Behringer Neutron Test
Behringer Neutron im Test

Behringer baut seine Palette an Synthesizern weiter aus. Nach dem Model D, einem Clone des Minimoog, ist nun mit dem Behringer Neutron ein völlig eigenständiger Synthesizer in den Fokus gerückt.

Beim Behringer Neutron handelt es sich um einen paraphonen (was das ist, klären wir später) und analogen Synthesizer mit zwei Oszillatoren. War mir beim Model D die Bezeichnung „semi-modular“ ein wenig zu hoch gegriffen (gerade mal die nötigsten Anschlüsse sind vorhanden), so klingt semi-modular beim Behringer Neutron fast schon zu bescheiden.

Die interne Pachbay verfügt über nicht weniger als 56 Patchpunkte davon 32 Ins und 24 Outs. Das ist schon üppig. Aber der Behringer Neutron hat, wie es bei semi-modularen Systemen üblich ist, einen defaultmäßig verkabelten Signalweg. Dies bedeutet nichts anderes, als dass man dem Gerät einen Ton entlocken kann, ohne ein einziges Patchkabel zu legen. Die Möglichkeiten des Patchbays stehen den Anwendungsmöglichkeiten eines modularen Systems kaum nach, sodass ich den Behringer Neutron als Desktop-Modularsystem bezeichnen möchte.

Behringer Neutron Test – Der erste Eindruck

Der Behringer Neutron kommt in einem stabilen Desktop-Gehäuse, im Prinzip wie der Model D, nur, dass der Neutron aufgrund der Patchbay etwas breiter ist. Mit der Farbgebung (knallrot metallic) wollte man sich scheinbar von allen anderen Synthesizern dieser Art abheben. Sieht auf alle Fälle gut aus. Trotz des intensiven Rots ist die weiße bzw. weiß unterlegte Schrift gut zu erkennen.

Behringer Neutron Oscillator-Sektion
Behringer Neutron VCO-Sektion

Wenn man will, dann kann man den Behringer Neutron auch aus seinem Chassis holen und in ein Eurorack geben (mit dem Nachteil, dass man die rückwärtigen Anschlüsse nicht mehr erreichen kann).

Die meisten Funktionen werden mit Hilfe von Drehreglern (36) bedient, die einen stabilen Eindruck machen. Hinzu kommen 7 Taster, die im „on“-Zustand blau leuchten. Im Studio mag das gehen, ist viel Licht vorhanden, dann kann man leider nicht mehr so gut erkennen, ob die Taste gedrückt ist oder nicht.

Die Drehregler sind o.k., vielleicht manchmal etwas leichtgängig. Hantiert man in der VCO-Sektion und berührt die Tune-Regler nur leicht, dann ist die Stimmung weg. Hier muss man ein wenig Fingerspitzengefühl walten lassen

Und klar, ein paar mehr Patchkabel hätte man schon noch in den Karton legen können.

Der Aufbau des Behringer Neutron

Da der Neutron ein klassisch analoger Synthesizer ist, ist der Aufbau eigentlich klar: VCO-VCF-VCA, die ADSR-Generatoren usw. Jeder, der schon mal einen analogen Synthesizer bedient hat, der wird mit dem metallic-roten Behringer Neutron klarkommen.

Wie bereits erwähnt, ist der Synthesizer read-to-use verkabelt, sodass man sofort durchstarten kann. Dies lässt sich am einfachsten anhand dieser Grafik darstellen:

Behringer Neutron Test Normalized Routing, Bild: Behringer
Behringer Neutron Normalized Routing, Bild: Behringer

Mit der Patchbay kann man dann schließlich seine eigenen Signalwege legen.

Und so möchte ich mir jetzt die „Module“ einzeln vornehmen.

Steuert man den Neutron per MIDI an, dann reagiert er auf das Pitch-Wheel eines MIDI-Keyboards, jedoch nicht auf das Mod-Wheel. Dies kann man aber über den Assignable Output jederzeit selbst verkabeln.
Gesagt werden sollte noch, dass sich mehrere Neutronen zu einem polyphonen System kaskadieren lassen.

Die VCO-Sektion des Behringer Neutron

Wie gesagt, es stehen zwei analoge Oszillatoren (3340), die identisch aufgebaut sind: jeweils fünf Schwingungsformen, die man wahlweise über einen Schalter erreicht oder per Waveshaping überblendet. Behringer legt dabei den Curtis-Chip 3340 wieder auf, der früher bei Sequential und Oberheim zum Einsatz kam. Ein wenig Retro ist also auch beim Neutron vorhanden.

LEDs zeigen, welche Schwingungsform man gewählt hat. Dazu kommen die Fußlagen (Status über LED erkennbar), zwei Tune-Regler und zwei Regler, die die Pulsbreite der Rechteckschwingung bestimmen.

Wer hier die Pulsbreitenmodulation vermisst, dem sei gesagt, dass man diese per Patchbay stecken kann. Aber der Attenuator 2 routet defaultmäßig den LFO auf die Pulsbreite. Erkennt man nicht sofort, steht aber gut im Manual beschrieben.

Behringer Neutron Default Routings, Bild: Behringer
Behringer Neutron Default Routings, Bild: Behringer

Es empfiehlt sich also, sich ausführlich über die „vor-gepatchten“ Wege zu informieren. Das kann später Zeit sparen. Will man z. B. nur den Noisegenerator verwenden, so patcht man „Noise out“ auf „VCF in“ und schon ist der Standardsignalweg außer Kraft gesetzt.

Und, ach ja, der Behringer Neutron ist ein paraphonischer Synthesizer. Nein, nein, keine Angst, der Neutron ist kein Fall für den Psychologen. Beim ARP Odyssey nannte man das eigentlich duophon. Paraphonisch bedeutet hier, dass die beiden Oszillatoren unabhängig voneinander angesteuert werden können. Dies heißt nichts anderes, als dass man den Neutron auch zweistimmig spielen kann, oder aber jeder VCO von einer anderen Sequenzer-Linie angesteuert werden kann. Paraphonie im Allgemeinen bedeutet so etwas wie Schein-Polyphonie, wobei mehrere Oszillatoren über nur einen Filter und einen VCA geroutet werden.

Hilfreich in dem Bereich ist noch die Tune-Funktion auf Knopfdruck.

Filter

Zum Einsatz kommt ein 12 dB-Filter mit Cutoff und Resonance (selbst-oszillierend), das sich von Low- auf Hi- und Band-Pass umstellen lässt. Über die Patchbay lässt sich daraus auch ein Notch-Filter „basteln“.

Die Hüllkurven-Sektion des Behringer Neutron

Hier sind standardmäßig zwei ADSR-Generatoren verbaut. Envelope 1 wirkt auf den VCA, Envelope 2 auf den Filter. Aber das kann man im Patchfeld selbstverständlich verändern.

Der LFO

Der Low Frequency Oszillator verfügt über die gleichen Schwingungsformen wie die Audio-Oszillatoren (ohne Pulsbreitenmodulation). Auch hier kann man wahlweise zwischen den Schwingungsformen wählen oder diese überblenden.

Echo

Behringer Neutron Patchfeld
Behringer Neutron Patchfeld

Das integrierte analoge Delay (Eimerkettenecho) gefällt mir sehr gut. Man könnte es auch als „Lo-Fi“ bezeichnen, aber das macht den Sound des Behringer Neutron noch interessanter. Allerdings erzeugt das Delay schon ein paar Nebengeräusche, wenn man den Mix-Regler weit aufdreht. Im Normalbetrieb sollte das nicht auffallen, aber es sollte gesagt sein.

Overdrive

Um dem Sound noch mehr Punch zu verleihen, steht ein Overdrive zur Verfügung. Da stehen die Parameter Drive, Tone und Level zur Wahl. Der Bereich ist gewöhnungsbedürftig: Dreht man Drive auf, dann erhöht man damit erst einmal deutlich die Gesamtlautstärke, die man dann am Levelregler wieder korrigieren muss.

Eigenwillig ist auch, dass der Overdrive im normalen Signalweg steht. Was dazu führen kann, dass man überhaupt nichts mehr vom Neuron hört, wenn der Levelregler des Overdrive auf Zero steht. Damit rechnet der User erst einmal nicht und wundert sich, warum kein Signal zu hören ist. Ein Ein/Aus-Schalter oder Mix-Regler wäre mir lieber gewesen.

Das Patchfeld des Behringer Neutron

Sicherlich ein Highlight des Desktop-Synths, eine wunderbare Spielwiese für Modularfans. 32 Ins und 24 Outs, das nennt man eine üppige Ausstattung. Eine Übersicht über die Möglichkeiten zeigt das nachstehende Bild.

Behringer Neutron Inputs & Outputs, Bild: Behringer
Behringer Neutron Inputs & Outputs, Bild: Behringer

Anschlüsse/Rückseite des Behringer Neutron

Auf der Rückseite befinden sich ein Audio-Ausgang mit 6,3 mm Klinke, ein regelbarer Kopfhörerausgang, eine MIDI-Thru-Buchse, ein USB-Anschluss und die bei Behringer scheinbar beliebten DIP-Schalter für die Einstellung des MIDI-Kanals.

Gottseidank hat man die MIDI-in Buchse auf die Frontseite versetzt, sodass man diese auch im Eurorack ungehindert erreichen kann. Dies gilt leider nicht für den USB-Anschluss, der beim Model D noch vorne platziert war.

Natürlich hat man im Patchfeld auch einen Audioausgang, der ist aber in Mini-Klinke ausgeführt. Da benötigt man dann den entsprechenden Adapter. Auch auf der Rückseite ist der Eingang für ein externes Signal. Diesen findet man so auf dem Patchfeld nicht. Hat man den Neutron ins Eurorack verbaut, dann schleift man ein externes Signal über Attenuator 1 in ein (aber auch hier nur Miniklinke). Also alles nicht optimal, wenn man den Neutron aus seinem Gehäuse nimmt.

Der Sound des Behringer Neutron

Der Neutron klingt analog fett. Da kommen die Freunde der tiefen Synthi-Töne voll auf ihre Kosten. Gute Basslinien sind ebenso möglich wie gute Lead-Sounds. Dazu kommt noch die Vielzahl von außergewöhnlichen Sounds, die über das Patching möglich sind.

Wichtig ist, dass der Grundsound stimmt. Und das ist bei Neutron der Fall. Die beiden VCOs lassen sich auch nuanciert leicht gegeneinander verstimmen. Von dem Paraphonic-Modus sollte man sich nicht zu viel versprechen. Kann man machen, muss man aber nicht.

Im Höhenbereich ist er vielleicht etwas zahm, klingt eher weich nach ARP als nach Moog. Insofern schließen sich Model D und Neutron nicht aus.

>> Hinweis der Redaktion: Klangbeispiele zum Behringer Neutron sind in Arbeit und werden in Kürze nachgeliefert!

Behringer Neutron im Test
Behringer Neutron

Behringer Neutron Test Fazit

Mit dem Neutron bringt Behringer eigentlich keine semi-, sondern schon einen voll-modularen Synthesizer auf den Markt, der aber einen vordefinierten Signalweg zur Verfügung stellt. D. h., der User kann sofort loslegen und sich langsam mit dem Patchsystem vertraut machen.

Dies macht ihn einerseits für Einsteiger in die Welt der Modularsynthesizer interessant, andererseits bietet er auch für den schon Modular-gewöhnten User einiges an Möglichkeiten, sodass man den Behringer Neutron auch als Grundmodul eines wachsenden größeren Systems nutzen kann.

Zu diesem Zweck kann man den Behringer Neutron auch in ein Eurorack integrieren, obwohl man dann den direkten Zugang zu einigen Anschlüssen auf der Rückseite verliert.

Das ist natürlich jetzt kein Lead-Synthi für eine Top-40-Band, hier ist eher die experimentelle Fraktion gefragt. Andererseits macht sich der Behringer Neutron auch gut als Desktop-Synthesizer, da sieht er schon schick aus.

Das üppige Patchfeld dürfte auch eingefleischten Modular-Fans gefallen, da bleiben kaum Wünsche offen

Und dann, ja dann kommt ja noch der Preis. Und der ist mit 345,– Euro schon sensationell günstig. Man bekommt dafür einen analogen Modularsynthesizer mit zwei VCOs, der zudem auch noch gut klingt.