Behringer K-2 Testbericht
Behringer K-2 im Test

Behringer hat mit seinen Ankündigungen, verschiedene alte Synthesizer-Legenden nachzubauen, ohne Zweifel eine Menge Staub aufgewirbelt. Nach dem Model D und verschiedenen anderen alten Schätzen ist nun also der Korg MS-20 an der Reihe. Zeit also, den Behringer K-2 einem ausführlichen Test zu unterziehen.

Da stellt sich als erstes die Frage: Wie geht man an so einen Test ran? Einerseits muss man den Behringer K-2 als eigenständigen Synthesizer bewerten, andererseits gilt es natürlich auch zu erkunden, wie nah der neue Synth an die Legende der 70er-Jahre herankommt.

Und da haben wir bei megasynth den ultimativen Testaufbau realisieren können. Wir waren ja kürzlich bei Rob Papen zu Besuch, in dessen Studio sogar zwei „alte“ Korg MS-20 stehen. Und Rob erzählte uns, dass der MS-20 sein erster Synthesizer überhaupt gewesen sei, mit dem er damals einen No. 1-Hit landen konnte.

Was lag näher, als Rob anzurufen und zu fragen, ob wir den Vergleichstest in seinem Studio durchführen könnten. Rob sagte spontan zu und wir machten uns umgehend auf den Weg.

Behringer K-2 Test – Der Testaufbau

Testaufbau: Behringer K-2 in der Mitte, links die beiden MS-20, rechts der MS-20 mini

Probanden waren natürlich der Behringer K-2, dann nahmen wir noch einen Korg MS-20 mini dazu, also den Korg-eigenen „Clone“, und gleich zwei originale KorgMS-20, die bei Rob im Studio stehen.

Zuerst verglichen wir die beiden alten Synths, da wir ja wissen, dass sich alte analoge Synthesizer sogar innerhalb der eigenen Spezies unterscheiden können. Zudem fragten wir bei Korg anhand der Seriennummern nach, aus welchen Zeiten die beiden Oldies wohl stammen (das Ergebnis wird noch nachgeliefert)?

Unsere Hörtests ergaben, dass zwischen beiden Geräten kein wirklicher Unterschied auszumachen war. Also entschieden wir uns, den Vergleichstest nur mit einem alten Modell durchzuführen.

Da wir uns keine Verfärbungen über irgendwelche Kanalzüge eines Mischpults einholen wollten, wurden alle Synthesizer direkt mit einem RME-Interface verbunden. Die Klangbeispiele in den Videos wurden also nicht über das Kameramikrofon eingefangen. Dieses zeichnete nur Robs Kommentare auf.

Die Einstellungen bei den drei Synthesizern konnten wir leider nicht anhand der Reglerpositionen vergleichen, da diese bei allen drei Geräten ziemlich unterschiedliche Werte benötigten. Das relativiert dann auch die Verwendung der alten Klang-Sheets. So ging es also nach Gehör. Die meisten Klangbeispiele erfolgten nur mit einem Oszillator, da man so eine bessere Vergleichbarkeit des Grundklangcharakters erreichen konnte.

Behringer K-2 Test – Der Aufbau

Da viele, aber sicherlich nicht alle den Aufbau des MS-20 und damit des K-2 kennen, stellen wir erst einmal das Gerät selbst vor.

Der Behringer K-2 kommt ausschließlich in einer Desktop-Version ohne Tastatur. Wie die bisherigen Behringer-Modelle Model D und Neutron kann auch der aktuelle Synthesizer aus dem Chassis herausgenommen und in ein Eurorack eingeschraubt werden. Die dazu benötigten Flachbahn-Kabel sind im Karton mit drin. Pluspunkt.

Dabei sei aber gesagt, dass man bei der Eurorack-Variante auf ein paar Kleinigkeiten verzichten muss. Auf der Chassis-Rückseite (Desktop-Version) befinden sich der Anschluss für das mitgelieferte Netzteil, der USB-Anschluss, ein Audio-Ausgang als 6.3-mm-Klinke ausgelegt und eine DIP-Schaltung, mit der man den MIDI-Kanal für eingehende MIDI-Signale festlegen kann. Die MIDI-in-Buchse befindet sich dann auf der Bedieneroberfläche.

Im Eurorack-Modus fallen dann die rückseitigen Anschlüsse weg. Dies birgt den Nachteil, dass man dann den MIDI-Kanal nicht mehr verändern kann. Auch für anstehende Software-Updates ist dann kein Zugriff mehr vorhanden (was bei einem analogen Synthesizer nicht ganz so schwer wiegt). Natürlich könnte man für diesen Zweck den K-2 wieder rückbauen, das wäre kein Problem. Der Audio-Anschluss existiert auch auf der Bedienoberfläche, wie es im Eurorack-Universum üblich ist, als 3,5-mm-Mini-Klinke.

Das Chassis des K-2 ähnelt dem der anderen Behringer-Synthesizer: Metall mit hölzernen Seitenteilen. Macht alles einen stabilen Eindruck. Von der Größe bzw. Breite her ist der K-2 deutlich schmaler als das Original, aber auch schmaler als der Korg MS-20 mini. Das liegt daran, dass der Original MS-20 im Patchbereich mit 6,3-mm-Klinkenbuchsen arbeitete. Die beiden „Nachkommen“ tun dies aber Eurorack-like ausschließlich mit 3,5-mm-Buchsen.

Schauen wir dann auf das Layout der Bedieneroberfläche, dann erkennt man sofort: Der K-2 ist nicht nur „inspiriert“ vom MS-20, sondern eine exakte Kopie. Von der Tonerzeugung über den Signalweg bis hin zur Optik ist der MS-20 unverkennbar.

Obwohl, einige Unterschiede gibt es außer der fehlenden Tastatur doch: Die Beschriftung beim K-2 ist gelblicher, über die kleineren Patchpunkte haben wir schon gesprochen und dazu kommt dann natürlich noch die MIDI-Buchse auf der Frontseite.

Behringer K-2 Test – Der Signalweg

Klar, hier ist alles analog und auch semi-modular mit einer Vielzahl an Patchpunkten. Der Anschluss einer Tastatur erfolgt entweder über MIDI-in oder aber über CV und S-Trig (Gate). Dabei gilt es zu beachten, dass der K-2 wie das Original nicht mit der mittlerweile gängigen 1V/Okt.-Logik arbeitetet, sondern mit Hz/Volt, wie es auch die frühen Yamaha-Synthesizer gemacht haben. Auch ist das Gate als Kurschlusstrigger ausgelegt.

Steuere ich den K-2 über meine kleine Arturia-Tastatur mit CV/Gate an, dann kommt da nur eine Art microtonale Stimmung heraus. Und auch das Gate-Signal erzeugt nur einen Dauerton. Da hilft eigentlich nur ein kleines Interface. Am besten man steuert den K-2 in diesem Fall via MIDI an. Es gibt noch eine etwas komplizierte Möglichkeit, das über die interne Frequenzmodulation des K-2 zu regeln, ist aber umständlich.

Aber bitte richtig verstehen: Das ist jetzt kein Kritikpunkt, da sowohl der Korg mini als auch der alte MS-20 so arbeiten. Schön wäre es allerdings gewesen, wenn man bei der neuen Generation beide Versionen eingebaut hätte (umschaltbar).

Die Ausstattung und die Auslegung aller Bedienelemente sind darüber hinaus exakt wie beim Original. Leser, die den MS-20 gut kennen, können das Kapitel gerne überspringen.

Noch ein Wort zur mitgelieferten Bedienungsanleitung. Behringer selbst bezeichnet das als „Quick Start Guide“, mehr ist es auch nicht. Eine ausführlich Bedienungsanleitung fände ich eigentlich nicht schlecht. Klar, man kann auch das alte Manual vom Korg MS-20 nehmen-)

Der VCO-Bereich

Hier notieren wir 2 VCOs mit Dreieck, Sägezahn, einstellbarem Rechteck (Puls Width) und Rauschen (VCO1) sowie Sägezahn, zwei unterschiedlichen Rechteck-Schwingungen und die Möglichkeit, eine Ringmodulation zu erzeugen. VCO 1 ist umschaltbar von 32′ bis auf 4′, während VCO 2 von 16′ bis 2′ reicht.

Oszillator 2 lässt sich gegenüber VCO 1 feinstimmen. Hier fiel uns auf, dass die Einstellung der Schwebungen zwischen den beiden Oszillatoren schon fast eher an die Klangbreite eines Moogs erinnerte. Die Gesamtstimmung wird über den Master-Tune-Regler abgewickelt. Als Modulationsquelle stehen ein LFO (hier Modulationsgenerator genannt) der Envelope-Generator 1 oder aber ein gepatchtes externes Signal zur Verfügung. Die Modulationsintensität lässt sich je nach Modulationsquelle unterschiedlich bestimmen.

Der LFO verfügt über eine stufenlose Einstellung der Schwingungsform von nagativem Sägezahn über Dreieck bis positiven Sägezahn bzw. einstellbarem Rechteck (je nach Patch) und einen Frequenzregler. Letzterer bestimmt das Tempo der Modulation. Bleibt in diesem Bereich noch das einstellbare Portamento zu erwähnen.

Die Filter

Der K-2 verfügt über einen Hochpass- und einen Lowpassfilter mit Cutoff und Resonance (selbstoszillierend). Im Laufe der Zeit gab es beim MS-20 zwei Filtervarianten. Behringer berücksichtigt diese Tatsache, indem man zwischen beiden Varianten umschalten kann (Filter 1 und Filter 2). Auch dies hat Rob bei seinem Hörtest mit einbezogen.

Die Hüllkurven

Der Synthesizer ist mit zwei Hüllkurvengeneratoren ausgerüstet, wobei einer als AR-Version mit regelbarem Delay und der zweite mit ADSR und Hold arbeitet. Die defaultmäßigen Modulationsadressen der beiden EGs lassen sich per Patch verändern. Man ist also sehr variabel.

Das Patchfeld

Die Semi-Modularität war zu Zeiten des MS-20 einer der wichtigsten Assets. Damit unterschied man sich auch deutlich vom Minimoog. Was da an Patchpunkten angeboten wird, das ergibt sich aus der Abbildung.

Steckfeld des Behringer K-2
Behringer K-2 Steckfeld

Der externe Signal Processor

Damit lässt sich aus dem MS-20 ein einfacher Gitarrensynthesizer zaubern. Auch für andere experimentelle Dinge lässt er sich gut nutzen. So könnte man hier auch mit einem VCO aus dem Eurorack die 1V/Hz-Problematik umschiffen. Ob das elegant ist, weiß ich nicht.

Behringer K-2 Test – Der Sound

Was die Beschreibung und Bewertung des Klangs angeht, da verweise ich zuerst auf das oben stehende Video. Ich bitte um Nachsicht, dass Rob Papen seine Ausführungen in Englisch formuliert.

Klar wird, dass sowohl der Behringer K-2 als auch der Korg mini nicht ganz den Sound des alten MS-20 treffen – zumindest nicht der Geräte, die wir zur Verfügung hatten. Es ist bekannt, dass innerhalb der Serie auch mal Veränderungen vorgenommen wurden, also können wir das Gesagte nur auf die zwei vorhandenen MS-20 beziehen.

Insgesamt erschien der Sound besonders im Bassbereich bei den Nachkommen weniger voluminös. Das deutet darauf hin, dass im Obertonspektrum einer Schwingung die Grundschwingung beim alten MS-20 deutlich lauter ist. Auch das Schwebungsverhalten das K-2 unterschied sich von unserem Vergleichs-Synthesizer (s.o.). Je höher die Fußlage, desto geringer war der Unterschied.

Aber auch die Filter (und zwar beide Varianten des K-2) unterschieden sich deutlicher vom Original, als wir das erwartet haben. Es fehlte bei den Clones irgenwie der „Dreck“ und das Verhalten, wenn wir die Filter in Selbst-Oszillation gebracht haben. Gemäß Rob hörte sich das bei einer Filtervariante so an, als ob ein Limiter zugeschaltet wäre.

Rob prägte dann auch den Begriff, dass der K-2 „moogiger“ klingt als der MS-20. Ein Eindruck, den ich bereits bei meinen ersten Hörtests vor der Reise zu Rob hatte und ihn daher nur bestätigen kann.

Behringer K-2 Test – Das Fazit

Man kann es so formulieren: Keiner der beiden Clones erreichte den Klang des Vorbilds zu 100 %. Dennoch müssen wir festhalten, dass der Korg MS-20 mini doch etwas näher dran war als der Behringer K-2. Zugegeben, wir waren streng. Mag sein, dass sich die Unterschiede im Rahmen eines Playbacks überhaupt nicht mehr orten lassen.

Was heisst das nun für den K-2? Das bedeutet keinesfalls, dass der neue Behringer-Synthesizer kein guter Synthesizer ist. Er klingt, lässt man den Vergleich weg, gut und bietet eine Menge Möglichkeiten. So zu klingen wie die Legende ist ja auch nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal. Nur wer den Vergleich herausfordert, der muss sich gefallen lassen, dass man ihn auch wirklich zieht – bis ins letzte Detail.

Wer einen Synthesizer sucht, der vielleicht ein wenig wie eine Kreuzung aus Moog und Korg klingt, der wird hier mit dem Behringer K-2 bestens bedient – zumal zu dem höchst attraktiven Preis. Der K.2 ist ein ohne Zweifel kleiner, feiner Analogsynthesizer, der auch als „Nicht-Clone“ seinen Weg gemacht hätte. Es wird sicherlich auch viele geben, die ihm sogar den Vorzug geben würden. Ich glaube wir verzichten mal auf den obligatorischen Plus/Minus-Kasten.

Unser Dank gilt an dieser Stelle nochmals Rob Papen, der für uns viel Zeit investiertem und an Frau Papen, die uns mit Kaffee und Donuts versorgte.

Der Behringer K-2 kostet 319 Euro. Zum Vergleich, der Korg MS-20 mini liegt bei 549 Euro – jedoch mit Tastatur. Ein alter MS-20 ist bei Ebay wohl nicht unter 1000 Euro zu kriegen.