UVI Apollo PX im Test

Im UVI Apollo PX Test klären wir, ob man hier wirklich einen Moog Apollo für zuhause hat – und was man damit anfangen kann?!

Es war einmal eine Zeit, da konnten Synthesizer nur eine einzige Note gleichzeitig wiedergeben. Die Aufgabe, einen polyphonischen Synthesizer zu bauen, stellte die damaligen Produktentwickler vor große Herausforderungen.

Einer der ersten Synthesizer, der dieses Konzept umzusetzen versuchte, war der Moog Apollo, der 1973 erbaut und zwei Jahre später zum Polymoog wurde. Dieser war heiß begehrt, aber auch berühmt-berüchtigt für seine Unzuverlässigkeit.

Ende letzten Jahres konvertierte der französische Entwickler UVI akribisch gesampelte Apollo-Sounds in ein Software-Instrument, dass das Original in allen Belangen in den Schatten stellt. Wie bei anderen Produkten auch benötigt der UVI Apollo PX eine Host-Software – entweder die UVI Workstation oder Falcon.

Der UVI Apollo PX ist dabei übrigens das erste Produkt in der neuen „PX Prototype Series“ – hier will man also mehrere Prototypen, die das Licht der Welt nie so richtig erblickt haben, vorstellen. Man darf gespannt sein!

UVI Apollo PX Test: Zurück in die Zukunft

2013 konnte die Bob Moog Foundation einen von nur drei existierenden Moog Apollos erwerben. Das Ziel dabei war, ihn zu restaurieren und dann in ihrem Archiv zu bewahren.

Nachdem er gesäubert und repariert wurde, besaß die Bob Moog Foundation also den einzigen Moog Apollo, von dem man weiß, dass er funktioniert. Die Mitarbeiter sampelten ihn dann so perfekt wie nur möglich – jede Note jedes Presets wurde mehrere Male aufgenommen, sodass auch beim mehrmaligen Drücken ein realistisches Spielgefühl entsteht.

Der Apollo der BMF hat 71 anschlagsdynamische Tasten und 14 Preset-Sounds. Außerdem hat er 12 Oszillatoren – einer für jeden Pitch in einer Oktave – und die Frequenzen sind in genügend Pitches unterteilt, sodass die ganze tonale Bandbreite abgebildet werden kann (ähnlich wie bei einer Farfisa-Orgel oder einem ARP String Ensemble). Außerdem gibt es einen Global Filter und eine Split-Funktion, sodass man mit der linken Hand Bass spielen kann.

UVI Apollo PX Test: Im Detail

UVI Apollo PX Test: Die "Main"-Seite/Tab. Nicht zu übersehen: die Master Voice-Sektion.
UVI Apollo PX Test: Die „Main“-Seite/Tab. Nicht zu übersehen: die Master Voice-Sektion.

Für das UVI Apollo PX wurde eine GUI konzipiert, die sehr stark an das Frontpanel des Moog Apollo erinnert. Der UVI Apollo PX selbst wird entweder als einzelne UVI Workstation oder als Falcon-Preset geladen. Mithilfe von 14 Buttons kann man eins der originalen Presets laden, und dazu gesellen sich noch 150 UVI-Variationen, die man durch ein Browser-Menü und Scroll-Buttons erreicht. Die originalen Presets haben keine Namen, nur Nummern, wohingegen die UVI-Presets benannt und in 11 Kategorien (z.B. Strings, Arpeggio, Sweeps) unterteilt sind.

Insgesamt besteht das GUI aus fünf Seiten – Main, Edit, Mod, FX und Arp.

Im Main-Tab befinden sich zwei normale und ein Bass-Oszillator, die man an- und ausschalten kann. Oszillator A spielt die originalen Apollo-Samples ab, Oszillator B erzeugt 12 ergänzende Wellenformen. Beide können jeweils unabhängig in Sachen Lautstärke, Panorama, Resonanz-Lowpass-/Bandpass-/Highpass-Filter, Amplitude ADSR und Filter ADSR eingestellt werden.

Bei Einschalten des Bass-Oszillators wird die Tastatur gesplittet. Auch dieser hat übrigens einen Resonanzfilter, aber der einzige einstellbare Parameter ist die Cutoff-Frequency.

Im Edit-Tab kann man die Oszillatoren tunen, Stereoparameter anpassen und dem Mod-Wheel Parameter zuweisen; der FX-Tab sorgt für Overdrive, Chorus, Phase, Delay und Reverb. Auf der Mod-Seite findet sich ein LFO mit 4 Wellenformen und ein 16-step-Sequencer, mit dem man Oszillator- und Filter-Parameter modulieren kann (allerdings nicht den Pitch). Schlussendlich gibt es noch den Arp-Tab; dort finden sich Einstellungsmöglichkeiten für die Arpeggiator-Parameter, unter anderem zwei 16-step-Sequencer für die Velocity.

UVI Apollo PX Test: Oldschool und Newschool

UVI Apollo PX Test: Man beachte den "unperfekten" Look mit ein bisschen Staub, ein paar Kratzern usw. Sehr cool!
UVI Apollo PX Test: Man beachte den „unperfekten“ Look mit ein bisschen Staub, ein paar Kratzern usw. Sehr cool!

Die 14 Master Voice-Presets fangen den Sound des originalen Instruments perfekt ein. Mal klingen die Sounds nach Gesang, dann nach Streichern oder Cembalos. Andere Klangfarben erinnern an eine Mischung aus Orgel und Pianos. Übrigens gibt’s alle Sounds in mono oder stereo.

UVI Apollo PX Test: Eine Kostprobe der Vintage-Sounds…

Die Presets von UVI fangen auch alle mit den originalen Apollo-Samples an, machen dann aber vollen Gebrauch von der Host-Architektur – oft mithilfe von Effekten und Arpeggiatoren. Das ist eine clevere Idee, wodurch aufregende(re) Sounds entstehen.

UVI Apollo PX Test: …und der neuen UVI-Sounds

UVI Apollo PX Test: Fazit

Die Sounds von UVI Apollo PX sind einzigartig und auch definitiv brauchbar. Trotzdem gab es zumindest bei mir in UVI Workstation ein Problem: Beim Wechseln von Presets oder Ändern von Parametern und dem Spielen innerhalb der ersten Sekunden danach war der Sound erstmal vermüllt. Nachdem ich die Buffergröße auf 256 Samples eingestellt hatte, war das Problem behoben – obwohl ich dann mehr Latenz als bei anderen UVI-Libraries hatte. In Falcon gab es das Problem übrigens nicht.

Trotzdem habe ich es sehr genossen, ein Stück Synthesizer-Geschichte in meiner Klangsammlung zu haben. Der Preis (69€,-) ist vollkommen in Ordnung und viele Sounds findet man so nirgendswo sonst. Das Interface macht das Arbeiten mit dem UVI Apollo PX so unkompliziert, dass man es auch ohne Probleme live oder im Studio nutzen kann.

Hier geht’s zur Produktseite des UVI Apollo PX.

© Electronic Musician 06/2016, courtesy of NewBay media, 2016