Der Yamaha DX7 kam 1983 auf den Markt.

Zwei Neuerungen stellten 1983 die Welt der elektronischen Musik auf den Kopf: MIDI und der Yamaha DX7.

MIDI – das „Musical Instrument Digital Interface“ war das Kommunikationsprotokoll, das die gesamte Industrie umkrempelte und befeuerte. Im gleichen Jahr erblickte aber auch einer der bestverkauften Synthesizer aller Zeiten das Licht – der Yamaha DX7.

Yamaha DX7 & die lineare Frequenzmodulation

Polyphone Analogsynths wie der Sequential Circuits Prophet-5 beherrschten seinerzeit das Geschehen. Der Yamaha DX7 pulverisierte jedoch sämtliche vorigen Synthesizer-Verkaufsrekorde mit seiner völlig neuartigen Form digitaler Synthese — linearer Frequenzmodulation (FM) —, und das zu einem erschwinglichen Preis. Zusammen mit digitalen Samplern ließ der Yamaha DX7 die Analogsynthese für fast ein Jahrzehnt in der Versenkung verschwinden.

Yamaha hatte die FM-Synthese 1973 von John Chowning lizenziert, einem Stanford-Professor, der seit den Sechzigern daran forschte. Der Hersteller brachte seine ersten FM-Synthesizer — die nicht programmierbaren GS1 und GS2 – 1981 heraus, zu stolzen Preisen von $16,000 beziehungsweise $6,900.

Yamaha flog Dave Bristow und Gary Leuenberger — einen britischen und einen amerikanischen Experten für Yamahas analogen CS-80 Synthesizer — nach Japan, um Klänge für die GS-Synths zu programmieren. Deren Programmier-Interface ließ selbst das des als schwer programmierbar geltenden Yamaha DX7 einfach aussehen.

Die Yamaha DX7 Presets

Bristow und Leuenberger fanden Yamahas Editor deutlich verbessert vor, als sie Ende 1982 wieder nach Japan flogen, diesmal, um den Yamaha DX7 mit Klängen zu füllen. Der Yamaha DX7 war ein 16-stimmiger FM-Synthesizer mit 32 Speicherplätzen, einem 5-Oktaven-Keyboard und MIDI — und alles zu einem Listenpreis von $1,995. Die beiden hatten weniger als vier Tage Zeit, um 128 Patches zu produzieren.

Nicht nur das Kreieren von so vielen verschiedenen Sounds in einer so kurzen Zeit war eine Herausforderung: sie mussten ihnen auch noch Namen geben, denn der DX7 war der erste Synthesizer mit einem LC-Display, das es erlaubte, Patches zu benennen.

Yamaha DX7 – der Verkaufshit

Nie zuvor hatte Yamaha einen Verkaufshit unter seinen Synthesizern gehabt. Bristow zufolge hatte das Unternehmen gehofft, dass der Yamaha DX7 einen Verkaufsrekord aufstellen würde, was beim Absatz von 20.000 Einheiten erreicht gewesen wäre. Allein innerhalb des ersten Jahres setzten sich jedoch mehr als 150.000 Geräte ab.

Bis dahin war niemandem wirklich klar gewesen, dass der Synthesizermarkt wirklich so groß war. Nicht nur FM- und digitale Synthese waren die Verkaufsargumente, sondern auch das anschlagdynamische und druckempfindliche Keyboard des DX7, von dem die Factory Presets ausgiebig Gebrauch machten.

Die Yamaha DX7 Mods

Zwei Drittanbieter entwickelten Modifikationen für den ursprünglichen Yamaha DX7. Das bekanntere Tuning-Kit kam von Grey Matter Response und hieß „E!“. E! machte den DX7 multitimbral, erweiterte die RAM-Slots auf ein Zehnfaches, erlaubte das Stacken von bis zu acht Stimmen, einstellbare Zufalls-Stimmung, Controller-Mapping und vieles mehr.

Mir persönlich näher ans Herz gewachsen ist jedoch DX SuperMax – eine Gemeinschaftsentwicklung zweier Franzosen: Des Designers und Entwicklers Dan Armandy und dem Musiker/Vermarkter/HNO-Spezialist und Schönheitschirurgen Alain Seghir.

DX SuperMax erweitert den Yamaha DX7 um einen ausgezeichneten Arpeggiator, Stimmenrotation zwischen mehreren Patches, zwei- bis vierfaches Übereinanderlegen von Voices mit unabhängiger Transposition und Tuning für jeden Layer, Delay und Eche für interne und MIDI-Voices, anschlagdynamische Klangumschaltung, Microtuning, einen automatischen Patch-Generator und MIDI-Controller – plus eine Speichererweiterung auf 8 oder 16 Bänke.

Der DX Supermax ist extrem selten, aber mein DX7 hat es, und ich habe für den Fall der Fälle ein Reservekit auf Lager.

Der Yamaha DX7II

DX7II-D, Foto: Niels Heidenreich, Hannover
Ein Yamaha DX7II im Koffer. Den Erfolg des DX7 konnte er nicht wiederholen. Foto: Niels Heidenreich, Hannover

Mit dem 1987 veröffentlichten DX7II hoffte Yamaha auf eine Wiederholung des Erfolgs des DX7. Der DX7II hatte Stereo-Ausgänge und war rauschärmer, die Mitbewerber hatten aber auch nicht geschlafen und attraktive Alternativen zum FM-Sound entwickelt, sodass der DX7II letztlich nicht an den Erfolg seines Vorgängers anschließen konnte.

Seitdem behauptet Yamaha mit multitimbralen Keyboard-Workstations, die FM mit Sample-Playback, Effekten und internem Sequenzer verbinden, seine Stellung an vorderster Front der Synthesizer-Hersteller.

(Übersetzung: Peter Gorges)

Die wegweisendsten Synthesizer aller Zeiten:

Teil 1: Am Anfang war der Moog
Teil 2: Frankenstein” und der ARP 2600
Teil 3: Pure Magie: “Birdland” und Oberheim SEM
Teil 4: … und dann kam der Prophet
Teil 5: Digitales aus Down Under
Teil 6: Bahnbrechende Digitaltechnik aus Deutschland
Teil 8: Korg M-1 – Die Workstation überhaupt
Teil 9: Clavia Nord Lead – Die Rückkehr der Knöpfe
Teil 10: Modulare Synthesizer für das 21. Jahrhundert

(Übersetzung: Peter Gorges)