Roland D-05 Test Testbericht
Roland D-05 Synthesizer im Test

Pünktlich 30 Jahre nach Release des legendären Roland D-50 wurde die Roland Boutique-Serie um den D-05, der die alte Synthesizer-Legende wieder aufleben lässt, erweitert.

Einerseits war ich sehr gespannt auf den Roland D-05, gehörte der D-50 doch damals zu meinen Lieblingssynths. Andererseits war ich sehr skeptisch, ob man die Benutzeroberfläche des D-50 wirklich in das Roland-Boutique-Format übertragen kann. Denn schon der D-50 in der Tastaturversion war sperrig in der Programmierung und man benutzte besser den PG-1000 Hardware-Programmer oder eine entsprechende Software-Lösung.

Als ich den Roland Boutique D-05 aus seiner Verpackung nahm und das Pralinenschachtel-große Gerät in Händen hielt, schoss es mir durch den Kopf: „Kann man eigentlich nicht so machen.“

Die Oberfläche ist dem Original weitestgehend nachempfunden, aber so ein Mini-Display ist heute einfach nicht mehr zeitgemäß.  Damals war die Ein-Knopf-Mini-Display-Bedienung üblich, aber muss das heute auch so sein?

Klar, man musste sich ans Boutique-Format halten, aber hätte man nicht direkt einen Editor für das iPad mitleifern können? So wird der Roland D-05 als Preset-Maschine etwas unter Wert verwendet werden. Schade eigentlich, denn die LA-Synthese bietet nicht nur ein paar schöne Möglichkeiten, sondern hat auch, und das kann man von den wenigsten Synths behaupten, einen eigenen Klangcharakter.

Roland D-05 Test mit Tastatur
Der Roland D-05 passt wie alle Boutique-Geräte auch in die K-25m Tastatur.

Natürlich kann man auch mit den spartanischen Elementen das Ding programmieren, aber Spaß macht das nicht. Vor allem Einsteiger werden damit keine Freude haben. Aber es gibt Abhilfe, denn der D-05 ist mit dem D-50 kompatibel, was bedeutet, dass D-50-Editoren, die im Netz rumschwirren, Verwendung finden können. Auch könnte man den Hardware-Programmer PG-1000 nutzen, der aber größer ist als der D-05 selbst, und kaum zu finden ist.

Trotzdem wird dies hier kein Verriss, im Gegenteil, am Ende werde ich den Roland D-05 allen empfehlen, deren Keyboard-Setup noch eine sinnvolle Ergänzung benötigt. Einfach, weil der D-05 einen eigenen, ganz speziellen Klang hat. Vor allem der Preis von knapp Euro 350 macht das Ding eigentlich unverzichtbar.

Aber warum ist der D-05 unverzichtbar?

Gehen wir mal in das Jahr 1987 zurück. Der Yamaha DX-7 war der Hit des Jahrzehnts. Mit dem D-50 wollte Roland da etwas dagegensetzen.  Und so erblickte die LA-Synthese das Licht der Welt. Ketzerisch könnte man sagen, diese sei „aus der Not“ geboren. Denn man bediente sich eines Tricks. Man wollte mit Samples arbeiten, aber Speicherplatz war im Vergleich zu heute sehr teuer.  Wissenschaftler hatten herausgefunden, dass das menschliche Ohr speziell in der Attackphase einen Klang identifiziert. Und so verwendete man sehr kurze Samples aus der Attackphase eines Sounds, so z.B. den Anstrich eines Streichinstrumentes und koppelte dies mit einem Klang, erzeugt durch digitale Synthese, die weitestgehend nach dem subtraktiven Prinzip arbeitete. Und so war der D-50 wahrscheinlich der erste virtuell-analoge Synthesizer.

Doch man arbeitete nicht nur mit Samples in der Attackphase, sondern baute auch Flächensamples (Chor, Streicher und Bläser) in der Sustainphase ein, was dem D-50 auch seinen besonderen Klang ermöglichte. Diese Überblendung von Klangmaterial erinnerte mich immer an das Wavetable-System von PPG. Und so ging der D-50 klanglich für mich auch damals in diese Richtung und war weniger ein DX-7-Herausforderer. Flöten, Streicher, Flächen, Harfen und Glocken gehören zu den Vorzügen eines D-50 und damit auch eines D-05.

Auf jeden Fall setzte der D-50 damals klanglich Maßstäbe und war auf zahlreichen Hit-Produktionen zu hören. So  z.B. im Intro von Michael Jackson’s „Man In The Mirror“ oder bei Enya’s „Orinoco Flow“, was die „Pizzagogo“ und „Fantasia“-Presets ziemlich berühmt machte.

Der Aufbau des D-50 und damit auch des D-05

Jeder Sound besteht aus zwei Tones (upper und lower), die wiederum aus jeweils 2 Partials zusammengesetzt sind. Ein Partial kann ein eine Synthesizer-Wellenform oder ein PCM-Sample (Attack, Sustain). Und genau die Kombination dieser Elemente, die sich noch in 7 verschiedenen Algorithmen anordnen lassen, macht die klangliche Identität des Roland D-05 aus.

Roland D-05 Joystick
Der Roland D-05 hat auch den vom D-50 bekannten Joystick.

Gerade die Überblendung dieser Elemente schafft diesen lebendigen Klang. Und das lässt sich über den Joystick (ja, auch diesen hat man beim D-05 übernommen) in Echtzeit steuern.

Und was auch kaum einer heute noch weiß: Der D-50 war der erste Synth mit On-board-Effekten (Hall Chorus etc.). All dies wurde beim Roland Boutique D-05 beibehalten. Mehr noch, man spendierte dem kleinen Kerl sogar noch einen polyphonen 64-Step-Sequenzer sowie einen Arpeggiator, die das Original nicht hatte.

Dazu kommen die beiden Boutique-typischen Ribbons auf der linken Seite. Natürlich ist der D-05 auch mit dem Keyboard K-25 kompatibel, kann aber auch über ein beliebiges MIDI-Keyboard angesteuert werden.

Ein großer Kritikpunkt an den anderen Boutique-Modellen war die geringe Stimmenzahl. Dies ist bei Roland D-05 gottseidank anders, denn dieser verfügt über max. 16 Stimmen (im Dual Mode dann 8). Bravo.

Hat der Roland D-05 genug Sounds parat?

Roland D-05 Test Display
So richtig zeitgemäß ist das kleine Display des Roland D-05 nicht.

In der Tat. Die Original-Patches des D-50 wurden übernommen und auch die der damals erhältlichen Soundkarten.  Der Speicher ist organisiert in 64 x 6 Presets und 64 x 8 User-Sounds, was 896 Sounds ergibt. Dies ist schon ein riesiger Fundus an interessantem Klangmaterial.  Und vielleicht ist das auch schon „too much choice“. Mancher User wird möglicherweise vom Klangvorrat geradezu erschlagen werden.  Da ist es wirklich nicht einfach, einen gewünschten Sound wiederzufinden. Die Klänge sind im Display zwar mit Bezeichnungen versehen, aber man muss sich natürlich die Speicherplatznummer merken. Da muss man sich schon fast Listen machen.

Sequencer und Arpeggiator

Das sind zwei Bereiche, die der alte D-50 nicht vorzuweisen hatte.  Der polyphone Sequenzer verfügt insgesamt über 64 Steps. Ob man dieses Feature wirklich braucht, das wage ich zu bezweifeln. Auf jeden Fall lassen sich bis zu 64 Patterns abspeichern.

Roland D-05 Test Nummernfeld
Hinter der Sequencer-Taste versteckt sich mit Shift der Arpeggiator.

Sinnvoller finde ich da schon den Arpeggiator, wenn man diese Funktion denn überhaupt findet (da sind wir wieder bei der Bedienung). Irgendein Bedienelement mit der Beschriftung „Arpeggiator“ sucht man auf der Benutzeroberfläche vergebens.  Dass man dafür die Taster „shift“ und dann „Sequencer“ drücken muss, dies erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Es steht zwar irgendwo klein im sog. Manual, welches ich aber schon  als „fragwürdig“ bezeichnen muss. Ein überdimensionales Faltblatt mit der Anmutung eines unhandlichen Stadtplans, wo man sich dann noch babylonisch seine „Sprache“ suchen muss, hat die Bezeichnung nicht verdient.

Die Klangqualität

Der alte D-50 hatte damals ein Manko. Er rauschte nicht unwesentlich, was bei professionellen Produktionen ziemlich problematisch war.  Und so war ich doch sehr gespannt, ob man das beim Roland D-05 in den Griff bekommen hat? Man hat, ich kann da nichts Negatives entdecken. Was mich ein wenig gestört hat, das ist die niedrige Ausgangsleitung des D-05. Man muss am Pult den Gain-Regler schon kräftig aufdrehen, um ein gutes Signals zu haben.

In der Playlist habe ich 9 Klangbeispiele des Roland D-05 zusammengestellt

Man sollte übrigens nicht den Fehler machen, den Klang über die eingebauten Lautsprecher zu beurteilen. Ich verstehe sowieso nicht, wozu die Dinger gut sein sollen. Der D-05 ist schließlich kein Portable-Keyboard. Da aber alle Mitglieder der Bouttique-Familie so einen Quäker haben, kam man auch beim D-05 nicht darum herum. Wirklich etwas anfangen kann ich damit nun wirklich nicht.

Darüber hinaus finde ich es müßig, jetzt exzessive A/B-Vergleiche mit dem D-50 anzustellen. Es kommt eher darauf an, ob sich der D-05 auch im heutigen Synthesizer-Umfeld behaupten kann, und ob er immer noch klanglich eine Identität besetzt. Und beide Fragen kann ich bejahen.  Und das ist der Grund, warum ich eingangs gesagt habe, dass das kleine Ding eigentlich in jedes Keyboard-Set-up gehört. Trotz der umständlichen Bedienung. Und schließlich hat man mit knapp 900 Sounds auch eine Menge an Klangvorrat.

Und wie schon gesagt, der D-05 hat seinen eigenen, eher digitalen PPG-haften Klangcharakter.  Insofern ist er eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Geräten im Set-up.

Anschlüsse

Roland D-05 Anschlüsse, Foto: Roland
Die Rückseite des Roland D-05 mit den Anschlüssen. Foto: Roland

Wie alle Boutique-Synths arbeitet auch der D-05 mit Stereo-Miniklinke im Ausgang. Ich könnte mich ja damit anfreunden, wenn ein entsprechendes Kabel (Miniklinke auf 2 x Klinke) zum Lieferumfang gehören würde. Aber wer hat schon so ein exotisches Kabel im Fundus? Richtig, der, der bereits einen Boutique-Synth hat. Also bedenken, wenn man sich so ein Teil kauft, Kabel mitkaufen, sonst gibt es Frust zu Hause, wenn man sein neu erworbene Gerät nicht sofort ausprobieren kann. Ich finde, dass so ein Kabel zur Standardausrüstung gehören muss.

Im MIDI-Bereich finden wir dann Stecker in gewohnter Größe mit einem MIDI in und einem MIDI out. Die Stromversorgung erfolgt über USB (Kabel nicht mit dabei) oder über Batterien (die sind dann wundersamer Weise dabei). Dazu kommt noch ein Kopfhöreranschluss (Miniklinke).

Fazit

Bei einem Streetpreis von unter 350 Euro kann ich nur sagen: Kaufen! Der D-05 passt in jedes Keyboard-Setup und solle da aufgrund seiner klanglichen Eigenheiten auch nicht fehlen. Da kann man nichts falsch machen.  Ohne Zweifel werden ihn die meisten als Preset-Soundmaschine nutzen, da die Programmierung ohne Editor nun wirklich sperrig ist. Aber auch in dieser Funktion ist er bei dem Preis/Leistungsverhältnis eine Empfehlung.

Sound gut, alles gut.