Roland System-1m: Übersichtlich, aber ziemlich hell beleuchtet
Roland SYSTEM-1m Test: Die externen Ein- und Ausgänge für Steuersignale (blau) und Soundsignale (rot) sind im Mono-Mode aktiv.

Roland SYSTEM-1m Test: Der Signalfluss

Das Roland SYSTEM-1m ist so aufgebaut, wie man es von einem Synthesizer, der mit subtraktiver Synthese arbeitet, erwartet: 2 Oszillatorbänke, Filter, LFO, Amplifier und die entsprechenden ADSR-Hüllkurven. Über Details gibt die Abbildung Aufschluss, das muss hier nicht alles einzeln aufgeführt werden. Es ist alles da, was man braucht und erwartet – und mehr. Die Soundmöglichkeiten sind wirklich reichhaltig.

Auf ein paar Sachen, die mir aufgefallen sind, möchte ich eingehen:

Osc. 2. Hier gibt es einen Detune-Regler, der die Schwebungen zwischen den Oszillatorbänken 1 und 2 herstellt. Und dies macht er ausgesprochen feinfühlig – sehr gut!

Pitch Envelope: Gängig sind Hüllkurven für Amp und Filter. Das Roland SYSTEM-1m bietet dazu noch einen AR-Hüllkurvengenerator für die Tonhöhe. Bei manchen Sounds (z.B. Bläser) kann auch das Einschwingen der Tonhöhe von oben oder unten Sinn machen. Dann muss man dies nicht mit einem Modulationsrad machen.

Roland System-1m Effektsektion
Roland SYSTEM-1m Test: Die Effektsektion des Roland SYSTEM-1m mit Tone und Crusher beim Amp sowie der EFX-Abteilung mir Reverb und Delay

Effektsektion: Ungewöhnlich für einen Synthesizer. Wir sehen ein Reverb, dessen Intensität regelbar ist (und auch sehr angenehm klingt) und ein Delay mit regelbarer Intensität und Geschwindigkeit (synchronisierbar). Das ist jetzt nicht gerade ultra variabel. Alleine dafür, dass es da ist, gibt es aber Pluspunkte. Abgerundet wird der effektbereich durch einen Crusher, der ziemlich extreme Zerrsounds erzeugen kann.

Roland SYSTEM-1m Test: Klangbeispiel 3: Mono-Leadsound mit Cutoff, Reverb, Resonanz, Crusher und Delay-Time moduliert

Color: Jede Oszillatorsektion verfügt über einen Color-Regler, der die Wellenformen beeinflusst. Dies ist eine sehr mächtige Funktion, da hier eine sehr intensive Klangbearbeitung möglich ist. Um diese Funktion zu ergründen, sollte man diese erst einmal mit nur einem Oszillator ausprobieren. Das Spektrum reicht von einer Art Pulsbreitenmodulation bis hin zu metallischen Klängen oder Schwebesounds mit nur einer Oszillator-Sektion.

Roland SYSTEM-1m Test: Die Super Saw

Roland System-1m: OSC-Sektionen mit Color-Regler
Roland SYSTEM-1m Test: Für OSC1 und OSC 2 steht jeweils ein eigener Color-Regler zur Verfügung.

Was Color genau macht, das hängt von der gewählten Wellenform ab. Bei der ersten Rechteckwelle ist es tatsächlich eine Pulsbreitenmodulation. Beim Sägezahn werden zwei überlappende Wellenfomen erzeugt, deren Phase sich durch den Color-Regler variieren lässt.

Beim Sägezahn 2 entsteht der vom JP-8000 her bekannte (und legendäre) Super Saw-Sound. Sind es beim JP-8000 sieben geschichtete Wellenformen, so sind es hier beim Roland SYSTEM-1m immer noch fünf, die mit dem Color-Regler gegeneinander verstimmt werden können, was einen ungemein breiten Sound erzeugt. Damit lassen sich im polyphonen Betrieb extrem „große“ Leads und wirklich schöne Flächen herstellen.

Roland SYSTEM-1m Test: Klangbeispiel 4: polyphoner Saw-Lead, bei dem nacheinander bei beiden Oszillatoren durch den Color-Regler die Super-Saw aktiviert wird.

Aber man geht noch einen Schritt weiter: die Color-Funktion ist modulierbar (LFO, Pitch, Filter oder Amp Envelope sowie Sub Oszillator), wodurch die Sounds noch lebendiger erscheinen. Schön ist es, wenn man die Modulation beim Super Saw mittels Hüllkurve langsam einschwingen lässt. Das erinnert bei Flächen an das Anlaufen eines Leslies. Toll.

Roland SYSTEM-1m Test: Plug-out

Die klangliche Vielfalt des Roland SYSTEM-1m erhöht sich durch die Plug-out-Funktionalität. Dabei ist es möglich, Software-Versionen legendärer ROLAND-Synthis in das Gerät zu laden und dort auch zu bearbeiten. Dabei kann man zwischen beiden Varianten (intern/plug out) umschalten. Für die Nutzung dieser Soft-Synths benötigt man dann keinen Rechner. Momentan stehen zur Verfügung Roland SH-101, SH-2, und Promars. Die Palette soll erweitert werden.

Wir werden die Beschreibung dieser Funktionalität in Kürze in einem separaten Test „nachschieben“.

Roland System-1m Anschlüsse
Roland SYSTEM-1m Test: Während sich die USB-Buchse an der Vorderseite befindet, sind MIDI-Pärchen und Klinken-Output an der Oberseite der Rückseite angebracht. Ein 2. MIDI-Paar gibt es noch auf der Rückseite des Roland SYSTEM-1m.

Einbindung in die Recording-Umgebung: Der Anschluss an den Rechner erfolgt über USB, MIDI in/out sind natürlich auch vorhanden. Positiv zu vermerken ist, dass die LFO-Modulation und auch das Delay synchronisierbar sind.

Arpeggiator: Im Gegensatz zur Tastaturversion System-1 gibt es hier keinen Arpeggiator. Das ist schade, denn so eine Funktion, die dann sogar noch mit CV und Gate-out kombiniert worden wäre, hätte das SYSTEM-1m ohne Zweifel aufgewertet. Schade.

Benutzeroberfläche: Was mich halt stört, ist die Beleuchtung, die mir die Bedienung eher erschwert denn erleichtert. So ist die Beschriftung der Regler manchmal nur sehr schwer zu erkennen, da die Schrift und die Symbole zudem sehr klein sind. Schaut man sich z.B. die Modulationsmöglichkeiten bei der Color-Funktion an, dann muss man schon ein wenig raten, was man da gerade einstellt. Auch erschließt sich mir nicht, wieso man die Soundbänke durch Druck auf die Plug-out-Taste umschaltet. Da anfangs nur 8 Speicherplätze vorgesehen waren und man per Update diese auf 64 erhöhen kann, hatte man scheinbar gar keine Taste dafür vorgesehen.

Roland SYSTEM-1m Test: Fazit Sound

Das Roland System-1m ist sehr vielseitig und variabel, vom Bass- bis zum Lead-Sound ist alles machbar: Metallische Klänge, Effekte, sphärische Sounds, alles ist da. Die Modulationsmöglichkeiten sind reichhaltig. Das Roland SYSTEM-1m klingt gleichermaßen fett aber auf Wunsch auch weich. Es deckt ein weites Feld an Synthi-Sounds ab. Mit dem Super Saw macht sogar die vierstimmige Polyphonie Spaß, da man damit wirklich breite Sounds programmieren kann.

Roland SYSTEM-1m Test: Klangbeispiel 5: Piano-ähnlicher Lead-Sound mit Pitch-Modulation, Crusher, Filter und Color.

Roland SYSTEM-1m Test: Gesamtfazit

Roland SYSTEM-1 als Software-Variante
Die Roland SYTEM-1 Software dient auch gleichzeitig als Librarian für die Hardware.

Den Roland SYSTEM-1-Synthesizer gibt es in drei Varianten: Als Tasturversion, als Semi-Modular-System 1m und als Plugin. Irgendwie klingt der Synth so toll und ist so vielseitig, dass man ihn eigentlich als Basis-Synth in jedes Keyboard-Set-up empfehlen kann.

Damit hat man schon eine große Bandbreite an Klangfarben, speziell im monophonen Bereich, abgedeckt. Für welche Version soll man sich aber entscheiden? Eigentlich macht das SYSTEM-1m für die Leute Sinn, die noch weitere Module im Rack haben. Andererseits ist das kleine Ding so handlich und klein, dass man es auch in sein 19″-Rack schrauben kann, auch wenn man die Patch-Möglichkeiten (noch) gar nicht nutzen möchte. Dies ist zu empfehlen, wenn man sowieso schon genug Tastaturen hat (zumal die Tastatur des SYSTEM-1 nun nicht gerade High-end ist).

Roland SYSTEM-1m Test: Klangbeispiel 6: „digital“ klingendes Pad aus dem Roland SYSTEM-1m

Dann ist es auch eine Preisfrage, denn das Roland SYSTEM-1m ist (ca. 600 Euro) etwa 100 Euro teurer als der 1er. Auf jeden Fall ist die Kombi mit dem Soft-Synth zu empfehlen, alleine schon wegen der Edit-Funktionen. Der hat übrigens bis zum 6. August einen Special-Preis von 75 Euro für Besitzer einer Hardware-Version (nach dem 6. August Euro 110). Wer sich die Software-Version ohne Hardware kaufen möchte, der zahlt bis zur Deadline Euro 100 und danach Euro 145.

Klare Empfehlung. Das Ding macht Spaß.