Yamaha Montage Test: Motion Control

Wie kann man die Motion Control beschreiben? Sie ist einfach toll, verrückt…

Fast jeder Parameter des Yamaha Montage kann dabei Ziel des Super Knobs und der Motion Control sein. Das können einfach nur die Lautstärke von bestimmen Soundbestandteilen sein oder aber ganz komplexe Parameterveränderungen. Und man kann dabei mehrere Parameter gleichzeitig beeinflussen, egal ob fein oder mit drastischen Veränderungen.

Yamaha Montage Motion Control & Fader
Yamaha Montage: Bedienelemente links vom Display

Der Super Knob beeinflusst die anderen acht Knöpfe, wenn sie im Assign-Mode sind. Wie beim Motif hat man darüber Zugriff auf bestimmte Parameter, wie z.B. die Gesamt-Filtereinstellung, die Hüllkurven, die Arpeggiator-Einstellungen, Global Effect Sends etc.

Dabei kann man die Reichweite/Intensität jedes der Regler ganz individuell einstellen. So kann der Super Knob bei dem einen Regler eine drastische Veränderung erwirken, während er einen anderen Parameter nur leicht verändert.

Andersherum kann jeder der 8 Knöpfe wiederum gleichzeitig mehrere Parameter verändern. So haben wir also vereinfacht gesagt 8 Makros, die wiederum vom Super-Makro (Super Knob) gesteuert werden können. Und wer beide Hände zum Spielen braucht, der nimmt dazu ein Fußpedal.

Der musikalische Nutzen liegt auf der Hand. Man kann z.B. zwischen zwei Instrumenten „crossfaden“, z.B. Piano und E-Piano, Piano und Strings oder zwei Akustik-Gitarren oder ganz intensive Klangverläufe erzeugen. Denkbar sind auch EDM-Anwendungen, um mit dem Arpeggiator von chilligen Elementen bis hin zu chaotischen Post-Dubstep-Figuren zu gelangen.

Obwohl ich anzweifle, dass die EDM-Fraktion die Hauptzielgruppe des Yamaha Montage ist, gehe ich jede Wette ein, dass bei einem Blindtest im EDM-Club, die Leute schwören würden, dass da jemand mit Ableton Live hantiert und nicht mit einem Yamaha Synthesizer!

Zugegeben, man kann Klangverläufe auch bei anderen Instrumenten programmieren, aber kaum etwas geht gedanklich so weit wie der Yamaha Montage.

Nochmals, die Knöpfe und der SuperKnob können fast jeden Parameter adressieren. Das ist aber noch lange nicht alles. Diese Klangbewegungen lassen sich als Motion Sequence automatisieren. Und dafür stehen je Performance nicht nur eine zur Verfügung: Je Performance gibt es 9 sogenannte „Lanes“, die jeweils bis zu 8 verschiedene Sequenzen mit jeweils bis zu 16 Steps aufnehmen kann. Jeder Step repräsentiert dabei eine gewisse Klageinstellung. Um dann alles noch „smoother“ zu machen, kann der Übergang zwischen zwei Steps in einer Kurve erfolgen, was beim Montage „Pulse“ heißt (davon stehen dann 18 Preset-Pulse) zur Verfügung.

Man wird erst nach und nach im Umgang mit dem Yamaha Montage erkennen, was man alles damit anfangen kann. Die Sequenzen können loopen oder auch nicht, müßig zu sagen, dass man diese auch synchronisieren kann.

Ich will an dieser Stelle gar nicht ausrechnen, wie viel Möglichkeiten eine Performance bietet, dem Sound eine immense Lebendigkeit zu verleihen. Allein hier drin kann man sich als User schon ziemlich verlieren.

Yamaha Montage Test: Der Recording-Bereich

Taster mit den typischen Transportfunktionen deuten darauf hin, dass der Montage auch mit Recording-Funktionen ausgestattet ist. Hier arbeitet er als eine Art 16-Spur-Recorder, jedoch nicht im Pattern/Song-Format. Bis zu 64 Songs kann der Montage speichern. Der Bereich ist jetzt nicht besonders aufregend und ist eher als Dreingabe zu sehen.

Hinzu kommt, dass man Audioaufnahmen des Montage auf einem anzuschließenden USB-Flashlaufwerk aufzeichnen und abspielen kann.

Yamaha Montage Test: Anschlüsse

Yamaha Montage Anschlüsse

Die Rückseite des Montage zieren eine Reihe von Anschlüssen: Output (Line; L/R/Mono), frei belegbare Ausgänge 1/2, 2 x Fußpedal, 2 x Fußschalter, Kopfhörer, USB Flash LAuwerk, USB to Host, A/D-Input (L/Mono/R).

Yamaha Montage Test: Versionen

Den Yamaha Montage gibt es in drei Versionen und zwar Montage 6 (Euro 2999), 7 (Euro 3499) und 8 (Euro 3999) mit 61, 76 oder 88 (Hammermechanik-) Tasten.

Yamaha Montage Test: Fazit

Wow. Der Yamaha Montage überzeugt in puncto Klangqualität und auch Authentizität, was die akustischen Instrumente angeht.

Ich kann mich nur an zwei Situationen in meinem Leben erinnern, in denen mich Instrumente in gleichem Maße begeistert und zum Staunen gebracht haben: Dies waren meine erste Begegnung mit dem Kurzweil K-2000 in 1995 und meine Erlebnisse mit dem Synclavier 1988.

Und unter Berücksichtigung der Ansprüche in 2016 wurden meine Erwartungen an den Yamaha Montage weit übertroffen.

Es ist schwer, die Motion Control mit etwas anderem zu vergleichen. Die Art und Weise, wie der Yamaha Montage dem User Ausdrucksmöglichkeiten an die Hand gibt, ist schon bemerkenswert.

Manchmal mutet es an, als hätte man eine Soundmaschine unter den Fingern, bei der John Willimas, Brian Eno oder Deadmau5 unsichtbar „Klangregie“ führen.

Jetzt könnten Kritiker anführen, dass Yamaha noch andere Klangerzeugungssysteme hätte implementieren können. Man hat ja z.B. noch den Modeling Synthesizer VL-1 oder den virtuell-analogen AN-1X im Back-Katalog. Zugegeben, aber die Motion Control ist zusammen mit den wirklich sehr tief gehenden FM-X- und AWM2-Engines und der exzellenten Klangqualität so mächtig, dass eigentlich soundmäßig keine Wünsche offen bleiben.

Natürlich muss man an dieser Stelle erwähnen, dass der Yamaha Montage kein Instrument ist, das man in einer Session verstanden haben wird. Da wird man sich einige Zeit mit beschäftigen können und müssen, um ihn komplett zu ergründen.

Spielt man ihn einmal an, wird man nicht mehr davon lassen können. Der Montage katapultiert sich deutlich an die Spitze der Synthesizer-Workstations.

Stephen Fortner/Gerald Dellmann

Zum Abschluss noch ein paar Klangvergleiche, die die Kollegen von Muzykuj angestellt haben. Dabei haben sie den Yamaha Montage und den Korg Kronos gegenübergestellt.

Klangvergleich Klavier:

Klangvergleich Streicher:

Klangvergleich Combinations:

© Keyboard Magazine, courtesy of NewBay Media, 2016

mit Ergänzungen von Gerald Dellmann

Fotos & SoundCloud-Klangbeispiele: © 2016 megasynth.de