Moog Grandmother Test
Moog Grandmother Test in unserem Studio

Mit dem Moog Grandmother (oder müssen wir DIE Grandmother sagen?) geht die Moog Familiensaga in die nächste Runde. Nach dem Mother 32 und dem DFAM (Drummer from Another Mother) ist mit dem Moog Grandmother Synthesizer nun die Großmutter an der Reihe. Hier unser Test.

Der Moog Grandmother ist ein semi-modularer analoger Synthesizer „alter Schule“. Nichts ist hier mit Wavetable- oder Granularsynthese etc. Hier läuft alles nach dem Prinzip VCO-VCF und VCA ab, denn die Schaltungen des Moog Grandmother sind denen des legendären Moog Modularsystems 15 nachempfunden. Und damit lässt sich schon erahnen, wie dieser Synthesizer klingt. Am Anfang war der Moog.

Moog Grandmother, warum bist Du so bunt?

Die Farben unterscheiden die einzelnen Sektionen des Moog Grandmothers und wollen so den modularen Charakter hervorheben, obwohl es keine diskreten Module gibt. Und so sollte man mit der Bedienung des Moog Grandmother keine Probleme haben: Menüs, Untermenüs, Doppelbelegung (bis auf die Global Setting s. u.) von Bedienelementen – alles Fehlanzeige. Auch das finde ich sehr wohltuend, denn man kommt schnell zum Wesentlichen: Man macht Musik.

Moog Grandmother Test – Der erste Eindruck

Holt man den Moog Grandmother aus dem Karton, dann bemerkt man, dass dieser mit rund 7,5 kg kein Leichtgewicht ist. Natürlich sticht die Farbgebung sofort ins Auge. Das Chassis ist komplett aus Kunststoff, macht aber trotzdem einen wertigen und sehr stabilen Eindruck. Die Bedienelemente sind logisch und sehr übersichtlich und großzügig angeordnet. Einzig der überdimensionale Schieberegler überrascht. (Grandmother, warum hast Du so einen großen Sustainregler?).

Alle Beschriftungen sind gut erkennbar, man durchblickt den Synth eigentlich sofort. Die Übersichtlichkeit resultiert auch daraus, dass die „Module“ größer sind als die der Eurorack-Norm, die manchmal schon etwas überladen wirken.

Dies wird auch durch die Anordnung der 41 Patchpunkte verstärkt, die nicht wie beim Mother 32 en block neben der Bedieneinheit platziert wurden, sondern jeweils im oberen Bereich eines jeden „Moduls“– so findet man schneller gesuchte Patchpunkte.

Moog Grandmother Test – Der VCO-Bereich

Der Moog Gandmother hat zwei, VCOs, die fast identisch aufgebaut sind. „Fast“ bedeutet, dass der Oktavwahlschalter bei VCO 1 von 32“ bis 4“ geht, während dies bei VCO2 von 16“ – 2“ reicht.
Dann folgt der Moog-typische Wahlschalter (jeweils separat für VCO 1 und 2) für die Schwingungsformen Dreieck, Sägezahn sowie schmaler Puls und breiter Puls. Die Pulsbreite ist nicht einstellbar (,jedoch modulierbar, wie wir später sehen werden).

Weiter geht’s mit dem Osc-Sync-Schalter und dem Frequency-Regler, der VCO 2 gegenüber VCO 1 verstimmen lässt (± 7 Halbtöne). Und dies auch so fein, dass die Moog-typischen leichten Schwebungen und damit ein breiter Sound möglich werden. Bei ge-syncten Oszillatoren bestimmt der Regler die Intensität des Effekts und hat dabei eine deutlich höhere Range. Im Sync-Modus verläßt Großmutter nun auch den breiten Moog-Sound und wird auf einmal sehr modern und auch schneidend.

Oberhalb der VCO-Bedienelemente befinden sich die Patchpunkte: 2 x Wave out, 1 x Pitch in (auf VCO 1) und 1 x Lin FM in („Audio in“ oder hochfrequentes Steuersignal wirkt auf VCO 2 für eine lineare Frequenzmodulation und erzeugt metallisches Sounds u.ä.). Die Lautstärke der beiden VCOs lässt sich dann im Mixer bestimmen.

Auf der Rückseite des Chassis befindet sich noch ein Tune-Regler, der die Gesamtstimmung regelt (für beide VCOs gleichzeitig).

Moog Grandmother Rückseite
Moog Grandmother Rückseite

Moog Grandmother Test – das Filter

Natürlich verfügt der Moog Grandmother über das typische 4-Pol Ladder-Lowpass-Filter, das so klingt, wie man es von Moog erwartet: Brillant. Zupackend. Effektiv.

Natürlich kann man den Filter auch mit externen Signalen füttern. Klangquelle eines anderen Eurorack-Tonerzeugers über „in“ und „out“ verkabeln, that’s it. Dazu kommen die Funktionen Resonance (selbstoszillierend), Envelope Amount und die Patchpunkte für Cutoff und Envelope Amount. Der Schalter für das Keyboard Tracking rundet die Filtersektion ab.

Moog Grandmother Test – der ADSR-Bereich

Der Hüllkurvengenerator ist klassisch aufgebaut, sodass hier die Geschichte schnell erzählt ist: Es gibt die Regler für Attack, Decay, Sustain und Release. Einzige Auffälligkeit ist der überdimensionale Schieberegler/Fader für das Sustain.

Eine Erklärung, die mir eingefallen ist: Sustain regelt ja keine zeitliche Komponente, wie ADR, sondern definiert ein Level. Dies lässt sich vielleicht besser so optisch darstellen. Ob das so gemeint ist, das weiß ich nicht. Aber egal, fällt auf, stört nicht und tut seinen Dienst.

Moog Grandmother Test – der Modulationsbereich

Der Modulations- oder LFO-Bereich liegt links außen auf der Bedieneroberfläche. Die Arbeitsweise hat mich im ersten Moment etwas verwirrt. Wenn man weiß, wie es geht, dann ist alles gut.

Wir haben bei den VCOs des MOOG Grandmother die Pulsbreitenmodulation vermisst. Diese finden wir aber im Bereich LFO. Dieser arbeitet, wie man es erwartet: Ein Schalter für die LFO-Schwingungsformen (Sinus, Sägezahn, aufsteigende Rampe und Rechteck) sowie ein Regler für die LFO-Frequenz (Rate), der die Geschwindigkeit der Modulation regelt.

Dann folgen drei Regler für die Pitch-Modulation, die Filtermodulation und die Pulsbreitenmodulation. Alle drei bestimmen die Intensität der jeweiligen Modulation.

Aber aufgepasst! Dreht man die Regler auf, dann passiert erst einmal – nichts! Keine Bange, kein Defekt! Die Modulationen selbst löst man mit dem Mod-Wheel aus. Das bedeutet, dass man bis zu drei Modulationen gleichzeitig steuert, mit jeweils unterschiedlicher Intensität – gefällt mir. Andere Versionen lassen sich patchen.

Stichwort Patchfeld. Im Modulationsbereich des Moog Grandmother sehen wir zwei Ins und zwei Outs. Rate in und Sync in für den LFO, sowie Wave out (Schwingung des LFO) und S&H out. Sample & Hold ist nicht intern verdrahtet, wer das nutzen möchte, muss diesen Ausgang patchen.

Moog Grandmother Test – Effekt(e)

Konsequenterweise hat man dem Moog Grandmother keine digitale Effektsektion gegeben, sondern ganz konsequent einen Federhall eingebaut. Analoger geht`s nimmer.
Und die Bedienung des Federhalls ist einfach, er besteht aus nur einem Regler.

Aber selbst bei diesem (Neben)Effekt spürt man den Praktiker am Werk: Es gibt einen eigenen Ausgang (Miniklinke) für den Hall und zwar auf der Rückseite bei den Anschlüssen. Dies ist dann sinnvoll, wenn man externe Signale aus dem Eurorack über den Federhall laufen lassen möchte.

Moog Grandmother Test – die Utility-Sektion

Auf den ersten Blick unspektakulär, aber sehr nützlich. Der Bereich MULT ist quasi ein Summierer, Mixer und Verteiler für Audiosignale. Da lassen sich beispielsweise zwei Audiosignale mischen oder ein S&H-Signal gleichzeitig auf drei verschiedene Modulationsadressen routen.

Das Highpass-Filter ist klar: Signal rein und raus. Sehr wichtig ist auch der Attenuator, womit sich ein Steuersignal (egal intern oder von anderen Modulen) abschwächen oder invertieren lässt. Damit lässt sich z. B. die Intensität einer externen Modulationsquelle bestimmen. Auch hier gibt es einen Ein- und einen Ausgang.

Die Ausgänge und Eingänge auf der Rückseite des Moog Grandmother

Auch hier ist man ausreichend aufgestellt:

  • Main out/Kopfhörer: 6,3 mm Klinke (mono) Line Pegel
  • Instrument in: Anschluss eines externen Signals (nicht regelbar)
  • Eurorack out: Main-Ausgang mit Miniklinke auf Eurorack-Level (!)
  • Reverb out: Miniklinke auf Euroracklevel. Zusammen mit dem Rev in kann ein Signal aus dem Eurorack über den Federhall geschickt werden.
  • MIDI in/out/thru: zur Kommunikation mit anderen MIDI-Systemen und einer DAW.
  • Clock in/out,on/off in Reset in: Synchronisation des Sequenzers/Arpeggiators

Vermissen wird der ein oder andere Anschlussmöglichkeiten für Pedale, auf die muss man leider verzichten.

Der Moog Grandmother im Eurorack-Verbund

Der Moog Grandmother verfügt über insgesamt 41 Patchpunkte. Da lassen sich vielfältige Verbindungen zur Eurorack-Welt schaffen (s. dazu die verschiedenen Abschnitte). Auch haben wir gesehen, dass es einen Mainausgang mit Mini-Klinke auf Eurorack-Level gibt. Aber natürlich gibt der Synth auch CV (1 V/Oct.) und Gate zur Steuerung anderer Eurorack-Systeme raus.

Das Sahnehäubchen ist schließlich, dass der Moog über Kbd. Vel. eine Steuerspannung abhängig vom Anschlag herausgibt, um Modulationen, Filter-Cutoff etc. über die Anschlagdynamik zu regulieren.

Der Moog Grandmother ist also ein anschlagdynamischer Mono-Synth, der die Dynamik sogar über eine Steuerspannung abgibt – gefällt mir sehr.

Aber wie kriegen wir externe Sounds aus einem Eurorack in Großmutters Kreislauf? Dafür begeben wir uns zum Mixer-Modul und sehen die Eingänge OSC 1 in, OSC 2 in und Noise in. Belegen wir diese Eingangsbuchsen mit einem externen Signal, dann werden VCO1 und/oder VCO 2 und/oder Noise abgeschaltet und durch das neue Signal ersetzt, wobei man dabei den Pegel regeln kann. Auch gut gelöst.

Moog Grandmother Test – Sequenzer und Arpeggiator

Natürlich dürfen Sequenzer und Arpeggiator nicht fehlen. Dabei werden die Daten ausgegeben, sodass sich mit Sequenzer und Arpeggiator auch externe Module ansteuern lassen.

Der Arpeggiator ist jetzt nicht sehr komplex aufgebaut: Das Arpeggio-Muster lässt sich vorwärts, rückwärts und random abspielen. Dies gilt im gleichen Maß auch für die eingespielte Sequenz. Dann gibt es noch die Oktav-Lage, die in Stufe 1 die gedrückten Tasten wiederholt. In Stufe 2 gibt der Arpeggiator das Pattern erst normal und dann eine Oktave höher und auf Stufe 3 zwei Oktaven höher wieder.

Der Sequenzer kann max. 256 Steps pro Sequenz aufnehmen. Die Aufnahme erfolgt ausschließlich im Step-Modus, wobei Pausen, verbundene Noten und Akzente möglich sind. Und – die Sequenzen sind transponierbar (wird bei vielen integrierten Sequenzern leider oft gerne vergessen).

Alles gut bis hierhin. Warum man dem Moog Grandmother aber nur drei Speicherplätze für Sequenzen spendiert hat, dies verstehe ich nicht. Dies ist eindeutig zu wenig. Auch kommt man in den meisten Fällen auch mit 32 Steps pro Sequenz aus. Da hätte ich lieber kürzere Sequenzen und vielleicht 16 Speicherplätze gesehen.

Übrigens sind beide Funktionen über MIDI oder Clock synchronisierbar.

Moog Grandmother Test – Global Settings

In diesem Bereich lassen sich einige wichtige Parameter einstellen. Diese Funktionen liegen allerdings auf einem Untermenü, dass man sie nicht ohne Blick ins Manual findet. Man drückt dazu gleichzeitig „Sync“ bei VCO 1 und „Hold“ bei den Spielhilfen. Alsdann lassen sich über das Keyboard ein paar wichtige Funktionen einstellen:

  • MIDI-Kanal
  • MIDI Clock in/out
  • Notenpriorität
  • External Clock (In- und Output Clock Teiler)
  • KB Out Range
  • Local on/off

Moog Grandmother Test – Spielhilfen und Tastatur

Die Fatar-Tastatur hat einen Tonumfang von 2 ½ Oktaven und verfügt über Tasten in Normalgröße. Manche hätten vielleicht gerne noch eine halbe Oktave mehr gehabt, aber gut.

Überrascht hat mich die „Anschlagdynamik“, die über eine Steuerspannung auf beliebige Module patchen lässt. Pluspunkt!

Links neben der Tastatur wurden die bekannten Spielhilfen angeordnet: Pitch- und Modulationsrad, deren Zuordnung im Modulationsbereich nicht veränderbar sind (außer die Range des Pitch-Rads).

Last, but not least finden wir hier einen Glide-Regler (darf bei Moog nicht fehlem) und einen Oktavschalter ± 1 Oktave).

Moog Grandmother Test – Der Sound

Gut, ich bin schon immer ein Fan vom klassischen Moog-Sound gewesen, das mag meine Begeisterung bei der Klangbewertung steigern. Der Sound der Großmutter ist klar und druckvoll, egal im Bass- oder Leadbereich. Und das Moog-Filter leistet perfekt seinen Beitrag für diesen transparenten, vollen und hier rund da auch weichen Sound.

Ja, ich weiß, es solll Menschen geben, die den Moog-Sound nicht mögen: zu fett, zu breit, altmodisch. Ich kann mich da nicht anschließen, denn man kann auch sehr schnell vom Moog-Sound weg zu „moderneren“ Sounds, die weired und cheesy klingen. Und dazu muss man erst gar nicht ein Patchkabel herausholen, das funktioniert schon mit den verdrahteten Funktionen, wie z.B. dem Oszillator-Sync und anderen Modulationen. Wer dann noch ungewöhnlichere Klangfarben zaubern kann, der nimmt dann die mitgelieferten Patchkabel zur Hand. Wer die Patchpoints definiert hat, wusste, was er tat, und ist wohl eher Musiker als Techniker – oder mindestens beides.

Hier unsere Playlist mit 6 Klangbeispielen zum Moog Grandmother

Der Moog Grandmother ist ein Synthesizer, der als sich durchsetzendes Soloinstrument auf der Bühne genauso eine gute Figur macht, wie als Steuer-Keyboard für ein umfangreiches Eurorack-System.
Und mich überzeugt die Einfachheit der Bedienung, ohne jedoch die Flexibilität zu verlieren.

Eines hat mich dann wirklich an Großmutters Zeiten erinnert: Im hervorragend geschriebenen Manual sind auf den letzten Seiten Blanko-Sheets beigefügt, wo man sich Soundeinstellungen des Synths“aufmalen“ kann.
Da hatten wir doch in den 80er-Jahren beim Magazin Keyboards eine Rubrik, die jede Menge Leser-Sounds in dieser Form abgedruckt hat. Das war die sogenannte, äh, oh Mist, fällt mir nicht mehr ein. Ich glaube, ich werde alt …wer weiß das noch?

Keine Panik, Moogulator fragen, der wusste es: Die Rubrik hieß Soundbörse. Der Dank geht an Moogulator. Das war damale eine der meistgelesenen Rubriken, neben den Kleinanzeigen. War klar, da hatte ja auch kein Redakteur seine Finger im Spiel. 🙂

Was ist vom Moog Grandmother zu halten?

Ich bin vom Konzept und vom Sound des Moog Grandmother begeistert. Wir haben es hier mit einer überaus gelungenen Mischung aus Lead-Synthesizer und Eurorack-Kompatibilität zu tun. Das Instrument macht in beiden Welten eine ausgezeichnete Figur. Es ist weit mehr als eine Pseudo-Anbindung an die Eurorack-Welt.

Dass bei der Klangerzeugung das Moog Modularsystem 15 Pate gestanden hat, das sagt einiges über den Grundsound aus.

Man kann vieles mit dem Moog Grandmother machen, aber eines sollte man nicht tun: Man sollte ihn nicht unterschätzen und sich vom Design und vielleicht optischen Eindruck verwirren lassen. Das ist mitnichten ein Einsteigersynth. Der Moog Grandmother ist ein Minimoog, eingebettet in die Eurorack-Welt. Und dafür halte ich auch einen Preis von Euro 999,- absolut gerechtfertigt. Und das Ding klingt….