FairlightCMI in Road-Cases
Ein Fairlight Computer Music Instrument von 1980 in 2 separaten Cases bereit für eine Tour. Foto courtesy of Peter Vogel Instruments

Der Fairlight war der Urvater aller digitalen Keyboard-Sampler – und er kam tatsächlich aus Australien.

Bis hierhin haben wir ausschließlich Synthesizer-Legenden aus dem analogen Bereich besprochen. Ende der 70er-Jahre jedoch wurden in der Synthesizer-Gemeinde erstmals Rufe nach digitalen Instrumenten laut. Die Entwickler beeilten sich dann auch, diese zu befriedigen. Eines der ersten Geräte und sozusagen der Urvater aller digitalen Keyboard-Sampler erschien 1980. Er stammte von einem Kontinent, von dem man es vielleicht nicht erwartet hätte – Australien.

Peter Gabriel, Stevie Wonder, Kate Bush, Jan Hammer, Mike Oldfield, Keith Emerson, Jean-Michel Jarre und Thomas Dolby sind nur einige der bekannteren Künstler, die ihn schnell zum Herzstück ihrer Studios machten: den Fairlight.

Fairlight CM-Bildschirm mit Lichtgriffel (ja, so hieß das damals!)
Fairlight CMI User konnten mit dem Light-Pen auf dem Bildschirm Wellenformen malen und Harmonische in einem Sample editieren. Foto courtesy of Peter Vogel Instruments

Auch wenn nach heutigen Maßstäben die 8-Bit-Auflösung des ersten Fairlight Computer Musical Instrument (CMI) fast erbärmlich wirkt – damals hat man sich an so etwas nicht gestört. Für die meisten Musiker war der Fairlight jedoch ein unerschwinglicher, fast mystischer Musikcomputer – so magisch wie die Maschine hinter dem Vorhang des Zauberers von Oz.

Es war in Sydney, Australien, wo Kim Ryrie und Peter Vogel den Dual-Prozessor-Rechner von Entwickler Tony Furse lizensierten und zu einem Gerät weiterentwickelten, mit dem man akustische Klänge digital aufzeichnen, speichern, mit einem Light-Pen auf dem Bildschirm harmonisch bearbeiten und zusammen mit sagenhaften sieben weiteren Klängen auf einem 88-Tasten-Keyboard spielen konnte.

Fairlight CMI im Studio
Ein Fairlight CMI System in einem Studio 1980. Wie bei vielen Rechner damals üblich, wurde auf 8″-Disketten gespeichert. Foto courtesy of Peter Vogel Instruments

Digitale Klangsynthese war damals neu, selten und entsprechend teuer. Frühe CMI-Systeme – später als Serie 1 bezeichnet – kosteten zwischen $25,000 und $36,000. (Das wären inflationsbereinigt heute ca. 40.000 – 58.000 Euro!) Ein Grund für den exorbitanten Preis lag darin, dass für jede Stimme eine komplette Platine nötig war.

Verbesserungen der „Channel Cards“ (Platinen für die einzelnen Stimmen) mit höherer Sampling-Rate und ein auf 16 kHz erweitertem Frequenzbereich tauchten 1982 in der Serie II auf. 1984 brachte Fairlight dann die Serie IIx mit Prozessor-Upgrades und MIDI heraus.

Peter Vogel Instruments Fairlight CMI-30A von 2011
In Halle E des Anaheim Convention Centers können zur Winter NAMM Show viele Schätze gefunden werden. Wer im Januar 2011 dort zu Besuch war, dachte vielleicht, ein perfekt restauriertes Fairlight CMI aus den 80ern zu sehen. Tatsächlich handelte es sich aber um den neuen Peter Vogel Instruments Fairlight CMI-30A. Und ja: Gespeichert wird immer noch auf 8″-Disketten. Foto courtesy of Peter Vogel Instruments

1985 tauschten Ryrie und Vogel die Technologie-Basis sogar komplett aus. Die Spezifikationen listeten jetzt 16-Bit Sample-Auflösung, 16-stimmige Polyphonie und zwei 32-Bit 68000er-Prozessoren auf, wovon einer für die zentrale Steuerung und die Wellenform-Erzeugung, der andere für SMPTE und MIDI zuständig war. Für jeden Soundkanal gab es dazu noch einen 6809 sowie zwei weitere 6809er jeweils für Sequencing und Grafik.

Teil der Neudefinition des Fairlight CMI war auch ein Software-Sequencer. Anfänglich konnte dieser lediglich Noten- und Velocity-Daten aufnehmen und overdubben, das Bearbeiten gestaltete sich jedoch schwierig. Inspiriert durch die Pattern-Programmierung der legendären LM1 Linn Drum von Roger Linn beauftragten Ryrie und Vogel jedoch schließlich den Programmierer Michael Carlos mit der Schöpfung von „Page R“. Dieser interaktive Sequencer wurde während der gesamten Lebensdauer des CMI immer weiterentwickelt und war maßgeblich mitverantwortlich für die Popularität des Fairlight.

Den Fairlight gibt es auch als App für iOS.
Die Fairlight-App für iOS. (Screenshot Nikolai Kaeßmann)

Wo wir von Lebensdauer sprechen: Noch 2011 konnten Besucher der Winter NAMM Show den Fairlight CMI-30A bestaunen, die Ausgabe zum 30. Geburtstag. Für alle mit kleinerem Geldbeutel gibt es inzwischen eine iOS-Emulation. Fairlight Mitgründer Peter Vogel betreibt die Firma heute als Peter Vogel Instruments (http://petervogelinstruments.com.au).

NED Synclavier Direct-to-Disk-System
Ein Synclavier von New England Digital aus den späten 80ern. (Foto © 1987 Jonathan Sa’adah)

Aber auch zwei weiteren Instrumenten gebührt wenigstens lobende Erwähnung im Zusammenhang mit digitalem Sampling. Weitaus teurer als der Fairlight CMI war die High-End Digital-Audio Workstation von New England Digital, das Synclavier. Es vereinte Synthese, Sampling, Hard-Disk Recording, Sequencing, Synchronisation und Notation. Frank Zappa’s Synclavier der dritten Generation aus dem Jahr 1985 kostete stolze $300,000, und zwei Exemplare reisten auf der „Bad“-Tour von Michael Jackson 1987 sogar um die Welt – eins im Wert von $300,000, das andere von $500,000.

Ensoniq Mirage von Perfect Circuit
Der Ensoniq Mirage kam zu einem Preis auf den Markt, der weit unter dem früherer Sampler wie Fairlight CMI and NED Synclavier. (Foto courtesy of Perfect Circuit Audio)

Das untere Ende der Preis-Skala besetzte der Ensoniq Mirage. Dieser achtstimmige, multitimbrale Sampler besaß ein anschlagdynamisches 5-Oktaven-Keyboard, einen eingebauten MIDI-Sequencer, 144K internen Sample-RAM und ein 3.5″ Floppy-Laufwerk zur Speicherung von Samples. Bei einem Verkaufspreis von $1,695 gingen allein im ersten Jahr 8,000 Exemplare über die Ladentheke – mehr als von allen Samplern davor zusammen! Insgesamt verkauften sich von den verschiedenen Versionen, die bis 1988 gebaut wurden, etwa 25,000 Einheiten. Nach einer kurzen Phase in der Versenkung erlebte das Mirage eine Renaissance in den 90ern, die es dem Grunge verdankte.

(Übersetzung: Peter Gorges)

Teil 1: Am Anfang war der Moog
Teil 2: Frankenstein” und der ARP 2600
Teil 3: Pure Magie: “Birdland” und Oberheim SEM
Teil 4: … und dann kam der Prophet
Teil 6: Bahnbrechende Digitaltechnik aus Deutschland – der Waves 2.3
Teil 7: Lineare FM – der Yamaha DX7
Teil 8: Korg M1 – die Workstation überhaupt
Teil 9: Clavia Nord Lead – Die Rückkehr der Knöpfe
Teil 10: Modulare Synthesizer für das 21. Jahrhundert