Korg M1– DIE Workstation!

Es gab eine Zeit VOR der Korg M1: Gegen Ende der 80er Jahre waren Synthesizer-Hersteller und -Spieler auf der Suche nach dem nächsten großen Ding.

Analoge Synthesizer waren von der Bildfläche verschwunden – digital war das Gebot der Stunde. Mega-Systeme wie Fairlight CMI, Synclavier oder Kurzweil 250 gaben zwar mit erstklassiger Klangqualität, Onboard-Sampling und eingebauten Sequenzern einen Ausblick auf die Zukunft, waren für den normalen Musiker aber schlichtweg zu teuer.

Und genau in diese Situation hinein ließen Hersteller, die auch auf den kleineren Geldbeutel zielten, auf einmal eine ganze Serie grandioser Geräte vom Stapel, die bald alle Verkaufsrekorde brachen.

Die direkten Workstation-Vorläufer

Yamaha brach das Eis zuerst, und zwar 1983 mit dem DX7, der die neuartige und bis dahin teure FM-Synthese für nur $1,995 auf den Keyboardständer brachte. Nach damals unglaublichen 160.000 verkauften DX7 folgte 1986 Ensoniq mit dem Hybrid-Synthesizer ESQ-1. Mit digitalen Oszillatoren, analogen Filtern und einem eingebauten Sequencer für läppische $1,395 gingen ESQ-1s schneller über die Theke, als Ensoniq sie überhaupt nachbauen konnte. Dennoch erreichte der ESQ-1 nicht ein Zehntel der DX7-Verkaufszahl.

Roland übernahm das Regiment ein Jahr später mit dem D50 für $1,895. Trotz neuartiger „Linearer Synthese“ – einer Kombination aus kurzen Samples für die Attack- und Body-Phase eines Klanges und wie der ESQ-1 mit eingebauten Effekten – konnte auch der D50 den DX7 nicht toppen.

Korg M1 – der Inbegriff der Workstation

Es sollte KORG sein, die als Gesamtsieger aus dem Wettbewerb um das erfolgreichste Produkt der Synthesizergeschichte hervorgingen. Die populäre Korg M1 erschien 1988 zu einem Preis von $2,665, wurde bis 1995 gebaut und hält mit 250.000 Einheiten den Rekord als meistverkaufter Synthesizer. KORG bestätigt diese Zahl zwar nicht, waren aber bereit mir mitzuteilen, dass in den ersten zwei Jahren 100.000 Geräte gebaut wurden, und die Seriennummer 100.000 im November 1990 erreicht war.

Sampling wurde damals immer populärer, DRAM-Chips (Dynamic Random Access Memory – frei beschreibbarer Speicher) waren jedoch noch sehr teuer. Obwohl die Korg M1 kein Sampler ist, enthält ihr ROM (Read-Only Memory) 4 MB musikalisch nützlicher und oft sogar erstaunlich guter 16-Bit-Samples. Inbegriffen sind auch superbe Drums und Percussion – eine Premiere für einen Sample-Playback-Synthesizer und exotischere Instrumente, die man vorher im Mainstream vergeblich suchen musste.

Korg M1 Workstation
Die Korg M1 hat ein 5-Oktaven-Keyboard, einen Joystick, 16-stimmige Polyphonie, acht multitimbrale Kanäle mit dynamischer Stimmenzuordnung und 86 Multisamples.

Korg M1 – Effekte und Sequenzer

Die Korg M1 hat eine größere Vielfalt besserer Effekte an Board als der D-50. Wie der ESQ-1 bietet die Korg M1 auch einen eingebauten 8-Spur-Sequencer mit nichtflüchtigem Speicher. Der Sequencer der Korg M1 mag nicht so benutzerfreundlich wie der des ESQ-1 sein, wurde jedoch aufgewertet durch die Möglichkeit, Patterns zu konstruieren, und durch Loop-Recording wie bei Drum-Machines.

Die Korg M1 hat ein 5-Oktaven-Keyboard mit Velocity und Aftertouch, einen Joystick für Pitchbend und Modulation, 16-stimmige Polyphonie, acht multitimbrale Kanäle mit dynamischer Stimmenzuordnung und 86 Multisamples – in nur 4 MB. Der Speicher für den Benutzer lässt sich für entweder 100 Programs/Combinations und 4400 Sequencer-Events oder die Hälfte an Sounds und 7700 Sequencer-Events aufteilen. Eine Combination besteht aus bis zu acht Programs, die sich beliebig splitten, layern und MIDI-Kanälen zuweisen lassen.

Über zwei Slots für Speicherkarten lässt sich die Kapazität der Korg M1 schnell und einfach erweitern. Der eine Slot nimmt RAM-Cards auf, mit denen sich Programs, Combis und Sequencerdaten speichern lassen. Der andere ist für PCM-Karten für Erweiterung des Waveform-Speichers gedacht. Entsprechende Karten gab es von einer Vielzahl Drittanbieter.

Vor der Korg M1 lieferten Korg und andere Synthesizerhersteller ihre Synths und Sampler gewöhnlich mit landesspezifischen Soundsets aus. „Früher,” erklärt Korgs dienstältester Sound-Designer Jack Hotop, „wurden Soundprogrammierer aus Italien, Deutschland, England und den USA eingesetzt. Jeder nahm für sich in Anspruch, seinen Markt zu kennen, also musste KORG die Geräte in Ländern wie England, Kanada und so weiter mit unterschiedlichen Sounds ausliefern. Wir waren nicht wirklich global“.

Korg M1R EX
Dies ist die Rack-Version der Korg M1, die M1R – hier in der EX-Version, die eine optionale ROM-Expansion enthält, welche den PCM-Wellenform-Speicher auf 8 MB bzw. insgesamt 275 Sounds verdoppelt. (Foto: Mark Vail)

Korg M1 – der „globale“ Sound

Korg-Gründer und Vorsitzender Tsutomu Katoh und sein Sohn Seiki Katoh entschieden damals jedoch, dass jedes Instrument weltweit mit denselben Sounds ausgeliefert werden sollte. Man versammelte ein internationales Team, um die Sounds der Korg M1 zu erstellen. Neben Jack waren das Athan Billias, Ben Ben Dowling, Robby Kilgore, Peter Schwartz, Jim Bescher, Michael Geisel und Michele Paciulli.

„Als ich mit der Arbeit an der Korg M1 anfing, war sie noch ein provisorisch aufgebauter Prototyp,” erinnert sich Jack. „Sie bestand aus Platinen, einem winzigen Display, einer Kopfhörerbuchse und ein paar Chips, die auf einem großen Holzstück montiert waren. Manchmal, während ich Sounds programmierte, explodierte der Hall – so laut, dass mir die Ohren schmerzten. Ich warf die Kopfhörer weg und brüllte die wildesten Flüche, und die Jungs mussten mich festhalten, damit ich den Prototyp nicht gegen die Wand knallte wie Pete Townsend seine Gitarre”.

Dankenswerterweise konnten Jacks Kollegen ihn zurückhalten. Der Prototyp überlebte.

Teil 1: Am Anfang war der Moog
Teil 2: Frankenstein” und der ARP 2600
Teil 3: Pure Magie: “Birdland” und Oberheim SEM
Teil 4: … und dann kam der Prophet
Teil 5: Digitales aus Down Under
Teil 6: Bahnbrechende Digitaltechnik aus Deutschland – der Waves 2.3
Teil 7: Lineare FM – der Yamaha DX7
Teil 9: Clavia Nord Lead – Die Rückkehr der Knöpfe
Teil 10: Modulare Synthesizer für das 21. Jahrhundert

(Übersetzung: Peter Gorges)