Korg minilogue in unserem Teststudio

Mit dem Korg minilogue erweitert der japanische Hersteller sein ohnehin schon umfangreiches Portfolio an analogen Synthesizern um ein weiteres Modell. Waren der MS-20 und  der Korg/ARP Odyssey noch „Nachbauten“ von Synthi-Klassikern, so geht man jetzt andere Wege und entwickelt einen analogen Synthesizer quasi von Anfang an – und zwar sowohl für den Desktop- als auch Bühnengebrauch. Wie das gelungen ist, zeigt der Korg minilogue Test.

Dabei entschied man sich beim Korg minilogue auch für ein Design, was vollkommen eigenständig ist und an keinen Klassiker erinnert.

Korg minilogue Test – Aufbau

Der VCO- und der Mixer-Bereich und des Korg minilogue
Korg minilogue Test: VCO-Bereich und Mixer des Korg minilogue

Der vierstimmige Korg minilogue bietet je Stimme zwei Oszillatoren mit Rechteck-, Dreieck- und Sägezahn-Wellenformen sowie einen Noise-Generator. Mit dem Shape-Control-Regler lassen sich die Wellenformen dann noch klanglich variieren. Das ist aber noch nicht alles: FM (VCO-1 moduliert VCO-2) und Ringmodulation erweitern das Klangspektrum deutlich. Weiterhin lässt sich VCO-2 zu VCO-1 synchronisieren, wobei sich die Tonhöhe von VCO-2 per Envelope modulieren lässt (positiver wie negativer Verlauf).

Der Korg minilogue bietet dazu zwei ADSR-Hüllkurvengeneratoren für den VCA und zu Modulationszwecken.

Der LFO-Bereich ist erfreulich flexibel und bietet drei Wellenformen an: Sägezahn, Dreieck und Rechteck. Damit lassen sich die Tonhöhe von VCO-2, die Cutoff Frequency und die Wellenfomen an sich (Wave Shaping) modulieren. Intensität und Geschwindigkeit der Modulation sind natürlich regelbar. Aber man kann beide Parameter auch mittels Hüllkurvengenerator beeinflussen, wodurch mehr Leben entsteht.

Korg minilogue Test: Klangbeispiel 1

Der Filterbereich stellt eine 12dB- oder 24-dB-Charakteristik zur Wahl. Darüber hinaus lässt sich der Filterpunkt auch über die Tastatur (Key Tracking) und auch per Anschlagdynamik beeinflussen. Regler für Cutoff und Resonance sind natürlich ebenfalls vorhanden.

Die holzgetäfelte Rückseite (sehr edle Optik!) bietet einen monophonen Klinkenausgang, MIDI-Anschlüsse über DIN als auch USB und einen Eingang für externe Audioquellen.  Für die Synchronisation des integrierten Sequenzers mit externen Geräten findet man außerdem noch einen Miniklinkenanschluss.

Korg minilogue Test: Klangbeispiel 2

Wie mittlerweile schon fast selbstverständlich, ist der Korg minilogue mit 37 anschlagdynamischen Mini-Tasten ausgestattet, die sich angenehm spielen lassen. Das Instrument ist sehr solide (stabile Alu-Front) gebaut und mit 2,8 kg ein Leichtgewicht.

Korg minilogue Test: Draufsicht

Korg minilogue Test – Sound in Motion

Hätte Korg an dieser Stelle Halt gemacht, dann wäre dies bereits ein schöner, kleiner, wirklich toll klingender Synthesizer. Hat man aber nicht, denn Korg hat dem minilogue noch einen Sequenzer, einen Arpeggiator, ein Delay und eine Reihe von hilfreichen Play-Modi spendiert.

Korg minilogue: Delay-, Sequencer- und Voice Mode-Bereich
Delay-, Sequencer- und Voice Mode-Bereich des Korg minilogue

Das Delay, sinnvollerweise mit Hochpassfilter, erinnert ein wenig an das Delay vom Monotron, nicht ganz frei von Nebengeräuschen, aber richtig schön „old school“. Das funktioniert wunderbar und es macht Spaß, damit zu arbeiten.

Der 16-Step-Sequenzer lässt sich in Realtime als auch im Step Mode programmieren, wobei die Tonfolge mit dem Patch abgespeichert werden kann.  Einstellen lässt sich dabei Step-Länge, Auflösung, Gate, Swing etc.

Spannend ist der Motion Sequenzer, der es erlaubt, vier Parameter-Bewegungen (Drehregler wie auch Schalter) aufzuzeichnen. Damit lassen sich Klangveränderungen innerhalb einer Sequenz mit abspeichern. Dies macht die ganze Sache natürlich sehr lebendig.

Korg minilogue Test: Klangbeispiel 3

Der Korg minilogue kommt mit 100 Presets und 100 freien Speicherplätzen. Die Presets gehen stark in die Richtung „Modern Dance Music“, aber man kann diese natürlich auch als Ausgangspunkt für eigene Sound-Kreationen nehmen. Seine acht „wichtigsten“ Sounds kann man auf eine Favoriten-Liste setzen, um sie schneller abrufen zu können.

Das Display des Korg minilogue
Das Display zeigt in Echtzeit die Wellenformen an.

Soundname und -Nummer werden auf dem Display  angezeigt. Aber nicht nur das: Das Display fungiert auch als Oszilloskop.  Man kann also die Wellenformen nicht nur hören, sondern auch sehen! Und das gilt auch für ein etwaiges externes Audiosignal. Das ist eigentlich sehr cool, geht aber leider zu Lasten der Übersichtlichkeit, denn nach dem ersten gespielten Ton sieht man nicht mehr die Nummer oder den Namen des angewählten Klanges, sondern „nur“ noch die Wellenform.

Suboptimal (zumindest auf der Bühne), ist die Tatsache, dass man einen Sound aus den 200 Speicherplätzen nur per Drehregler anwählen kann. Da kann es schon was dauern, um von Sound 12 auf 181 zu springen.

Korg minilogue Test – Der Voice Modus

Der Voice-Modus bietet acht verschiedene Zuordnungen der vier Stimmen. Dies ist vielleicht eine der interessantesten Funktionen des minilogue. Jedes Patch hat dabei seine eigene Einstellung, was aber in Realtime verändert werden kann.  Im Prinzip hat man dadurch 8 Playback-Optionen. Dies ist spannend, da sich der Sound mit jedem Vocie Modus leicht verändert. Dabei kommen manchmal überraschende Ergebnisse zustande.

Korg minilogue Test: Klangbeispiel 4

Die acht Voice Modi sind:

Poly:                      Normaler vierstimmiger Modus
Duo:                       Zweistimmig mit je zwei Oszillatoren
Unison:                Monophon mit vier Stimmen unisono
Mono:                   Monophon mit den Stimmen 2 und 2 als Sub-Oszillatoren
Chord:                  Monophon spielbar, aber mit jeder Taste wird ein ganzer Akkord ausgelöst (14 Akkordvarianten stehen zur Auswahl)
Delay:                   verzögerte Ausgabe der Stimmen 2,3 und 4
Arp:                       Arpeggiator
Sidechain:          Reduziert die Lautstärke einer Stimme, wenn der nächste Ton gespeilt wird.

Die Voice Modi lassen sich nicht untereinander kombinieren, wohl aber mit dem Sequenzer.

Links über der Tastatur befindet sich der Modulations/Pitchhebel, der in einem abgeschrägten Winkel angeordnet ist.

Korg minilogue Test: Klangbeispiel 5

Ein wenig merkwürdig ist die Belegung einiger Schalter, wie Key Tracking, Velocity, Ring und Sync. Diese Funktionen sind dann aktiv, wenn man den Schalter nach oben legt, weg von der Beschriftung. Dies verwirrt bei der Bedienung ein wenig. Was mir persönlich fehlt, sind Anschlüsse für Fußpedale und eine Sample & Hold-Funktion.

Korg minilogue Test – Der Klang

Der Korg minilogue hat einen sehr eigenständigen und prägnanten Klangcharakter. Man hatte bei Korg scheinbar dabei die moderne Dancemusik im Hinterkopf, klingt der Synth doch bei Bedarf auch aggressiv und schrill, so dass er sich in jedem Mix durchsetzen kann.

Korg minilogue Test: Filter- und Amp-Regler
Filter & Amp

Aber man kann genauso gut Klänge programmieren, die man eher mit einem analogen Synthesizer verbindet: Bässe, Flöten-artige Sounds oder Noisy Percussion.

Mit dem Resonanzfilter, der Ringmodulation und der Crossmodulation lassen sich dann aber auch sehr obertonreiche metallische und glockenartige Sound realisieren.  Diese gespielt mit Dynamik und Keyboard-Tracking und auch dem ADRS-gesteuerten LFO lassen ziemlich komplexe Klänge entstehen, die sich auch im Verlauf dramatisch verändern können.

Korg minilogue Test: Klangbeispiel 6

Korg minilogue Test – Fazit

Die wichtigsten Argumente, sich einen analogen Synthesizer zu kaufen, sind Klangqualität und intuitive Bedienung. Wenn das stimmt, dann hat man ein tolles und ausdruckstarkes Instrument.

Der Korg minilogue bietet unmittelbaren Zugriff auf 41 klangbeeinflussende Parameter und ist daher für Neulinge als auch fortgeschrittene User interessant.

Feature wie das Wave Shaping für jeden Oszillator, Motion Sequenzing, FM und Ring Modulation, die Voice-Modi und der modern klingende Filter lassen den Korg minilogue zu einer wertvollen Ergänzung eines Keyboard-Setups werden, egal ob als Desktop- oder Bühnen-Synth.

Aber das Beste ist: Das Ding macht einfach Spaß. Der Preis liegt bei Euro 599,-.

© Electronic Musician, courtesy of NewBay Media, 2016

Klangbeispiele & Fotos: megasynth.de