnet. Dies ist dann der Schlüssel zu wirklich höchst authentischen Klängen. So lässt sich auch die exorbitante Zahl von rund 18.000 Samples erklären.

Nun wird eine solche Library ja von einer Tastatur angesteuert, die gar nicht so viele Spielhilfen hat, wie man sie für die vielfältigen Artikulationsmöglichkeiten braucht, die Celtic ERA bietet. Man musste sich also eine andere Lösung einfallen lassen.

Und so teilte man die Tastatur in einen spielbaren Bereich (unterschiedlich von Instrument zu Instrument) und in einen Steuerbereich (Keyswitch) auf (s. Abb.).

Die Tastatur ist bei Celtic ERA in einen spielbaren Bereich und in einen Steuerbereich aufgeteilt. Foto: Best Service

Die Abbildungen zeigt die Tastaturbelegung bei der gespielten (strummed) Gitarre

Drückt man zu einer Taste einen Keyswitch hinzu, so ruft man damit die verschiedensten Ausdrucksformen ab. Diese variieren natürlich komplett zwischen Blas-, Streich- und Schlaginstrumenten. Bei den Gitarren gibt es noch Strummed-Patterns dazu, wobei man dann mit den Keyswitches auch die Grundtonhöhe variieren kann.

Und hier liegt die eigentliche Komplexität und damit auch Stärke von Celtic ERA. Gepaart mit einer schon fast unglaublichen Grundklangqualität lassen die Keyswitches die Instrumente wahrlich lebendig werden.

Aber Vorsicht! Um es richtig „hinzukriegen“ müsste man sich eigentlich mit der Spielweise der Original-Instrumente ein wenig auskennen bzw. beschäftigen, um die Ausdrucksmöglichkeiten an der richtigen Stelle zu platzieren. Oder man macht das nach eigenem Gusto, so wie es gefällt. Auf jeden Fall bedarf es schon ein wenig an Übung, um die Möglichkeiten von Celtic ERA je Instrument so richtig auszukosten.

Celtic Era Knobs und Keyswitches, Foto: Best Service

Die Abbildung zeigt die Keyswitches und Reglerbelegung bei der Akustikgitarre

Systemvoraussetzungen für den Einsatz von Celtic ERA

Die Library ist in Best Service ENGINE eingebettet (so wie manche andere Libraries in Kontakt), die kostenlos mit dem Programm geliefert wird.

Weitere Voraussetzungen:

Mac OS

  • Mac OS 10.9, 10.10, 10.11, 10.12
  • empfohlene Mindestausstattung: Intel Mac 2GHz, 2GB Ram
  • Interfaces: Standalone, AU und VST (alle 64bit )
  • AAX Support für Pro Tools 11+

Windows

  • Windows 7, 8 und 10, 32bit & 64bit
  • empfohlene Mindestausstattung: Intel Core 2.0GHz, 2GB Ram
  • Interfaces: Standalone und VST (32bit und 64bit )
  • AAX Support für Pro Tools 11+

für alle Systeme

  • Internet Verbindung zur Produktaktivierung (auf beliebigem Computer möglich)
  • der Library entsprechend freien Platz auf der Festplatte

Fazit Celtic ERA Testbericht

Ich bin sowieso ein Fan von Ethno-Sounds und ganz besonders, wenn man dann so eine Klangqualität vorfindet wie bei Celtic ERA aus dem Hause Best Service.

Solche Instrumente finden sich natürlich auch in den verschiedensten ROMplern, aber selten in dieser hohen Qualität und dann nicht mit diesen Ausdrucksmöglichkeiten.

Egal ob Filmkomponist, Hörspielvertoner oder auch ganz normaler Musiker. Man wird an den höchst lebendigen Klängen seine helle Freude haben. Und nochmals, Celtic ERA ist nicht nur für Folklore geeignet. Die Klangfarben können jede Art von Musik bereichern.

Klar, die grafische Darstellung ist nun wirklich nicht meins. Aber auch das konnte meinen positiven Eindruck nicht nachhaltig trüben.

Der Peis liegt bei Euro 259,- und Celtic ERA ist als Download oder in der Box erhältlich.

Weiter Infos gibt’s bei www.bestservice.de

Hier der Trailer von Best Service: