Mit diesen Tipps setzt sich jeder Synthi-Lead durch!

Scott Frankfurt hat 9 Tipps für dich zusammengestellt, mit denen du jeden deiner Lead-Sounds verbessern kannst.

Geht dein Sound im Mix unter, oder klingt er langweilig? Mit diesen 9 Tipps garantiert nicht mehr!

Tipp 1: Ein Lead-Sound muss sich durchsetzen können.

Man muss sich vor Augen halten, wie eng umrissen der Frequenzbereich einer Lead-Gitarre ist. Niemand braucht also einen Sound, der alle anderen am Song beteiligten Sounds überdeckt oder aber selbst überdeckt wird. Das bedeutet aber auch, dass es nicht DEN Lead-Sound gibt. Etwas, was bei einem Jazz-Ensemble funktioniert, muss nicht der richtige Leadsound für eine Prog-Rock-Band sein.

So routet man in Omnisphere die Velocity auf den Sample-Startpunkt
Omnisphere: Route die Velocity auf den Sample-Startpunkt

Tipp 2: Ein LeadSound muss eine interessante Attack-Charakteristik haben, die auf den Anschlag des Keyboarder reagiert.

Egal, ob man einen perkussiven Sound hat oder nicht, die Entwicklung des Klanges in der Attack-Phase in Abhängigkeit von der Anschlagdynamik ist entscheidend (man denke auch an die Möglichkeit, viele kurze Töne zu spielen). Arbeiten wir mit Samples, dann sollte man die Sample-Start-Zeit per Anschlag variieren können. Hat ein Sample eine ausgeprägte Attack-Phase, verlegt man den Startzeitpunkt bei leichtem Anschlag nach hinten und schiebt diesen mit härterem Anschlag immer weiter nach vorne, damit beim härteren Anschlag die komplette Attack-Phase zu hören ist. Es kann auch spannend sein, den Startzeitpunkt des Samples zufällig variieren zu lassen.

Das Ohr und das Gehirn identifizieren und bewerten einen Sound in den ersten 500 ms, so dass es von entscheidender Bedeutung ist, diesem Teil des Klanges eine besondere Charakteristik zu verleihen. Bei einem Synthesizersound erreicht man das durch eine kurze Tonhöhen- oder Lautstärkemodulation per Hüllkurve, aber generell jede Modulation ist empfehlenswert. Alles, was die ersten 40 ms lebendig macht, ist brauchbar.

Tipp 3: Legato/Solo abhängig vom Anschlag.

Damit erhält der Spieler mehr Ausdrucksmöglichkeiten. Abhängig davon, ob man eine Tonfolge legato spielt oder aber etwas abgehackter (portato) löst man den Klang von vorne aus (Re-Triggerung mit Attackphase) oder aber die neu gespielten Töne setzen beim Legatospiel weicher ein, da sie den Sound ab der Stelle wiedergeben, an der diese beim vorherigen Ton angekommen war.

Tipp 4: Die Sustainphase muss lebendig sein.

In dieser Phase eines Klangs (Haltephase nach Attack und Decay) muss mächtig was passieren, hier muss Bewegung in das Obertonspektrum. Die Emotion des Sounds liegt ebenfalls hier. Auch wenn es nur eine leichte tonale Bewegung ist, der Sound des gehaltenen Tones ist sehr wichtig. Ich vergleiche einen Leadsound immer mit einer Gesangsstimme. Ein Synthesizersolo hat eine ähnliche Aufgabe wie die Gesangsstimme, deswegen sollte man sich auch daran orientieren: Hält der Sänger seinen Ton, dann ist da auch immer eine feine tonale Bewegung drin, und das sollte auch beim Solosound hörbar sein.

Tipp 5: Spielhilfen sind unabdingbar.

Um den Leadsound lebendig zu gestalten, ist der Einsatz von Spielhilfen, wie Pitch- und Modulationsrad, Fußpedale etc. unabdingbar. Erst dann wird der Leadsound lebendig. In Omnisphere gibt es eine wunderbare Möglichkeit, den Sound noch „fetter“ zu gestalten, indem man weitere Stimmen in verschiedene Intervallen gestimmt (Oktaven, Quinten etc.) dazumischt. Das kann man mit jedem Synthesizer, der genug Stimmen hat, bewerkstelligen.

Tipp 6: Die Release-Phase.

Es lohnt sich, Delays zu filtern!
Delays mit eingebautem Filter

Ein Solosound sollte schnell ausklingen, sobald man die Taste losgelassen hat. Man wählt also eine kurze Release-Zeit. Dies gibt auch Raum für Effektsettings. Und da ist ein Delay besser als Hall, denn der Sound bleibt durchsichtiger. Es macht auch Sinn, das Delay zu filtern und damit im Frequenzgang zu beschneiden. Dieses „Ausdünnen“ des Delays schafft einen besseren Raumeindruck.

Omnisphere und zahlreiche andere coole Plug-ins, wie SoundToys Echo Boy oder der Delay Designer in Logic bieten die Möglichkeit, den Effekt mit Highpass- oder Bandpassfilter zu bearbeiten. Alternativ legt man den Delay-Effekt auf Send im Mischpult und filtert im Returnkanal.

Tipp 7: Release Velocity.

Sollte die verwendete Tastatur release velocity anbieten (die Geschwindigkeit, mit der man eine Taste nach dem Anschlag wieder loslässt), so ist auch dies eine Option. Man stelle diesen Parameter so ein, dass der Sound schnell ausklingt, lässt man die Taste schnell los und entsprechend länger ausklingt, gibt man die Taste langsamer frei. Bei schnellen Läufen verklingen diese alle schnell, so dass der Sound nicht vermatscht, einen langen Ton kann man dann länger ausklingen lassen.

Tipp 8: Nicht oder nur wenig die Lautstärke modulieren.

Ein Leadsound muss sich auch in der Lautstärke durchsetzen. Deshalb ist es empfehlenswert, keine allzu starke Anschlagsdynamik vorzusehen. Per Dynamik sollte man eher Klangparameter (Filter etc.) steuern.

Tipp 9: Erzeuge ein Vibrato wie eine E-Gitarre.

Wir haben die Vibratotechnik von Steve Lukather, wohl der Gitarrist mit den meisten Record-Sessions auf der Welt, analysiert und diese auf dem Synthesizer nachempfunden. Die Tonhöhenveränderung beträgt bei Steve maximal eine kleine Terz und, wichtig, nur nach oben.

Das heißt, man nimmt als Modulationsquelle eine Sinus- oder Dreieckwelle und moduliert nur mit der positiven Phase (ansonsten ginge das Vibrato auch eine kleine Terz nach unten). Die maximale Modulationstiefe stellt man auf besagte kleine Terz ein (mit dem Vibratohebel oder whammy bar einer Gitarre kann man eine positive wie auch negative Phase erzeugen). Für Streichersounds würde ich andere Modulationsarten verwenden, aber für Leadsounds im Gitarrenstil ist diese Vibrato perfekt.

© Keyboard Magazine, courtesy of NewBay Media, 2015