Roland A-01K Test (Foto: Keyboard Magazine)

Ein MIDI-Interface ist eine wohl eher unspektakuläre Anschaffung. Und so war ich etwas verwundert, als Roland das A-01K als Modell der Boutique-Reihe ankündigte. Wieso sich das dann aber schlagartig änderte, lest ihr im Roland A-01K Test!

Neben umfangreichen MIDI-Funktionen finden wir Annehmlichkeiten wie CV/Gate-Anschlüsse und Bluetooth-Funktionen. Aber Roland macht an dieser Stelle noch lange nicht Schluss. Der Roland A-01K verfügt nämlich noch über einen charmanten 8-Bit-Synthesizer, einen Step-Sequenzer und die Möglichkeit, die Boutique-Tastatur K-25M anzudocken. Und schon wird aus einem der unerotischsten Studiotools ein Gerät mit hohem Spaßfaktor.

Roland A-01K Test – Das Äußere

Das Modul kommt im gleichen Chassis wie die anderen Modle aus der Boutique-Serie. Die Frontseite ziert ein großes und sehr gut ablesbares LC-Display. Dazu kommen noch eine Reihe von hintergrundbeleuchteten Reglern und Tastern, die das Gerät komplizierter erscheinen lassen, als es tatsächlich ist. Immerhin konnte ich die Controller-Funktionen und den 8-Bit-Synthesizer bedienen, ohne einen Blick in die Bedienungsanleitung werfen zu müssen.

Das Modul bietet noch zwei Ribbon Controller, die, dank der umfangreichen MIDI-Implementation, ein paar lustige Tricks auf Lager haben.

Roland A-01K Test: Die Rückseite.
Roland A-01K Test: Die Rückseite.

Die Rückseite bietet die MIDI-Anschlüsse, 3,5 mm CV- und Gate-Ausgänge, einen micro USB-Port und einen Kopfhöreranschluss für den Synthesizer. Das entsprechende USB-Kabel gehört nicht zum Lieferumfang. Dafür sollte man also sorgen, bevor man mit dem Gerät loslegen will. Immerhin sind aber die Batterien dabei.

Der Roland A-01K ist als Modul oder im Bundle mit dem Boutique-Keyboard K-25M erhältlich. Das Modul funktioniert auch ohne Tastatur. Will man das Gerät nur als Bindeglied zum DAW oder als DIN-basierten MIDI-Controller nutzen, dann kann man diese auch getrost weglassen.

Roland A-01K Test: Controller

Zusätzlich zu den USB-to-DIN-MIDI-Interface-Funktionen können die vier hintergrundbeleuchteten Regler und Ribbon Controller mit jeder MIDI Continuous Controller Nummer belegt werden, sowie Pitch Bend und Channel als auch polyphones Aftertouch.

Was gibt es noch? Vier programmierbare SysEx-Slots, die spezielle (System-exklusive) Daten übertragen können. Diese Funktionen gehen so tief, dass Roland dafür eine separate Bedienungsanleitung bereitstellt. Der Roland A-01K verarbeitet z.B. auch Band/Program-Select-Befehle, die über den MIDI-Standard von 128 hinausgehen. Das möchte ich an der Stelle nicht vertiefen, die meisten werden das Gerät für die Standard-Applikationen verwenden, z.B. um Parameter angeschlossener Synthesizer zu bearbeiten.

Die beiden Ribbon Controller hatte ich schon erwähnt. Diese lassen sich auch recht variabel einsetzen. Je nach Programmierung kann ich diese auch als Fader definieren, das heißt, dass die Werte nach Loslassen der Controller auf dem aktuellen Wert verharren und nicht auf den Ausgangswert zurückschnellen.

Es lassen sich auch über die Ribbons Tonhöheninformationen mit einstellbaren Scalings abrufen. So werden Theremin-ähnliche Effekte möglich gemacht.

Roland A-01K Test: Altes und Neues steuerbar

Roland A-01K Test: Der Roland A-01K kann auch mit Tastatur betrieben werden - was ihn noch interessanter macht.
Roland A-01K Test: Der Roland A-01K kann auch mit Tastatur betrieben werden – was ihn noch interessanter macht.

Da das iOS-Universum explodiert, wird Bluetooth-MIDI immer wichtiger. Der Roland A-01K unterstützt das Protokoll und es gab bei der Synchronisation mit meinem iPad Air keinerlei Probleme.

Kommen wir zu den CV- und Gate-Ausgängen. Der Roland A-01K arbeitet mit dem bei Eurorack-Modellen gängigen 1V/Oct.-System, so wie Rolands System 500, 1m, oder die AIRA-Serie. Damit lassen sich auch Vintage-Synths in das System einbinden. Dies gilt aber nicht für die alten Synths mit der Hz/V-Charakteristik, wie z.B. dem alten MS-20.

CV/Gate-Steuersignale können vom Keyboard kommen, vom Sequenzer und über eingehende MIDI-Daten – oder von allen drei Signalquellen gleichzeitig.

Dabei hat man bei Roland auch daran gedacht, insgesamt und auch beim CV-Setting das Scaling einstellbar zu machen. Analoge Oszillatoren neigen dazu, in den extremen Höhen oder Tiefen nicht mehr ganz exakt zu schwingen, sie sind sharp oder flat. Dem kann man mit dieser Einstellung entgegenwirken. Ich nutzte dies bei einem Synth, der in den oberen Regionen flat wurde, und konnte dieses Manko ausgleichen.

Roland A-01K Test: Der 8-Bit-Synth

Der integrierte 8-Bit-Synthesizer des Roland A-01K ist ein netter Bonus für Fans des „schmutzigen“ Digitalsounds. Der Synth ist ziemlich rudimentär ausgestattet mit einem Oszillator, Sägezahn, Rechteck, Pulsbreiten-Modulation und Noise, sowie einem Multimode Resonanz-Filter (Lowpass, Highpass, Bandpass). Zu Modulationszwecken stehen ein ADSR-Generator und ein LFO zur Verfügung, der mit Sägezahn, Puls und Random die Tonhöhe, den Filter und die Pulsbreite bearbeiten kann.

Trotz seiner Einfachheit besitzt der Synth einen unorthodoxen und leicht aggressiven Klang, der gut in das Synth-Pop- oder Dance-Genre passt.

Nebenbei kann man ihn auch noch als „Tuning“-Instanz nutzen, um angeschlossene analoge Synths in Hinsicht Stimmung zu überprüfen. Dies muss man aber per Gehör machen, da – anders als bei den anderen Boutique-Geräten – Audio nicht über USB auf die DAW übertragen wird.

Roland A-01K Test: … und ein Sequenzer

Roland A-01K Test: Nutzer sollten sich nicht von den Tasten und Reglern verwirren lassen.
Roland A-01K Test: Nutzer sollten sich nicht von den Tasten und Reglern verwirren lassen.

Ich war so mit den Controller-Features des Roland A-01K beschäftigt, dass ich erst später auf den Sequenzer gestoßen bin. Dieser kann auf den internen Synthesizer geroutet werden, wie auch über MIDI und CV ausgegeben werden. Dabei kann die CV jeden Parameter, wie z.B. den Filter, steuern.

Die Programmierung ist etwas „fiddelig“, aber das geht mir mit jedem Step-Sequenzer so, der nicht je Funktion über einen eigenen Regler verfügt.

Aber dann bietet auch der Sequenzer einige nette Tricks, wie z.B. Änderung der Step-Länge, Swing, Abspielen nur der geraden oder ungeraden Steps sowie Rückwärts- und Random-Mode. Wie der Synthesizer ist der Sequenzer eine klasse Zugabe.

Roland A-01K Test: Fazit

Der Roland A-01K ist so eine Art „Schweizer Taschenmesser“ für moderne Studio-Setups jeder Größe. Die MIDI-Features gehen erstaunlich in die Tiefe und wie Star Treks „Universal Translator“ verbindet des Modul fast alle möglichen Synthesizer, sei es ein Vintage Moog oder ein iPad Pro.

Der Synthesizer und der Step-Sequenzer sind wunderbare Add-ons, die ein System mit hohen Spaßfaktor schaffen. Auch in Verbindung mit dem optionalen Keyboard K-25m ist das System dazu extrem portabel.

Wer ein Interface sucht, das eigentlich alles kann, der wird mit dem Roland A-01K bestens bedient. Ein perfektes System, um MIDI-, CV- und Bluetooth-Equipment unter einen Hut zu bringen. Preis: 369,– Euro

 

© Keyboard Magazine 05/2016, courtesy of NewBay Media, 2016