Yamaha Montage 7 Testbericht

Der Yamaha Montage ist der legitime Nachfolger der höchst erfolgreichen Motif-Serie, die 15 Jahre lang in vier Generationen auf dem Markt war. Im Yamaha Montage Test prüfen wir, ob er ein würdiger Nachfolger ist.

Wir testen den Yamaha Montage: Man glaubt es kaum, aber die letzte Motif-Version (XF) ist nun auch schon 5 Jahre alt. Und so war man sehr gespannt auf den Montage, dem neuen Synthesizer Workstation-Flaggschiff aus dem Hause Yamaha.

Warum der Name Montage?

Der Yamaha Montage besteht eigentlich aus zwei Synthesizern mit jeweils 128 Stimmen Polyphonie: einmal ein Synth mit  AWM2-Engine und ein zweiter mit der FM-X-Engine.

Gegenüber dem Yamaha Motif hat sich die bei der AWM2-Engine (Sample-Playback-Synthese) des Yamaha Montage das Klangmaterial des Waveform-ROM gegenüber der Motif-Serie nicht weniger als verzehnfacht! Das ist auf alle Fälle schon mal eine Ansage. Darunter sind auch die Ergebnisse neuer Sampling-Sessions, beispielsweise mit dem Yamaha CFX-Piano oder dem Bösendorfer-Flügel, und Orchester-Sounds, eingespielt von Mitgliedern der Seattle-Symphoniker.

Yamaha-Vorführer Steve Baton demonstriert den Yamaha Montage

Dazu kommen noch 1,75 GB an nicht-flüchtigem Speicher, die man auch noch füllen kann. Der Yamaha Montage ist dabei auch rückwärts-kompatibel. Hat man in XF-Expansions wie z.B. das Chick-Corea-Rhodes investiert, so kann man diese auch beim Montage nutzen. Allerdings mit dem angenehmen Unterschied, dass es viel schneller lädt.

Und dann gibt es ja noch die FM-Engine, Yamahas ausgefeilteste FM-Anwendung (Frequenzmodulation) überhaupt.

Yamaha Montage Test: Bedienung

Yamaha Montage Display
Das Display des Yamaha Montage zeigt viel an.

Verglichen mit jeder Motif-Variante wirkt die Oberfläche des Yamaha Montage schon fast wie ein Raumschiff: Hintergrundbeleuchtete Knöpfe, der pulsierende Super Knob, Drehregler mit beleuchteten Positionierungen, LED-Anzeige bei den Fadern und ein großes Farbdisplay, was sofort auf jeder Parameter-Änderung reagiert.

Ein Kritikpunkt sei an dieser Stelle erwähnt. Eigentlich ist das Display für all das, was der Yamaha Montage kann und anzeigt, schon ein wenig zu klein ausgefallen. Die Schriften sind schon recht klein. Da könnte man schon fast ein Computer-Widescreen gebrauchen. Auch wäre es hilfreich gewesen, wenn man das Display klappbar gemacht hätte.

Yamaha Montage Test: Die Motion Control und der Super Knob

Yamaha Montage Super-Knob
Der Super Knob des Yamaha Montage

Motion Control ist einer der zentralen Vorzüge des neuen Yamaha Montage. Dahinter verbirgt sich einer der interessantesten Arten der Modulationssteuerung in einem geschlossenen Synthesizersystem. Vereinfacht gesagt ist dies ein Makro, was entweder mit dem Super Knob oder einem Pedal gesteuert wird.  Dieses Makro kann je nach Programmierung verschiedenster Parameter gleichzeitig verändern.

Motion Control kann Einstellungen und Klang-Verläufe automatisieren, den Super Knob einbezogen, und das synchronisiert mit dem internen oder externen Tempo.

Die sogenannten Scenes eröffnen weitere Möglichkeiten in diesem Bereich des Yamaha Montage. Damit lassen sich bis zu 8 Snapshots aller Einstellungen abrufen, inklusive Super Knob, Motion Control und Arpeggiator.

Auch finden wir einen Sidechain/Envelope Follower in diesem Bereich, mit dem man z.B. Sounds über eine interne Bassdrum triggern (gut für den Dancefloor-typischen Pump-Effekt) oder über ein externes Audiosignal (Mikrofon, Drumloop etc.) als Modulatonsquelle für den Vocoder-Effekt nutzen kann. Noch was? Ja, externe Audiosignale können das Tempo des Yamaha Montage steuern.

Der Yamaha Montage arbeitet auch als USB2 Audio/MIDI-Interface, das 32 (16 stereo) Audiokanäle mit 24 bit/44,1 kHz oder 8 (4 stereo) Audiokanäle mit 192 kHz plus mit dem, was auch immer im Stereo-Audio-Eingang anliegt (regelbar zwischen Mic und Line Level).

Yamaha gibt an, nochmals verbesserte Audiokonverter verwendet zu haben. Und ich muss zugeben, dass der Yamaha Montage noch besser klingt als ein Motif – und der Unterschied ist nicht nur subtiler Natur.

Yamaha Montage Test: Die Architektur

Der Yamaha Montage ist immer im multi-timbralen Modus, so dass der Performance-Bildschirm, der wie ein Mixer aufgebaut ist, das Hauptfenster darstellt. Eingefleischte Motif-User werden bemängeln, dass es nicht mehr so etwas wie ein Voice-Modus gibt. Man fragt sich dann, wie man denn nur einen einzelnen Klang, wie z.B. Piano spielt? Ganz einfach, viele Performance-Sounds bestehen nur aus diesem einzigen Sound. Und mit der Suche nach Klang-Kategorien kann man diese auch relativ einfach aufspüren.

Yamaha Montage Bedienfeld rechts
Das Bedienfeld des Yamaha Montage rechts neben des Displays

Ein Performance-Sound kann aus bis zu 16 Parts bestehen, wobei ein Part entweder ein AWM2- oder ein FM-X-Klang sein kann, die sich beliebig mixen lassen. Drückt man im Display auf den Soundnamen, dann lassen sich verschiedene Parameter wie Layer und Splitpunkte einstellen.

Bei der AM2-Synthese setzt sich ein Part aus 8 Elementen zusammen. Ein Element ist dabei ein kompletter subtraktiver Signalweg, bestehend aus einem Sample-Playback-Oszillator, einem Multi-Mode-Filter, Pitch- und Lautstärke-Hüllkurven, ein eigener LFO und ein Multimode-EQ. Dabei stehen die Expanded Articulation-Funktionen aus dem Motif zur Verfügung.

Kurz gesagt bestimmt man damit, wann ein Element „klingen“ soll, abhängig davon, ob man legato spielt oder eine Spielhilfe betätigt. Dies dient alles dazu, akustische Klangfarben realistischer und ausdrucksstärker spielen zu können.

Ein FM-X-Part kann bis zu 8 Operatoren „auslasten“, die sich in nicht weniger als 88 Algorithmen zusammenschalten lassen. Jeder Operator hat seine eigene Hüllkurve und verschiedene Wellenformen. FM-X-Parts verfügen über einen eigenen Filter und eine Pitch-Hüllkurve.

Ja, das würde alles an dieser Stelle zu weit führen, man kann hier nur anreißen, was der Yamaha Montage für Soundmöglichkeiten unter der Motorhaube hat. Ganz zu schweigen von den Möglichkeiten, viele Sounds übereinanderzulegen, ohne an Grenzen der Stimmenauslastung zu kommen.

Yamaha Montage Test: Effekte, Arpeggien

Natürlich besitzt der Yamaha Montage eine Effektengine. Hier kommt Yamahas Virtual Circuit Modeling-Engine zum Einsatz, die auch jede Menge an Vintage-Effekten sowie die typischen Effektformen bietet. Je Part lassen sich zwei Effektwege programmieren plus Overall-Effekt. Wenn das nicht reicht …

Noch fast umfangreicher sind die Möglichkeiten, den Parts Arpeggien zuzuordnen. Mit dem Begriff Arpeggio „untertreibt“ Yamaha eigentlich maßlos, denn hiermit lassen sich sehr komplexe rhythmische Begleitfiguren stricken. Man überlege nur, dass bei 8 Parts parallel Arpeggien programmieren lassen, wobei Yamaha einen ungeheuren Fundus an Arpeggio-Versionen anbietet (man schreibt von etwa 10.000 Preset-Typen und 256 User-programmierbare Typen; nachgezählt haben wir das nicht).

Und dann die Motion Control des Yamaha Montage, die nahezu jeden Parameter beeinflussen kann, vom letzten Soundparameter bis hin zu den Effekten und die Motion Control-Einstellungen selbst.

Natürlich kann man Factory Performances des Yamaha Montage überschreiben, dafür steht auch genug Speicherplatz zur Verfügung. Man sollte nur aufpassen, wenn man von einem editierten Programm weiterschaltet. Da gibt es kein „Are You Sure“ und der Sound ist ggf. weg.

Darüber gibt es noch eine weitere Ebene, Live Set genannt, was vergleichbar ist mit Quick Access bei Kurzweil oder die Set Lists beim Kronos. Hier kann man Performances in eine Reihe abspeichern und per Fußschalter nacheinander abrufen.

Yamaha Montage Test: Klingts denn auch?

Egal, was bisher gesagt wurde, es kommt immer auf die Klangqualität an. Und da bleiben keine Wünsche offen. Der Yamaha Montage klingt extrem gut, klar, brillant, fett und authentisch bei den akustischen Sounds.

Und man muss auch nicht immer 16 Sounds übereinanderlegen. Man kann auch mit mehreren Parts arbeiten, um einen Single Sound noch mehr Ausdruck zu verleihen, so geschehen beim Yamaha-Flügelsound (CFX-Concert), der neue Maßstäbe bei der Klangqualität eines Flügels in einer Keyboard-Workstation setzt.

Dieser setzt sich hier aus vier AWM2-Parts mit 32 Elementen zusammen, um je nach Anschlag den Klangcharakter zu verändern. Der CFX klingt moderner, während der Bösendorfer klassischer klingt. Aber das ist hoffnungslos subjektiv.

In der Abteilung Vintage Keys werden die Scene Buttons dazu verwendet, z.B. E-Pianos aus verschiedenen Epochen nebeneinanderzulegen, oder verschiedene Anschlagsarten beim Clavinet.

Und dann die Orgel-Sounds des Yamaha Montage, man legt die 9 Zugriegel einfach auf die Fader! Die sind so gut, dass man mithilfe eines externen Leslies oder Rotary-Effekts die B-3 von der Bühne verbannen könnte (der integrierte Leslie-Effekt überzeugt nicht wirklich). Dafür könnte man auch die beiden alternativen Audio-Ausgänge verwenden.

Die Orchestersounds hauen mich um! Wie bereits gesagt, dafür wurde eine Menge mehr an Sample-Speicher implementiert. Die Aufnahmequalität ist bemerkenswert. Der Super Knob und auch die anderen Controller sind musikalisch sehr gut eingesetzt, so z.B. bei den Seattle-Streichern, wenn man damit von diffusen Streichern in einen sehr konkreten Klang morpht, oder eine wirklich tolle Oboe mit einem Bläserensemble unterstützt, alles nur mit einer Knopfdrehung des Super Knobs!

Es war bis jetzt fast unmöglich, klassische Instrumente, z.B. die ganzen Artikulationen eines Blasinstruments auf einem Hardware-Synth wirklich authentisch umzusetzen und ausdrucksstark spielen zu können.

Das konnte man bis jetzt nur mit sehr aufwändigen Sample-Libraries verwirklichen, aber der Yamaha Montage kommt da schon verdammt nah ran. Und vor allem: es ist auch für den Normalmusiker schnell nutzbar.

Alle, die der Meinung sind, FM-Synthesizer klingen nur digital und hart, die sollten sich von der FM-X-Engine des Yamaha Montage eines Besseren belehren lassen. Natürlich gibt es auch die typischen FM-Sounds und die kristallklar. Und mit der MotionControl wird man schon an den Sound eines PPG Wave erinnert. Aber schaltet man dann auf den FM CS-80 Bläsersound, dann wird man schwören, dass dieser analog erzeugt wird.

Ob man es glauben will oder nicht, der Yamaha Montage kann so analog klingen, wie man es gerne hätte, oder aber auch nicht. Man hat einen riesigen Soundvorrat an Leads, Bässen, Pads, perkussiven Klängen von Retro bis zu extrem experimentell und zurück.

Ein großer Fortschritt im Vergleich zum Motif ist die Tatsache, dass bei einem Soundwechsel der vorherige Sound nicht jäh abgeschnitten wird, sondern ausklingen kann.

Yamaha Montage Test, Seite 2: Weitere Informationen, mehr Soundbeispiele und das Fazit!