Behringer Model D im Teststudio
Behringer Model D im Teststudio

Selten war ich auf einen neuen Synthesizer so gespannt wie auf den Behringer Model D. Zum einen bin ich Minimoog-Fan und zum anderen überraschte die Behringer-Ansage, dass der Moog-Clone Model D für rund 350 Euro über die Ladentheke gehen soll.

Beim Behringer Model D handelt es sich um einen analogen Synthesizer im Desktop-Format. Diesen kann man aber auch aus dem Gehäuse nehmen und in ein Eurorack-Gehäuse integrieren. So etwas macht natürlich nur dann Sinn, wenn ein Gerät über die notwendigen in/outs verfügt.

Nun ja, manche bezeichnen den Behringer Model D als „semi-modular“. Soweit würde ich nicht gehen, der Synthi hat nicht die Vielzahl an Ein- und Ausgängen wie z. B. der Moog Mother-32 oder gar der Behringer-eigene Neutron. Und so würde ich den Behringer Model D als „quartum-modular“ bezeichnen (hoffe, dass mein alter Freund Anna Lüse mir diesen Begriff durchgehen lässt.). Auf jeden Fall sind die geforderten Ein/Ausgänge im Mini-Klinkenformat vorhanden.

Gespannt entnehme ich den Behringer Model D also dem Karton. Die Ausmaße sind durch die genormte Eurorack-Höhe ja schon klar. Und ja, der „kleine Kerl“ mutet wie ein Minimoog an.

Nicht nur der Aufbau ist (fast) identisch, auch die Optik und Haptik der Potis und Drehregler lässt in mir nostalgische Gefühle aufsteigen.

Der Minimoog gehört sicherlich zu den absoluten Synthesizerlegenden. Kollege Mark Vail hat ihn aus diesem Grund auch unter die Top Ten in seinem Artikel über die „10 wegweisendsten Synthesizer aller Zeiten“ gesetzt.

Es gibt ja hier und da Diskussion über die Produktpolitik von Behringer: Darf er das? Ist das korrekt? Kann man das so machen?

Ich möchte mich da eigentlich nicht einmischen, schon gar keine rechtliche Aussage treffen. Ich sehe hier einen Clone eines Synthesizers, der heute noch neu vom Hersteller Moog am Markt angeboten wird (mit Tastatur), allerdings zu einem Preis von 3.950,– Euro . Sicher ein stolzer Preis für einen monophonen Synthesizer, den sich nicht viele leisten wollen werden. Der Sound des Minimoog für 350,– Euro , das ist dagegen massenkompatibel.

Und so glaube ich auch nicht, dass der Behringer Model D den Verkauf des „echten“ Moogs trotz des hohen Preisunterschieds torpedieren wird. Wer es sich leisten kann, der wird das Original kaufen. Wem das aber zu viel Geld ist, der kann sich nun den Sound des Moogs für kleines Geld leisten.

Ob aber neben der Optik aber auch der Sound an den Moog erinnert, das werden wir im Verlaufe dieses Testberichtes herausfinden.

Der Aufbau des Behringer Model D

Der Behringer Model D ist ein klassischer monophoner, analoger Synthesizer mit dem bekannten Signalweg VCO-VCF-VCA und ohne die Möglichkeit, Klänge abzuspeichern. Die Bedienung ist genauso übersichtlich wie wir es von Moog gewöhnt sind. Vergleicht man beide Modelle, dann fällt auf, dass Behringer die Farbgebung der Schalter vertauscht hat. Rote Schalter sind hier blau und umgekehrt.

Oben links finden wir einen USB-Anschluss (USB-MIDI) sowie eine MIDI in und eine MIDI Thru DIN-Buchse. Daneben dann die Miniklinken-Anschlüsse, die Ein/Ausgänge (Miniklinke), die den Synth in gewisser Hinsicht Modul-fähig machen.

Die Rückseite zieren der Anschluss für das externe Netzteil, ein Ein/Ausschalter, zwei Audio-Ausgänge (Klinke) High und Lo und, ja und ein Mäuseklavier! Letzteres sind DIP-Schalter über die man den MIDI-Kanal bestimmen kann. Diese Schalter stammen doch schon aus den vorigen Jahrtausend. Wie man auf die Idee kommt, so etwas in einem Modell – Made 2018 – einzubauen, das bleibt Uli Behringers Geheimnis.

Behringer Model D Rückseite
Ein Mäuseklavier zum Einstellen des MIDI-Kanals

Mehr noch, das Mäuseklavier befindet sich auf der Rückseite. Baue ich den Synthesizer tatsächlich in ein Eurorack ein, dann komme ich da wohl nicht mehr dran. Kommentar erspare ich mir.

Die Oszillator Bank des Behringer Model D

Der Behringer Model D verfügt über 3 VCOs, jeder ist in der Range von Lo über 32′ bis 2′ schaltbar. Die Gesamttonhöhe regelt Tune im Bereich Controller, die Tonhöhe von Osc. 2 und 3 regelt jeweils ein Tuning-Regler.

Hier gilt es, den Model D so zu stimmen, dass die fetten und legendären Moog-Schwebungen entstehen. Und – es gelingt. Die Regler erlauben den breiten aber nicht komplett verstimmten Sound eines Minimoogs. Die Wellenform wird über den Waveform-Schalter je Oszillator bestimmt. Über der Oszillatorsektion finden wir drei Eingänge (Rack-übliche Miniklinke) zur Integration in ein Modularsystem: Mod. Source, Osc. 1 V/Oct und LFO CV

Der Mixerbereich des Behringer Model D

Neben den drei Oszillatoren finden wir noch einen Rauschgenerator (pink/white umschaltbar) und einen Audioeingang für externe Signale (Miniklinke). Alle fünf Klangerzeuger (inkl. Ext. Audio in) haben einen eigenen Lautstärkeregler und können auch per Kippschalter ein- und ausgeschalten werden.

An dieser Stelle finden wir noch ein Mix-Ausgang und zwei LFO-Ausgänge in die Eurorack-Welt.

Der Modifierbereich des Behringer Model D (VCF/VCA)

Auch hier ist alles klassisch aufgebaut, nur dass man aus dem Highpassfilter nun auch einen Lowcut machen kann. Ansonsten alles da. Cutoff, Emphasis (heißt auch Resonance) und Amount of Contour, dazu die Filterhüllkurve ADS. Mit dem Decay Schalter schaltet man die Zeit, die nach Loslassen der Taste der Ton noch klingt (heißt meist Release). Gleiches gilt für die Hüllkurvensektion, die auf den VCA wirkt (Loudness Contour).

Auch für den Modifier gibt es Verbindungen zur Eurorackwelt: Über FC GATE und LC Gate kann ich z.B. Hüllkurvengeneratoren anderer Module verwenden, während auch in diesem Fall FILT CONT und LOUD CONT die Werte der integrierten Hüllkurve ausgibt. Über CUT CV kann ich die Cutoff Frequenz von außen bestimmen. Gleiches gilt für die Lautstärke, die ich über Loud CV modulieren kann.

Die Output-Sektion des Behringer Model D

Hier gibt es nochmals ein Main out (Miniklinke), wenn man den Synthesizer in ein Eurorack verbaut hat. Dazu kommt der Volume-Regler, der Ein/Aus-Schalter, der Kopfhöreranschluss (mit Regler) und der Schalter für den Stimmton (Kammerton a=440 Hz.) Letzterer war in früheren Zeiten besonders wichtig, als der Minimoog noch recht wenig stimmstabil war und man fast zwischen jedem Song das Ding nachstimmen musste. Damals war das auch mit den Stimmgeräten noch nicht zu verbreitet.

Beim Model D hier sehe ich die Funktion eher als nostalgische Anlehnung an das Original.

Controllers

Da der Behringer Model D keine Tastatur besitzt, ist die kleine Controller-Sektion nach links gerutscht. Hie erfinden wir denn Glide-Regler (ganz wichtig für den Moog-Sound) und die Modulationseinheit (LFO). Dabei kann man Oszillator 3 auch als Modulationsquelle umfunktionieren.

Polyphoner Minimoog?

Es ist die Frage, ob das jemand machen wird: Der Behringer MODEL D erlaubt die Kaskadierung von bis zu 16 Einheiten und erreicht damit eine bis zu 16stimmig Polyphonie. Natürlich muss man jeden Synthesizer dafür extra einstellen. Nun ja, das mal mit vier Systemen auszuprobieren, könnte einen Versuch wert sein. Bitte mal Nachricht an uns, wer das wirklich gemacht hat (aber bitte nur mit Fotos)!

Wie klingt der Behringer Model D?

Ich habe es schon anklingen lassen, er kommt dem Moog schon sehr, sehr nahe. Egal ob zwei oder drei Oszillatoren, der Sound ist breit und fett, ganz so, wie wir es vom Moog her kennen.

Ganz wichtig ist, dass man hier die Schwebungen zwischen den Oszillatoren so hinkriegen, wie es ein Moog erlaubt hat. Dies ist wichtig für die typische Lead- und auch Basssounds eines Moog.

Auch über den 24-dB-Filter kann ich nichts Negatives sagen, er packt so zu, wie ich es erwartet und gewünscht habe. Er lässt die typischen Lead-Sounds mit hoher Brillanz zu. Der regelbare Glide-Effekt tut ein Übriges zur Authentizität dazu.

Moog-Synthesizer haben die Eigenschaft, einen typischen Sound mit hohem Wiedererkennungswert zu haben.

Für Bässe und Leads sicherlich immer eine Wahl. Zu einem Preis von 350,– Euro sollte man das Instrument eigentlich standardmäßig im Rack haben.

Hier unsere Playlist mit 4 Klangbeispielen Des Behringer Model D

Fazit Behringer Model D Testbericht

Komplett losgelöst von der Diskussion um das Thema Clones kann ich dem Behringer Model D wirklich nur eine Bestnote geben – vor allem im Bereich Preis/Leistung.

Zugegeben, der Behringer Model D zeigt nichts Neues, aber das will er auch nicht. Und auch diejenigen, die den Behringer Model D kritisieren ob einiger Funktionen, die man ihm noch zusätzlich hätte spendieren können, sollten alleine aufgrund des Preises verstummen. Warum soll ein Clone weit mehr können als das Original? Zumal wenn man den Preis im Verhältnis von 1:11 berücksichtigt.

Die Verarbeitung ist gut, die Anmutung der Benutzeroberfläche kommt sehr nah ans Original und, das ist das Wichtigste, der Sound überzeugt.

Ja, ich höre schon den Aufschrei der User eines Original-Instruments (wobei da auch ein wenig Ärger über den Preisunterschied dabei sein wird). Es gibt z. B. Besitzer alter Autos, die so einen Oldie nicht mehr als Fortbewegungsmittel sehen, sondern diesem so etwas wie eine Seele zusprechen. Gleiches werden die Verfechter alter Synthesizer machen. All das ist geschenkt. Musiker mit kleinem Budget kommen hier auf ihre Kosten und können sich jetzt etwas leisten, was bis dato außer Reichweite war. Das zählt. Auch das ist eine gute Nachricht und alle sind glücklich.