Wasp Synthesizer
Wasp Synthesizer (Bild: Wikipedia)

Aus dem aktuellen Anlass, dass Behringer einen Clone des Wasp-Synthesizers von Electronic Dream Plant angekündigt hat, veröffentlichen wir hier den entsprechenden Beitrag vom Matthias Becker aus seinem Buch „Synthesizer von Gestern“.

Nachstehend also alles Wissenswerte über diesen ungewöhnlichen Synthesizer in Wespen-Optik.

WASP-Synthesizer und SPIDER

An den Firmennamen ELECTRONIC DREAM PLANT erinnert sichheutzutage eigentlich kaum noch jemand, was aber auch weiter nicht verwunderlich ist, da dieser britischen Firma nur ein recht kurzes Leben beschieden war.
Die im Jahre 1978 begonnene Produktion der EDP-Produkte wurde nämlich bereits 1981 wieder eingestellt. Wenn auch der Firmenname schon lange in Vergessenheit geraten sein mag, so werden sich doch zumindest an ein Produkt der Firma, nämlich den WASP (engl.: „Wespe“) mit Sicherheit noch viele erinnern, da er bei seiner Markteinführung 1978 doch für einiges Aufsehen sorgte.

Dies hatte gleich mehrere Ursachen. Zum einen war der Preis des Gerätes damals eine kleine Sensation. Zu einem Zeitpunkt, als die meisten anderen monophonen Synthesizer noch etwa DM 2000,- kosteten (ARP Odyssey und Minimoog sogar noch erheblich mehr), verlangte man für den WASP weniger als die Hälfte, nämlich nur DM 880,- (in England 199 £).
Doch nicht nur durch seinen Preis, sondern auch durch das gelbschwarze Design (dem er übrigens seinen Namen verdankt), sein durch das – angeblich unzerbrechliche – Plastikgehäuse bedingte geringe Gewicht, sowie durch seine minimalen Abmessungen unterschied er sich deutlich von allen anderen damaligen Geräten.

Die Tatsache, dass der WASP über einen eingebauten Lautsprecher verfügte und ihm als Stromversorgung bei Bedarf auch sechs 1,5 Volt Monozellen genügten, tat ein Übriges, um ihn zum oft und gern gesehenen Begleiter bei Parties, Picknicks und auf Reisen zu machen.

Dass er dennoch nicht etwa – wie es vielleicht auf den ersten Blick den Anschein haben mag – ein Spielzeug, sondern vielmehr ein durchaus ernstzunehmender Synthesizer mit einer ganzen Reihe von innovativen Features ist, das wird sofort deutlich, wenn man sich die Möglichkeiten des Gerätes einmal näher anschaut.

Wasp Synthesizer – Der Aufbau

Das Ausgangsmaterial zur Klangformung liefern ein Rauschgenerator (White Noise) sowie zwei Oszillatoren, die jeweils entweder Sägezahn- oder Pulswelle zur Verfügung stellen, wobei Oszillator 1 zusätzlich die Möglichkeit der manuellen Pulsbreitenveränderung bietet.
Beide Oszillatoren verfügen über je einen 5-stufigen Fußlagenwahlschalter und lassen sich im Bereich von ± 6 Halbtönen stufenlos gegeneinander verstimmen.

Die Signale von Rauschgenerator und Oszillatoren können miteinander gemischt werden. Falls man – etwa zur Erzeugung geräuschhafter Soundeffekte – ausschließlich den Rauschgenerator benötigt, so ist auch dies möglich, da sich die beiden Oszillatoren bei Bedarf abschalten lassen.

Das Filter des WASP lässt sich wahlweise als 12-dB-Hochpass-, 6-dB-Bandpass- oder 12-dB-Tiefpass-Filter einsetzen, wobei die Cutoff Frequency sowohl von dem speziell hierfür vorgesehenen Hüllkurvengenerator (Control Envelope), als auch vom LFO (Niederfrequenz-Oszillator) moduliert werden kann.
Der LFO bietet dabei eine reiche Auswahl unterschiedlicher Wellenformen: Sinus, positiver Sägezahn, negativer Sägezahn, Rechteck, Noise und Random.

Zusätzlich zum bereits erwähnten Control Envelope Generator zur Steuerung des Filters, ist der WASP mit einem VCA Envelope Generator bestückt, der für die Kontrolle der Lautstärke zuständig ist.

In der Ausstattung unterscheiden sich die beiden Hüllkurven-Generatoren etwas voneinander: Die VCA Hüllkurve bietet Attack, Decay und Sustain, die VCF Hüllkurve ist ebenfalls mit Attack und Decay ausgestattet, jedoch hat man ihr an Stelle des Sustain Potis einen Delay Regler mit auf den Weg gegeben, mit dem sich der Einsatz der Hüllkurve um maximal 2 Sekunden verzögern lässt.

Beide Envelope-Generatoren bieten darüber hinaus den Luxus einer Repeat Schaltung, wie man sie etwa auch beim EMS VCS 3 findet und mit der sich die Envelopes automatisch immer wieder neu triggern lassen (den Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Triggerimpulsen bestimmen hierbei der Sustain bzw. der Delay Regler).

Wasp-Synthesizer – Eine ungewöhnliche Tastatur

Zur Koppelung des WASP mit anderen EDP-Produkten – dem SPIDER Sequenzer oder auch weiteren WASP-Synthesizern (laut Prospekt übrigens bis zu 50 Stück) – stehen zwei siebenpolige Link-Buchsen zur Verfügung.

Die einzige Spielhilfe des WASP ist ein Bend-Potentiometer, mit dem sich die Tonhöhe um einen halben Ton nach oben oder unten verändern lässt. Zwar bietet dieser Regler keine Mittenrastung, jedoch ist der Regelbereich – ähnlich wie bei den frühen ARP Odyssey – so ausgelegt, dass eine kleine Abweichung von der exakten Nullstellung noch keine Auswirkung auf die Stimmung des Gerätes hat.

Das 2-Oktaven Keyboard des WASP ist sicherlich das einzige wirkliche Manko des Gerätes, da es lediglich berührungs-empfindliche Sensor-Tasten anstelle der gewohnten mechanischen Tastatur zur Verfügung stellt. Es ist in erster Linie diese Tastatur, die den Einsatzbereich des Gerätes begrenzt, da ein „normales“ Spiel auf ihr beim besten Willen nicht möglich ist. Das ist eigentlich schade, da die Oszillatoren sehr stimmstabil sind und der Klang des Gerätes alles andere als schlecht ist.

Wasp-Synthesizer – Der Klang

Der Sound des WASP erinnert von der Charakteristik des Filters und den Modulationsmöglichkeiten her am ehesten an den des EMS VCS 3 bzw. Synthi A und wie diese eignet sich der WASP hervorragend für die Erzeugung von Geräuschen und Effekt- Sounds aller Art. Es spricht eine ganze Reihe von Hinweisen dafür, daß sich der Konstrukteur des WASP bei seiner Entwicklung von den EMS Geräten hat inspirieren lassen.

Sowohl die Sensortastatur, als auch die Repeat Funktion der Hüllkurven, als auch der Klang des Filters sprechen eigentlich dafür. Und auch die Tatsache, dass die Firma EDP ihren Sitz in Oxford hatte und EMS aus der gleichen Gegend kam, legt diese Vermutung nahe.

Weitere Informationen

Auf meiner mühsamen Suche nach Informationen aus erster Hand erhielt ich schließlich bei Argent’s in London (die seinerzeit den Vertrieb der EDP Produkte für Großbritannien hatten) die Telefonnummer von Chris Huggett – dem Mann also, der damals den Wasp und den Spider (s. u.) und später dann den Oscar entwickelte.

Leider erwies sich das Gespräch mit Chris Huggett als nicht ganz so ergiebig, wie ich eigentlich erhofft hatte. Sämtliche Unterlagen (inclusive Schaltpläne) über die Geräte gingen scheinbar bei der Auflösung der Firma verloren und auch genaue Verkaufszahlen waren nicht mehr zu bekommen.

Hugget schätzt die Zahl der gebauten WASP Synthesizer jedoch auf etwa 4000, die der SPIDER Sequenzer auf ca. 1500. Auf die Frage, ob er in irgendeiner Form mit EMS Kontakt gehabt habe, antwortete er, er habe die EMS Produkte zur Zeit der Entwicklung des WASP überhaupt nicht gekannt. Nun ja… ich enthalte mich jeglichen Kommentars und wende mich stattdessen dem zweiten von ELECTRONIC DREAM PLV\NT hergestellten Insekt, dem SPIDER (engl.: „Spinne“) zu.

Der Spider

Dieses ebenfalls per Batterie oder Netzteil zu betreibende Gerät ist ein digitaler Sequenzer mit maximal 252 Schritten (im Pulse Time Modus). Die Sequenzen werden vom Wasp aus eingegeben, wobei die Verbindung zwischen Wasp und Spider durch ein an die Link Buchsen der beiden Geräte angeschlossenes siebenpoliges Kabel hergestellt wird.

Die Sequenzen lassen sich in zwei unterschiedlichen Betriebsarten einspielen. Im Puls Time Modus wird jedem Ton die gleiche Notenlänge zugeordnet, wobei sich Pausen durch Drücken des Space-Tasters eingeben lassen. In der Real Time Betriebsart werden nicht nur die Tonhöhen, sondern auch Notenlängen und Pausen direkt mit aufgezeichnet.

Die Wiedergabegeschwindigkeit der aufgezeichneten Sequenz lässt sich nachträglich in einem weiten Bereich regeln. Auch eine Transponierung der Tonhöhe in Halbtonschritten um maximal eine Oktave nach unten ist während der Wiedergabe möglich. Während die Eingabe der Sequenz nur mit dem WASP erfolgen kann, läßt sich der SPIDER ausgangsmäßig mit nahezu jedem Synthesizer koppeln, der mit 1 Volt/ Oktave arbeitet.

Die Trigger-Buchse des SPIDER gibt zu diesem Zweck wahlweise ein Switch-Trigger (z. B. für MOOG Synthesizer) oder ein Voltage-Trigger (für die Modelle von ARP, OBERHEIM, ROLAND etc.) heraus.

Zur Feinanpassung an den externen Synthesizer stehen an der Seite des Gerätes ein Scale- und ein Range-Poti zur Verfügung. Sogar die Synchronisation des Sequenzers über eine Sync-In-Buchse ist möglich. Außer dem WASP und dem SPIDER gab es noch einige weitere Produkte von Electronic Dream Plant, die allerdings nie den gleichen Bekanntheitsgrad erreichten.

Neben einem 4-stimmigen mechanischen Keyboard zur polyphonen Ansteuerung von 4 WASP-Synthesizern, baute man noch einen Wasp Deluxe und den Gnat. Der Wasp Deluxe war für all diejenigen gedacht, die sich mit der Folientastatur des Wasp nicht so recht anfreunden konnten.

Er war mit zwei Lautsprechern sowie einer „richtigen“, sprich mechanischen Tastatur ausgestattet. Aufgrund seines entschieden höheren Verkaufspreises von 349 £ hatte er jedoch kaum eine wirkliche Chance gegen die japanische Konkurrenz und die verkauften Stückzahlen reichten nicht einmal annähernd an die des Wasp heran.

Auch die darauf folgende abgespeckte Version des Wasp, „The Gnat,, (engl.: „die Stechmücke“) – ein ebenfalls mit Folientastatur ausgestattetes Gerät mit nur einem Oszillator – die schließlich zum Preis von nur 99 £ in den britischen Musikalienhandlungen auftauchte, war nicht mehr in der Lage, das Blatt von ELECTRONIC DREAM PLANT noch einmal zu wenden.

Und so kam dann schließlich 1981 das Aus für diese kleine, innovative und sympatische Firma. Alles was uns von ihr blieb, sind einige übriggebliebene, über die ganze Welt verstreute Insekten, die – soweit sie noch funktionieren – auch heute noch für den ein oder anderen merkwürdigen Sound gut sind.