Roland System-1m im Testbericht

Das Roland SYSTEM-1m ist ein semi-modularer Synthesizer, der als Desktop-Synth, Eurorack-Modul oder 19″-Modul eingesetzt werden kann. Was er kann, zeigt unser Roland SYSTEM-1m Test.

Wie sagte doch Martin Gore in unserem Interview:„Auf dem Gebiet der Modularsynthesizer tut sich im Augenblick unheimlich viel. Es boomt! Und das ist spannend.“ Und genauso gespannt waren wir auf den neuen Roland SYSTEM-1m, einem semi-modularen Synthesizer.

Semi-modular, was soll das nun sein? Modular bedeutet eigentlich, dass die einzelnen Sektionen nicht verbunden sind und man den Signalfluss z.B. durch Patchkabel herstellen kann (muss). Dies schafft natürlich eine ungemeine (klangliche) Flexibilität. Andererseits bedeutet es etwas Aufwand, einem Modulsynthesizer einen Ton zu entlocken.

All das ist aber beim Roland SYSTEM-1m anders: Die Sektionen des Synthesizers sind allesamt fertig „verdrahtet“, das Instrument ist sofort einsatzfähig. Insofern unterscheidet es sich nicht von einem „normalen“ Synthesizer. „Semi-modular“ bedeutet vielmehr, dass sich der Synthesizer quasi selbst als Modul in ein größeres System integrieren lässt. Dabei kann jeder Bereich des Geräts selbst wieder zum Modul werden. Doch der Reihe nach.

Roland SYSTEM-1m Test: Erster Eindruck

Das Roland SYSTEM-1m ist klein, leicht und handlich. Es kann als Desktop-Synth eigesetzt werden, mithilfe der mitgelieferten 19″-Ohren in ein Rack (2 HE) geschraubt oder aber auch Teil eines Eurorack-Systems werden. Letzteres ist zu empfehlen, wenn man das Potential des Modulsystems ausschöpfen möchte.

Mit einer Tiefe von gerade mal ein paar Zentimeter nimmt es kaum Platz in Anspruch. Die Stromversorgung erfolgt über ein externes Netzteil oder aber über die Eurorack-Stromversorgung (Eurorack Power Bus ist im Lieferumfang enthalten). Entgegen den ersten Ankündigungen verfügt der Synthi nach einem Update über 64 Speicherplätze. Dazu ist aber mindestens die Version 1.2 vonnöten. Das Roland SYSTEM-1m ist vierstimmig polyphon, kann aber auch auf monophonen Betrieb geschaltet werden.

Roland SYSTEM-1m Test: Es werde Licht!

Schaltet man das Roland SYSTEM-1m ein (Einschalter auf der Rückseite), geht die Sonne auf. Der kleine Kerl leuchtet wie ein Spielcasino in Las Vegas. Jeder Regler – Poti, Taster oder Schieber – ist grün beleuchtet, und auch die Ein/Ausgänge zum Patchen sind beleuchtet (grün/rot). Geht das Gerät in Standby, dann startet sogar eine kleine Lightshow. Was mich ein wenig stört, ist, dass diese Beleuchtung eigentlich keine wirkliche Funktion hat. Außer bei den Tastern zeigt diese kein Einstellungsstatus an. Es leuchtet halt immer nur in grün. Mehr noch, das grüne Licht blendet den Benutzer, so dass man je nach Blickwinkel die Beschriftung nicht mehr optimal erkennen kann. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Roland SYSTEM-1m Test: Analog oder Digital

Bei Modulsynthesizern denkt man sofort unweigerlich an analoge Systeme. Muss aber nicht sein und ist es hier auch nicht. Das Roland SYSTEM-1m, obwohl aufgebaut wie ein klassisch analoger, ist digital. Es gibt sicherlich Synthesizer-Puristen, die sagen: „Digital, das kommt mir nicht ins Eurorack“. Denen kann ich nur entgegnen. „Aber wenn er doch geil klingt?“ Wie so oft ist doch nicht der Weg entscheidend, sondern das Ergebnis.

Roland SYSTEM-1m Test: Klangbeispiel 1: Bass-Sound mit Modulation von Filter, Crusher und Color

Roland SYSTEM-1m Test: Speicherplätze

Ein Modularer, der sich programmieren lässt? Ja klar, das Roland SYSTEM-1m verfügt über Speicherplätze. Das ist ohne Zweifel ein Plus. Insgesamt stehen 8 Bänke mit jeweils 8 Sounds, also 64 Programmplätze zur Verfügung. Die Umschaltung der Bänke erfolgt über Druck auf den Knopf ‚Plug Out‘ und Drehen des Reglers ‚Select‘. Da kommt man ohne Blick in das Manual auch nicht drauf. Die Programme/Bänke lassen sich übrigens via MIDI umschalten. 64 Speicherplätze, das gilt übrigens auch für die Tastaturversion Roland SYSTEM-1.

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass es immer noch einen „9. oder besser gesagt: 65. Speicherplatz“ gibt (n), der den Sound der aktuellen Einstellung wiedergibt.

Der Vorteil oder Reiz eines Modulsystems oder eines (analogen) Synths liegt ja darin, dass man einen Sound anhand der Reglereinstellungen und Patches optisch nachvollziehen kann. Ruft man einen der Programmplätze 1-8/1-8 auf, so hat das Hörergebnis natürlich nichts mit der aktuell sichtbaren Einstellung zu tun. Will man selbst neue Sounds entwickeln, dann sollte man beim 1m auf ’n‘ gehen und experimentieren.

Roland SYSTEM-1m Test: Klangbeispiel 2: Roland-typischer Bass-Sound, verfeinert mit Noise

Roland SYSTEM-1m Test: Fremd patchen

Der Kauf der Rackversion macht dann Sinn, wenn man diese in ein Modulsystem integrieren möchte. Denn nur diese verfügt über patchbare Aus- und Eingänge. Anschlüsse mit Audiosignalen werden dabei rot codiert, Anschlüsse mit Controlsignalen blau. Die Abbildung gibt Aufschluss darüber, was da alles an Ein/Ausgängen vorgesehen ist.

Nun lässt sich beispielsweise der interne LFO auf ein beliebiges Modul außerhalb des Roland SYSTEM-1m routen, zum Beispiel ein Doepfer-Modul oder ähnliches. Andersherum können Audiosignale externer Geräte in den Synthi gegeben und dort bearbeitet werden. In diesen Fall ist der Suboszillator inaktiv und die Lautstärke des externen Signals kann über den Suboszillator-Regler eingestellt werden. Nun wird auch klar, warum das Gerät ’semi-modular‘ genannt wird.

Achtung, noch ganz wichtig: Die Ein/Ausgänge sind nur im monophonen Modus aktiv, und auch nur dann leuchten die entsprechenden LEDs.

Das Roland SYSTEM-1m verarbeitet auch CV und Gate, so dass z.B. die Anbindung an Equipment der Vor-MIDI-Ära möglich ist. Roland unterstützt aber nur die Volt/Oktave-Logik, die die meisten Hersteller früher implementiert hatten (Korg arbeitete mit der Hz/V-Logik).

Natürlich kann man auch intern patchen. So lässt sich z.B. die AD-Hüllkurve im Bereich „Pitch“ auf eine ADRS-Hüllkurve „updaten“, verkabelt man die Filter- oder Amp-Hüllkurve mit diesem Bereich.

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