Korg Prologue im Test, Foto: Korg
Korg Prologue im Test, Foto: Korg

KORG Prologue – Analog, 16 Stimmen und das für unter 2.000 Euro ! Die Ansage elektrisiert. Grund genug, nach Marburg zu KORG & More zu fahren und sich einen Tag mit dem neuen KORG Prologue im Keller einschließen zu lassen.

Erster Eindruck? Edles Teil! Schwarzes, gebürstetes Metallgehäuse, hölzerne Seitenteile, 61 Tasten. Macht alles einen höchst stabilen Eindruck. Erstes Fazit: Auch vom Design her zeigt KORG deutlich: Der KORG Prologue ist unser neues Synthesizer-Flaggschiff. Dieses Flaggschiff gibt es auch noch in einer kleineren Version mit 8 Stimmen und 49 Tasten zu einem Preis von Euro 1.490,–

Korg Prologue Test – los geht’s!

Die Bedienoberfläche zeichnet sich durch eine Vielzahl von Bedienelementen aus – ganz wie man es von einem Analogsynthesizer erwartet. Zwei kleine Displays sind dennoch vorhanden (dazu später mehr).

Da es zum Zeitpunkt dieses Tests noch kein Manual gab, musste ich das Instrument halt ohne erkunden. Und siehe da, eigentlich braucht man keine Bedienungsanleitung. Auch das ist ein Qualitätsmerkmal. Wer sich mit analogen Synthesizern ein wenig auskennt, der wird sich sehr schnell zurechtfinden. Und den Rest erkundet man im Trail & Error-Verfahren.

Im Prinzip ist die Bedienung des KORG Prologue auf zwei Ebenen untergebracht. Auf der ersten Ebene sorgt die Vielzahl von Bedienelementen für einen schnellen Zugriff auf alle wichtigen Parameter.

Das Display des Korg Prologue ist recht klein geraten, Foto: G. Dellmann
Recht klein: das Display des Korg Prologue, Foto: G. Dellmann

Will man weitere Funktionen bearbeiten, dann muss man über den EDIT-Mode in die zweite (untere) Ebene eintauchen, die dann über das zweite Display gesteuert wird. Hier haben wir es mit einem gestochen scharfen OLED-Display zu tun. Aus meiner Sicht ist dies viel, viel zu klein ausgefallen. Hier hat man am falschen Ende gespart. Doppelt schade, da man hierüber auch die Klangprogramme des KORG Prologue abruft. Das kann man aus einiger Entfernung schon gar nicht mehr lesen.

Wie dem auch sei, hierüber erreicht man eine Vielzahl von Funktionen, die man jetzt nicht permanent verändern will, von der Zuordnung der beiden Wheels bis hin zur Einstellung der Dynamik der Tastatur (uvm).

Korg Prologue Test – der Signalweg

Der Signalweg des KORG Prologue ist klassisch aufgebaut: Oszillatoren, Filter, Hüllkurvengeneratoren, LFO. Pro Stimme verfügt der KORG Prologue über 3 Oszillatoren. Zwei sind so aufgebaut, wie wir es erwartet haben: Sägezahn, Rechteck, Dreieck und allesamt über den Shaperegler noch veränderbar. Dazu kommt noch der Tune-Regler für die individuelle Stimmung der Oszillatoren. So richtige „Schwebesounds“ sind damit nicht möglich, aber das geht beim KORG Prologue anders, wie wir später sehen werden. Abgerundet wird diese Sektion durch den Schalter für Sync und Crossmodulation.

An dritter Stelle finden wir den sogenannten „Multi Engine-Oszillator“ – und jetzt wird es wirklich spannend.

Korg Prologue Display, Foto: G.Dellmann
Korg Prologue Display, Foto: G.Dellmann

Der Multi Engine-Oszillator (VPM = Variable Phase Modulation) bietet drei Funktionen an: einen Rauschgenerator in 4 verschiedenen Versionen, einen digitalen Oszillator mit 16 Wellenformen (FM-Synthese) und einen – und jetzt wird es richtig interessant – User-Oszillator. Nein, damit wird nicht etwa der User in Schwingung versetzt. (Anmerkung des Lektors: schade eigentlich!)

Man hat hier die Möglichkeit, eigene Wellenformen zu laden und auf 16 Speicherplätzen abzulegen. Dafür wird es eine separate App geben, die leider noch nicht verfügbar ist. Was man (z.B. Samples ja/nein, Wellenformen „zeichnen“, wie beim Fairlight) da wie laden kann, ist leider auch noch nicht bekannt. Wir werden die nötigen Infos schnellstmöglich nachliefern.

Update: KORG kündigt für das Frühjahr eine „Librarian App“ für Mac und Windows an. Dazu wird es noch ein Open Development API (Application Programming Interface) und ein Software Development Kit geben.

Das könnte aber richtig spannend werden und aus einem auf den ersten Blick als Live-Keyboard eingeschätztes Keyboard deutlich mehr machen.

Aber alleine der VPM-Oszillator ermöglicht Klangfarben (FM-Synthese), die man von einem analogen Synthesizer nicht erwartet. Metallische und andere abgefahrene und damit sehr moderne Sachen sind da möglich. Spannend natürlich, diese Sounds dann durch die analoge Filtersektion des KORG Prologue zu schicken.

Hier eine Übersicht über die 16 digitalen Wellenformen des VPM-Oszillators

VPM-Wellenformen des Korg Prologue, Foto: Korg
VPM-Wellenformen des Korg Prologue, Foto: Korg

Zu erwähnen wäre noch, dass die Multi Engine über ein kleines, eigentlich zu kleines Display verfügt, worüber man die Wellenformen identifizieren kann. Wer aber im fernen Japan auf die abstruse Idee gekommen ist, dafür eine 7-Segment-Anzeige (!) zu verwenden, ist nicht überliefert. Diese aus dem vorigen Jahrtausend stammende Anzeige ist wirklich nicht mehr zeitgemäß. So wunderte ich mich anfangs über die Wellenform „5 in 1“ bis ich dann bemerkte, dass dies wohl „Sin 1“ für Sinus 1 bedeuten sollte.

Neben der Oszillatorsektion finden wir dann den kleinen Mischer, der die Anteile aller drei Oszillatoren regelt.

Korg Prologue Test – die Filtersektion

Die Filtersektion besteht aus den obligatorischen Cutoff- und Resonance-Reglern, wobei sich der Filter sehr schön in Eigenschwingung versetzen lässt, was zu sehr schönen Effektsounds führt. Hinzu kommen noch Regler für EG-Intensität, Low Cut und ein Drive-Schalter, der den Sound über eine Art Verzerrer aggressiver klingen lässt. Insgesamt packt der Filter schön zu und hat einen guten Wirkungsgrad.

Hüllkurven und LFO

Für VCA und Filter steht jeweils eine ADSR-Hüllkurve zur Verfügung. Auch die LFO-Sektion ist normal aufgebaut.

Voice Modi

Die Sektion klingt gar nicht so spektakulär, bestimmt man damit die Varianten Poly, Unisono, Mono und Chord.

Damit regelt man u.a. die Zuschaltung eines Sub-Oszillators und auch die Verstimmung der Oszillatoren gegeneinander. Hiermit lassen sich die von mir so geliebten Schwebungen wunderbar einstellen. Das erzeugt einen ungeheuer breiten und warmen Sound.

Arpeggiator

Ich bin ganz froh, dass man auf die Integration eines Sequenzers verzichtet, wohl aber einen Arpeggiator eingebaut hat. So etwas finde ich immer sinnvoll. Gut auch, dass die Bedienung nicht auf der zweiten Ebene versteckt, sondern sofort zugänglich ist.

Korg Prologue Test
Wir testeten die große Version des Korg Prologue, Foto: Korg

Korg Prologue Test – digitale Effektsektion und Compressor

Auf der rechten Seite des KORG Prologue finden wir eine digitale Effektsektion, die es wirklich in sich hat. Diese besteht aus zwei Effektbereichen: Delay/Reverb mit jeweils 8 Typen und Modulationseffekte (Ensemble, Chrous, Phaser, Flanger, User).

Ähnlich wie bei den Wellenformen lassen sich auch hier 16 Userprogramme einladen (über App). Die Effektqualität ist wirklich hervorragend, toller Hall, schöner Ensemble-Sound uvm, aber eines ist (gottseidank) nicht vorhanden: Nebengeräusche. Eigentlich bin ich kein Fan von in Synths integrierten Effekten, hier macht es aber Sinn.

Wichtig auch, dass man die Effekte auch ganz einfach und schnell ausschalten kann, was im Studio und auf der Bühne manchmal sinnvoll sein kann.

Neben der digitalen Effektsektion befindet sich noch eine analoger Compressor, der dem gesamten Sound noch mehr Dampf verleihen kann (nicht in der kleineren Prologue Version enthalten)

Programme

Der KORG prologue verfügt über 500 Speicherplätze, 250 sind da ab Werk gefüllt, weitere 250 kann der User füllen.

Viele Programme sind immer gut. Wer aber kennt nicht das Problem, bei der großen Anzahl immer sofort den richtigen Sound zu finden? Da hat man sich bei KORG mal was richtig Gutes einfallen lassen. Mit der SORT-Funktion kann man die Programme nach verschiedenen Oberbegriffen sortieren lassen und abrufen, so z.B. nach Programmnummer, nach Genre (Bass, Pads, Lead etc.), nach „Like“, alphabetisch und in einem zu erstellenden Live-Set. Gute Sache.

Die Tastatur

Die Tastatur kommt in gewohnter KORG-Qualität und ist anschlagdynamisch (Wirkung je Programmeinstellbar). Aftertouch sucht man leider vergebens. Ungewohnt ist die Lage der Wheels, die nicht neben sondern links über der Tastatur angebracht sind. Muss man sich erst daran gewöhnen.

An dieser Stelle sei gesagt, dass der KORG Prologue die Möglichkeit bietet, zwei Programme gleichzeitig abzurufen, die entweder als Split, Layer oder Crossfade programmierbar sind.

Korg Prologue Anschlüsse auf der Rückseite, Foto: Korg
Korg Prologue Anschlüsse auf der Rückseite, Foto: Korg

Anschlüsse

Alles da, MIDI, USB, Expression, Damper, Sync in und out.

KORG Prologue Test – der Sound

Das Ding ist eine „Waffe“. Mann, kommt da eine Menge Dampf raus! Egal ob Bässe, Leads oder Pads, der Sound des Prologue ist prägnant und mächtig. Er klingt analog, erzeugt aber dank der Multi Engine und der da vorhandenen digitalen Wellenformen auch Sounds, die man von einem analogen Synthesizer nicht erwartet. Und wenn man dieses Klangmaterial dann kombiniert, dann entstehen Klangfarben, die wirklich „outstanding“ sind.

Das Instrument hat sowohl Punch aber auch die nötige analoge Wärme bei den Pad-Sounds, besonders wenn man da mit den verschiedenen Voice-Modi spielt.

Nimmt man dann noch die digitale Klangpalette hinzu, dann hat man schon eine riesige Soundpalette zu Verfügung.

Da wir in der Kürze der Zeit keine Möglichkeit hatten, eigene Klangbeispiele anzufertigen, greifen wir ausnahmsweise mal auf die von Korg selbst zurück. Sie sind sicher aussagekräftiger als die ganzen Videos.

Der KORG Prologue mit 49 Tasten

Getestet wurde die größere Version mit 61 Tasten. Die kleinere Version (49 Tasten) verfügt grundsätzlich über die gleiche Funktionalität, kommt aber ohne Compressor. Auch sind aus Platzgründen verschiedene Bedienelemente in die zweite Bedienebene verschoben worden.

Der Preisunterschied beträgt 500 Euro, klar, viel Geld, aber ich würde immer zur größeren Version raten.

Korg Prologue Test – Fazit

KORG ist mit dem Prologue ein großer Wurf gelungen. Toller Sound, 16 Stimmen, knapp unter 2000 Euro, analoge Klangerzeugung plus Multi Engine, Effekte und eine intuitive Bedienung. An diesem Instrument werden sich alle anderen messen lassen müssen. State of the Art.

 

Korg Prologue Test – Demo-Video