ACL Modularsynthesizer
ACL System 1 Modularsynthesizer

ACL bedeutet Audiophile Circuits League mit Sitz in Berlin. Dahinter verbirgt sich eine Synthesizer-Edelschmiede, die hoch geschätzte Eurorack-Systeme und -Module herstellt. ACL System 1, unser heutiger Testkandidat, ist ein Modularkomplettsystem, was zu einem Preis von knapp 4.000 Euro zu kaufen ist. Ist der Preis gerechtfertigt? Unser ACL System 1 Test wird es zeigen.

Der Preis deutet schon an, welche Zielgruppe man mit dem ACL System 1 im Auge hat. Bestätigt wird der Eindruck, wenn man sich das Audio-Interface auf der rechten Seite unten näher anschaut: XLR-Ein- und Ausgänge für den professionellen Studiobetrieb. Mit einer 6,3-mm-Klinke hält man sich gar nicht erst auf. Also Preis und Aufbau zielen eher auf professionellere Anwender im Studio oder auf der Bühne.

ACL System 1 Test – der erste Eindruck

Edel, kompakt und trotz der Vielzahl an Funktionen hinterlässt der ACL System 1 einen sehr übersichtlichen Eindruck. Die Module sind in einem Metallcase mit hölzernen Seitenteilen untergebracht. Bis auf die Seitenteile ist alles in einem stylischen Grau gehalten. Macht auf alle Fälle etwas her.

Irgendwie wirkt er kompakt, obwohl der ACL System 1 zwei Reihen mit jeweils 84 TE bietet. Die Größe von 3 HE eines Eurorack-Moduls führt oft dazu, dass dies vollgepackt mit Bedienelementen ist, die man kaum noch übersichtlich bedienen kann. Anders ist dies – bei natürlich gleicher Größe – mit dem ACL System 1: Alles wirkt aufgeräumt und gut zugänglich. Ein Punkt, den viele Hersteller oft unterschätzen.

ACL System 1 Test – der Aufbau

Bestückt ist das Rack mit insgesamt 10 Modulen, als da wären:

Eine eingehende Beschreibung eines jeden Moduls würde an dieser Stelle etwas ausufern, so dass ich nur auf besondere Bereiche eingehen möchte. Die Modulbezeichnungen oben sind allesamt mit der Seite von ACL verlinkt, um eine detaillierte Beschreibung zu erhalten.

Das System 1 ist mit den angegebenen Modulen fest bestückt. Das torpediert eigentlich ein wenig den Gedanken eines Modulsytems, was man ja eigentlich frei bestücken können möchte. ACL argumentiert auf Nachfrage, dass der Vorteil darin liege, ein harmonisch abgestimmtes System anbieten zu können, welches zudem noch 5 % billiger ist, als die Bestandteile einzeln kosten.

Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, sein Modularsystem selbst zu konfigurieren. Besonders dann, wenn man nun überhaupt kein Stereo-System haben möchte, wäre natürlich eine andere Zusammenstellung notwendig.

ACL System 1 Test – die Tonerzeugung

Klar, der ACL System 1 ist analog aufgebaut, wobei das VC Dual Delay da eine Ausnahme macht. Die beiden VCOs bieten alles, was man von Oszillatoren erwartet bis hin zur Frequenzmodulation, die wirklich abgefahrene Klangfarben erlaubt. Dabei wird aus einem typisch analogen Synthesizer der alten Schule ein richtiges Biest.

Was ich bei anderen Synthesizern schon immer vermisst habe, ist ein Feststeller für den Tuneknopf der VCOs. Dieser verhindert ein versehentliches Verstellen dieses Reglers – einfach, aber wirkungsvoll.
Was die VCO-Sektion alles kann, wird im folgenden Video deutlich. Beide VCOs können auch komplett unabhängig voneinander genutzt werden, jeder hat einen eigenen CV-Eingang. Klanglich sind sie ganz vorne: Wuchtig und mit einer faszinierenden Klarheit.

Klangbeispiele zum Variable Sync VCO:

ACL System 1 Test – Stereo

Eine Besonderheit des ACL System 1 habe ich bisher unterschlagen: Der ACL System 1 ist komplett stereo ausgelegt, was in der Tat bei Modularsystemen ungewöhnlich ist.

Teilt man das Modularsystem in der Betrachtung einmal horizontal und nicht vertikal nach Modulen ein, so besteht das ACL System 1 aus zwei kompletten, unabhängigen Synthesizern, die aber auch wieder eine Einheit bilden. So sehen wir zwei unabhängige VCOs, zwei Filtereinheiten, ein VCA, der hier als VC Panning Amplifier ebenfalls zweikanalig ausgeführt ist. Gleiches gilt für das VC Dual Delay. Die beiden Oszillatoren lassen sich auch jeweils unabhängig mit CV (1V/Oct) und Gate ansprechen (was man z.B. für zwei Sequenzerlinien nutzen könnte).

Das Stereobild führt sich fort über den Dual Filter und den VC Panning Amplifier bis hin zum Audiointerface mit den L/R-Ausgängen in XLR und dem Stereo-Kopfhörer-Anschluss in Miniklinke).

ACL System 1 Test – ACL Dual State Variable Filter

Wie schon gesagt, sehen wir hier zwei separate Filter. Jedes Filter lässt sich dabei komplett unabhängig regeln, wobei es dann noch einen Gesamt-Cutoff gibt, der beide Filter gleichzeitig beeinflusst. Gute Idee.

ACL hat hier zwei 12-dB-Filter verbaut, die das Klangbild sehr weich und angenehm beeinflussen. Diese Filter lassen sich parallelschalten, sodass diese unabhängig laufen, oder seriell, wobei das Signal von A in B geht und man quasi ein 24-dB-Filter generiert. Den Gesamt-Cutoff-Regler hatte ich ja schon erwähnt.

Der ACL Dual State Variable Filter kann auch zwischen den verschiedenen Filtertypen (LP, HP, Notch) per Regler variieren. Dazu kommt noch ein Bandpass. Im Ausgang stehen Patchpunkte für jedes der vier Filtertypen bereit. Vermittelt das Filter erst den Eindruck, einfach aufgebaut zu sein, merkt man zunehmender Praxis, dass dem nicht so ist.

ACL System 1 Test – Envelope X 3

Das Module Envelope X 3 besitzt, so wie es die Bezeichnung vermuten lässt, drei ADSR-Hüllkurvengeneratoren. Wir haben ja schon eingangs vermutet, dass bei dem ACL Sysem 1 das alte Roland Modularsystem 100 M ein wenig Pate gestanden hat. Und so sind die Envelopes auch denen des Roland-Systems sehr ähnlich: Sie packen ordentlich zu. Man kann dies mit dem Kippschalter je Envelope „Short/Long“ sogar noch variieren.

Interessant auch, dass das Modul über drei Gate-Eingänge verfügt. Nutzt man nur den ersten Eingang, so wirkt Gate auf alle drei zusammen. Aber man kann auch alle drei Gates separat verwenden.

ACL System 1 Test – Der VC Panning Amplifier

Werfen wir mal einen etwas intensiveren Blick auf den VC Panning Amplifier. Dieser dient dazu, die beiden Signale dynamisch ins Stereobild einzufügen. Über die beiden INs werden die zwei Signale ins Modul geleitet. Dabei kann die Lautstärke über die Gain-Regler oder aber über CV Steuerspannungen (z.B. CC1 MOD Wheel) beeinflusst werden.

Mit dem Panning Amplifier regelt man nicht nur die Ausgangslautstärke, sondern auch das Panorama der beiden Synthesizerwege im Stereobild, entweder per Pan-Regler oder aber mit einer Steuerspannung.

Sicherlich kann man mit der Stereo-Funktion trefflich experimentieren, so z. B. ein Stereo-Signal von der DAW einspeisen, über die Module bearbeiten und wieder zurückgeben. Muss man halt mal ausprobieren, was da Sinn macht.

ACL System 1 Test -M/S-Matrix

Dieses kleine Modul passt zum Panning Amplifier, befasst es sich doch mit dem Stereobild. Die Buchstaben „M“ und „S“ bedeuten Mid und Side. Damit lässt sich das Stereobild noch weiter auffächern, will man z. B. einen Basssound in die Mitte legen, um Phasen-Auslöschungen zu verhindern.

ACL System 1 Test – ACL VC Dual Delay

Delays sind in einem Eurorack-Modularsystem keineswegs eine Seltenheit. Oft sind sie eine nette Zugabe, mehr nicht. Anders ist dies beim ACL System 1. Mit der Vielzahl der Möglichkeiten und der Klangqualität kann man dieses Modul schon als Vollmitglied der Tonerzeugung bezeichnen.

Die Möglichkeiten sind enorm, der Sound verblüffend. Das Ding ist mein Favorit. Aber man sollte erwähnen, dass dieser Bereich digital ausgelegt ist. Dies finde ich positiv. Analoge Delays können zwar durchaus ihren Charme haben, sind aber eher Lo-Fi. Bei der Klangqualität des ACL System 1 ist ein Digitaldelay in puncto Sound und Flexibilität die bessere Wahl. Analoge Puristen werden das vielleicht anders sehen.

Die Klangbeispiele lohnen sich:

ACL System 1 Modularsynthesizer Test – ACL Octave

Das ACL Octave-Modul ist ein kleines aber hilfreiches Modul. Es kann Melodien und Sequenzen einfach transponieren oder aber den/die VCO(s) feinstimmen. Mit den vier Ausgängen können 4 Oszillatoren von einem einzigen Modul beeinflusst werden. Ein Modul, was auch ohne Zweifel in anderen Systemen sinnvoll ist.

ACL System 1 Modularsynthesizer Test – der Gate Mixer

Der Name ist vielleicht etwas irreführend, den der Gate Mix mischt tatsächlich Audiosignanle und keine Steuerspannungen. Sinnvollerweise setzt man diese Modul quasi vor das Audiointerface. Hier können 4 Audiosignale plus ein Auxsignal sehr klangneutral gemischt werden.

ACL System 1 Test – die Verarbeitung

Highend kann ich da nur sagen. Alle Potis und Schalter sind von bester Qualität wie auch die Module intern selbst. ACL lässt da wirklich nichts anbrennen. Das endet darin, dass die Stromversorgung intern sternförmig verläuft und nicht in Reihe, um die Module wirklich gleichmäßig zu versorgen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Das Case ist stabil und dafür eigentlich sehr leicht.

ACL System 1 Test: Die Stromversorgung ist sternförmig aufgebaut.
Die Stromversorgung des ACL System 1 ist sternförmig aufgebaut.

ACL System 1 Test – der Klang

Wir haben es ja bereits hier und da anklingen lassen. Der Sound des ACL System 1 ist von allerhöchster Güte. Jedes Modul zeigt dabei seine individuelle Qualität. Man hört schon sehr schnell, dass ACL Bauteile allererster Güte verwendet hat.

Mich fasziniert die ungeheure Klarheit und Durchsichtigkeit selbst der extremsten Bassklänge. Und dieser Eindruck zieht sich durch alle Bereiche durch. Das legendäre Modulsystem Roland 100 m hat schon ein wenig Pate gestanden. Diese typischen „antiken“ Analogsounds hat der ACL System 1 drauf. Aber besonders die FM- und Oszillator-Sync-Abteilung ermöglichen auch sehr moderne Klangeindrücke. Dies wird dann noch durch das sehr vielseitige und klanglich tolle Delay unterstützt.

Ja, der erste Eindruck wird bestätigt. Das ACL System 1 erfüllt auch höchste Klangansprüche. Aber klar, das alles hat seinen Preis: 3.990 Euro.

ACL System 1 Test – Fazit

Bei ACL System 1 handelt es sich um ein Highend-Modularsystem von der Verarbeitung bis hin zu Möglichkeiten und Sound. Wer einen kompromisslosen Sound benötigt, der ist hier an der richtigen Stelle.

Das System 1 Modularsystem deckt eine ganze Menge an Sounds ab, vom klassischen Analogsound bis hin zu wirklich schrägen Klangfarben. Die Stereo-Möglichkeiten setzen da noch einen drauf.

All dies hat natürlich seinen Preis, besonders dann, wenn im unteren Preissegment eine Menge los ist. Aber der Markt dreht sich gerade auch ein wenig, wenn man an die im hohen Preissegment liegenden Prophet X und Moog One denkt. Und auch das Roland Komplettsystem mit 5 Modulen und weit weniger Möglichkeiten liegt aktuell bei 2.000 Euro. Damit relativiert sich auch der Preis des ACL System 1 wieder.