Arturia V Collection 6 Test
Arturia V Collection 6 Test – inklusive 6.1 Update

Die Arturia V Collection 6.1 ist eine wachsende Sammlung (Software Instrumente) legendärer Synthesizer und Keyboards. Mittlerweile ist Arturia bei der Version 6 angekommen und hat das Portfolio nochmals um vier Instrumente erweitert, ohne das Package teurer zu machen. Damit umfasst die Arturia V Collection 6.1 nicht weniger als 21 verschiedene Instrumente.

Update: Inzwischen ist die Arturia V Collection 6.2 mit einem deutlich überarbeiteten Synclavier und vielen anderen Verbesserungen herausgekommen (16.10.2018)

Schaut man sich die Liste an, dann läuft dem geneigten Keyboarder ohne Zweifel das Wasser im Mund zusammen:

  • Analog Lab,
  • Clavinet V,
  • CMI V
  • DX7 V
  • Buchla Easel V
  • Synclavier V
  • B-3 V
  • Mini V
  • Piano V
  • Stage-73 V
  • Matrix-12 V
  • Farfisa V
  • Solina V
  • SEM V
  • Wurli V
  • Jup-8 V
  • ARP 2600 V
  • CS-80 V
  • Prophet V
  • VOX Continental V
  • Modular V

Das ist Musikgeschichte pur. Die Arturia V Collection 6.1 lässt kaum Wünsche offen, vielleicht könnte das Angebot noch um ein PPG Wave erweitert werden. Mal sehen, was da die Zukunft bringt.

Sicher, es gibt eine ganze Reihe von Software-Emulationen legendärer Synthesizer, Arturia hat es aber geschafft, sich mit den Rechteinhabern zu einigen, dass man für die Instrumente keine Phantasie-Namen benötigt und sogar das Original-Layout der Instrumenten-Schätze verwenden kann.

Abgesehen davon, dass die grafische Darstellung der Instrumente auf dem Bildschirm wirklich absolut gelungen ist (4k und jetzt auch 5k), sieht halt ein CS-80 aus wie ein CS-80. Dies gilt für alle anderen Instrumente gleichermaßen. Ich finde das extrem wichtig, denn „das Auge isst ja schließlich“ mit, besonders wenn man einen größeren Bildschirm an seinem Rechner zur Verfügung hat.

Arturia V Collection 6 Test – das ist neu

Gegenüber der Vorversion wurde das Angebot um vier Instrumente erweitert plus ein überarbeitetes Piano-Modul.

Arturia V Collection 6 Test - Fairlight CMI V
Fairlight CMI V

Neu sind der Fairlight CMI – DAS Instrument der 80er-Jahre, das auf unzähligen Hits zu hören ist. Der Fairlight war zu seiner Zeit (Ende der 70er-Jahre) eine Sensation und gilt als das Instrument, das die Sampling-Technologie in die Musik brachte, obwohl der Fairlight eigentlich Sampler UND Synthesizer ist.

Leider hatten die wenigsten Musiker die Chance, das Instrument einmal selbst auszuprobieren, war der Fairlight doch unglaublich teuer und nur den Profis vorbehalten. Jetzt kann man sich halt auch als Normalmusiker mit dem System auseinandersetzen. Steppt man hier die Presets durch, dann kann man fast schon „lustiges Hitraten“ spielen. Schnell wird man sagen: Kenn‘ ich, das ist von Michael Jackson etc.

Der Fairlight repräsentiert jetzt nicht den letzten Stand der Sampling-Technologie, noch ist die Benutzeroberfläche mit grün/schwarz up-to-date. Aber sowohl optisch wie klanglich hat das alles einen gewaltigen Charme. Nicht zuletzt versucht man heute ja mit verschiedenen Hilfsmitteln, den rauhen Klang der alten Geräte nachzuempfinden..

Arturia hat zum Fairlight ein Tutorial Video (englisch) herausgebracht:

Dann kommt der DX-7 dazu, ebenfalls ein bahnbrechendes Instrument und wahrscheinlich der meist verkaufte Synthesizer aller Zeiten.

Arturia V Collection 6 Test – DX-7
DX-7

Hier hat man aber nicht nur die Oberfläche des Hardware-Synths umgesetzt, nein, der DX-7 verfügt über einen sehr komfortablen Editor. Dieser macht die Programmierung von FM-Systemen jetzt nicht zum Kinderspiel, aber es vereinfacht die Sache doch gewaltig.

Außerdem hat man auch dem DX-7 Zusatzfunktionen mit auf den Weg gegeben, so z.B. kann man den Operatoren nicht nur Sinuswellen sondern auch andere Schwingungsformen zuweisen.

Ein ganz altes „Schätzchen“ hat man mit dem Buchla Easel aus dem Jahr 1973 „ausgegraben“. Diesen werden die wenigsten kennen, geschweige denn schon einmal gesehen oder gespielt haben. Don Buchla gehört aber zu den Synthesizer-Pionieren, den man auch in einem Atemzug mit Bob Moog nennen kann (wir haben übrigens 2015 ein ausführliches Interview mit Don Buchla führen können. Sicherlich eines der letzten ausführlichen Gespräche vor seinem Tod 2016).

Arturia V Collection 6 Test – Buchla Easel
Buchla Easel

Wie dem auch sei, der Buchla Easel wirkt im ersten Moment wie ein Toy Keyboard, was wohl an seinem bunten Design liegt. Was aber dann soundmäßig dabei herauskommt, das ist schon sehr interessant. Man darf jetzt keine warmen Pads erwarten aber einen Menge Futter für Sequenzer-Loops.

Ja, und natürlich kann man hier auch Patches abspeichern (habe übrigens gerade bei evay ein Angebot eines Hardware-Easels gesehen, das lag bei über 3.000 Euro).

Auf den ersten Blick etwas weniger spektakulär ist die Emulation des Hohner Clavinet D, was in der Funk-Musik stilprägend war. Wahrscheinlich haben die wenigsten der heutigenn Musiker ein Clavinet schon einmal live gesehen (Hinweis, das Hohner Clavinet arbeitete mit „richtigen“ Saiten und war eigentlich recht einfach aufgebaut).

Arturia V Collection 6 Test – Clavinet D
Clavinet D

Wie beim Rhodes hatten die Hersteller eher im Sinn, eine Klavierersatz zu schaffen. Das ging aber richtig daneben, bis die Musiker diese Instrumente als eigenständigen Klangerzeuger betrachteten und entsprechend einsetzten

Klanglich wurde beim Clavinet in den früheren Zeiten sehr viel „hinter“ dem Instrument „gestrickt“. Es kam auf den Amp an und die (Gitarren)-Effekte, die man einsetzte. Und genau das hat man bei Arturia erkannt und umgesetzt.

Neben dem Clavinet selbst hat man einen Amp und div. Effektgeräte auf dem Bildschirm, die man einstellen und zusammen abspeichern kann. Welchen Amp man da simuliert, ist nicht ersichtlich, ich gehe bei der Optik mal von einem Fender-Amp aus.

Man hat also hier nicht nur das Instrument selbst im Zugriff, sondern auch die gesamte notwendige Peripherie, um den Sound von damals nahe zu kommen.

Last, but not least gibt es ein überarbeitetes Piano-Modul mit einer Vielzahl von Klavier- und E-Piano-Varianten. Dies basieren übrigens nicht auf der Sampling-Technologie, sondern werden mittels Physical Modeling erzeugt.

Klavierpuristen werden beim Flügelsound vielleicht die etwas fehlende Tiefe bemängeln. Ich sehe das etwas anders. Ich glaube nicht, dass die Klaviersounds der Arturia V Collection für den Bereich der klassischen Musik gedacht sind. Für den Einsatz in der Pop-Musik eignen die sich aber wunderbar, besonders weil diese teilweise nicht das ganze Frequenzspektrum „dicht machen“, sondern Platz für andere Instrumente lassen. Solo abgehört mag es etwas dünne sein, im Kontext einer Mischung stellt es sich wieder ganz andres da.

Arturia V Collection 6 Test – Update auf Version 6.1

Ende April kam mit der Version 6.1. das erste Major-Update auf den Markt. Wichtigstes neues Feature ist die NKS (Native Kontrol) Kompatibilität. Dazu wurde die gesamte Performance verbessert und auch der Browser beim Analog Lab verbessert.

Last, but not least, gibt es beim Update noch drei Soundbänke mit über 100 Presets kostenlos dazu.

Arturia V Collection 6 Test – Analog Lab

Man kann die Instrumente der Arturia V Collection 6.1 natürlich einzeln z. B. in seine DAW laden. Will man einen Überblick über alle vorhandenen Klangfarben, von denen es rund 6000 gibt, dann nutzt man das Analog Lab, das wie ein Instrument in die DAW geladen wird.

Hier geht es dann nicht mehr um die tiefergehende Programmierung eines einzelnen Instruments, hier sind die Klänge aller Instrumente zusammengefasst, wobei diese instrumentenübergreifend auch nach Kategorien geordnet angeboten werden: Strings, Pads, Lead usw.

Arturia V Collection 6 Test – Analog Lab
Arturia Analog Lab

Man stelle sich vor, welche Klangerzeuger dabei zur Verfügung stehen.

Will man beim gerade aktiven Instrument etwas verändern, so kann man dies aus dem Analog Lab direkt laden (vorausgesetzt, man hat es auf dem gleichen Rechner installiert).

Besonders interessant finde ich die Multis, bei denen man zwei Sounds layern oder splitten kann. Da ist es kein Problem ein CS-80 mit einem Synclavier zu mischen.

An dieser Stelle lassen sich den Sounds auch noch Effekte zuordnen, die Liste der Möglichkeiten ist groß:

  • Phaser
  • Chorus
  • Flanger
  • Phaser
  • Delay
  • Reverb
  • DubDelay
  • Overdrive
  • RoundPanner
  • Destroy
  • BitCrusher
  • EQ4
  • PitchShiftChorus
  • VocalFilter

Unter dem Analog-Lab-Fenster befindet sich noch ein virtuelle Keyboard, mit dem man die Klänge direkt spielen kann, sowie verschiedene Regler zur Soundbearbeitung.

Arturia V Collection 6 Test – die Bedienung

Für das Laden der Software und die grundlegende Bedienung benötigt man kein Manual, alles ist logisch und sehr übersichtlich aufgebaut.

Will man dann selbst Klänge programmieren, dann ist man natürlich von der Komplexität des jeweiligen Instruments abhängig. Mit einem Solina String kommt man naturgemäß schneller zurecht als mit dem DX-7 oder dem Fairlight.

Manchmal kann man ja schon mal an Software verzweifeln. Nichts so bei der Arturis V Collection 6. Die Arbeit damit macht einfach Spaß.

Arturia V Collection 6 Test – Fazit

Das Angebot von 21 Instrumenten deckt weit mehr als den Grundbedarf eines jeden Musikers ab. Und bei der User-orientierten Produktpolitik von Arturia dürfte die V Collection 6.1 auch nicht die letzte Version dieser Reihe sein. Da wird es irgendwann ein Update auf die Version 7 mit neuen Instrumenten geben. Man ist also immer auf dem neuesten Stand.

Aber was würde die Grafik, das Angebot und alles nutzten, wenn die Instrumente nicht klingen würden. Tun sie aber! Und das verdammt gut! Die klangliche Umsetzung der Original-Schätze ist mehr als gelungen. Die Arturia V Collection 6.1 ist bei einem Preis von Euro 499,- absolut empfehlenswert. Im Schnitt kostet jedes Instrument weniger als 25 Euro! Und das bei dieser Klang- und auch grafischen Qualität.

Die Arturia V Collection 6.1 ist fast schon ein „Must Have“.