Bild: Tiptop Audio „Happy Ending Kit“

Das Eurorack und die Modular-Synthesizer haben in den letzten Jahren einen ziemlichen Boom zu verzeichnen.
Die Grundlage für diesen Boom schuf 1996 Dieter Doepfer mit der Entwicklung des Euroracks (mehr dazu hier).
Nun war es möglich, Module verschiedenster Hersteller in einem Modularsystem zu vereinen.

Die Grundlage dazu kommt aus der Industrie mit der DIN-Norm 41494. Die meisten Hersteller schlossen sich dieser Vereinheitlichung an.
Folge: Die Maße waren definiert und auch die Stromversorgung wurde vereinheitlicht. Der User konnte sich also „sein“ Modularsystem konfigurieren und ausbauen. Die Synthesizer-Module werden dabei in aller Regel in ein Eurorack-Chassis eingebaut.

Aber es stellte sich auch die Frage:

Kann man Eurorack-Module in einem 19″-Rack verbauen?

In einer Studio-Umgebung, wo die Geräte meist in 19“-Racks integriert sind, kann es sinnvoll sein, ein Eurorack als 19″-Variante zu nutzen.
Aber geht das überhaupt? Sind Eurorack und 19“ zwei verschiedene Systeme oder gar kompatibel?

Auf den ersten Blick erscheint es so, als wären Eurorack und 19“-Racks zwei verschiedene Standards. Dass dem aber nicht so ist, das wollen wir hier aufzeigen und ein paar 19“-Chassis/Rahmen für das Eurorack vorstellen.

Eurorack und 19“-Racks

Ein 19“-Rack hat eine feste Breite (also 19“) während die Höhe eines 19“-Geräts, egal ob Mischpult oder Effektgerät, variabel ist. Festgelegt sind dabei jedoch die sogenannten Höheneinheiten, die sicher stellen, dass das auch mit den vorgefertigten Schraublöchern im Rack klappt.

Dabei gibt es flache Effektgeräte mit 1 HE bis zu kompletten Mischpulten im 19“-Format, die 10 oder mehr HEs beanspruchen.

Charakteristisch für 19“-Geräte sind die sogenannten Rackwinkel oder Rackohren, die an das eigentliche Gerät angedockt sind – entweder fest oder abnehmbar. Oftmals werden die Rackwinkel auch optional angeboten.

Diese Rackwinkel schauen links und rechts über das eigentliche Gerät hinaus. Mit Rackwinkeln haben diese Geräte eine Breite von 482,6 mm oder 19“.

Ohne Rackwinkel beträgt die Breite dieser Geräte 426,72 mm, was wiederum 84 HP in der Eurowelt entspricht. Zufall? Nein, kein Zufall!

Hier die wichtigsten Maße der 19“-Racks und 19“-Geräte:

  • Höhe: Höheneinheiten (HE)
  • 1 HE = 44,45 mm = 1,75 Zoll
  • Breite Montagevorrichtung: 482,6 mm = 19 Zoll
  • Breite Einbauraum: 426,72 mm

19“-Racks werden live benutzt, um Effektgeräte, Module, Mischpulte in einem 19“ Flightcase für den Transport verschrauben zu können. Dabei kann man die Systeme bereits fest verkabeln und muss auf der Bühne nur noch das Flightcase an den gewünschten Platz rollen.

Natürlich kommen 19“-Rack auch im Studio zum Einsatz, viele Studiotische haben 19“-Racks für den festen Einbau der Vielzahl an Peripheriegeräten.

Das Euroracksystem – Eurorack und 19“-Racks

Die Höhe der Eurorack-Module sind mit 3 HE festgelegt, was 13,34 mm entspricht (s. HEs beim 19“-Rack oben). Das sind die exakten Maße zwischen Oberkante obere Schraubleiste und untere Kante Schraubleiste eines Euroracks.

Um die Module besser einbauen zu können, haben die Module tatsächlich eine etwas geringere Höhe.

Beim Eurorack ist die Breite eines Moduls nicht festgelegt (mittlerweile werden komplette, meist semi-modulare Synthesizer im Eurorack-kompatiblen Maßen angeboten, z.B. Moog Mother 32, Behringer Neutron.

Die Breite ist also offen, aber es gilt dafür die Maßeinheit HP. 1 HP ist genau 5 mm breit, wobei man 5,08 mm rechnet, um den Einbauabstand zwischen mehreren Modulen einzuberechnen.

Die meisten Eurorack-Chassis können Module mit einer Maximalbreite von insgesamt 84 HP beherbergen, aber es gibt auch noch breitere Ausführungen.

84 HP entsprechen dabei einer rechnerischen Breite von 426,72, was wieder dem maximalen Einbauraum eines 19“-Systems entspricht (damit schließt sich der Kreis).

Allerdings fehlen dann noch die Rackwinkel, um ein 84 HP breites Euroracksystem im 19“-Rack zu verschrauben (nochmals 19“ = 482,6 mm).

Damit ist klar, dass Eurorack und 19“ keine zwei verschiedenen Schuhe sind.

Während Eurorack-Chassis in vielen Ausführungen (z.B. zwei oder drei Reihen à 84 HP) und unterschiedlichen Designs angeboten werden, gibt es 19“-Rahmen mit Eurorack-Schraubleiste und Stromversorgung deutlich seltener.

Und so habe ich mich mal umgeschaut, was es zu welchem Preis auf dem Markt gibt.

Eurorack im 19“-System – Ohne Stromversorgung.

Wie auch bei den normalen Chassis gibt es hier Versionen ohne Stromversorgung. Dies ist für den DIY-Freund o.k., Otto-Normalmusiker möchte ich das weniger empfehlen.

Also, einen 19“-Rahmen ohne Stromversorgung habe ich bei Synthrotek zum Preis von 35 US-Dollar gefunden (da kommen sicherlich noch Versandkosten hinzu).

Von Acidlab gibt es ein 19“-Gehäuse mit geschlossenen Chassis für 90 Euro.

Eurorack im 19“-System – Tiptop Audio

Tiptop Audio bietet einen 19“-Rahmen für Eurorack-Module (84 HP) inkl. kompletter Stromversorgung. Wie man so ein Produkt dann „Happy Ending Kit“ nennen kann, erschließt sich mir nicht (ich stelle mir vor, ich gehe in Treppendorf an die Theke und sage: „Einmal Happy Ending bitte!“. Wird bestimmt lustig).

Das Tiptop Audio Happy Ending Kit kommt in Einzelteilen zerlegt und besteht aus:

  • 2 Rackohren (Metall)
  • 2 Quer-Stangen mit den beiden Eurorack-Schraubleisten (Metall)
  • Ein Netzteil
  • Die Stromversorgung als Modul
  • Die notwendigen Schrauben

Das kriegen auch untalentierte Heimwerker zusammengebaut. Ein Hinweis, der viel Zeit spart, sei gestattet: Die Schrauben, mit denen man Rackwinkel und Querverbinder verschraubt, findet man im Tütchen mit dem Netzteil, wo ich diese wirklich nicht vermutet hatte.
Ansonsten ist alles gut, stabil, schnell zusammengebaut und einsatzbereit.
Tiptop Audio Happy Ending gibt es für knapp 150 Euro.

Doepfer hat ein 19“-Gehause (G6) mit Stromversorgung im Chassis mit 2 x 84 HP zu einem Preis von 479 Euro im Angebot, während man bei Analogue Solutions für das RS-15 450 Euro bezahlt.

Doepfer G6 Analogue Solutions RS-15

Man sieht, es gibt nicht viel Auswahl, aber es geht auch, ohne ein Vermögen ausgeben zu müssen.

Ob man den 19“-Weg geht oder aber ein gängiges Eurorack-Chassis wählt, das hängt mehr oder weniger von der weiteren Peripherie in seiner Studio-Umgebung ab.
Bedenken sollte man aber auch, dass es Chassis gibt (z.B. Arturia), deren Neigungswinkel verstellbar ist, um die Module besser bedienen zu können. Die Module in ein 19“-Rack einzubauen, könnte auch die Folge haben, ergonomisch diese nicht mehr optimal bedienen zu können. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.