Vienna Symphonic Library Concert D-274
Vienna Symphonic Library Concert D-274

Produkte der Vienna Symphonic Library gehören stets zur Champions League der Orchestral Plug-ins und gelten schon fast als Referenz. Ob dies auch für das Vienna Concert D-274 gilt, einem gesampelten Steinway-Flügel, dies wollen wir nachstehend klären.

Der Aufwand für die Produktion der Vienna Symphonic Library Concert D-274 war auf jeden Fall enorm. Dies beweist schon alleine die Größe dieser Library, die es in zwei Ausführungen gibt. Die Standard-Version mit 5 Mikrofonpositionen und die Full Version mit 11 Mikrofonpositionen (Surround):

Standard Full

Anzahl Samples: 99.735 219.417

Dateigröße des Downloads 31,7 GB 71,4 GB

Installierte Dateigröße 118,0 GB 266,3 GB

Insgesamt wurden rund 4000 Samples je Taste angefertigt und fast 20.000 Samples je Mikrofonposition. Um ein Höchstmaß an Präzision bei der Aufnahme zu gewährleisten, nutzt Vienna einen sogenannten Roboter-Finger, der jede Taste in rund 100 Abstufungen immer gleich anschlagen lässt. Dabei wurde nicht nur die Anschlaggeschwindigkeit aufgezeichnet, sondern auch die Release-Velocity, also die Geschwindigkeit, in der man eine Taste wieder loslässt. Auch dies hat einen wichtigen Einfluss auf den Klang eines Tones.

Die verwendeten Mikrofone und ihre Positionen in der Standard- und Full-Library
Die verwendeten Mikrofone und ihre Positionen in der Standard- und Full-Library

Zur Installation und zum Betrieb benötigt man einen iLok-Account und einen dazugehörenden USB-Key (z.B. den Vienna-Key). Der Stick ist nicht im Lieferumfang enthalten, kann aber z. B. bei Thomann für 24 Euro gekauft werden. Dieser ist dann auch für andere Software, die mit iLok arbeitet, gültig

Zum Spiel des Vienna Synchron Steinway D-274 ist natürlich ein 88er Masterkeyboard mit gewichteten Tasten zu empfehlen, obwohl es natürlich auch jede andere Tastatur tut.

Hier der erste Video-Eindruck des Vienna Symphonic Library Concert D-274:

Vienna Symphonic Library Concert D-274 – Der erste Eindruck

Die Startseite macht einen erfreulich übersichtlichen Eindruck. Im Mittelpunkt steht der Steinway-Flügel, darunter die virtuelle Tastatur. Darum gruppieren sich die zur Verfügung stehenden Bedienelemente.

Über der Tastatur finden wir die 6 voreingestellten Flügelsounds: Concert, Intimate, Player, Pop, Ambient und Mighty.

Jedes Preset hat dabei seinen vollständig eigenständigen Klangcharakter. Concert mit viel Raumanteil, Intimate, wie der Name schon erahnen lässt, eher direkt, und Pop sehr brillant und schon fast drahtig.

Positiv ist, dass das „nur“ Vorschläge seitens Vienna sind. Man kann die Einstellungen nach eigenem Gusto verändern. Mir persönlich war beim Concert-Preset der Raumanteil etwas zu groß, mit einem kleinen Handgriff (da kommen wir gleich dazu), konnte ich mir den Sound aber nach meinen Wünschen einstellen.

Das Pop-Piano klingt alleine gespielt vielleicht etwas zu schmal und scharf, ist aber so in einem Pop- oder Rock-Arrangement optimal, da es sich besser durchsetzt, ohne aber den gesamten Frequenzbereich zuzudecken. Hier merkt man direkt, dass sich erfahrene Tonleute um diese Presets gekümmert haben…

Auf der linken Seite finden wir Regler für Hall, Volume und Dynamik, auf der rechten Seite gibt es die Tuning-Funktion mit der Feinstimmung sowie die Stimmung in Halbtönen und Oktaven.

Darunter finden wir die Einstellmöglichkeiten für MIDI-Sensitivity, für das MID-Pedal und für die „Pedal-Geräusche“.

Über letztere Funktion lassen sich die Geräusche hinzu mischen, die beim Betätigen der Pedale entstehen. Jetzt könnte man sagen, dass das eigentlich „unerwünschte“ Nebengeräusche sind. Dies ist sicherlich richtig, aber zu einem authentischen Klang gehören sie irgendwie dazu. Wer will, der regelt die Intensität mit dem gewünschten Level hinzu, wer nicht will, der lässt es halt weg. Ich finde, das gehört irgendwie zum Klavierklang dazu.

Zu den sehr nuancierten Einstellungen gehören dann noch „Sympathetische Resonanz“, „Body“ und „Timbre Shift“.

Erstere entsteht z.B. dann, wenn man eine Taste stumm gedrückt hält und einen anderen Ton anschlägt. Dabei werden die Saiten durch die anderen Töne angeregt und damit in Schwingung versetzt, was zum Klangerlebnis Klavier/Flügel dazugehört.

Der Body-Regler emuliert den Resonanzkörper des Flügels und macht den Klang etwas voluminöser, während Timbre Shift das Klangerlebnis heller oder etwas wärmer werden lässt.

Um diese Funktionen auszuprobieren, sollte man sie mal bis zum Anschlag aufdrehen. Schnell wird man merken, dass da wirklich Nuancen geregelt werden, die vielleicht bei einem Pianoklang in einem dichten Pop-Arrangement gar nicht mehr zu hören sein werden, wohl aber bei Solo-Piano-Aufnahmen.

Vielleicht sollte man diese Funktionen aber auch erst zum Schluss eines erarbeiteten Sounds in Angriff nehmen.

Unterhalb der Flügelabbildung sind die Anzeigen/Auslöser für die drei Pedal-Funktionen Soft (Una Corda), Sostenuto und Sustain. Diese sind den MIDI-Controllern CC 64, CC 66 und CC 67 zugeordnet.

Vienna Symphonic Library Concert D-274 -Der Mixer

Von der Startseite (auch Player-Modus genannt), gelangen wir über den Mix-Button auf die Mixer-Seite. Hier haben wir die verschiedenen Mikrofonpositionen in einem Mischpult organisiert im Griff. Hier werden Lautstärkeanteile der Mikrofonpositionen, Panorama, EQ, Reverb etc. bestimmt. Dazu kommen die Mischpult-typsichen Mute- und Solotaster

Auch ein Runtime-Delay, das Signallaufwege bei den Raumanteilen erzeugt, ist hier zuschaltbar. Auf der rechten Seite sehen wir verschiedene Reverb-Parameter.

Will man bei den Einstellungen in die Tiefe gehen, dann erreicht man die jeweiligen Untermenüs per Doppelklick.

Die hier zur Verfügung stehenden Klangbeeinflussungs-Möglichkeiten sind wirklich gut gewählt. Den 5-Band EQ pro Kanal kann man z.B. grafisch bedienen mit Q-Faktor und allem, was das Mixer-Herz begehrt. Auch die Einstellung des Panoramas geht deutlich über pures Rechts/Links hinuas.

Auch wenn man auf der Mixer-Page eine Vielzahl von Parametern zur Verfügung hat, bleibt alles logisch angeordnet und bedienbar, ohne laufend die deutsche Bedienungsanleitung konsultieren zu müssen.

Hat man auf der Player-Seite ein Preset gewählt und geht dann auf die Mix-Seite, so ist dort dann die entsprechende Einstellung zu sehen. Ich erwähnte eingangs, dass mir persönlich beim Concert-Prest ein wenig zu viele Raumanteile dabei wären. Dies konnte ich durch Heerunterziehen des Faders von Kanal 1 (Room-Mix) sekundenschnell korrigieren uns abspeichern.

Im Edit-Bereich kann sich der User „sein“ Piano entwickeln bzw. „seine“ Pianos für die verschiedensten Anwendungsbereiche. Was Vienna dazu tut? Den perfekten Grundklang

Vienna Symphonic Library Concert D-274 – Die Edit-Page

Wer noch tiefer ins Klang-Geschehen eintauchen möchte, der kann dies über die Edit-Seite machen. Die Besonderheit hier ist, dass man da nicht den gesamten Klavierklang beeinflusst, sondern nur gewünschte Bereiche, heruntergebrochen bis zu einer Taste (!). In dieser Sektion kann der, der möchte, nun wirklich noch den letzten Feinschliff für sein Piano durchführen. So könnte man den EQ verändern oder die Dynamik-Response, wenn man vielkeicht die Angewohnheit hat, im Bassbereich zu sehr „zuzuschlagen“.

Ob der Normal-Musiker dies intensiv nutzen wird, weiß ich nicht. Für den Klavier-Puristen ist das natürlich ein El Dorado.

Vienna Symphonic Library Concert D-274 EQ
Vienna Symphonic Library Concert D-274 EQ
Vienna Symphonic Library Concert D-274 Panorama

Vienna Symphonic Library Concert D-274 – Die Klangqualität

Exzellent. Das ist der Begriff, der die Klangqualität des Concert D-274 wohl am besten beschreibt. Das Plug-in beschränkt sich auf den puren Flügelsound ohne jedwede Experimente. Und das ist gut so.

Die Vielzahl der Mikrofonpositionen, die vielen Parameter, die unglaublich feine Klangnuancen erlauben, tun ein Übriges hinzu, dem Flügelsound aus dem Rechner ein Höchstmaß an Authentizität zu verleihen. Der Flügel klingt brillant, klar, durchsichtig, mächtig und auch wieder zart. es wurde halt ein Steinway D-274, Hamburg-Modell, aufgezeichnet. Besser ist eigentlich nur noch der Flügel selbst.

Klangbeispiel 1: Bach mit dem VSL Concert D-274

Klangbeispiel 2: Beethoven mit dem VSL Concert D-274

Klangbeispiel 3: Liszt mit dem VSL Concert D-274

Vienna Symphonic Library Concert D-274 – Fazit

Der Vienna Steinway D ist ohne Zweifel State-of-the-Art. Wer einen puren Flügelklang ohne Kompromisse sucht, der wird hier fündig.

Das Plug-in genügt ohne Zweifel professionellen Ansprüchen im Studio, beim Sounddesign und für Komponisten und Arrangeure. Wenn man den Aufwand bedenkt, den man in einem Studio treiben muss, um einen Flügel in derartiger Qualität „aufs Band zu bekommen“, dann weiß man, wie viel Zeit man mit dem Einsatz dieses Plug-ins sparen kann. Und Zeit ist bei knappen Budgets immer ein wichtiger Faktor.

Dass man darüber hinaus das Steinway D nicht nur dem professionellen Anwender empfehlen kann, das liegt an dem höchst attraktiven Preis von 285 Euro für die Standard Library und 540 Euro für die Full Library. Das ist jetzt auch kein Geld, was den ambitionierten Hobbymusiker verprellen würde.

Dass mir der Klang gefällt, das dürfte man herausgelesen haben. Mich fasziniert aber auch die intuitive Benutzeroberfläche, die es dem User einfach macht, „seinen“ Steinway zu konfigurieren, oder aber mehrere Varianten für verschiedenen Anwendungen und Musikstile zu programmieren.
Da lohnt es sich wirklich mit dem Mixer und den verschiedenen Mikrofonpositionen zu experimentieren.

Für welche Variante man sich entscheidet, dass muss der Geldbeutel entscheiden. Wenn es sich irgendwie darstellen lässt, dann würde ich zur Full Version greifen. Auch dann, wenn man die Surround-Funktion nicht benötigt (was für die meisten gelten wird). Aber die Surroundmikrofone haben auch im Stereo-Mix ihren Einfluss.

Man muss sich, und das ist User-freundlich, gar nicht sofort entscheiden und kann auch später von der Standard- auf die Vollversion updaten.

Aus meiner Sicht ist die Vienna Library ein „Muss“ für alle Musiker, bei denen der Flügelklang eine Rolle in der Musik spielt.

Mich begeistert die Qualität und fast noch mehr der Preis, der dieses Plug-in für jede(n) Musiker(in) erschwinglich macht. Volle Punktzahl.