Best Service NADA
Best Service NADA

Mit seiner neuesten Produktion Best Service NADA widmet sich Eduardo Tarilonte nicht der Musik einer Kultur (Celtic ERA) oder einer Epoche (Dark ERA), sondern einem bestimmten musikalischen Genre, der New Age-, Yoga- und Meditationsmusik.

Bevor wir uns mit der Best Service NADA Library näher befassen, sollten wir den Begriff NADA klären, der nichts mit dem spanischen „nichts“ zu tun hat. Schauen wir mal, was Wikipedia dazu zu sagen hat.

Nada-Yoga (Sanskrit: नादयोगvon nāda (नाद) Geräusch, Schall, Klang, Ton, lauter Ton, Getöse und von yoga (योग) anjochen, verbinden) ist eine alte indische Anschauung, wonach die Vereinigung mit dem höchsten Bewusstsein oder dem Göttlichen in sich durch Hören auf einen Ton erfolgt.“

Und folgerichtig ist Best Service NADA eine umfangreiche und gelungene Sammlung von Instrumenten und Klanglandschaften, die man für die Produktion meditativer Musik benötigt. Leider muss ich an dieser Stelle die meditative Stimmung mit einem Ausflug in die profane Wirklichkeit unterbrechen, denn wir müssen die Software auf unserem Rechner installieren.

Best Service NADA Test – Die Installation

Für den Betrieb von NADA benötigt man die Best-Service-eigene ENGINE-Software, die man kostenlos downloaden kann. Das ist ein Host ähnlich wie KONTAKT. Wer schon andere Tarilonte-Libraries sein eigen nennt, der wird ENGINE bereits geladen haben. Da ist es allenfalls ratsam zu schauen, ob man auch die aktuelle Version nutzt. Die Installation ist problemlos, Best Service gibt beim Download eine ausführliche deutschsprachige Anleitung mit auf den Weg.

Das Volumen hält sich trotz des reichhaltigen Klangangebots mit knapp 10 GB in Grenzen. Genutzt werden kann NADA als AAX native, AU, ENGINE powered, Mac, Standalone, VST und Win.

Best Service NADA Test – Der Aufbau

Die Library umfasst mehr als 440 Klänge unterschiedlichster Natur, die sich auf die drei Kategorien Instruments, Meditation Pads und Voices verteilen. Über den Engine-Brwoser gelangen wir anhand einer Baumstruktur in die verschiedenen Unterebenen bis zum letztendlichen Preset.

Best Service NADA Pads
Best Service NADA Pads

Haben wir uns für einen Klang entschieden, dann erscheinen die dazugehörigen Parameter auf dem Bildschirm. Im Prinzip arbeitet NADA wie alle anderen Tarilonte Libraries. Nicht alle Instrumente sind auf der kompletten Tastatur spielbar, manchmal steht auch nur eine Oktave zur Verfügung. Dies liegt an der Range der einzelnen Natur-Instrumenten.
Da, wo es sinnvoll ist, stehen verschiedenste Artikulation und Verzierungen für ein Instrument zur Verfügung, was die Ausdrucksmöglichkeiten immens erhöht. Wie gewohnt werden diese Artikulationen über Keyswitches abgerufen.

Auskunft über die jeweilige Tastaturbelegung gibt die virtuelle Tastatur unterhalb der Bedieneinheit. Dabei sind die einzelnen Bereiche und Keyswitch-Zonen farblich gekennzeichnet. Jeder Sound hat eine Info-Rubrik, in der die Keyswitch-Belegung grob beschrieben wird. Für Details gilt: Ausprobieren.

Schauen wir uns nun die drei Hauptkategorien einmal etwas näher an, die schon darauf hindeuten, dass wir es mit einem Angebot von Klangfarben unterschiedlichster Art zu tun haben.

Die Instruments

Im Instrumentenbereich finden wir Pianos, Strings, Percussion und Brass. Je nach Instrument müssen wir da noch weitere Äste der Baumstruktur anklicken, um zum gewünschten Klang vorzudringen

Die Pianos
Zur Auswahl stehen Digitalpianoklänge und ein gesampeltes Upright-Piano. In beiden Kategorien gibt es dann verschiedene Presets. Die Sounds des Upright-Pianos sind Genre-gerecht etwas weicher gehalten und erinnern an ein Felt-Piano. Die Klangqualität des Upright-Pianos hat mich überzeugt, als Teil einer umfangeichen Library hätte ich das gar nicht in dieser Qualität erwartet.

Die Digitalpianos sind ebenfalls so gewählt, dass sie für den Bereich New Age nutzbar sind, obwohl es auch perkussive Klangvarianten gibt. Mit Preset-Bezeichnung wie Dream Piano weiß man sofort, wo die klangliche Reise hingeht.

Percussion
Auch hier ist das Angebot reichhaltig und natürlich von der Auswahl her auf die Musikrichtung abgestimmt. Differenziert wird zwischen „gestimmten“ und „nicht-stimmbaren“ Schlaginstrumenten. Allerdings gibt es keine fertigen Patterns oder Loops.

Mit an Bord sind: Pitched: Balafon, Crotales, Crystal Singing Bowls, Dream Bells, Glasses, Kalimba, Music Box, Meditation Bells, Meditation Crystal Bowls, Meditation Tibetan Bowls, Temple Bells, Tibetan Bells, Tibetan Singing Bowls.

Unpitched: Cymbal, Ghatam, Planet Gong, Hand Sleigh Bell, Metal Plate, Rainstick, Tabla (Baya und Daya), Tibetan Finger Bells & Wind Chimes

Strings
Hier sollte man kein klassisches Sinfonieorchester erwarten. Vielmehr sind hier Saiten-Instrumente aus dem eher fernöstlichen Raum gemeint (z. B. Koto). Unterschieden wird zwischen gezupften und gestrichenen Instrumenten:

Plucked: Eastern Harp Ensemble, Japanese Koto & Indian Tanpura Drones
Bowed: Ethnic Violin, Classical Violin & Viola da Gamba

Unter manchen Instrumenten liegt noch ein Pad-Arrangement (Dream Pad), was sofort die richtige New-Age-Atmosphäre schafft. Dies kann man aber sowohl abschalten als auch in der Lautstärke nuanciert einstellen. Gute Idee.

Brass
Mit Brass sind auch hier eher Ethno-Instrumente gemeint, die sinnvollerweise allesamt monophon spielbar sind, aber auch auf polyphon umstellbar sind.

Zur Verfügung stehen Bamboo Flute, Indian Low Bansuri, Concert Alto Flute, Concert Flute, Cornett, Chinese Dizi, Duduk, Eastern Double Reed, English Flagelote High, English Flagelote Low, Chinese Hulusi, Panpipes, Shakuhachi, Small Wooden Flute und Wooden Flute.Wir bei den Saiteninstrumenten kann man auch bei den Brass-Klängen ein poylphon spielbares Dream-Pad unterlegen.

Was mir auffiel: Lässt man einen Akkord im unteren Bereich liegen und will mit dem monophonen Klang eine Melodie spielen, dann erklingt automatisch der höchste Ton des noch liegenden Akkords, sobald man die Melodie nicht legato spielt. Wen es stört, der kann über Keyswitch C# auf polyphonen Betrieb umschalten.

Best Service Nada Brass
Best Service NADA Brass

Die Meditation Pads

Hier finden wir eine Vielzahl von Flächensounds, die aber auch durchaus in Bewegung sind. Das Angebot reicht von Enya-ähnlichen Klangerlebnissen über sphärischen Sounds bis hin zu perlenden Arpeggios und Echos. Letztere synchronisieren sich automatisch mit dem Projekttempo der verwendeten DAW. Innerhalb einer Kategorie ähneln sich die Ergebisse ein wenig, aber dadurch kann man sehr nuanciert seinen Wunschsound finden.

Es ist natürlich nicht einfach, die Klangfarben anhand der Namen zu identifizieren bzw. auseinanderzuhalten, zumal manche nur über die Nummerierung unterschieden werden (z. B. Peace of Mind 1-10).

Die Voices

Die dritte Oberkategorie nach Instruments und Pads betrifft die Voices, bestehend aus Real-Voices und synthetischen Klängen. Bei den Real Voices haben wir einen Feen-artigen Gesang bis hin zu Overtone-Gesängen, die teilweise mit Patterns aufwarten, die über Keyswitches variiert werden können. Verschiedene Vokale lassen sich nutzen, jedoch kann man keine eigenen Texte eingeben. Das obligatorische „Ommh“ist natürlich im Angebot

Die Synth Voices erinnern an Vocoder-Klänge oder andere Synth-Chöre, die auch hier stilsicher für die Sparte New Age aufbereitet wurden. Allesamt sphärisch, transparent und gut nutzbar.

Best Service NADA Test – Die GUI (Nachbearbeitung und Keyswitches)

Bei den vorherigen Tarilonte-Libraries habe ich immer ein wenig die optische Aufbreitung der GUI kritisiert. Diese war zwar immer schön gestaltet, ging aber oft zu Lasten der Übersichtlichkeit.

Bei NADA sieht das anders aus. Es ist immer noch optisch geschmackvoll, aber man kann alle Funktionen und Bedienelemente gut erkennen und bedienen.

Je nach Art des Klangs stehen verschiedene Parameter zur Klang- und Effektbearbeitung zur Verfügung. Beim Upright-Piano mag das eine Funktion sein, die die Hammergeräusche beim Anschlag einstellen lässt, während man bei den Voices z. B. den Sample-Start festlegen kann. Aber dies sind nur zwei Beispiele von vielen. Diverse Instrumente weisen dann noch eine Advanced-Page auf, die weitergehende Bearbeitungen erlaubt.

Die Artkulation bei den verschiedenen Instrumenten (gilt natürlich nicht für alle Instrumente) werden wieder über die Keyswitches gesteuert, von den es bis zu 11 verschiedene Varianten je Klang geben kann.

Best Service NADA Test – Die Klangqualität

Die Klangqualität ist wie bei eigentlich allen Tarilonte-Libraries exzellent. Die Aufnahmen sind so transparent und klar, dass man manchmal den Eindruck gewinnt, der Interpret stünde mit im Raum. Das gilt eigentlich für alle zur Verfügung stehenden Klänge bis hin zu den Vocals. Alles zeichnet sich auch durch eine große Dynamik aus, so dass man sehr nuanciert arbeitenkann

Es ist aber nicht nur die Klangqualität, auch die Auswahl mit den verschiedensten Klangfamilien, vom der Tabla bis zu den Vocals, vom Pad Presets ist sehr stilsicher getroffen worden. Und 440 Klänge sind auch schon üppig.

Apropos üppig. Das ist auch die richtige Vokabel, um zu beschreiben, wie man den Hall aufgedreht hat. Im Studio hieß es früher immer, wenn der Mann am Pult zu viel Hall auf alles legte: „Hast Du das Hallgerät zu Weihnachten bekommen?“ Das wäre ein Kritikpunkt, wenn man den Hall nicht einstellen oder gar ausschalten könnte. Alles gut.

Wir haben nachfolgend ein paar Klänge zusammengestellt, die natürlich nicht die ganze Bandbreite von NADA hörbar machen:

Best Service NADA Test – Fazit

NADA besticht durch eine geschickt zusammengestellte Auswahl an Sounds und Instrumenten, die man im Genre New Age, Meditation im weitesten Sinne benötigt. Damit ist die Zielgruppe auch schon gut umrissen, wozu wie immer auch die Film- und Videokomponisten gehören.

Die Sammlung an Klangfarben und Instrumenten ist umfangreich und stilsicher zusammengetragen worden. Ein Lob auch an den Kurator. Die Bandbreite ist hoch, der Bogen spant sich vom Overtone-Gesang über Klangschalen, Tablas bis hin zum Piano. Das machte diese Auswahl so attraktiv. Kritiker könnten argumentieren, dass man manche Sounds auch in anderen Libraries finden kann. Mag sein, aber hier hat man aber alles zusammen in einem Paket, muss nicht lange suchen und kommt zu einem schnelleren Ergebnis.
Und – ganz entscheidend – alle Presets sind klanglich und ästhetisch aus einem Guss produziert und passen daher optimal zusammen. Da muss man eigentlich gar nicht mehr viel schrauben.

Eine tolle Library für eine bestimmte Zielegruppe, ein tolles Klangerlebnis. Und das alles zu einem Preis von 199 Euro. Da gibt es nichts zu meckern.