Roland Jupiter Xm
Roland Jupiter Xm

Als Roland im Spätsommer 2019 neue Jupiter-Synthesizer ankündigte, dachten viele daran, dass der japanische Hersteller den legendären Jupiter-8 wieder auferstehen lassen wollte. Doch diese Annahme ging fehl, denn nun ist der Roland Jupiter-Xm da.

Zwar wird in Kürze der Jupiter-X im Design des alten Vorbilds auf den Markt gebracht, doch handelt es sich dabei um einen Digitalsynthesizer. Gleiches gilt für den Jupiter-Xm, den kleinen Bruder des Jupiter-X, der optisch recht schlicht daherkommt.

Packt man den kleinen Kerl aus, dann bemerkt man sofort, dass er wirklich handlich und sehr leicht (4,4, kg) ist. Wir sehen ein stabiles Bedienfeld aus Metall, während das Chassis aus Kunststoff ist.

Es ist immer Geschmacksache, aber der Synthesizer-Erotik-Faktor ist nicht sehr hoch. Alles wirkt recht nüchtern. Ob das seitens Roland clever ist, weiß ich nicht. Wie wir sehen werden, kann das Ding eine ganze Menge mehr, als man auf dem ersten Blick vermuten möchte.

Roland Jupiter-Xm Test – Das Konzept

Roland hat bei den neuen Jupiter-Synthis das Synthese-Rad nicht wirklich neu erfunden. Man verwertet das, was man hat, und stellt es neu zusammen.

Der Jupiter verbindet analoges Modeling mit Sample-basierten (PCM) Klängen und einer Piano Engine. Das alles fast man unter dem Oberbegriff Zen-Core-Synthese zusammen. Zen-Core verbindet verschiedene Syntheseformen in einem System. Die Engine ist übrigens gleich mit der des großen Jupiter-X, der erst im Frühjahr 2020 auf den Markt kommen soll.

Im analogen Modelbereich finden wir folgende Emulationen (virtual analog):

  • Jupiter-8
  • SH-101 (kann sowohl monophon als auch polyphon gespielt werden!)
  • Juno-106
  • JX-8P

All das kennen wir schon als Boutique-Modell oder als Software-Lösung.
Dann folgen mit seinem riesigen Sound-Angebot der Sample-basierte(PCM)

  • JV-5080 und das
  • RD-Piano

Aber das ist noch nicht alles. Wir reden hier noch vom Rhythmusbereich mit Sounds aus den legendären TR-808, TR-909, CR-78 und mehr. Als Sahnehäubchen gibt es noch einen Vocoder oben drauf.

Ja, da muss man erst einmal durchschnaufen. Roland hat fast alles eingebaut, was man Im Regal stehen hatte. Diese ganze Roland-Power mit der exzessiven Sound-Library für knapp 1.500 Euro? Das ist schon mal ein Wort. World of Roland wäre auch eine passende Bezeichnung für das recht unscheinbare Keyboard.

Und Roland hat es sich offengehalten, den Jupiter-Xm mit weiteren Modellen auszustatten. Das Instrument ist also erweiterbar. Ein weiterer Pluspunkt.

Irgendwie scheint der Designer des Xm von dem eigenen Gerät nicht ganz so überzeugt, denn die GUI spiegelt nicht wider, was das Innenleben zu leisten imstande ist.

So sind Funktionen wie Vocoder, Sequenzer und Rhythmusparts auf dem Bedienfeld noch nicht mal namentlich erwähnt. Irgendwie schlägt Roland sich bei diesem Design vollkommen unnötig unter Wert. Da kommt eher der Gedanke auf: „Was, dafür muss ich knapp 1.500 Euro bezahlen?“

Bei soviel Power kommt unweigerlich die Frage nach der Polyphonie aus, die ja bei 5 Parts-Layern (s.u.)recht umfangreich sein muss. Reichen bis zu 256 Stimmen? Klar!

Die Polyphonie ist ein wenig abhängig von den gewählten Modellen, aber immer mindestens 32-stimmig je Model. Das ist dann auch deutlich mehr als wir z. B. bei den Boutique-Versionen zur Verfügung haben, die ja „nur“ vierstimmig sind.

Aber es gibt ja nicht nur die Vintage-Modelle. Wir können die Jupiter-X-Engine auch unabhängig von den emulierten Roland-Legenden programmieren. Dafür stehen je Sound biss vier Partiales zur Verfügung, die über zwei Schwingungsformen jeweils verfügen können. Und da kann man sich u.a. an dem reichhaltigen Fundus der PCM-Schwingungsformen aus dem JV-5080 bedienen. Dies erweitert die Klangmöglichkeiten nochmals .

Roland Jupiter-Xm – Die Modelle, oder: die Model Bank

Die einzelnen Synthesizermodelle ruft man über die Modelbank auf. Auf dem Chassis sind die Bezeichnungen der Modelle mit einer Art Klebestreifen angebracht. Das deutet darauf hin, dass in Zukunft weitere Modelle folgen werden. In diesem Fall tauscht man den Klebestreifen einfach aus.

Bei jedem Model können die dazugehörigen Presets über Drehregler abgerufen werden. Natürlich gibt es hier nicht nur Presets, jedes Model lässt ich in allen Parametern selbst programmieren. Es ist an dieser Stelle gar nicht möglich, alle Parameter aufzuzählen.

Das fängt bei den Schwingungsformen der Oszillatoren bei den virtuell analogen Modellen an und geht bis hin zu der Vielzahl an Wellenformen im PCM-Bereich des JV-5080.

Die Klangbearbeitungsmöglichkeiten sind schier enorm. Es ist ohne weitere möglich, alle Parameter über den (zu) kleinen Bildschirm, den Navigator und die gerasterten Endlosregler zu bedienen. Komfortabel ist das allerdings nicht. Und an dieser Stelle kann ich nur hoffen, dass es bald eine Editor-Software für den Xm geben wird.

Je Modell finden wir eine unterschiedliche Anzahl Presets, beim RD-Piano sind es nur 5, beim SH-101 99 und beim JV-5080 schon knapp 900. Insgesamt stehen über 4000 (!) Presets bereit.

Roland Jupiter-Xm – Parts und Scenes

Die oberste Ebene belegen die sogenannten Scenes. Das sind komplexe Klangbilder aus mehreren Einzelsounds zusammengesetzt. Eine „Scene“ kann aus bis zu 5 Parts bestehen, die z.B. mit den verschiedenen Modellen bestückt werden können.

Dabei ist Part 5 stets für den Drumbereich reserviert. Eine Scene kann also maximal 4 Sounds gleichzeitig im Stack oder Split abfeuern und dann noch Drums dazu abrufen.

Dabei ist es egal, ob wir 4 x einen Jupiter-8 Sounds in die Parts laden oder eine unterschiedliche Belegung wählen.

Wir rufen die Scene-Ebene durch Betätigen des Scene Button auf Jede der 16 Tasten rechts über der Tastatur repräsentiert eine Soundbank, die jeweils mit 16 Scenes belegt werden kann. Werksseitig sind die ersten 5 Bänke belegt, den Rest kann man natürlich mit eigenen Kombis (Scenes) füllen. Die Scene-Presets lassen sich aber auch über die Endlosregler unterhalb des Displays abrufen.

Die Klangfarben, die die Parts belegen, nennt man Tone, egal ob das jetzt ein Jupiter-8-Model ist oder etwas anderes. Je Part und Tone gibt es dann noch eine Menge Einstellmöglichkeiten, die ich hi er gar nicht alle nennen kann. Das beginnt bei Volume und Panorama des Parts bis hin zu einem individuellen Effekt-Send zu den integrierten Effekten (s.u.).

Herausheben sollte man allerdings, dass man die einzelnen Parts muten kann. Auch lässt sich festlegen, ob ein Part über die Tastatur und/oder aber vom Arpeggiator getriggert werden soll. Das ist eine hervorragende Idee, denn so kann man zu einem Arpeggio auch noch einen anderen Part auf der Tastatur spielen.

Die Drums liegen wie gesagt auf Part 5 und sind nicht über die Model-Taste abrufbar. Geht man auf Part-Selection, dann kann man auf Part 5 bis zu 74 unterschiedliche Durmsets abrufen. Für die Drumsounds gibt es keine Pads o.ä., die Klangfarben verteilen sich auf der ganzen Tastatur.

Leider ist die Belegung der Drumsets fix, ich kann mir kein eigenes Drumkit zusammenstellen. Auch kann man nicht selbst sampeln oder aber Samples laden. Schauen wir mal, was ein nächstes Update bringt.

Was ich wein wenig vermisst habe, ist eine Art Mixerpage, die mir die fünf Parts und die entsprechende Belegung anzeigt. Schön wäre dann auch eine Art Mixer, über den man die Lautstärkeverhältnisse einfacher regeln könnte als wenn man jeden Part einzeln aufruft.

Es ist auch möglich, den Parts bestimmte Keyboard-Regionen auf der tastaturzuzuweisen. Bei 37 Tasten ist da die Auswahl der Splitzonen nicht groß.Man kann auch den einfachen Weg egehn und einen Split bei C4 zwischen Part 1 und 2 per Druck auf die Funvtion-Taste realisieren.

JUPITER Xm Signal Routing

JUPITER Xm Signal Routing

Roland Jupiter-Xm – Drumkits und Sequenzer

Wie eben gehört, deutet auf der Bedieneroberfläche nichts darauf hin, dass man Drumkits und einen Drumsequenzer mit an Bord hat. Um in den entsprechenden Funktionsbereich zu kommen, muss man die Bedienungsanleitung konsultieren, das Reference-Manual griffbereit halten oder es mal mit trial & error versuchen. Wir probieren es mal mit Part 5.

Dort stehen nicht weniger als 74 Drukits zur Verfügung, die eigentlich alles abdecken, was man von den legendären Roland-Groove-Boxen oder Drummachines her kennt. Auf diesem Part sind die verschiedenen Druminstrumente auf der Tastatur verteilt. Dabei ist e nicht möglich, sich aus den zur Verfügung stehend Klangfarben ein eigenes Drumset zusammenzustellen. Auch ist es in der momentanen Firmware nicht möglich, eigene Samples zu laden.

Die Drumkits lassen sich über den Arpeggiator triggern oder aber durch den Sequencer, der Patterns von einer Länge bis zu 64 Steps mit max. 16 Stimmen erlaubt.

Bei der Eingabe der Sequenz sehe ich auf dem Grid im Bildschirm leider nicht, welche Schlaginstrumente in einem Pattern verwendet werden. Wir sehen nur die entsprechenden Tonhöhen.

Der Drum-Part 5 kann unabhängig von den anderen Parts auf den Effektbereich geroutet werden. Leider kann man nicht einzelne Instrumente aus dem Send herausnehmen. Im Ernstfall hat man dann ein Delay auf allen Instrumenten oder halt keins.

Roland Jupiter-Xm – Der iArpeggiator

Das Instrument verfügt über eine sehr gewitzte Arpeggio-Sektion, die mich ein wenig an die Engine aus der Best Service/SonusCore-Software Elysion erinnert. Auch beim Xm haben wir es individuell einstellbaren Arpeggios je Part über eine ähnlich Engine zu tun. Damit sind wirklich komplexe Arrangements möglich.

Die Art, wie ein Arpeggio ablaufen soll, ist in vielfältiger Hinsicht programmierbar. Auch ist es möglich, ein Arpeggiopattern in den internen Sequenzer oder aber auf die DAW zu überspielen.

Die letzten Takte eines Arpeggios sind dabei immer im Buffer gespiehcert. Hat man ein besonders reizvolles Pattern gespielt, dann ist das nicht verloren und kann so „gerettet“ werden.

Auch reagiert der Arpeggiator auf das, was man auf der Tastatur spielt. Dies erhöht die Lebendigkeit eines Arpeggios. Drücke ich z.B. einen Blockakkord, dann läuft das Arpeggio wie gewohnt ab, spiele ich den gleichen Akkord in leicht gebrochenen Tönenerher, dann verdoppelt sich die Ablaufgeschwindigkeit.

Roland Jupiter-Xm – Die sichtbaren Bedienelemente

Nicht alles am Xm wird über das Display und die damit verbundenen Bedienelemente geregelt. Der Synth hat Regler und Knöpfe wie man das von einem Hardwaregerät gewöhnt ist. Dies ermöglicht einen direkten Zugriff auf die wichtigsten Parameter. Der Aufbau erinnert an den eines einfachen analogen Synthesizers.

Wir haben eine ADSR-Hüllkurvensektion mit Drehreglern für Attack, Decay, Sustain, Release sowie Intensität. Mit den darunter liegenden Knöpfen schaltet man diese auf die Bereiche Pitch, Filter und VCF.

Dann folgt die Filtersektion mit drei unterschiedlichen Filtervarianten: Der klassische Roland-Filter, ein Moog-Filter und ein Sequential-Filter. Darüber die Regler für Cutoff, Resonance. und Amount. Auch die Filtercharakteristik ist zwischen 12dB und 2dB/Oktave wählbar.

Einen Wermutstropfen haben die Bedienelemente. Sie wirken nicht auf jedes Model gleichermaßen (je nach Aufbau der Models). Da kann es schon mal passieren, dass man an einem Knopf dreht und nichts passiert. Das ist sicherlich etwas unglücklich gelöst.

Bei den drei Filtervarianten leuchten dann zumindest die Buttons nicht, wenn man ncihts damit schalten kann. Auch muss man bei einer Scene mit mehreren Parts darauf achten, welcher Part sich gerade im Editmodus befindet. Sonst kann es passieren, dass man am Cutoff dreht und nicht den gewünschten Klang verändert. Oder, es passiert gar nichts.

Roland Jupiter-Xm – Die Effekte

Der Xm hat eine ganze Reihe von digitalen Effekten mit an Bord, die jeweils von den Parts mit individuellen Sends angesprochen werden können. Auch liegen Regler für die wichtigsten Funktionen auf der Bedieneroberfläche, eine weitere Programmierung ist natürlich möglich.

Alles spielt sich im digitalen Bereich ab, die Effektqualität ist ausgezeichnet. Beim Chorus ist auch der berühmte Roland-Chorus mit dabei.

Bei Part 5, also der Drumspur, wäre es hilfreich, nur einzelne Instrumente auf die Effekt-Engine legen zu können. Ein Delay auf allen Schlaginstumenten macht in den wenigsten Fällen Sinn. Vielleicht kann man da bei einem Update etwas machen.

Hier eine Übersicht über das Effektangebot:

Multi-Effects: 4 Systeme, 90 Typen
Part EQ: 5 Systeme
Overdrive
Reverb: 7 Typen

Chorus: 4 Typen
Delay: 5 Typen
Mic NS / Comp
Master EQ / Comp

Roland Jupiter-Xm Test – Die Tastatur

Um dem Xm bei der Bewertung der Tastatur gerecht zu werden, muss man wohl einen speziellen Blickwinkel einnehmen. Die 37 Minitasten mit Dynamik kann man nicht als vollwertige Tastatur bezeichnen, die den Möglichkeiten des Instruments auch nur annährend gerecht wird. Ich sehe den Jupiter Xm eher als Expander/Modul mit einer Hilfs/Eingabetastatur.

Diese kann sehr nützlich sein, wenn man das gut transportable Gerät auf Reisen nimmt, um in der Garderobe oder Hotelzimmer damit arbeiten zu können.

Es ist auch sehr praktisch, nicht immer via MIDI eine Tastatur anschließen zu müssen, wenn man ein wenig an den Sounds schrauben möchte.

Aber eine Tastatur, die man wirklich auf der Bühne oder auch zu Hause „spielen“ kann, ist das nicht. Nur zur Erinnerung, der Jupiter-Xm hat eine komplette RD-Piano-Engine an Bord, die man mit 37 Minitasten nicht wirklich nutzen kann.

Auf der linken Seite befinden sich die obligatorischen Wheels, die hier klein und in Plastik gehalten sind. Der Regelweg ist mir etwas zu gering. Normalerweise berücksichtigen wir die Tastatur im Gesamtergebnis. In diesem Fall nehmen wir diese aber davon aus.

Roland Jupiter-Xm Test – Die Anschlüsse

Wir finden hier sowohl Klinken- als auch XLR-Ausgänge (balanced). Das deutet darauf hin, dass man den Xm auch im professionellen Bereich auf der Bühne oder im Studio sieht.

Es folgen: ein Kopfhörerausgang, MIDI in/out (DIN), „Micro in“ mit Gain-Regelung (kein Kondensator) für den Vocoderbetrieb, Aux in, Ctrl und Hold für Pedal Switch oder Expression Pedal (wichtig für das RD-Piano), USB Memory und USB Computer und natürlich der Netzteilanschluss.

Ich habe auch zuerst die Einzelausgänge vermisst, die bei dem 5-Part-System abslout Sinn machen würden. Da man aber über USB die Parts auf einzelnen Spuren einer DAW übertragen kann, hat sich dieser Kritikpunkt erledigt. Live wird man wohl meist mit den Stereo-Outs arbeiten.

Über de USB-Memory-Zugang lassen sich Scenes etc. auch auf einem USB-Stick o.ä. Medium abspeichern. Auf diesem Weg kann man natürlich auch neue Programme laden.

Die Anschlüsse liegen ziemlich zurückgesetzt auf der Hinteeren Chassis-Seite, so dass man diese nicht bequem erreichen kann. Dafür ist mehr Platz für die Stecker vorhanden.

Roland Jupiter Xm Die Anschlussseite
Roland Jupiter Xm Die Anschlussseite

Roland Jupiter-Xm Test – Jupiter to go

Unter dem Aspekt, das Gerät auch auf Reisen mitnehmen zu können, machen integrierte Lautsprecher natürlich Sinn. Diese (2 x 4 W) klingen auf jeden Fall besser als erwartet und sind für den mobilen Zweck brauchbar. Einen größeren Raum damit zu beschallen, dürfte nicht machbar sein. Maße und Gewicht sind für den Transport vollkommen o.k.: 4,4 kg bei Maßen von 54,6 cm x 30,8 x 9,3 cm.

Will man di einternen Speaker ausschalten, dann muss man über das System-Meni gehen. Da gibt es eine Einstellung, die automatisch die Speaker mutet, wenn man den Kopfhörerausgang belegt hat. Gute Lösung.

Mit der Möglichkeit, den Synthi auch mit Batterien zu betreiben, macht ihn dann auch unabhängig von irgendwelchen Steckdosen. Das ist sicherlich ideal für den Gebrauch im Tourbus oder auf anderen Reisen. Aber man benötigt schon 8 Batterien, die dann maximal 3 Stunden halten.

Roland Jupiter-Xm Test – Die Bedienung

Schwieriges Thema. Ich will mal so anfangen: Der Jupiter Xm schreit förmlich nach einer guten Editor-Software. Das Instrument kann so viel, dass man das kaum auf so einer kleinen Oberfläche wirklich sinnvoll darstellen kann. Das führt z. B. dazu, dass die 16 Taster rechts über der Tastatur allesamt 5fach (!) belegt sind. Dabei erscheint mir auch unverständlich, warum die Beschriftung unter diesen Tastern in grau auf schwarz ausgelegt ist.

Je nach Lichtverhältnissen sieht man da relativ wenig. Warum nicht einfach weiße Schrift auf schwarzem Grund.

Das Display ist für die Vielzahl der Funktionen hoffnungslos zu klein. Und mit den beiden Endlosreglern bekommt man irgendwann den Drehwurm. Die JV-5080-Engine verfügt über hunderte Sounds, die ich nur über den Drehregler erreiche. Da ist das Auffinden eines bestimmten Programms mühselig.

Derjenige, der im Entwicklerteam die Aufgabe hatte, die GUI zu bauen, war nicht zu beneiden. Aber besonders kreativ war er auch nicht. Mir ist klar, das kann kein Instrument mit einer „One Knob – One Function“-Logik sein, aber man kann es auch besser machen.

O.k., wer sich nur an dem schier unerschöpflichen Klangvorrat bedienen möchte, und nur an die oben liegenden Parameter wie Filter oder Hüllkurve ran will, der kommt mit allem zurecht.

Da helfen auch die Klangkategorien, die man als eine der 5 Funktionen auf den 16 Tastern findet. Irgendwie schlägt man den Roland Jupiter-Xm dann aber als Preset-Sklawen oder ROMpler unter Wert.

Aber auch die Tatsache, dass nicht alle Hardware-Regler auf der GUI wegen der unterschiedlichen Struktur der verschiedenen Modelle immer eine Funktion haben, finde ich etwas unglücklich. Zumal nicht ersichtlich ist, wo man drehen kann und wo nicht.

Manchmal weiß man halt nicht, ob man einen Bedienfehler gemacht hat, oder ob das so seine Richtigkeit hat.

Einzig bei den drei umschaltbaren Filtervarianten erkennt man, welche Variante aktiv ist. Leuchtet keiner der drei Optionen, dann kann man davon ausgehen, dass hier kein Filter aktiv ist – wie z. B. beim RD-Piano.

Der Roland Xm ist so ein Gerät, wo man ohne Manual oder Tutorial-Video ein wenig verloren ist. Apropos Manual, dies gibt es leider nur in englischer Sprache, Darüber hinaus klärt dieses über viele Zusammenhänge der Funktionen nur sehr spärlich auf.

Auch habe ich z. B. dort keinen Hinweis gefunden, dass man über USB die Parts auf separaten Spuren einer DAW spielen kann. Das ist doch ein Argument! Soviel Bescheidenheit in der Darstellung verstehe ich nicht.

Bin wirklich gespannt, was Roland zum Thema Editor-Software sagt, denn auch die dürfte nicht trivial werden.

Roland Jupiter-Xm – Der Sound

Roland-Qualität. Brillant, durchsetzungsfähig und im Bass kommt schon ein trockenes, ordentliches Pfund heraus. Da gibt es nichts zu meckern. Das Instrument besticht durch die angebotene Soundvielfalt, die besonders durch die Library des ROMplers JV-5080 so umfangreich ausfällt.

Der Xm ist nun kein Synthesizer für Elektronik-Freaks und Soundtüftler, aber das Gerät kann auch einige abgedrehte Klangfarben hervorbringen.

Ohne Zweifel hat man mit dem Xm den Grundstock für viele Musikproduktionen im Archiv, sei es auf der Bühne oder im Studio. Gerade die Mischung an analogen Klängen, den PCM-Sounds und dem absolut vollwertigen Digitalpiano macht das Angebot so attraktiv.

Roland Jupiter-Xm – Fazit

Roland hat beim Jupiter-Xm fast alles in ein einziges Gerät integriert, was man zur Verfügung hatte. Die Funktionsvielfalt ist immens. „Eierlegende Wollmilchsau“ im positiven Sinne ist wohl die richtige Bezeichnung für dieses Instrument: Virtuell analoge Synthesizer-Modelle, PCM-Sounds, Drumkits, Vocoder, digitale Effekte, Arpeggiator und Sequenzer und ein komplettes RD-Piano – alles ist dabei. „World of Roland“ kann man da nur sagen.

Und diese Bestandteile und die Kombinationen derer (Scenes) sind dann noch in einer schier unendlichen Menge von Parametern veränderbar. Dazu vereint die Zen-Core-Engine dann noch verschiedenste Syntheseformen in einem System.

Das Ding ist ein wahres Sound-Biest mit der von Roland gewohnt hohen Klangqualität.

Das Bedienkonzept konnte allerdings mit der geballten Ladung an Möglichkeiten nicht mithalten. Klar, grundsätzlich kann man jeden Parameter über das Display und die Bedienelemente erreichen, aber das ist halt mühsam.

Gut, wer nur die Unmengen an Klängen abfeuern möchte, der wird direkt nach dem Einschalten loslegen können. (aber auch das kann man übersichtlicher machen).

Wer aber selbst an den Sounds schrauben möchte, der muss sich erst einmal etwas länger mit dem Jupiter Xm beschäftigen. Und da ist bei der GUI längst nicht alles schlüssig gelöst. Von der exzessiven Mehrfachbelegung mancher Bedienelemente ganz zu schweigen.

Eigentlich ist eine gescheite Edit-Software ein „Muss“, denn sonst bleibt ein möglicher Fun-Faktor auf der Strecke.

Auch muss einem möglichen Interessenten klar sein, dass die 37 Minitasten nicht ausreichen, um den Jupiter Xm auf der Bühne oder zu Hause wirklich spielen zu können. Da muss dann schon eine größere Tastatur her.

Ansonsten ist der Jupiter Xm ein absolutes Klangmonster mit einem riesigen Klangvorrat. Ich habe hier und da Kritik am Preis des Xm gelesen. Kann ich nicht nachvollziehen. Rechnet man den Wert aller Komponenten zusammen, dann ist auch der Preis von knapp unter 1500 Euro mehr als gerechtfertigt.

Aber Roland ist mit dem sehr „zurückhaltenden“ Design und der GUI auch ein wenig selbst daran Schuld, wenn Interessenten das Gerät unterschätzen.