Mellotron – Funktionsprinzip

Sie wurden daher umbenannt in Novatron und unterschieden sich vom Mellotron M 400 vom grundsätzlichen Funktionsprinzip her nicht. Durch Einsatz eines quarzgesteuerten Motors wurde jedoch eine erhebliche Verbesserung des Gleichlaufes erreicht.

Das Funktionsprinzip des Mellotron M 400 und des Novatron 400 SM ist entschieden einfacher als das des Mellotron Mark 2. Beide 400er Modelle sind mit einem 35-Tasten-Manual ausgestattet und für die Tonerzeugung sorgt ein Satz 3/8″-Bänder mit 3 unterschiedlichen Sounds. Ein Elektromotor treibt über einen Keilriemen ein Schwungrad an, welches mit dem überdimensionalen Capstan des Gerätes verbunden ist.

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Dieser Capstan läuft unter der gesamten Tastatur des Gerätes entlang. Sobald eine Taste gedrückt wird, drückt eine Gummiandruckrolle das Band gegen die Antriebswelle und zieht es mit einer Geschwindigkeit von 19 cm/Sekunde (die sich vom Anwender noch zusätzlich im Bereich von ±20% regeln lässt) am Wiedergabeknopf vorbei, von wo es dann in einen Auffangbehälter läuft. Welche der drei verschiedenen Spuren wiedergegeben wird, wird dabei durch einen Spurwahlschalter bestimmt.

Wird dieser betätigt, so wird einfach die komplette Reihe mit Tonköpfen mechanisch um ein kleines Stück nach rechts oder links geschoben. So wird eine andere Spur abgestastet. Auch Zwischenpositionen sind möglich, sodass sich bei Bedarf auch zwei nebeneinanderliegende Klänge miteinander mischen lassen. Da die Klangqualität sehr stark von der korrekten Einstellung der Mechanik abhängig ist, sind sowohl für den Druck der Andruckrolle, als auch für den Band/Kopf-Kontakt pro Taste zwei Justierungsschrauben vorgesehen. Sobald die Taste losgelassen wird, zieht eine Feder das Band in seine die ursprünglich (Anfangs-)Position zurück.

Die Dauer jeder Note ist durch die Länge des Bandes (beim Mellotron M 400 sind dies 183cm) auf etwa 10 Sekunden beschränkt. Die Bänder sind auf einem Bandrahmen untergebracht, der sich nach Abnahme der kompletten (Holz!-)Tastatur und Lösen von 4 Feststellschrauben herausnehmen und bei Bedarf gegeben einen anderen Rahmen mit anderen Bändern und unterschiedlichen Sounds auswechseln lässt. Der Zeitaufwand für einen solchen Soundwechsel liegt mit etwas Übung bei etwa zwei Minuten. Während heute die ROM-Cartridges auf Scheckkartengröße und kleiner geschrumpft sind, waren für den Transport der Mellotron-Cartridges noch spezielle Transportkoffer nötig.

Mellotron – Die Soundbibliothek

Zum Lieferumfang des Mellotrons gehörte jeweils lediglich ein solcher Bandrahmen (nämlich der im Instrument selber), mit den drei Standardsounds Flöte, Violine und Cello. Allerdings stand zusätzlich eine umfassende Liste mit anderen Soundgruppen zur Verfügung. Wer unter diesen insgesamt 42 werksmäßig angebotenen Dreiergruppen nicht die richtige Zusammenstellung fand, der konnte sich gegenen einen entsprechenden Aufpreis aus verschiedenen Einzelsounds sogar eine eigene Soundgruppe zusammenstellen lassen.

Mellotron: Ein Mark IV-Modell. (Foto: Buzz Andersen, 2007, http://www.flickr.com/photos/41894166582@N01/364322266/)
Mellotron: Ein Mark IV-Modell. (Foto: Buzz Andersen, 2007, http://www.flickr.com/photos/41894166582@N01/364322266/)

Wer mehr als nur diese drei Sounds wollte, der hatte die Möglichkeit, zusätzliche Bandrahmen mit je drei weiteren Sounds zu erwerben. Daneben gab es die bespielten Tapes auch auf Spulen – also ohne Rahmen – zu kaufen. Allerdings dürfte wohl jeder, der einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, die Bänder auf dem Rahmen zu befestigen, sich beim nächsten Mal gleich von vornherein für einen komplett bestückten Rahmen entschieden haben.

Auch demjenigen, der ganz spezielle Klänge wollte, die nicht in dem doch immerhin sehr umfassenden Katalog des Herstellers enthalten waren, konnte geholfen werden. Er brauchte lediglich ein entsprechendes Masterband an Streetly-Electronics zu schicken, welches dann dort auf 3/8″-Band überspielt wurde und in einem Bandrahmen untergebracht wurde. Nicht wenige bekannte Gruppen machten von dieser Möglichkeit Gebrauch. So konnten im Studio erarbeitete Sounds auch live gespielt werden.

Auch die Möglichkeit, das Mellotron mit selbst produzierten Bändern zu bestücken, war durch einen speziellen Umrüstsatz gegeben. Dieser ermöglichte es, das Gerät auch mit handelsüblichen 1/4″-Band zu betreiben. Allerdings handelte es sich bei den Sounds, die das Mellotron bekannt machten, im Wesentlichen um Werkssounds. Die beliebtesten und typischsten sind wohl die Flöten-, Chor- und Orchesterklänge.

Mellotron – Die Klangqualität

In Sachen Soundqualität lässt sich das Mellotron eigentlich kaum mit heutigen Samplern vergleichen. Aufgrund seiner vorwiegend mechanischen Konstruktion tauchen Probleme auf, über die moderne Geräte in jeder Beziehung erhaben sind.

Problem Nummer eins war der Gleichlauf. Gleichlaufschwankungen und die damit einhergehenden Tonhörenschwankungen sind untrennbar mit dem Namen Mellotron verbunden. Schwierigkeiten treten besonders dann auf, wenn mehrere Tasten auf einmal gedrückt werden, da ja mit jeder gedrückten Taste der Widerstand, den der Capstan überwinden muss, größer wird. Das Drücken voller Akkorde hat somit unter Umständen zur Folge, dass sich die Bandgeschwindigkeit (und damit die Tonhöhe) hörbar verringert. Wie stark dieses Phänomen auftritt, hängt jeweils davon ab, wie korrekt das Mellotron eingestellt ist: ob zum Beispiel der Keilriemen straff genug gespannt ist, die Andruckrollen richtig justiert sind etc.

Beim älteren Modell, dem M 400, kam noch erschwerend hinzu, dass die Geschwindigkeit des Motors nicht 100%ig stabil war. Dies wurde erst beim Nachfolgemodell, dem Novatron, durch Installation einer Quarzsteuerung behoben. Auch in Sachen Geräuschspannungsabstand (Herstellerangabe: -57 dB) war es um das Mellotron nicht allzu gut bestellt. Deshalb kam die integrierte Klangregelung in erster Linie zur Absenkung der Höhen (und damit des Rauschens) zum Einsatz.

Ein kleine Soundprobe des Mellotron M 400:

Der korrekten Einstellung der Justierungsschraube für den Kopfkontakt kam auch eine enorme Bedeutung zu. Diese hatte nämlich direkten Einfluss auf den Wiedergabefrequenzgang (im Optimalfall 50Hz – 12 kHz ± 3 dB).

Allerdings waren eigentlich gerade die Schwächen des Mellotron auf der anderen Seite gleichzeitig seine Stärken. Gerade die sich aus der Konzeption des Gerätes nahezu unvermeidlich ergebenden Klangunterschiede von Taste zu Taste (unterschiedlicher Kopfkontakt, unterschiedlicher Zustand der Tonköpfe, verschieden starker Bänderabrieb etc. etc.) gaben dem Gerät seinen speziellen Charme. Auch die Art, wie die Bänder selber aufgenommen sind, trägt viel zu dem unverwechselbaren Charakter des Instruments bei.

Da der Sound zwangsläufig für jede Taste einzeln aufgenommen werden musste, finden sich auch dadurch wieder minimale Unterschiede in Klangfarbe, Intonation, Volumen etc. Wollte man also die Sounds des Mellotron auf einen modernen Sampler übertragen, so müsste konsequent Multisampling angewandt werden. Dass jedoch selbst dies keine 100% exakte Reproduktion des Mellotron sein kann, liegt einerseits an den bereits beschriebenen Eigenheiten (sprich: Macken) des Instruments. Außerdem ist ja auch der Attack des Signals beim Mellotron je nach Stärke bzw. Geschwindigkeit des Anschlags durchaus unterschiedlich.

Wer also ein Instrument sucht, das – inklusive aller Besonderheiten wie Rauschen, Jaulen etc. – 100%ig wie ein Mellotron klingt, der wird sich auch ein Mellotron anschaffen müssen. Allerdings kann ich mir kaum noch jemanden vorstellen, der heutzutage noch bereit wäre, sich mit den – in erster Linie mechanischen – Macken des Mellotron herumzuschlagen. Immerhin gibt es mittlerweile auch ein digitales Modell. Eine Übersicht über alle hergestellten Modelle und ähnliche Geräte gibt es hier).

Auf der offiziellen Homepage gibt es mittlerweile eine große Auflistung verschiedenster Ersatzteile. Besitzer eines alten Mellotron werden hier also dringend benötigte Komponenten finden. Alle, die sich noch ein Mellotron zulegen möchten, können dort auch ein wenig stöbern und sich ein passendes Modell aussuchen.