dieModule des Volatge Modular sind farblich abgesetzt
Cherry Audio Voltage Modular

Modulare Synthesizer sind nicht erst seit gestern im Trend. Eurorack Synthesizer gibt es mittlerweile in fast schon unüberschaubarer Menge. Mit dem Cherry Music Voltage Modular Synthesizer schauen wir uns heute einen modularen Software Synthesizer näher an.

Die Features des Cherry Music Voltage Modular Synthesizers lesen sich auf jeden Fall sehr vielversprechend:

  • Als Stand-alone Synthesizer oder als Plug-in nutzbar
  • Läuft auf PC und Mac, auch mit allen Formaten
  • Mehr als 80 (!) Module stehen nach Kauf direkt zur Verfügung
  • Der Preis liegt bei momentan 150 US-Dollar (geht später auf 200 US-Dollar).

Und was bekommt man dafür? Ein wirklich mächtiges Bundle aus der Voltage Modular Software, quasi ein Eurorack mit diversen ins und outs, dazu mehr als 70 Module plus das Misfit Electronic Drums mit 15 Drummodulen. Und nochmal, das kostet zusammen gerade mal 150 US-Dollar.

Das kann sich eigentlich jeder leisten, aber macht das Sinn? Wie klingt das? Diese Fragen wollen wir nachfolgend klären.Zur Einstimmung ein Walktrough-Video vom Voltage Modular

Voltage Modular Synthesizer Test – Die Module

Cherry Audio Voltage Modular ist von der Marketingausrichtung nicht „nur“ ein Software-Synthesizer, sondern eine komplette Plattform, auf der User sogar eigene Module programmieren können.

Wie bereits erwähnt, steht nach dem Kauf des Voltage Modular sofort eine Vielzahl (über 70) von Modulen zur Verfügung. Weitere werden im Cherry Audio Shop angeboten, mittlerweile gibt es auch Module von Drittanbietern. Auch ganze Bundles stehen im Angebot. Die Module starten so bei 10 US-Dollar je nach Komplexität.

Es wäre an dieser Stelle zu viel, die mitgelieferten Module zu beschreiben, da verweise ich dann auf die Webseite von Cherry Audio Auf jeden Fall sollte da für den Anfang alles dabei sein, was man braucht, inkl. der Drummodule.
Allerdings finde ich die Beschreibung der Module auf der Cherry Audio Webseite etwas dürftig. Auch zum sog. polyphonen Oszillator kommen nur wenig Informationen (auf jeden Fall kann dieser polyphon gespielt werden).

Damit sich Interessenten vor dem Kauf näher mit dem System beschäftigen können, bietet Cherry Audio ein 7-tägige Probezeit an. Dies ist natürlich ein attraktives Angebot.

Voltage Modular Synthesizer Test – Die Optik/Grafik

Die optische Umsetzung des Voltage Modular Synthesizers hat mich von Anfang an überzeugt, ja begeistert. Alles ist sehr liebevoll und detailliert gestaltet. Das gilt für die Module, aber auch für die Patchkabel, die sich nach Wunsch farblich gestalten lassen.

So kann man z.B. Audiosignale und Steuerspannungen mit unterschiedlichen Patchkabeln verwenden, um nicht die Übersicht zu verlieren.

Da die Ansicht auf dem Bildschirm nur zweidimensional ist, hatte man eine gute Idee, die Übersichtlichkeit bei komplexen Anordnungen zu verstärken.

Patchkabel verblassen, wenn man nicht gerade mit dem Cursor auf die beteiligten Module geht. So verdecken die Patchkabel keine Module, man kann quasi durch die Kabel hindurchschauen.

Mehr noch, teilweise wird sogar die Fließbewegung mit Richtungsanzeige dargestellt. Bei Cherry Audio waren wirklich Pragmatiker am Werk.

Wie in der Abbildung ersichtlich sind auch alle Module farblich anders gestaltet und alle Funktion lassen sich gut erkennen. Zur Not kann man ja auch noch zoomen.

Gut, bei sehr komplexen Aufbauten mag ein Bildschirm schon etwas klein wirken, besonders wenn man da an ein Laptop denkt.
Da kommt es besonders darauf an, zusammenhängende Module auch zusammen zu platzieren.

Voltage Modular Synthesizer Test – Wie lade ich Module ein?

Das sogenannte Core, sprich das „Eurorack“, ist, wenn man ein neues Preset patchen will, erst einmal leer. Wie in der Realität blickt man in ein leeres Cabinet. Auf der linken Seite sehen wir die zur Verfügung stehenden Module, die man sich sogar in Kategorien aufgeteilt listen lassen kann.

Hat man das passende Modul gefunden, drückt man auf „add“ und schon fliegt das Modul ins virtuelle Eurorack. Und so verfährt man weiter, bis man alle gewünschten Module geladen hat.

Die Ladezeit ist dabei zu vernachlässigen. Die Anordnung bzw. Reihenfolge der Module im Rack kann man jederzeit verändern und auch neue Module einfach an der gewünschten Stelle einfügen. Wird es etwas mehr, dann kann man sich ein zweites oder drittes Cabinet einrichten.

Wie bei jedem Modularsystem wird kein Ton hörbar, bis man den Signalweg gepatcht hat. Wer den Umgang mit Modularsystemen noch nicht so gewöhnt ist, der sollte vielleicht erst einmal mit einem kleinen Aufbau anfangen und langsam wachsen. Wichtig ist, dass nur die Module sichtbar sind, die man eingeladen hat.

Natürlich kann man auch Presets laden, dann sofort losspielen und die Presets nach Belieben verändern.

Voltage Modular Synthesizer Test – Der Moduldesigner

Cherry Audio macht, so finde ich jedenfalls, mit dem Moduldesigner einen klugen Schachzug. Hier kann man eigene Module programmieren, tauschen oder gar verkaufen, was ein wenig an das WordPress-Konzept erinnert.

Das ist jetzt kein Feature für die breite Anwenderschar, sorgt aber für ein ständig wachsendes Angebot an Modulen und macht die Plattform ständig interessanter. Die notwendigen Werkzeuge lassen sich auf der Cherry Audio Seite herunterladen. Gute Sache.

Voltage Modular Synthesizer Test – Hurra, das System ist speicherbar!

Nutzer von Hardware-Modularsystemen werden es kennen: Man hat ein wunderbares Patch erstellt, vielleicht sogar by accident, und fragt sich jetzt, wie man das später wieder reproduzieren kann? Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Man nimmt sein iPAD und fotografiert die Verkabelung und die Reglerstellungen oder man malt das alles auf.

Beides ist eigentlich nicht befriedigend. Während man die Verkabelung natürlich 1:1 hinbekommt, wird es bei Reglerstellungen immer nur annähernd gelingen.

Hier beim Voltage Modular stellt sich die Sache anders dar. Wir arbeiten am Rechner und natürlich sind alle Patches speicher- und sofort wieder abrufbar.

Die Software kommt mit einer großen Auswahl an Patches (300), so dass man nach dem Installationsprocedere sofort loslegen kann, ohne ein einziges Kabel „zu legen“. Das ist natürlich ein Pluspunkt.

Voltage Modular Test -Toolbar und I/O Panel (MIDI)

Auch im noch nicht bestückten Zustand finden wir an der Oberseite des virtuellen Racks (Core genannt) eine Toolbar, die diverse Funktionen wie „undo“ etc. auslöst, und die I/O-Sektion.
Letztere sollte man sich genauer ansehen, wenn der Voltage Modular mit der „Außenwelt“ kommunizieren soll.

Unter Außenwelt verstehen wir erst einmal den Rechner, der als Host für Voltage Modular arbeitet und dann die verwendete DAW.

Die erste Frage, die dabei auftaucht, lautet: Kann ich Voltage Modular mit der DAW synchronisieren, so dass eine Tempoänderung an der DAW sich auf den Voltage Modular (Sequenzer etc.) überträgt.

 

Antwort: Ja, es geht. Man muss dies aber erst einmal verkabeln. Als Vorbild dient die nachstehende Grafik, die die nötige Verkabelung zeigt.

Hier muss man anmerken, dass man auf den ersten Blick vielleicht nicht selbst draufkommt. Ich würde daraus ein „Sync-Preset“ machen, das ich immer aktiviere, wenn ich einen Sound mit Bewegung (Sequencer, Arpeggiator etc.) programmieren möchte.

Dann muss ich nur noch die Verbindung zu entsprechenden Modul schaffen). O.k. that`s modular. Ich hätte es vorgezogen, wenn dies defaultmäßíg gehen würde, wie es bei einer Vielzahl von Plug-ins funktioniert.

Der Voltage Modular Synthesizer lässt sich mit der DAW synchronisieren
Das Sync.Patch des Voltage Modular Synthesizers

Tricky wird es dann, wenn man in das System weitere externe (Hardware)-Geräte einbeziehen möchte und vielleicht mit dem virtuellen CV und Gate aus dem Voltage Modular einen reales Modularsystem ansteuern möchte.

Ob dies dann auch mit jeder DAW funktioniert, das ist dann die nächste Frage.

Voltage Modular Synthesizer Test – MIDI

Ja, der Voltage Modular verfügt über eine umfangreiche MIDI-Implementation mit Learn-Funktion. Im I/O Bereich befindet sich da der entsprechende MIDI-Anschluss (natürlich nur virtuell).

Im Prinzip können alle Controller auf jede Funktion des Synthesizers geroutet werden, vom Aftertouch bis zum Mod.Wheel. Aber auch eine Automation der Parameter vom Voltage Modular in der DAW lässt sich auf diesem Weg realisieren.

Die MIDI-Buchse überträgt MIDI-Signale vom Host und zurück. Der Bereich empfängt auch polyphone Keyboarddaten, um z.B. den polyphonen Oszillator zu nutzen. Dieser MIDI-Anschluss wirkt auf die MIDI-kompatiblen Module des Voltage Modular.

Voltage Modular Synthesizer Test – Audio in from Host

Dies ist eine weitere, interessante Sektion des I/O Bereichs. Hier lassen sich Audiosignale von der DAW in den Signalweg des Voltage Modular einspeisen und über die Module bearbeiten. Bei Logic läuft dies über die Effect-Sends und -Returns.

Voltage Modular Synthesizer Test – Der Sound

Der Volatge Modular von Cherry Audio ist kein analoges Modularsystem. Das ist klar und (leider) auch unüberhörbar. Das wird vor allem bei den Lead- und Basssounds offenbar. Es klingt alles digital und ein wenig leblos. Insgesamt fehlt mir da auch die Tiefe und Wärme. Aber das ist auch Geschmackssache. Manche würden vielleicht Attribute wie „cheesy“, „Lo-Fi“ oder „hip“ wählen und genau auf der Suche nach solchen Sounds sein.

Auf deer Cherry Audio Webseite sind nicht umsonst viele komplexe Sounds hörbar, denn da liegt eher seine Stärke. Andererseits hat der Voltage Modular Synthesizer in den komplexen effektreichen Sounds auch so etwas wie einen eigenen Charakter. Den guten analogen Modularsynthesizer ersetzt Cherry Audio mit dieser Software allerdings nicht.

Voltage Modular Synthesizer – Die Zielgruppe

Wem würde ich den Voltage Modular empfehlen? Ist das auch was für Einsteiger?
Der Preis sollte kein Hindernis sein und so kann ich die Frage nur so beantworten: Den Cherry Audio Voltage Modular Synthesizer kann ich jedem empfehlen, der sich intensiver mit (modularen) Synthesizern beschäftigen möchte, schon alleine zu Lernzwecken

Ja, der Voltage Modular kann sehr komplex sein, und auch nicht jedem User werden alle Module in Funktion und Verwendung am Anfang etwas sagen.

Aber man muss ja auch nicht alle Module auf einmal in Gebrauch nehmen. Man kann sich hier ganz langsam an das Thema „modulare Synthesizer“ herantasten.

Da ja immer nur die Module sichtbar sind, die man für ein Patch benötigt, kann man auch nicht die Übersicht verlieren. So könnte man mit einer Minimal-Konfiguration beginnen und lädt sich einen Oszillator, Filter, Amplifier, einen Hüllkurvengenerator und vielleicht noch ein LFO ein. Dann „verkabelt“ man die Module und es kann losgehen. Nach und nach kann man dann aus dem Riesenfundus andere Module dazuladen und einfach mal experimentieren.

Dazu noch eine Anmerkung: Ein Modul kann man auch mehrfach im System in Gebrauch nehmen und muss nicht, will man zwei Oszillatoren verwenden, derer zwei oder mehr kaufen.

Und trotzdem kann man von der ersten Minute an das volle Potential des Voltage Modular ausschöpfen und sich aus der Vielzahl der 300 Presets bedienen.

Und man kann sich die Verkabelung der Presets anschauen und dabei eine Menge über modulare Systeme lernen.

Voltage Modular Synthesizer Test – Wie ist das alles einzuordnen? Das Fazit!

Schade, das ist das, was mir beim Voltage Modular Synthesizer einfällt. Cherry Audio hat eine Menge guter Ideen verwirklicht. Die Möglichkeiten sind enorm. Mir persönlich ist aber ein einfaches Gerät mit ein paar Funktionen, was dann aber den Hammersound bringt, lieber als viele Möglichkeiten, ohne klanglich voll zu überzeugen.

Bei der Menge an Modulen sollte eigentlich für jeden das passende Modul dabei sein. Dies steigert die Flexibilität auch in der Zukunft enorm. Im Prinzip ist dies eine Synthesizerplattform, die sich ständig erweitert.

Jetzt müsste man bei Cherry Audio noch etwas an der Klangqualität und der Tonerzeugung schrauben.

Irgendwie befinde ich mich bei der Bewertung in einem Dilemma: Der Total-Score zeigt 4,4, was mir eigentlich zu viel ist. DAS beweist, dass ein „Mittelwert“ nicht immer stimmig sein muss. obwohl ich die Einzelbewertung korrekt finde. Eine runde 4 wäre richtiger….