Korg Triton Software
Korg Triton Software im Test

Der Korg Triton war die letzte Ausbaustufe der klassischen Korg-Workstations in den 90ern, bevor Oasys und inzwischen Kronos Korgs Workstation-Krone übernahmen. Inzwischen gibt es den Klassiker auch als Plug-in, das wir unbedingt einem Korg Triton Plugin Test unterziehen mussten.

Ich erinnere mich tatsächlich noch an meine erste Begegnung mit dem Korg Triton im Jahre 1999 in einem Kölner Musikgeschäft. Die Bedienung kannte ich von seinen Vorgängern, denn bei mir im Studio arbeiten bis heute eine Korg T-1 und ein 01R/W. Der Sound aber übertraf damals aber alles, was man von einer digitalen Workstation kannte. Richtig Druck machte das Ding, in meinen Ohren auch viel mehr als die vier Jahre zuvor erschienene Korg Trinity Workstation.

Dass ich mir nie einen Korg Triton zugelegt habe, begründete ich mir selbst gegenüber stets mit mangelndem Platz in meinem Studio. Das Argument ist nun hinfällig, denn jetzt gibt es das Korg Triton Plugin. Also ab damit auf Studiorechner und Laptop und auf zum Korg Triton Plugin Test.

Korg Triton Plugin Test – Installation

Grundsätzlich gibt es hier auf meinen Macs keine Auffälligkeiten zu vermelden. Disk-Image laden, installieren, fertig. Aber Korg hat dann doch eine Neuheit: ein Programm namens Korg Software Pass. Ebenso wie bei Native Access oder Arturia Software Center werden gekaufte Produkte hier mit Seriennummer angemeldet. Die Korg ID hat aber nicht ausgedient, mit ihr meldet man sich in der Software an.

Soweit ist alles einfach, aber so perfekt wie bei den Mitbewerbern ist die Sache noch nicht. Während bei Native und Arturia mit einem Klick die neuen Programme oder auch Updates komplett automatisch installiert werden, so öffnet sich bei Korg auf dem Mac das geladene Disk-Image und die Software verlangt eine händische Installation plus anschließendem manuellen Abmelden des Images. Das geht bestimmt noch besser, ist aber eher ein Schönheitsfehler.

Korg Triton Plugin Test – erster Eindruck

Es gibt zwar wie bei den restlichen Software-Synthesizern der Korg Collection auch für den Triton eine Stand-alone-Version. Aber Sinn und Zweck davon haben sich mir in Zeiten von DAWs mit VST- oder AU-Plugins nie wirklich erschlossen. Ich hab sie mal geöffnet. Ja, funktioniert, und dann direkt wieder zu gemacht. Viel lieber starte ich meine DAW und probiere den Korg Triton als Plugin darin aus.

Easy Page & Sound Browser

Wer jemals an einem Korg Triton besessen hat, dem kommt der Anblick sofort irgendwie vertraut vor – und irgendwie auch nicht. Das „irgendwie nicht“ liegt vor allem an der neuen „Easy“-Page, die die wichtigsten Parameter sehr schön auf einen Blick abbildet (sie Aufmacherbild oben). Ansonsten ist alles da, wo es bei einer Korg-Workstation hingehört. Sogar den alten Schriftzug hat man übernommen. Er führt allerdings ein wenig in die Irre: Music Workstation/Sampler steht da, aber es gibt weder einen für Workstations üblichen Sequenzer noch kann das Plugin samplen.

Das ist aber absolut okay, denn jede moderne DAW kann besser sequenzern und ist übersichtlicher zu bedienen als die Hardware-Sequenzer der 90er. Und die Filter des Triton waren zwar für die damalige digitale Zeit sehr gut und auch resonanzfähig. Aber deswegen muss man heute keine eigenen Samples mehr da durchschicken. Wer seine Sounds nach 90ern klingen lassen will, ist mit diesem Plugin besser dran.

Und überhaupt ist sonst alles an seinem gewohnten Platz: Die Aufteilung mit Programs und Combis plus Global-Page ist bei allen Korg Workstations seit der legendären M1 gleich geblieben.

Der Sound-Browser des Korg Triton, hier im Combi-Mode

Neu ist dagegen ein recht übersichtlicher Sound-Browser inklusive Suchfunktion mit Kategorien und Klangcharakter. Der ist auch nötig, denn die Software-Version des Korg Triton hat nicht nur die originalen Factory-Presets mit vier Bänken a 128 Sounds an Bord, sondern auch alle Klänge der neun EXB-PCM-Erweiterungskarten, die man damals zusätzlich erwerben musste. Das macht zusammen mal eben über 4.000 Preset-Sounds!

Es stehen wie beim Original 32 MB PCM-ROM plus die 64 MB aus den EXB-Karten als Ausgangsmaterial bereit. Das klingt heute zwar winzig, aber man darf nicht vergessen, dass das ja quasi nur die Schwingungen als Basis eines Sounds sind und nicht fertig gesamplete Klänge einer Library. Daher kann man das auch heute noch als üppig bezeichnen.

Korg Triton Plugin Test – Bedienung

Wer das Grundprinzip der Korg-Workstations einmal geblickt hat, kommt mit jeder weiteren Generation schnell zurecht. Das ist beim Korg Triton damals nicht anders gewesen und ist es glücklicherweise auch beim Plugin nicht. Da sich seit der M1 allerdings einiges getan hatte, hier ein kurzer Überblick:

Program

Die OSC-Page eines Programs des Korg Triton

Ein Program ist ein fertiger Klang, der aus bis zu zwei Oszillatoren gespeist wird, die wiederum mit zwei Samples gefüttert werden können. Es gibt eine Pitch-Hüllkurve mit für jeden Oszillator getrennt regelbarer Intensität, jeweils ein eigenes Filter (Reso LPF oder LPF+HPF) mit Hüllkurve und Keytrack für jeden Oszillator, zwei getrennte Amp-Hüllkurven für die beiden Oszillatoren und zwei LFOs pro Oszillator. Dazu gibt es fünf Insert-Effekt-Slots mit so ziemlich jedem erdenkbaren Effekt vom Hall bis zum Wah inklusive 2er-Effektkombinationen, zwei Master-Effekt-Slots und einen Master-EQ. Und auch wenn man den Sequenzer gestrichen hat, ist der Arpeggiator mit 204 Factory- plus 103 Erweiterungspatterns selbstverständlich geblieben.

2 LFOs pro Oszillator, das sollte reichen.
2 LFOs pro Oszillator, das sollte reichen.

Combi

Eine Combi besteht aus bis zu acht Programs, die sich allerdings die Effektslots teilen. Auch das ist schon bei der M1 so gewesen. Somit ist eine Combi kein Multimode mit getrennt voneinander ansteuerbaren Sounds wie bei anderen Herstellern. Sie ermöglicht vielmehr, aus einzelnen Programs vielschichtige neue Sounds zu erstellen. Wer unbedingt General-MIDI-Files mit dem Triton Plugin abfeuern will, der lädt eben entsprechend viele Instanzen in seine DAW. Gut, das hattest du aber sicher eh nicht vor! 😉

Insgesamt ist die Bedienung von der Hardware zur Software sehr gut portiert worden. Hatte die Hardware noch ein Touch-Display, so funktioniert die Bedienung der Software mit der Maus dank retinafähiger und änderbarer Fenstergröße hervorragend. Ganz nebenbei hat man auch auf den Schrift „Touch View“ nicht verzichtet. Mit einem Tablet und Verlinkung seines Rechners könnte man auch noch mehr Retro-Feeling aufkommen lassen. Muss aber nicht sein.

Bei über 4.000 Sounds könnte man zwar in Versuchung geraten, dieses Plugin als „Preset-Schleuder“ abzutun. Aber ich finde die Möglichkeiten der eigenen Klanggestaltung und der Klangmanipulation viel zu schön, als dass ich darauf verzichten würde. Ich bin allerdings wie oben bereits erwähnt vorbelastet und habe mit meiner T-1 immer mal gerne eigene Sounds kreiert.

Korg Triton Plugin Test – der Global-Modus

Auch den gibt’s schon ewig bei den Korg-Workstations. Darin verbergen sich ein paar interessante Details. Zum einen lässt sich zwar nahezu jeder Program- oder Combi-Parameter automatisieren. Aber für externe Controller ist es doch sehr praktisch, dass man hier direkten Zugriff auf die Echtzeit-Controller wie die vier Knobs oder den Ribbon-Controller hat, da ihre Belegung bei der Portierung der Sounds auf die Software übernommen wurde.

Global Mode: Der Korg Triton beherrscht auch als Plugin User-Skalen und verschiedenen Tastaturanschlag.

Wer gerne mit Skalen jenseits von Dur und Moll arbeitet, kann sich hier vielfältig austoben. Wichtig für das Ansprechverhalten der Sounds sind auch die Velocity Curve und die A.Touch Curve im Bereich Keyboard Settings. Hier empfiehlt es sich, das Manual zu Rate zu ziehen, um die beste Einstellung an das eigene Spielverhalten zu finden.

In der rechten Spalte finden wir noch zwei wichtige Informationen: Zum einen ist der Arpeggiator selbstverständlich mit der DAW gesynct, das kann aber abgestellt werden. Und dann können wir noch die maximale Stimmenanzahl bei Bedarf runterschrauben. Hier fällt auf, dass das Plugin je nach Rechner bis zu 128 Stimmen schafft, während es beim 1999er Triton laut Anleitung nur 62 Stimmen waren. Das ist an der richtigen Stelle eine Verbesserung im Vergleich zum Original.

Korg Triton Plugin Test – Anleitung

Ja, wo ist sie denn bloß? Hab ich mich jedenfalls zunächst gefragt, denn mitgeliefert wird sie nicht. Es gibt sie aber, wenn auch nur auf Englisch, und man muss sie auch nicht ewig im Netz suchen, sondern kann die Links im Plugin finden! In der kleinen Anzeige oben in der Mitte gibt es ein „Menu“. Hier stellt man nicht nur die Fenstergröße ein, sondern kann auch sowohl eine neue Software-Anleitung wie auch die der alten Hardware runterladen.

Korg Triton Plugin Test – Sound

Die sicher wichtigste Frage neben der der akkuraten Portierung und der Bedienung: Wie klingt die Software-Version des Korg Triton denn nun? Korg ist bei der Umsetzung der alten HI Engine (Hyper Integrated) mit so viel Liebe zum Detail rangegangen, dass mich der Sound überzeugt hat. Klar, man könnte jetzt einwerfen, dass der Sound inzwischen in die Jahre gekommen sei. Aber mal ehrlich: So gesehen ist das der Sound des Minimoog oder einer Fender Stratocaster, wenn mir der Ausflug in die Gitarrewelt erlaubt sein, ebenfalls. Zwar klingt die Korg Triton Software nicht neu, aber das will sie auch gar nicht. Vielmehr wurde der Spirit des endenden Jahrtausends perfekt eingefangen.

Ein Vergleich zwischen Hard- und Software ist immer nicht einfach, denn er steht und fällt auch mit den verwendeten Wandlern. Ich habe zum Abhören ein SPL Crimson Interface benutzt und war jedenfalls sehr angetan. Korg hat laut eigenen Angaben die damaligen Entwickler des Korg Triton die Umsetzung zur Software überwachen lassen. Und die haben offensichtlich penibel darauf geachtet, dass hier sauber und ordentlich gearbeitet wurde.

In der Playlist unten habe ich erst ein paar Programs, dann ein paar Combis aufgenommen, die aber nur einen winzigen Querschnitt der klanglichen Möglichkeiten des Korg Triton abbilden. Zum Schluss habe ich noch mit drei Instanzen des Plugins einen typischen House-Beat gebaut. Es kommen keinerlei weiteren Effekte zum Einsatz.

Korg Triton Plugin Test – braucht man das heute noch?

Sicher eine der ganz entscheidenden Fragen! So ikonisch wie etwa die Sounds der M1 sind die aus dem Triton nämlich nicht. Und der Triton ist ja mittlerweile auch schon 21 Jahre alt. Andererseits klingen die Sounds auch nach so einer langen Zeit immer noch frisch und sind längst nicht nur was für Nostalgiker.

Ich habe die Frage für mich jedenfalls mit einem Ja beantwortet. Der Korg Triton hatte und hat einen ganz eigenen Klangcharakter, ist kinderleicht zu bedienen und Ressourcen verbraucht die Software so gut wie keine. Und ich kombiniere gerne die Sounds meiner analogen Kisten mit den durchaus charaktervollen Digital-Sounds einer guten alten Workstation.

Korg Triton Plugin Test – Fazit

Die Software-Version des Korg Triton ist mit 249 US-Dollar sicher kein Low-Budget-Plugin. Im Vergleich zu den immer noch aufgerufenen Gebrauchtpreisen für die verschiedenen Hardware-Versionen ist sie jedoch einigermaßen günstig. Die liegen nämlich zwischen 400 (Rack-Version) und 500 Euro für die Version mit 61 Tasten. Zwar verzichtet man auf Sampler und Sequenzer, bekommt dafür alle Sounds der Erweiterungskarten, die bei den von mir gefundenen Gebrauchtangeboten nicht zum Lieferumfang gehörten.

Die Bedienung ist dank neuem Sound-Browser und Easy Page sogar besser als bei der Hardware, die Originaltreue des Sounds überzeugt, das 90er-Jahre-Feeling stellt sich ein. Und dazu trägt bei Weitem nicht nur die ebenfalls vorhandene und legendäre M1-Orgel bei, von der Korg 1999 längst wusste, was für ein ikonischer Sound das ist und sie deshalb (als Expansion-Sound) auch in den Triton packte. Vielmehr sind es die vielen auch heute noch hervorragend einsetzbaren Sounds und die für eine digitale Workstation umfangreichen Synthesefunktionen, die die Software zu einer Empfehlung machen.

Die Korg Triton Software ist auch im Korg Collection – Special Bundle v2 für 399 Euro enthalten. Deren Vorgänger, bei dem nur der Triton fehlte, haben wir hier getestet. Wer den Triton gerne haben möchte und die anderen Korg-Synths ebenfalls noch nicht hat, sollte dort zuschlagen. Verglichen mit dem Bundle ist die Einzelversion etwas zu teuer geraten, da nimmt man dann besser das ganze Paket. Weitere Infos gibt’s bei Korg.