Foto: Moog Music
Keith Emerson und der Moog

Synthesizer – Alles begann mit Dr. Robert A. Moog und dem ersten elektronischen Musikinstrument – Leon Theremins Etherphone.

Das Theremin

Bob Moog am eigenen Theremin (Foto mit Erlaubnis von Ileana Grams-Moog)
Im Alter von 17 demonstrierte Bob Moog ein selbstdesigntes Theremin an der Bronx High School of Science

Jedenfalls war das 1919 der ursprüngliche Name des Gerätes – heute sagt man Theremin. Als Bob Moog es entdeckte, begann er mit der Herstellung und dem Vertrieb von Eigenbau-Varianten dieses Instrumentes – und das im Alter von 19. Das war 1954, und das Geschäft war lukrativ genug, um ihm ein Ingenieurstudium in Technischer Physik an der Cornell University zu finanzieren, das er 1965 mit Diplom abschloss.

Ein Artikel aus dem Jahr 1961, geschrieben von einem Pionier der elektronischen Musik – Harald Bode – mit dem Titel „Sound Synthesizer Creates New Musical Effects: New Frontiers in Electronic Music” inspirierte Bob Moog dazu, sich ab dem Jahr 1963 mit dem Komponisten Herbert A. Deutsch zusammenzutun. Gemeinsam entwarfen und bauten sie ihren ersten modularen Synthesizer, den Moog erstmals im Oktober 1964 auf der AES-Convention in New York vorstellte.

Herb Deutsch und Bob Moog wiedervereint auf der NAMM Show 2002 in Anaheim. (Foto: Mark Vail)
Herb Deutsch und Boob Moog 2004

Modular-Synthesizer

Bevor dann 1965 die ersten Moog Modular-Synthesizer vorgestellt wurden, entwickelte Bob Moog noch zusätzliche Synthesizermodule, auch hier in Zusammenarbeit mit Komponisten wie zum Beispiel Vladimir Ussachevsky – der mit Otto Luening das Columbia-Princeton Electronic Music Center gegründet hatte – Gustav Ciamaga von der Universität Toronto sowie Wendy Carlos, die mit ihrem maßkonfigurierten Moog Modular „Switched-On Bach“ aufnahm. Im November 1968 wurde „Switched-On Bach“ veröffentlicht. Es wurde das erste klassische Album, das jemals Platin-Status erreichte – und damit dem Namen Moog zu seinem Durchbruch verhalf.

Bob Moog Mitte der 70er mit seinen Synthis, Foto mit Erlaubnis von Ileana Grams-Moog
Bob Moog in den 70ern mit Moog Sonic Six, Modular und Minimoog

Die einzelnen Module eines Modularsynthesizers sind untereinander nicht verbunden. Ein solcher Synthesizer bleibt also stumm, bis man Verbindungen etwa per Patch-Kabel oder Steckmatrix herstellt. Obwohl es Musiker gab, die mutig genug waren, Modularsynthesizer auf der Bühne einzusetzen – so zum Beispiel Keith Emerson von Emerson, Lake & Palmer oder David Borden von Mother Mallard – sah Bob Moog in den späten Sechzigern Bedarf für einen vorkonfigurierten, Performance-orientierten Synthesizer.

Dabei war Moog Music für ihn zu dieser Zeit nicht einmal ein Musikinstrumenten-Hersteller. Bob verkaufte Moog Modulars als professionelles Audio-Equipment in Spezialanfertigung. Für ihn waren Modularsynthesizer zu komplex, um sie in Musikgeschäften auszustellen und zu verkaufen.

Synthesizer – Der Minimoog

Minimoog Model A (Foto:Mark Vail, courtesy of the Audities Foundation/Cantos Music Foundation)
Das einzige Model A

Bob und sein Minimoog-Design-Team — Bill Hemsath, Jim Scott und Chad Hunt — stellten sich ursprünglich vor, dass das neue Instrument auf den Komponenten des Moog Modular basieren, jedoch in einen kompakten Performance-Synthesizer eingebaut und über Knöpfe und Schalter programmierbar sein sollte – Patch-Kabel sollten unnötig sein.

Minimoog Model B Prototyp (Foto: Mark Vail, courtesy of the Audities Foundation/Cantos Music Foundation)
Model B Prototyp

Der Minimoog durchlief drei Design-Stufen — Models A, B, und C genannt — bevor die Designer sich auf das Model D festlegten. Das war der „Mini“, der dann international Furore machte, nicht zuletzt dank Künstlern wie Keith Emerson, Jan Hammer, Chick Corea, George Duke oder Rick Wakeman, die ihn live und im Studio einsetzten. Zwischen 1970 und 1981 baute Moog Music über 12.000 Model D-Minimoogs und machte den Minimoog damit zum erfolgreichsten, in Amerika gebauten monophonen Analogsynthesizer des 20. Jahrhunderts.

Minimoog Model C (Foto: Mark Vail, courtesy of the Audities Foundation/Cantos Music Foundation)
Model C, so langsam erkennt man das Serienmodell.

Bob legte stets Wert darauf, dass der Erfolg des Minimoog auch einer anderen Person zugeschrieben wurde: „Keine Minimoog-Story wäre komplett ohne die Erwähnung David Van Koeverings,“, schrieb er einmal, und weiter „Van Koevering war ein Starverkäufer mit einer Vorliebe für musikalische Neuheiten.

Minimoog Model D, Mark Vails liebster Synth aller Zeiten (Foto: Mark Vail)
Das finale Model D
Boob Moog und David Van Koevering mit Big Briar auf der SummerNAMM 2001, Foto: Mark Vail
Boob Moog und David Van Koevering

Ausgerechnet von Florida ausgehend, veranstaltete er Vorführungen des Minimoog bei Musikhändlern, wobei er alles in die Waagschale legen musste, um Verkäufe abzuschließen. Heute ist der Minimoog so verbreitet, dass man sich kaum vorstellen kann, dass es jemals eines Starverkäufers bedurft hätte, um einen Minimoog an den Mann zu bringen. Dennoch: Wäre Van Koevering nicht gewesen, hätten wir den Minimoog wohl früher oder später als unverkäuflich abgeschrieben.“

Synthesizer – Moogs für das 21. Jahrhundert

Moog-Voyager
Moog Voyager

1977 verlor Bob Moog einen Rechtsstreit und wurde gezwungen, Moog Music zu verlassen, und durfte fortan seinen Familiennamen nicht mehr auf Musikinstrumenten zu verwenden. So gründete er im selben Jahr Big Briar, wo er neue Theremins und zahlreiche Musikprodukte entwickelte, bevor er schlussendlich 2002 das Recht auf seinen Markennamen zurückbekam. Mehrere Jahre lang entwickelte er dann einen Minimoog für das 21. Jahrhundert: den Minimoog Voyager, der ab 2002 ausgeliefert wurde. Seitdem gab es eine ganze Palette an Voyagers – darunter der „Old School“ für Puristen, der wie sein Vorgänger von MIDI oder Speichermöglichkeiten befreit war – oder der XL mit einem anschlagdynamischen und Aftertouch-empfindlichen 5-Oktaven-Keyboard und einer Patchbay auf dem Frontpanel, das flexibles Signalrouting erlaubte

Als Bob Moog im Alter von 71 Jahren am 21.8.2005 starb, hinterließ er zahlreiche bahnbrechende Erfindungen in der elektronischen Musik. Bob erlaubte sogar Arturia, eine Software-Version des Minimoog zu entwickeln – den Mini V. Er war mein Freund, und ich vermisse ihn sehr.

Lange nach seinem Tod erschien im Jahr 2019 der erste polyphone Moog seit rund 30 Jahren: Der Moog One. Ein 8- bzw. 16-stimmiger „Super-Moog“. Die Geschichte geht weiter…

Moog One: 8- bzw. 16stimmig polyphon
Der erste polyphone Moog seit rund 30 Jahren :Der Moog One


Teil 2: Frankenstein” und der ARP 2600
Teil 3: Pure Magie: “Birdland” und Oberheim SEM
Teil 4: … und dann kam der Prophet
Teil 5: Digitales aus Down Under
Teil 6: Bahnbrechende Digitaltechnik aus Deutschland – der Waves 2.3
Teil 7: Lineare FM – der Yamaha DX7
Teil 8: Korg M1 – die Workstation überhaupt
Teil 9: Clavia Nord Lead – Die Rückkehr der Knöpfe
Teil 10: Modulare Synthesizer für das 21. Jahrhundert

(Übersetzung: Peter Gorges)