Roland JP-08 Draufsicht

Der Roland Jupiter-8 gehört zu den ganz wenigen wirklichen Synthesizer-Legenden. Leider kann man diesen so gut wie gar nicht gebraucht erwerben. Wenn wundert es, dass die Ankündigung, es gäbe ein Replik in Form eines Roland JP-08 zu einem Preis von deutlich unter 500 Euro, viele Synth-Liebhaber elektrisiert hat.

Der Roland JP-08 ist Teil einer ganzen Serie von Rolands „Ehemaligen“, wozu noch der JP-03 (Replik des JX-3P) und der JU-06 (Replik Juno 106) gehören. Allen Varianten, die auch als Boutique-Serie laufen, ist eines gleich: Die Instrumente sind unheimlich klein (30 cm x 12,8 cm x 4,6 cm) und leicht (970g). Das macht sie extrem portabel. Und es handelt sich im Prinzip um Module, die sich um eine Tastatur (2 Okatven) erweitern lassen. Wer das nicht braucht, weil er den kleinen Kerl via MIDI über eine größere Tastatur ansteuern möchte, der kann das natürlich so machen.

Weit gefehlt, wer den Roland JP-08 und die andere Boutique-Varianten aufgrund der Größe als Spielzeug abtut. Wir haben es hei mit absolut vollwertigen Instrumenten zu tun, die es in sich haben. Packt man den Roland JP-08 aus, dann entsteht keinesfalls der Eindruck „klein und billig“. Im Gegenteil. Ein schönes Metallgehäuse (Boden aus Plastik) mit einer Vielzahl von Bedienelementen hinterlassen einen guten Eindruck

Die Optik und die Anordnung der Parameter beim Roland JP-08 sind stark an den alten Jupiter-8 angelegt. Was beim alten 8er nebeneinander angeordnet war, ist hier in zwei Reihen untergebracht.

Ebenfalls weit gefehlt, wenn man befürchtet, dass nur Playmobil-erfahrene Menschen die auf den ersten Blick recht kleinen Fader und Taster bedienen können. Ganz im Gegenteil, die beleuchteten Schieberegler haben einen guten Widerstand und lassen sich trotz kurzem Regelweg ausreichend einstellen.

Die Bedienung wird durch eine vorbildliche Beschriftung (weiß auf schwarz) sehr erleichtert.

Tonerzeugung und Stimmenzahl des Roland JP-08

Der Roland JP-08 ist ein virtuell analoger Synthesizer (bei Roland heißt dies Analog Circuit Behavior, kurz: ACB) und ist vierstimmig polyphon und auch anschlagdynamisch spielbar. Verfolgt man die Diskussion dazu im Netz, wird hier und da die limitierte Stimmenzahl gerügt. Ich sehe das etwas anders. Der Roland JP-08 ist nicht multi-timbral (hier müssen wir ja auch mal den Preis bedenken), der Roland JP-08 ist keine Workstation und auch kein Digital-Piano. Wie oft brauche ich live wirklich mehr als 4 Stimmen? Einer der alten Synthesizerlegenden, der Prophet-5, hatte auch nur 5 Stimmen und wurde auf zig Welthits in den 80ern eingesetzt. Die eingeschränkte Polyphonie zu bemängeln wäre Meckern auf hohem Niveau. Und wer tatsächlich live mehr Stimmen benötigt, der kann zwei Roland JP-08 zu einem 8-stimmigen Synthesizer kaskadieren. Im Heimstudio kann man ja ganz einfach mehrere Audiospuren nacheinander damit einspielen.

Roland JP-08 Aufbau

Wie bereits erwähnt, orientiert sich der Roland JP-08 mit 36 Potis und Reglern am Layout des Jupiter 8, wobei es schon eine Leistung ist, so viele Bedienelemente auf so kleinem Raum unterzubringen.

Der Aufbau der Klangerzeugung ist so, wie man es von einem „analogen“ System gewohnt ist: VCO-Sektion, VCF, VCA, Hüllkurven, Modulation etc. Es ist alles da, was man braucht und was man erwartet. Da bleiben beim Sounddesign keine Wünsche offen.

Roland JP-08 Bedienpanel
Der Roland JP-08 ist sehr übersichtlich aufgebaut.

Den Aufbau entnimmt man am besten dem Foto (für eine größere Ansicht einfach auf das Bild klicken!). Im Vergleich zum alten Jupiter-8 wurde das Angebot an Wellenformen bei den VCOs noch leicht erweitert. Im Bereich des VCO2 finden wir die Tune-Funktion, mittels derer man die Schwebungen zwischen den beiden Oszillatoren einstellt. Dies erlaubt der Roland JP-08 sehr fein und nuancenreich, was sich in sehr schönen und breiten Pads aber auch Lead-Sounds besonders positiv auswirkt.

Schaut man nicht in die Bedienungsanleitung, dann würde einem nicht auffallen, dass der Roland JP-08 noch über einen Delay-Effekt verfügt. Nichts auf der Benutzeroberfläche weist darauf hin. Ein einfacher Delay on/off-schalter wäre da hilfreich gewesen. Das Delay ist in Intensität, Feedback und Time regelbar. Die Delay Time geht z.B. beim Sequenzer mit der eigenstellte Ablaufgeschwindigkeit mit. Die Eingabe ist ähnlich wie bei Sequenzer etwas kompliziert, ohne einen Blick ins Manual geht da gar nichts.

Roland JP-08 Speicherplätze

Der Roland JP-08 verfügt über 64 Speicherplätze. Diese sind wie im Original-Jupiter organisiert: 8 Bänke mit 8 Sounds. Bank- und Soundnummer werde im kleinen Display angezeigt, einen Benennung der Sounds mit Namen ist nicht möglich.

Rechts neben dem Display sind weitere 8 Taster mit der Bezeichnung Patch Presets. Hier lassen sich weitere 8 Layersounds, ablegen. Dahinter verbergen sich die Upper/Lower-Sounds, die jeweils einen Sound aus den 64 Programmen enthalten können. Im Dual-Modus liegen diese Sounds dann übereinander. Das führt im Stereo-Bild zu wirklich schönen breiten Klängen.

Roland JP-08 Spielhilfen

Auf der linken Seite finden wir zwei Ribbon Controller, die sich sehr angenehm bedienen lassen. Damit lassen sich Pitch Bend und Modulationen ausführen. Optisch nett, der Regelweg der Ribbons wird beleuchtet. Sollte keine Tastatur angeschlossen sein, so kann man mit dem linken Ribbon Sounds triggern. Sprich: Man kann auch so Sounds programmieren und überprüfen. Anschlüsse für Fußschalter etc. gibt es nicht. Die Range des Pitch Benders lässt sich übrigens je Patch einstellen.

Die optionale Tastatur K-25M

Roland k-25m Tastatur
Roland K-25m: die optionale Tastatur

Der Preis von knapp über 400 Euro gilt für die Version ohne Tastatur. Das Keyboard K-2M kann für knapp 100 Euro dazugekauft werden. Es ist gleichzeitig mit den anderen Boutique-Modulen kompatibel. Die kleine Tastatur ist anschlagdynamisch spielbar und lässt sich recht angenehm bedienen. Bei Verwendung von Tastatur und Modul werden die beiden Komponenten quasi zu einem Gerät. Die Bedienoberfläche lässt dann auch in Stufen anwinkeln (wie z.B. beim Minimoog).

An dieser Stelle sei gesagt, dass weder die Tastatur Aftertouch sendet noch das Modul Aftertouch von einer externen MIDI-Tastatur verarbeiten kann. Ob man die Tastatur K-25M braucht oder nicht, dass sollte man selbst entscheiden. Ich finde der Roland JP-08 macht auch ohne Tastatur eine gute Figur und sieht dabei keineswegs halbfertig aus.

Anschlüsse des Roland JP-08

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Die Audio-Ausgänge sind als Stereo-Mini-Klinke ausgeführt. Dies ist sicherlich ungewohnt, aber in Zeiten von iPhone und iPad alles andere als unprofessionell. Schade finde ich nur, dass Roland kein Y-Kabel (Stereo-Miniklinke auf zwei Mal Normalklinke) beifügt, denn so ein Kabel hat man nicht unbedingt in Reserve. Wer sich ein Roland Boutique-Synthesizer zulegt, der sollte also gleich das entsprechende Kabel mitkaufen/bestellen.

Roland JP-08 Anschlüsse
Die Anschlüsse des Roland JP-08 auf der Rückseite

Der Roland JP-08 lässt sich über USB-Netzteil , Batterien (Fach auf Bodenseite) und auch durch direkten Anschluss an einen Rechner mit Strom versorgen. Über die USB-Schnittstelle kann der Synth auch direkt mt einer DAW kommunizieren.

Weitere Anschlüsse: Kopfhörer und Input (beide Miniklinke), USB 2.0 (für Netzbetrieb oder auch zum Anschluss an den Rechner) und MIDI in/out in gewohnter Größe.

Der Sequenzer des Roland JP-08

Hatte der alte Jupiter-8 noch einen Arpeggiator, so bietet der JP-8 einen Stepsequenzer mit bis zu 16 Stufen. Dabei repräsentieren dann die 8 Patch- und die 8 Patch Preset-Taster die 16 möglichen Steps. Die Programmierung der Steps ist dann schon etwas tricky, da man dabei in die Tiefen des Geräts einsteigen muss. Insgesamt können 16 verschiedene Sequenzen abgespeichert werden. Positiv ist, dass man diese mit dem Soundprogramm ablegen kann.

Schade ist nur, dass es nicht möglich ist, die ablaufende Sequenz zu transponieren – auch nicht über eine externe MIDI-Tastatur. Damit ist die Verwendung des Step-Sequenzers doch arg eingeschränkt. Da wäre mir dann doch ein Arpeggiator lieber gewesen.

Wie klingt der Roland JP-08?

Klingt er nun wie der alte Roland Jupiter-8 oder nicht? Ich finde die Frage müßig. Puristen werden sagen nein, auf keinen Fall. Fakt ist, dass der Roland JP-08 seinen sehr analogen Klangcharakter hat, der wirklich in Richtung der alten Vorbilder geht.

Die Bässe sind sehr kräftig, die Filter packen sehr schön zu (auch umschaltbar zwischen 12 und 24 dB), der kleine Synth schafft wunderbare Leads und Pads. Nein, bisher ungehörte Klänge kann der Roland JP-08 nicht bieten. Dafür ist er aber auch nicht da. Aber trotzdem bietet der Roland JP-08 nicht nur Standardware, dank der vielfältigen Modulationsmöglichkeiten inkl. Cross Modulation lassen sich auch schöne Effektsounds bis hin zu metallischen Klängen erzeugen. Über den eingebauten kleinen Lautsprecher (Bodenseite) kann man den Roland JP-08 auch ohne angeschlossenen Amp abhören.

Roland JP-08 Test Fazit

Ich bin von dem kleinen Roland JP-08 wirklich sehr angetan. Ein wunderbarer vollwertiger Synthesizer, der auch auf dem Desktop Platz findet. Ich finde es eine gute Idee, eine Tastatur optional mit anzubieten. Der eine wird es für rund 95 Euro dazu nehmen, der andere wird es lassen. Trotz der geringen Ausmaße ist die Bedienung übersichtlich und angenehm. Wenn jetzt noch ein Update das Transponieren des Sequencers via MIDI erlauben würde, dann ist alles gut.

Der Roland JP-08 klingt wirklich „analogig“, fett und warm, hat tolle Pads und Leads und ist für einen Preis von knapp über 400 Euro eine absolute Empfehlung. Ich für meinen Teil werde ihn mir definitiv zulegen.

Weitere Infos gibt’s bei www.rolandmusik.de