Synthesizer mixen - So geht's!

Wie sitzt ein Synthesizer im Mix, ohne alles zu übertönen – oder total unterzugehen? Unser Workshop „Synthesizer mixen“ gibt einige wertvolle Tipps.

Wenn wir Synthesizer mixen, sollten wir uns ein paar Dinge klarmachen: Das Spektrum einer Gitarre deckt rund 3,5 Oktaven ab, ein Bass 3 Oktaven, die meisten Sänger kommen auf einen ähnlichen Umfang. Keyboards und Synthesizer aber können über 7 Oktaven und mehr bedienen. Zudem“belegen“ synthetische Sounds oft direkt einen großen Teil des Frequenzspektrums (ähnlich wie das Schlagzeug) – von donnernden Bässen bis hin zu klirrenden Höhen.

Wie kann man also einen Synthesizer mixen?

Die Herausforderung und die Kunst besteht beim Synthesizer mixen natürlich darin, einen Synthesizer so „einzudämmen“, dass sie mit den anderen Instrumenten harmonisieren und im Mix sitzen, anstatt ihn zu dominieren (wobei es bei Soli oder ähnlichem natürlich auch mal anders sein kann). Der Workshop „Synthesizer mixen“ erklärt dir, wie man das macht!

Synthesizer mixen – der elektrisch-akustische Zwiespalt

Nimmt man hauptsächlich akustische Instrumente (oder elektrische mittels eines Amps) auf, klingt ein direkt aufgenommener Synthesizer im Vergleich zu diesen oftmals „falsch“, andersherum natürlich genauso. Oftmals fehlen die natürlichen hohen Frequenzen, die von den Mikrofonen eingefangen worden sind. Für dieses Problem gibt es vier Lösungen, die zusammen oder einzeln genutzt werden können:

Tipp 1: Die hohen Frequenzen etwas abdämpfen. Ein leichter Shelving Filter, bei rund 10 kHz um 1,5dB abgesenkt, kann da schon Wunder wirken. So gleicht man sich dem natürlichen Klangverhalten von akustischen Instrumenten an. Zu viel absenken sollte man jedoch nicht, da sich der Sound im Gleichgewicht mit transientenreichen Höhen (beispielsweise einem Saitenanschlag) befinden sollte.

Tipp 2: Den Synthesizer/das Keyboard mittels eines Amps aufnehmen und dann mit dem DI-Signal mischen. Bei einem einwandfrei aufgenommenem Track kann man sich sogar das Direktsignal schenken. Amps geben dem Sound mehr „Charakter“, während kleinere PA-Anlagen eher neutral klingen. Hier kannst und solltest du mal beide Typen ausprobieren.

Tipp 3: Den direkt aufgenommenen Part über die Studiomonitore abspielen lassen und das dann mikrofonieren. Das ist eine ähnliche Methode wie Punkt 2, aber wenn man ansonsten keinen Raumklang erzeugen kann, funktioniert das wunderbar.

Tipp 4: Kurze Delays (15-30ms) leise zum direkten Sound dazumischen. Das gibt den Eindruck von verschiedenen „early reflections“. Ein Tapped-Delay mit 8 oder mehr Taps ist ideal; weniger Taps ergeben keinen überzeugenden Klang, den du später beim Synthesizer mixen verwenden kannst.

Synthesizer mixen – Das Panorama-Potential

Die meisten Synthesizer haben Stereo-Outs, mit denen man die Vorteile von integrierten Stereo-Effekten ausnutzen kann, und bieten auch Panning-Optionen. Manche Patches etwa verbinden einige Noten mit dem Panning-Parameter, sodass ein paar Noten von links, andere von rechts kommen.

Synthesizer mixen, Abb. 1: Der Synthesizer ist mehr nach links, die Gitarre mehr nach rechts gelegt, sodass in der Mitte Platz für die Bass- und Snaredrum, Bass und Gesang ist.
Synthesizer mixen, Abb. 1: Der Synthesizer ist mehr nach links, die Gitarre mehr nach rechts gelegt, sodass in der Mitte Platz für Bass- und Snaredrum, Bass und Gesang ist.

Abgesehen vom Schlagzeug jedoch sind nur wenige Instrumente wirklich „stereo“. Gitarre, Bass, Blasinstrumente, auch die menschliche Stimme sind Mono-Quellen. Der Stereo-Eindruck entsteht erst durch die Nutzung eines (echten oder simulierten) Raumes. Wenn das Keyboard oder der Synthesizer die ganze Stereobreite bedeckt, gibt es keinen Raum mehr für andere Instrumente. Abbildung 1 zeigt ein typisches Panning-Schema für eine Rockband.

Der Synthesizer bewegt sich von ganz links bis leicht links vom Center entfernt, die Gitarre auf der entgegengesetzten Seite. Im Center gibt es Platz für Bassdrum, Snare, Bass, Gesang und andere „mittig-orientierte“ Parts (zum Beispiel Soli). Die Drums können auch entlang des Stereofelds gepannt werden (vor allem die Toms), so wie auch Percussion oder besondere Delays.

Um den Synthesizer wie gewünscht zu pannen, sollte man den linken Track aus dem Stereo-Kanal ganz nach links legen, den rechten wie besprochen leicht links. Sollte die DAW ein Stereo-Signal ausgeben, muss man diesen Track erst aufsplitten, sodass jeder Track individuell eingestellt werden kann, oder man benutzt ein Balancing-Tool.

Abb.2: Das Channel Tools-Plugin von Sonar hat Slider, mit denen man den „Winkel“ und die Bandbreite eines linken und rechten Kanals in einem Stereo-Signal bestimmen kann.
Synthesizer mixen, Abb.2: Das Channel Tools-Plugin von Sonar hat Slider, mit denen man den „Winkel“ und die Bandbreite eines linken und rechten Kanals in einem Stereo-Signal bestimmen kann.

Benutzer von Cakewalk Sonar können beim Synthesizer mixen vom Channel Tools-Plugin Gebrauch machen (Abbildung 2), mit dem man nicht nur die Position der Tracks, sondern auch die Breite bestimmen kann.

So kann das Stereo-Signal des Keyboards/Synthesizers also praktisch die linke Seite als komplette Stereo-Breite behandeln. Man kann aber auch einen speziellen Punkt auf der linken Seite als Center bestimmen. So hätte man also beinahe die komplette klangliche Energie des Keyboards in einem bestimmten Punkt auf der linken Seite gebündelt.

Synthesizer mixen – Hauptziel des Mixings

Man sollte sich immer vor Augen führen, dass das Wichtigste bei einem Mix ein tonales Gleichgewicht zwischen allen Instrumenten ist. So sollte am Ende ein in sich geschlossenes Ensemble entstehen, aus dem man trotz allem verschiedene Sounds heraushören kann. Mit den aufgeführten Tipps beim Synthesiizer mixen verträgt sich der Synthi dann auch mit allen anderen Instrumenten, behält aber immer noch seine Identität.