Yamaha Reface DX Test, Foto: Yamaha

Nachdem wir uns bereits den „Analog“-Synthesizer CS aus der Reface-Reihe von Yamaha angesehen haben, gibt es jetzt den Yamaha Reface DX Test hinterher!

Wie aus dem Kürzel „DX“ schon ersichtlich, bezieht sich der Yamaha Reface DX auf die legendären DX-Synthesizer der 80er Jahre, angeführt vom damaligen Megaseller DX-7, wahrscheinlich der meistverkaufte Synthesizer aller Zeiten (ein Feature über den Yamaha DX-7 gibt’s hier!).

Der Yamaha Reface DX besitzt die gleichen kompakten Dimensionen wie die anderen drei Mitglieder der Reface-Serie: auch er verfügt über 37 Minitasten und zwei kleine eingebaute Lautsprecher. Die Klangerzeugung und das Bedienkonzept unterscheiden sich dann aber deutlich vom Yamaha Reface CS.

Klangbeispiel Yamaha Reface DX Test: Klangbeispiel E-Piano & DigiChord

Yamaha Reface DX Test – die FM-Synthese

Nachstehend folgt ein kleiner Exkurs zu Thema FM. Filtert man bei der subtraktiven Synthese (wie sie beim analogen Synthesizer Anwendung findet) Obertöne aus mehr oder wenig obertonreichen Wellenformen heraus (deshalb subtraktiv), so moduliert man bei der FM-Synthese einen Oszillator (Operator) durch einen oder mehrere andere Operatoren (Modulatoren), dann entstehen dabei sehr komplexe Obertonstrukturen, abhängig von der Intensität der Modulation. Dabei unterscheidet man zwischen dem sog. Carrier, dem Operator, der auch die Grundtonhöhe bestimmt, und den Modulatoren, die dann für die Klangfarbe sorgen. Je mehr Operatoren zum Einsatz kommen, desto komplexer kann das Ergebnis sein. Wie mehrere Operatoren zusammenwirken, dies bestimmt man über den Algorithmus.

Ein Carrier wird beim Yamaha Reface DX dabei im Rechteck dargestellt, eine Modulator im Kreis. Bestimmt man bei einem System mit vier Operatoren (wie hier der Reface DX) alle als Carrier, dann hat man ein System ähnlich der Zugriegel einer Hammond (abhängig von der Stimmung der Operatoren).

Offensichtlich ist die subtraktive Synthese eher nachzuvollziehen bzw. vorhersagbar als ein komplexer Algorithmus. Es ist erst einmal schwer zu erkennen, wie die Klangfarbe bei einem Alogrithmus wie dem abgebildeten wohl sein wird. Deshalb war die Soundprogrammierung bei den FM-Synths eher den Spezialisten vorbehalten. Andererseits „belohnt“ die FM-Synthese dann aber den Zuhörer mit sehr obertonreichen und interessanten Klangfarben.

Yamaha Reface DX Test: Klangbeispiel Pads

Yamaha Reface DX Test: Bedienkonzept

Vorweg, der Yamaha Reface DX ist keine 2015er-Version des DX7. Er erinnert eher an den kleinen Bruder, den DX-100. Hatte der Yamaha DX-7 sechs Operatoren, so verfügt der Reface DX wie der DX-100 über vier.

Ansonsten ist alles anders gelöst als beim Yamaha Reface CS. Hatte bei der „Analog“-Version jede Funktion sein Bedienelement, so arbeitet der Yamaha Reface DX mit Parameteranwahl und Display. Dies ist wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass die FM-Synthese komplexer ist als die subtraktive Synthese im Oszillator-Filter-Verstärker-Format.

Da hätte man nicht alle Bedienelemente einzeln auf dem Bedienfeld unterbringen können. Trotzdem finden sich ein paar Taster, die im Yamaha Reface DX Design an das Ur-Modell erinnern (sehr schön gemacht). Das Display wirkt im ersten Moment recht klein, man kann aber erstaunlich gut damit arbeiten (die einstellbare Helligkeit hilft auch). Dies liegt u.a. daran, dass man die FM-Parameter sehr geschickt organisiert hat.

Haben die meisten Musiker früher davor kapituliert, eigene FM-Sounds zu erzeugen, so kann sich das beim Yamaha Reface DX durchaus ändern. Waren frühere Yamaha FM-Synths in der Sound-Programmierung eigentlich unbedienbar und die Sounderstellung wenigen Spezialisten vorbehalten, so kann man bei der aktuellen Version durchaus gute Ergebnisse erzielen, selbst ohne die FM-Synthese komplett verstanden zu haben.

Yamaha Reface DX Test: Klangbeispiel Bässe

Im Display des Yamaha Reface DX lassen sich bis zu vier Parameter gleichzeitig darstellen (passt bei vier Operatoren). Links daneben befindet sich das berührungsempfindliche Bedienfeld, auch unterteilt in vier Felder. Diese Felder zeigen entweder up/down-Pfeile, wenn man darüber einen größeren Wertebereich verändern kann oder einen roten Punkt, wenn der Bereich eine Schalterfunktion innehat. Die Werte verändert man entweder durch Druck auf die Pfeile oder durch „Wischen“ über das Feld, wie man es von einem Smartphone gewöhnt ist.

Rechts neben dem Display befindet sich die FM-Sektion, die aus vier Tastern besteht: FREQ, LEVEL, ALGO und FB. Mit dieser Abteilung sollte man zuerst arbeiten, will man sich mit der Klangprogrammierung vertraut machen.

Yamaha Reface DX Display Levels
Display nach Druck auf die Taste Level: Gezeigt wird der aktive Algorithmus und das Level jedes einzelnen Operators, das wir mit den Pfeil-Tasten links vom Display verändern können.

Die Abbildung zeigt das Display nach Druck auf die Taste Level. Wir sehen den aktiven Algorithmus und das Level jedes einzelnen Operators. Nun können wir über das Bedienfeld die Werte verändern, was sich, je nach Algorithmus, in mehr oder weniger deutliche Klangveränderungen manifestiert. Hier ist es vollkommen in Ordnung, einfach mal nach dem Prinzip „Trial and Error“ vorzugehen.

Geht man auf den Bereich FREQ, dann bestimmt man die Frequenz eines jeden Operators, die natürlich auf wieder Einfluss auf das Klangbild hat.

Wählt man den Bereich ALGO an, dann wird der Algorithmus verändert, also die Art, wie sich die Operatoren zueinander verhalten sollen. 12 dieser Algorithmen stehen zur Wahl. Wie wir sehen, ist dabei nur das linke Feld aktiv, da wir hier nur ein Parameter verändern können (ALGO 1-12). Der aktive Algorithmus wird dabei im Display grafisch dargestellt.

Ähnlich sieht es mit den Funktionen FREQ (Tonhöhe der Operatoren) und FB (Feedback-Schleife je nach Algorithmus).

Ein wenig ungewohnt empfand ich, dass Veränderungen nicht durch erneutes Drücken auf den Programmplatz wieder rückgängig gemacht werden können. Um wieder an den Ausgangssound zu kommen, muss man sich ins FUNCTION-Menü begeben und dort bis auf „Edit Recall“ steppen und diese Funktion dann aktivieren – ein bisschen umständlich.

Yamaha Reface DX Test: Klangbeispiel Typisch FM

Kann man den Sound schon im Bereich FM „editieren“, so gibt es noch eine extra Edit-Funktion. Warum diese unterschiedlichen Ebenen sein müssen, ist mir nicht ganz klar geworden. Im Edit-Bereich, den ich erst durch Drücken der Taste „Edit“ aufrufe, kann ich dann je Operator Lautstärkehüllkurven bestimmen, LFO-Einstellungen sowie Pitch-EG-Einstellungen vornehmen. Auch interessant: Bei jedem Operator kann ich mittels einer Feedback-Funktion aus der eigentlichen Sinuswelle stufenlos in ein Rechteck oder ein Sägezahn übergehen. Das erweitert die Soundpalette noch einmal deutlich.

Lege ich eine Hüllkurve auf einen Carrier, dann ändert sich tatsächlich die Lautstärke. Eine Hüllkurve bei einem Modulator verändert den Klang im zeitlichen Verlauf und verleiht dem Sound Dynamik.

Yamaha Reface DX Test: Wie bewerten wir die Bedienungsoberfläche?

Yamaha Reface DX Bedienoberfläche, Foto: Yamaha
Yamaha Reface DX: An die Bedienung mit den Tastern neben dem Display muss man sich in Zeiten von Smartphones erst wieder gewöhnen.

Ich würde das in zwei Seiten aufteilen. Die Bedienung mit den Einstellflächen und den Pfeiltasten ist in Verbindung mit dem Display gut und intuitiv. Manchmal habe ich mich aber beim Versuch erwischt, Veränderungen am Display selbst vorzunehmen, um dann wieder festzustellen, dass es kein Touchscreen ist. Da muss man sich erst einmal dran gewöhnen.

Erscheint die Aufteilung in FM-Bereich und EDIT-Ebene vielleicht auch nicht ganz logisch, so hat sie auch ein Gutes. Sind die Klangänderungen im FM-Bereich schnell nachvollziehbar, so taucht man im EDIT-Bereich schon in tiefere Bereiche der FM-Synthese ein. Hier geht es schon ans Eingemachte. Für jemanden, der schnell ein paar coole Sounds haben will, ist das schon ein wenig zu viel.

Da kommt man dann zu der Frage, an wen sich der Yamaha Reface DX wendet – an den Einsteiger oder an den Soundtüftler? Vertreter der ersten Gruppe sollten vielleicht anfangs den Druck auf die EDIT-Taste scheuen.

Yamaha Reface DX Test: Klangbeispiel Typisch FM

Hurra, der Yamaha Reface DX ist speicherbar!

Was mir beim CS fehlte, hat man dem Yamaha Reface DX zugestanden: Er verfügt über Speicherplätze. Man kann seine Soundkreationen also speichern. Die Speicherplätze sind in vier Bänke à 8 Plätze organisiert, was also 32 Speicherplätze ergibt.

Ich bin ja froh, dass der DX speicherbar ist. Soll ich jetzt noch meckern, dass es nur 32 geworden sind? Ich tue es einfach. Die FM-Synthese erlaubt selbst mit vier Operatoren so viele unterschiedliche Klangfarben, dass man da mit 32 Speicherplätzen schnell an Grenzen stößt.

Abhilfe kann hier die Reface App schaffen, die Yamaha kostenlos im App-Store anbietet (allerdings nur für iOS-Geräte). Damit lassen sich Sounds in der App speichern und wieder an das Keyboard übertragen (s. auch den entsprechenden Bericht auf www.musikerplus.de)

Die Tastatur: Hurra, der Yamaha Reface DX ist anschlagdynamisch spielbar!

Im Gegensatz zum Reface CS ist der DX anschlagdynamisch spielbar. Mit der Dynamik kontrolliert man das Level der Operatoren. Die Intensität, mit der die Operatoren darauf reagieren sollen, ist je Operator separat einstellbar.

Fungiert ein Operator als Carrier (s.o.), dann verändert man die Grundlautstärke. Wirkt aber die Anschlagdynamik auf einen Modulator, dann ändert sich die Klangfarbe. Setzt man das geschickt ein, dann kann man damit sehr ausdrucksstark spielen. Dazu gibt es noch weitere Einstellmöglichkeiten (z.B. Keyboard-Scaling), worauf ich jetzt gar nicht eingehen möchte.

Ansonsten kommt der Yamaha Reface DX mit den schon bekannten 37 Minitasten, die man mögen kann oder nicht. Das Spielgefühl ist allerdings gut und auch die Dynamik kann man damit gut kontrollieren

Der Yamaha Reface DX ist 8-stimmig polyphon spielbar, was für Synth-Sounds o.k. ist. Spielt man aber z.B. das klassische DX-E-Piano mit Pedal, dann kommt man mit 8 Stimmen nicht mehr wirklich aus.

Yamaha Reface DX Test: Spielhilfen

Wie der Yamaha Reface CS bietet die DX-Version einen Pitch-Hebel, dessen Tonumfang in Halbtonschritten zwischen einem Halbton und zwei Oktaven einstellbar ist. Dieser Wert lässt sich nur generell einstellen und kann nicht separat mit einem Programm abgespeichert werden. Steht dieser Wert auf +12, so ist die Range eine Oktave, und das gilt dann für alle Programme. Eine individuelle Einstellung je Programm wäre sinnvoller gewesen.

Leider hat man auch beim Yamaha Reface DX ein Modulationsrad vollkommen vergessen. Kann man sich beim CS noch mit dem LFO-Schieberegler behelfen, so hat man beim DX keine Möglichkeit, Modulationen (Vibrato etc.) spielabhängig zu erzeugen. Sorry, das ist mir vollkommen unverständlich. Ein Modulationsrad o.ä. gehört zur Grundausstattung eines jeden Synthesizers. Dafür hätte ich auch auf den Oktave-Schieberegler verzichtet.

Yamaha Reface DX Test: Der Looper

Der Begriff ist ein wenig irreführend. Damit lassen sich keine Loops im eigentlichen Sinne erzeugen. Man kann damit sein Spiel aufzeichnen (max. 2000 MIDI-Noten) und wieder ablaufen lassen. Auch Overdubs sind möglich, aber immer nur mit der gleichen Klangfarbe. Auch kann immer nur eine „Loop“ im Speicher gehalten werden.

Apropos Speicher! Der ist flüchtig. Will sagen, die Aufnahme ist futsch, wenn man das Gerät ausschaltet. Mit einem Software-Update ist die Aufnahme übrigens quantisierbar. So richtig erschließt sich mir dieser Bereich aber trotzdem nicht.

Yamaha Reface DX Test: Die Effekte

Den Sound des Reface DX kann man mit einem guten Angebot an Effekten noch verbessern. Zur Verfügung stehen Chorus, Flanger, Phaser, Delay, Reverb, Wah und Distortion, jeweils in zwei Parametern variabel. Die gute Nachricht? Es gibt zwei Effektwege, wir können also z.B. Chorus und Hall gleichzeitig verwenden. Die ganze Effektsektion ist einfach wie effektiv.

Yamaha Reface DX Test: Klangbeispiel Effektsounds mit Beat und Chopper

Anschlüsse

Yamaha Reface-DX Anschlüsse, Foto: Yamaha
Alle Anschlüsse des Yamaha Reface DX befinden sich auf der Rückseite.

MIDi in/out über Peitschen-Kabel, USB (Anschluss an DAW), 2 x Output (Klinke), Kopfhörer, Aux in (Miniklinke), externes Netzteil, Sustain-Pedal (nicht imLieferumfang)

Yamaha Reface DX Test: Der Sound

Nun, er klingt typisch FM. Es ist alles da, kräftige Funky-Bässe, glockenartigen Klänge, Pads, Lead-Sounds, Effektsounds (metallisch) und, na klar, auch die FM-typischen E-Pianos, die in den 80ern so manchen Hits untermalten. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass FM-Sounds so ein wenig in Vergessenheit geraten sind oder als altmodisch betrachtet werden. Vielleicht gerade deswegen, weil sie damals so stilprägend waren.

Will man es negativ formulieren, so bringt der Yamaha Reface DX nichts Neues. Aber er bietet die Palette an FM-Sounds, die man von ihm erwartet. Und das ohne das FM-typische Rauschen, was manche DX7-Besitzer ziemlich nervte. Der Klang ist fett und klar. Sehr gut zu Gesicht steht dem Synth die integrierte Effektsektion, besonders der Chorus kann ein Pad so richtig fett machen und der Verzerrer einem Lead-Sound die Würze verleihen.

Die eingebauten Speaker sind ganz nett, aber können speziell die Bässe nicht wirklich übertragen. Wer das kleine Ding richtig hören will, der schließt es an eine größere Anlage an.

Yamaha Reface DX Test Fazit

Der Yamaha Reface DX bringt nichts wirklich Neues, aber wer seine Klangpalette um die FM-typischen Sounds erweitern will, der wird gut hiermit bedient. Das Keyboard klingt überzeugend. Auch der, der nicht in die Tiefen der FM-Synthese eintauchen möchte, der kann sich auf die Soundprogrammierung im FM-Bereich stürzen und lässt die EDIT-Taste unberührt.

Auch hat der Reface DX in puncto Ausstattung gegenüber seinem CS-Kollegen deutlich die Nase vorn: Programmierbar, anschlagdynamisch und zwei Effektwege sprechen für sich. Das Fehlen des Modulationsrad wiegt schwer. Vielleicht kann man in einem Update den Pitch Bender „umfunktionieren“.

Was nimmt man nun, den Reface DX oder den Reface CS? Eigentlich beide, denn sie unterscheiden sich klanglich doch deutlich und ergänzen sich gut.