Ich liebe Synthesizer, die tun, was nichts sonst tut.

Ja, ich auch.

Die Korg Wavestation war zunächst auch so ein kommerzieller Flop, weil sie keine Klaviatur hatte — falsche Zeit.

Und der Cobalt Soft-Synth.

Oder der Korg Z1 — ein fabelhafter Synth, aber niemand hatte eine Vorstellung, wie er zu bedienen ist.

Jean-Michel Jarre (Foto: Sony)
Jean-Michel Jarre (Foto: Sony)

Ich liebe auch den Roland V-Synth, der den besten Vocoder der Welt hat. Tatsächlich, es ist interessant: Mit Air haben wir am Anfang mit dem Original-Korg gearbeitet. Sie hatten einen Korg-artigen Vocoder — ich meine, eine Art Harmonizer — aber ich war nicht überzeugt davon.

Dann haben wir wirklich angefangen, den Vocoder-Part mit dem V-Synth zu machen. Meine beiden Lieblings-Vocoder sind der V-Synth und der in dem Novation MiniNova. Sehr einfach, sehr gut.

Darüber hinaus liebe ich den EMS 2000 — den alten. Ich habe den 1000, den 2000 und den 3000.

Der Memorymoog ist auch noch einer meiner Lieblings-Synthesizer. Außerdem der JD-800, der CS-80 und der Elka Synthex.

Den hast Du Dir in den 80ern zugelegt, oder? Hast Du während der Produktion von Revolutions angefangen, ihn zu benutzen?

Ja. Außerdem war der Laser-Harp-Sound [ein Preset] vom Synthex. Nur sehr wenige Synthex sind gebaut worden, und ich habe das Glück, drei zu besitzen. Ich hatte drei Synthex auf der Bühne!

Jean-Michel Jarre Interview – Die Eminent

Auf Deiner letzten Tour musstest Du vier Keyboard-Set-ups aufbauen, oder? Hattest Du die Eminent mit auf Tour?

Wir hatten 50 oder 60 Synthesizer auf der Bühne, weil ich auf der letzten Tour Oxygène komplett live ohne MIDI spielen musste — ziemlich genau das Gegenteil von USB oder der SD-Karte für DJs, von der eine für die ganze Tour reicht. Wir haben gesagt:„Okay, wir werden alles live spielen.“

Es war verrückt, denn als wir anfingen, hatten wir die ersten Mellotrone mit zwei Tastaturen und Röhren — 400 Kilo — außerdem den Moog Modular und den ARP 2500. Und um den ARP 2600 zu benutzen, mussten wir vor dem Konzert zwei Stunden Aufwärmzeit einrechnen.

Wenn Du einen Eminent-Part spielst, fühlst Du Dich wohl dabei, ein [ARP Solina] String Ensemble zu benutzen, oder muss es die echte Eminent sein?

Ich kann die Eminent immer noch nicht ersetzen. Ich habe sehr vorsichtig ein Sample davon erstellt, für wenn ich auf Reisen bin. Aber für mich unterscheidet sie sich vom ARP Omni oder dem Solina, weil sie einen reichhaltigeren Chorus hat als das Solina.

Wenn ich das richtig verstehe, ist die Schaltung aus der Eminent zum [ARP Solina] String Ensemble geworden. Wie hat das Solina diese Technik einbezogen?

ARP hat diese Technologie von Eminent gekauft, der niederländischen Orgel-Firma. Und sie haben den ARP Omni gebaut. Aus dem Omni wurde dann das Solina, als einfachere Version der Eminent. Aber die Eminent ist immer noch unvergleichbar, wenn es um den Chorus geht, einfach weil sie drei davon hat, die sich ganz leicht in der Geschwindigkeit unterscheiden. Das macht den Klang so reich, während das Solina nur einen einzigen hat.

Ich habe gelesen, dass die Eminent auch Orgelklänge hat. Klingen die wie Farfisa-Sounds?

Ja, mehr oder weniger nah an dieser Art von Farfisa. Für Orgel-Sounds habe ich sie auf manchen Sachen vor Oxygène benutzt. Auch die Melodielinie von Oxygène 2 — das ist ein Orgelelement von der Eminent. Da wir gerade von Orgeln sprechen, ich bin nicht wirklich ein [Hammond-]B3-Typ. Ich liebe den Sound, aber es ist nicht meine Kultur. Meine Kultur ist viel eher die einfache europäische Orgel — die Vox, die Farfisa und die Eminent. Ich liebe einfach diesen trockenen Klang.

Hast Du bewusst für das aktuelle Album mehr analoge Instrumente als Software benutzt?

Jean-Michel Jarre Interview: Jarre im Studio (Foto: Sony)
Jean-Michel Jarre Interview: Jarre im Studio (Foto: Sony)

Ich habe begonnen in der Überzeugung, dass manche Dinge analog gemacht werden sollten, aber je weiter ich mich in den Prozess hineinbegeben habe, desto mehr habe ich analog und digital vermischt. Ich bin ein großer Fan des Monark von Native Instruments. Für mich ist der Monark näher am Minimoog als so manche Hardware, die Moog heutzutage herstellt.

Ebenfalls super ist der Diva Synthesizer. Ich liebe auch den Serum, und ich liebe neue Plugins wie Contour und Rounds von Native Instruments. Sie sind brillant, weil sie nichts mit dem zu tun haben, was wir zuvor kannten.

Hast Du Tipps für Elektronik-Musiker, die gerade anfangen?

Ich würde einem Anfänger sagen: Nimm ein Plug-in und bleibe für sechs Monate bei diesem Plug-in. Such Dir kein weiteres aus. Erkunde einfach dieses eine, welches auch immer, denn Grenzen und Einschränkungen sind das Beste. Mit Technologie ist es heutzutage so: Seit wir dieses Gespräch angefangen haben, gibt es wahrscheinlich mindestens 100 weitere Plug-ins, und morgen nach dem Mittagessen werden sie Geschichte sein. Also lieber direkt eines aussuchen und damit loslegen.
© Keyboard Magazine, Courtesy of NewBay Media, 2015