Roland TB-03 Testbericht
Wir testen die Roland TB-03

Roland hat mit der Roland TB-03 einen weiteren TB-303-Clone auf den Markt gebracht. Doch diesmal soll nicht nur die Soundengine, sondern auch der legendäre Sequenzer emuliert werden. Gibt es endlich einen richtigen Clone-Ersatz für die alte Silberkiste? Unser Testbericht verrät es dir!

TB-303-Clones gibt es ja wie Sand am Meer. Und gleich vorweg: Ich hatte sie so ziemlich alle in den Fingern! Selbst die sagenumwobene Lunchbox-303, ein niederländischer Nachbau ohne Sequenzer und ursprünglich tatsächlich in eine Brotdose eingebaut, habe ich gesehen, bedient und gehört. Zur Geschichte der 303 und ihrer Clones werde ich bald ein Special schreiben. In diesem Roland TB-03 Testbericht nur so viel: Alle Clones hatten eins gemeinsam, ihnen fehlte der exakte Sequenzer.

Roland TB-03 Testbericht: Was gibt’s auszupacken?

Roland TB-03 im Boutique-Gehäuse
Roland TB-03 im Boutique-Gehäuse

Fange ich also mal an und hole das Maschinchen aus der Boutique-Serie aus seiner Verpackung. Sofort fällt die starke Verwandtschaft mit dem Original auf. Die Roland TB-03 hat fast dieselbe silberne Farbe wie meine über 30 Jahre alte TB-303, die meisten Regler und Taster sind bei etwas kleineren Dimensionen auch ungefähr an der gewohnten Stelle. Dadurch ist auch alles noch ein bisschen enger beisammen. Nachdem der Geschmacksmusterschutz für das Original ausgelaufen war, was uns ja auch die Cyclon Analogics TT-303 bescherte, wollte man wohl die alte Form nicht noch mal auflegen.

Inzwischen setzt man bei Roland eben auf das Boutique-Gehäuse, was mir als Besitzer von mehreren Boutique-Synths natürlich sofort auffällt.

Wie bei den beiden Drummachines TR-08 und TR-09 hat man der Roland TB-03 allerdings einen zusätzlichen Boden aus Kunststoff spendiert. Ist ja eigentlich auch ein Standalone-Gerät. Eigentlich, denn der Boden ist abnehmbar, und neben dem gewohnten Batteriefach und dem Lautsprecher befindet sich auch die Anschlussbuchse für das Keyboard K-25m an der Unterseite des Geräts.

Roland TB-03 Testbericht: Die Unterschiede zur TB-303

Roland TB-03 Testbericht: 303-Vergleich
Roland TB-03 und TB-303 im direkten Vergleich. Das Kenton-Interface sorgt für den Sync der 303.

Wie bei allen Boutique-Geräten gibt es auch bei der Roland TB-03 einen Schieberegler für An/Aus und ein getrenntes Volume-Poti auf der Rückseite. Bei der TB-303 übernimmt das alles das dicke Poti rechts. Ebenfalls anders: MIDI-in und –out, statt DIN-Sync-in, alle Buchsen sind jetzt Miniklinke und die Position des Schwingungsformschalters ist jetzt auf der Front, nicht mehr versenkt auf der Rückseite.

Es gibt aber auch jede Menge ganz neues! Klar, auch hier gibt’s die Micro-USB-Buchse, mit der nicht nur MIDI-Signale, sondern auch Audiodaten übertragen werden können. Als Audiointerface mit 44,1 oder 96 kHz funktioniert die Roland TB-03 wie alle Boutique-Synths auch.

Etwas unauffällig, aber gut, um die Roland TB-03 direkt mit analogen Sequenzern zu verbinden, ist die Trigger-in-Buchse. Sehr schön finde ich auch das (BPM-)Display. Und oben rechts finden sich drei Regler für Overdrive und Delay. Dazu später mehr.

Um verschiedene Parameter abzurufen, die sich unter der Haube dieser digitalen Kiste verstecken, ist der Function-Taster in Kombination mit dem Value-Regler und dem Display da. Hier lassen sich Dinge wie die Clock-Source, die Sequenzer-Modi oder die Effekttypen einstellen.

Und ja, nur falls wirklich jemand fragt: Wie alle neuen Synths von Roland in der Boutique-Serie ist auch die TB-03 mit einer komplett digitalen Klangerzeugung ausgestattet, bei der die Schaltkreise des Originals emuliert werden, um so möglichst nah an das Original heranzukommen.

Ansonsten ist scheinbar alles gleich: Audio-in und CV/Gate-Output gab’s schon 1982, ebenso getrennte Buchsen für Output und Kopfhörer.

Roland TB-03 Testbericht: der Sequenzer

Gut jetzt, halten wir uns nicht mit Äußerlichkeiten auf und gehen direkt mal an das Eingemachte! Roland wirbt ja damit, dass die TB-03 im klassischen Pitch-, Time- und Step-Modus programmierbar sei. Und wenn der Sound der TB-303 ihre Seele ist, so ist der Sequenzer das Herz. Ich will es also genau wissen und programmiere ein Pattern mit Slides, Accents und diversen Pitch-Änderungen aus meiner 303 1:1 in die Roland TB-03. Als ich mich versehentlich vertippe und zweimal auf „Transpose Up“ drücke, fällt mir ein Unterschied auf: Die TB-03 kann einen Ton nicht nur eine Oktave höher oder tiefer spielen, sondern gleich zwei! Gibt’s bei der 303 nur an oder aus, blinkt die LED am Taster bei zweimaligem Druck. Ein gelungenes Extra, für das man beim Original eine Modifikation braucht!

Aber zurück zum einprogrammierten Pattern: Die 1:1-Umsetzung scheint zu gelingen. Ich gebe Tonhöhen, Notenlängen und alles, was zum Pattern dazugehört ein und bin gespannt. Das Ergebnis habe ich hier im Video zusammengefasst.

Roland TB-03 Testbericht: Sequenzer- und Klangvergleich

Das Video hat es hoffentlich gezeigt: Der Sequenzer der TB-03 kann echte TB-303-Patterns erzeugen! Das Microtiming scheint gelungen, der Groove ist jedenfalls da. Und Notenlänge und Pitch sind eben doch nicht dasselbe! Endlich – der erste Clone, der das hinbekommt.

Warum das so wichtig ist? Ganz einfach: Je nach Sequenzer muss man unterschiedlich an ein Pattern rangehen. Und die Arbeitsweise hat auch stets Einfluss auf das Ergebnis. Echte Acid-Patterns, die über stumpfes 16tel-Gehämmer hinausgehen, sind eben nur mit dem Originalsequenzer drin.

Und auch der Unterschied zwischen Notenlänge und Pitch ist ganz entscheidend: Beim Original weiß der Sequenzer am Anfang der Note, dass sie zur nächsten Note sliden soll. Denn dort wird der Slide-Befehl immer an die Note gekoppelt. Wenn aber Notenlänge und Slide dasselbe sind, so kann ein Schritt für Schritt „denkendes“ Ding wie ein Sequenzer erst am eigentlichen Ereignis wissen, dass der nächste Schritt keine Verlängerung der aktuellen Note, sondern ein Slide zur nächsten ist. Dementsprechend muss man alles völlig anders programmieren. Zur Programmierung der TB-303 (und damit auch TB-03) veröffentliche ich hier demnächst auch mal ein Video.

Den anderen Sequenzer-Modus habe ich ganz ehrlich gar nicht erst ausprobiert. Schön, dass er da ist, aber wenn man den originalen Modus einmal kapiert hat, geht damit alles.

Doch dann ist da noch die Shuffle-Funktion. Shuffle geht bei der TB-303 nur über diverse Umwege. Bei der Roland TB-03 dagegen gibt’s die Verschiebung der geraden 16tel (nix anderes ist Shuffle hier) als eigen Funktion. Ein schönes Extra!

Roland TB-03 Testbericht: der Sound

Roland TB-03 Testbericht Anschlüsse
Die Anschlüsse der TB-03 auf der Rückseite

Ich glaube, man konnte im Video auch ganz gut hören, dass der Sound der Roland TB-03 für einen digitalen Clone absolut gelungen ist. Okay, meine TB-303 hat noch hörbare Rauschfähnchen im Sound und auch ein kleines bisschen mehr Bassdruck. Durch Alterung der Teile und Bauteiltoleranzen ist ein 1:1-Vergleich aber weder exakt möglich, noch zulässig. Schließlich gibt es einen guten Grund, warum beispielsweise die Acid-Formation Hardfloor so viele TB-303s hat: Kaum eine klingt exakt wie die andere. Meine eigene 303 klingt beispielsweise im direkten Vergleich zu diversen anderen relativ hell.

Und hier kommt dann vielleicht auch der einzige Nachteil der Roland TB-03: Sie klingen alle gleich! Hier wird eben eine Silberkiste emuliert, nicht alle. Ich kann verstehen, dass ein Hersteller mit einem Klangideal dies als Vorteil ansieht. Ich kann aber auch nachvollziehen, warum ein Acid-Künstler das nicht mag. Man stelle sich nur mal vor, alle drei oder vier 303s in einem Track würden identisch klingen. Da helfen nur Effekte. Gucken wir uns die also mal an.

Roland TB-03 Testbericht: die Effekte

Roland TB-03 Testbericht Unterseite
Alles wie bei den anderen Boutique-Geräten, nur eben in Silber: Boden mit Batteriefach, Lautsprecher und Tastaturanschluss

Fange ich mit dem gelungenen Effekt an: Die Delay sind klasse – ein Delay kann man ja immer gebrauchen! Zwei Varianten stehen bereit, nämlich eine Emulation eines Tape-Delays und ein Digitaldelay. Auf Wunsch kann das Delay auch zur Clock synchronisiert werden. Time- und Feedback-Regler regieren sehr gut, damit sind wunderbare Grooves im Handumdrehen drin. Daumen hoch dafür. Ebenfalls mit an Bord ist als Alternative zum Delay ein kleiner Hall.

Und dann ist da noch dieser Overdrive-Regler. Um dem Sound ganz leicht eine Veränderung mitzugeben, ist der meiner Meinung nach in Ordnung. So richtig warm geworden bin ich aber damit nicht. Keine Variante reichte an die Kombination einer TB-303 mit einem Boss Overdrive-Pedal heran. Im schlimmsten Fall klang es sogar wie der Zerr-Effekt aus Rebirth – und der war mit Verlaub eine Katastrophe! Zum Glück sprechen wir ja hier über Hardware, und da gibt’s ja jede Menge Alternativen an Overdrive-Stompboxen für eine richtig kreischende 303.

Ein Tipp zur Suche nach dem richtigen Overdrive: Wenn du den Cutoff aufreißt und die Kiste richtig schreit, aber gleichzeitig der Bassdruck nicht flöten geht, dann bist du auf der richtigen Spur!

Roland TB-03 Testbericht: Fazit

Beide Daumen hoch, Roland! Ob es die regelmäßigen Gespräche mit den Acid-Profis waren oder was auch immer: Endlich gibt es einen Clone, der richtig funktioniert. Die Roland TB-03 ist meiner Meinung nach eine echte Alternative für alle, die sich keine TB-303 leisten können oder wollen. Das Original wird damit sicher nicht obsolet und – enttäuschend, für alle, dir drauf gehofft haben – mit Garantie keinen Cent billiger. Denn wie bereits erwähnt, klingen die alten Silberkisten alle ein bisschen unterschiedlich. Aber dank des wunderbar umgesetzten Sequenzers und des sehr gut emulierten Sounds stehen bei dem günstigen Straßenpreis von gerade mal 368 Euro einem neuzeitlichen Acid-Revival vielleicht nur noch deine Programmierkünste im Wege.