Dreadbox Abyss Test
Dreadbox Abyss Test

Der Dreadbox Abyss ist ein vierstimmiger Analogsynthesizer mit einer interessanten Effektsektion. Was er kann und wie er klingt, zeigt unser Test.

Auf den ersten Blick sieht der Dreadbox Abyss ja aus wie einer dieser typischen monophonen Synths, die es in Massen gibt. Nicht besonders groß, sehr übersichtliches Bedienpanel und selbstverständlich mit großem Cutoff-Regler. Aber das Teil ist vierstimmig. Und es hat doch deutlich mehr unter der dem Metallgehäuse, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Dreadbox Abyss Test: Äußeres

Fang ich mal mit dem an, dass man im Test nicht sehen oder hören kann. Der Dreadbox Abyss fühlt sich wertig an. Er ist 35 cm breit, 19,5 cm hoch und 17 cm tief. Und mit seinen knapp 2,4 kg hat er auch genug Gewicht um sicher zu stehen. Das Gehäuse ist aus Metall, die Seitenteile sind aus stabilem Kunststoff gefertigt. Die Drehpotis auf dem abgeschrägten Bedienpanel sind griffig, da macht es Spaß daran zu schrauben. Die Schieberegler dürften für meinen Geschmack auch gerne etwas größer sein, aber dafür ist kein Platz mehr. Egal, das liegt nur an meinen dicken Fingern, und sie funktionieren auch so sehr gut.

Alles in allem macht der Dreadbox Abyss einen robusten Eindruck. Er gehört zu der Sorte Synthesizer, die man auch gerne mit auf die Bühne nimmt. Denn irgendwie hat man das Gefühl, dass er selbst dann auch munter weiterspielt, falls er mal runterfallen sollte. Außerdem ist wirklich so einfach zu bedienen, dass er nie die „Wie ging das noch mal?“-Frage aufkommen lässt. Der erste Eindruck ist also schon mal absolut positiv.

Dreadbox Abyss in der Draufsicht
Dreadbox Abyss in der Draufsicht: schön übersichtlich!

Dreadbox Abyss Test: innere Werte

Ja, das kann man auch jedem Datenblatt entnehmen. Aber damit du jetzt nicht noch eine andere Seite aufrufen musst, hier die wichtigsten Eckdaten des Dreadbox Abyss:

Zunächst gibt es die Mode-Sektion, in der festgelegt wird, was der Synthesizer machen soll. Multichannel (4 Kanäle, 4 Stimmen), Unison(o), Polyphon(ic) oder im Chords-Modus kann er betrieben werden. Der Chords-Modus hat ein eigenes Poti für die 6 Akkord-Varianten (A-F), die vorgegeben sind. Meiner Meinung nach ist so ein Modus eigentlich Quatsch. Da es aber immer mehr Menschen gibt, für die das kleine Einmaleins der Terzenschichtung (ja, ich meine die Art, wie man Akkorde aufbaut) ein Buch mit sieben Siegeln ist, scheint es eine ausreichend große Zielgruppe dafür zu geben. Mit nur einer Taste werden hier also verschiedene Akkorde abgerufen. Die einzelnen vorprogrammierten Varianten habe ich in den Klangbeispielen aufgenommen. Stellt man den Regler auf G, gibt es aber auch die Möglichkeit einen eigenen Chord festzulegen.

Der Regler rechts von der MODE-Sektion bestimmt, auf welchen Parameter ein externes Modulationsrad bzw. der MIDI-Controller mit der Nr. 1 Einfluss nehmen soll. Daneben liegt die LFO-Sektion mit 2 getrennten LFOs (A und B). Für jeden gibt es ein Poti für die Geschwindigkeit und wählbare Schwingungsformen.

Dreadbox Abyss Test: VCO

In der VCO-Abteilung fällt das stufenlose Poti für die Wellenformen auf, das sich durch die gute Beschriftung eigentlich von selbst erklärt. Allerdings ist es vielleicht etwas verwirrend, die Pulsbreite des Sägezahns als Rechtecke anzuzeigen. Denn es handelt sich beim VCO um einen Sägezahngenerator, und das Poti ist für den dazugehörigen Waveshaper. Ab 2-Uhr-Stellung setzt auch das Rauschen ein, der Sägezahn verschwindet aber nie ganz. Dass der Sägezahn immer wieder durchkommt, sieht man auch an der Beschriftung. Links davon befindet sich ein dedizierter LFO für den VCO, dessen Depth-Wert stets zum Wert der ausgewählten Schwingung addiert wird.

Eher unscheinbar befindet sich links unten der Schieberegler für den Sub-Osillator, der dem Sound eine Oktave tiefer noch mal mächtig Fundament mitgibt. Er geht übrigens ohne Umwege (und Modulation) direkt auf den Mixer. Daneben liegt der Glide-Regler für das Portamento. In der Detune-Sektion lassen sich die vier Stimmen gegeneinander verstimmen (VCO) oder per LFO modulieren. Mit der passenden Dip-Schalter-Stellung geht hier auch ein Vibrato-Delay. Das Vibrato erklärt sich doch wiederum von selbst.

Dreadbox Abyss Test: VCF

Die andere richtig viel Platz einnehmende Abteilung neben dem VCO gehört dem Filter. Dabei handelt es sich um ein vierfaches (für jede Stimme) 24-dB-Filter mit dedizierter ADSR-Hüllkurve und Modulationsmöglichkeiten von beiden LFOs. Interessant ist das Velocity-Poti. Dreht man es nach links, nimmt der Anschlag Einfluss auf die Attack-Phase der Hüllkurve. Nach rechts gedreht beeinflusst die Anschlagstärke den Hüllkurven-Gesamtlevel. Die Maximalwerte für diese Modulationsmöglichkeiten werden natürlich von den A- und Level-Schiebepotis bestimmt.

Dreadbox Abyss Test: VCA

Dreadbox Abyss im Test-Studio
Dreadbox Abyss im Test-Studio

Nimmt man es genau, so gehört zu dieser Abteilung selbstverständlich auch der Master-Level-Regler rechts oben. Neben der zugehörigen ADSR-Hüllkurve zieht der große Drive-Regler des OTA-Verstärkers die Blicke auf sich. Damit ist eine ordentliche Übersteuerung möglich, die eben auch Einfluss auf die Gesamtlautstärke hat. Wer hiermit den Sound fetter macht, sollte also stets die zweite Hand am Master-Level-Regler haben. Macht jedenfalls mächtig Dampf!

Dreadbox Abyss Test: Die Effekte machen den Sound

Die Effektsektion besteht aus den drei Effekten Reflector, Delay und Phaser. Genau genommen besteht sie sogar aus vier Effekten, denn Nr. 1 in der Kette ist der Drive des Amps. Was ein Delay (Nr. 3 in der Kette) und ein Phaser (Nr. 4) machen, muss ich wohl nicht erklären. Nur so viel: Im Dreadbox Abyss klingen sie sehr gut und setzen dem Sound auf positive Weise und sofern es sein muss, auch brachial zu.

Interessanter dagegen ist das zweite Glied in der Effektkette, der Reflector. In der Anleitung des Dreadbox Abyss steht denn auch, dass es zur Beherrschung des Reflectors eines ernsthaftes Übens und Experimentierens bedarf. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Der Reflector ist ein 1054 BBD Delay mit einer maximalen Delay-Zeit von 50 ms. In Kombination mit LFO A sind hiermit Chorus, Flanger, statische Flanges, Tape-Effekte und Vibrato möglich – oder eben auch ganz viel mehr oder weniger lustiger Krach, wenn man einfach mal drauf loslegt. 😉

Der Sound des Dreadbox Abyss kann übrigens ohne die vier Effekte der Effektsektion über den Dry-Out abgenommen werden. Mit einem externen Mixer und der Zugabe weiterer Effekte eröffnen sich hier noch viele weitere Klangmöglichkeiten.

Dreadbox Abyss Test: der Sound

So, genug erklärt. Jetzt wollen wir uns den Synthesizer endlich mal anhören! Klangbeispiele gibt es ja längst im Netz wie Sand am Meer. Ich hab mal ein bisschen was eingespielt, dass ihr auch gerne direkt samplen könnt. Der Dreadbox Abyss steht dabei im Unison-Modus. Zunächst habe ich ein bisschen am Filter geschraubt, dann bin ich durch das Waveshaping gegangen. Das Plockern entstand durch die LFO-Rate des VCOs. Danach habe ich noch ausgiebig Gebrauch von Phaser, Delay und Reflector gemacht.

Okay, dann doch noch zwei rein informative Klangbeispiele! Auf der zweiten Aufnahme habe ich den Dradbox Abyss im Polyphonic-Modus mit vierstimmigen Akkorden aus dem Sequenzer angesteuert. Während die Hüllkurve des VCAs auf Gate stand, bin ich einmal von links nach rechts durchs Wavesahping gefahren. Danach bin ich wieder durchs Filter, habe Attack und Release der VCA-Kurve hochgeschoben und zum Schluss wieder die Effekte benutzt.

Im dritten Beispiel habe ich schließlich die verschiedenen Chords durchgespielt, immer von C-G und wieder zurück. Schließlich weiß ich ja, dass viele diese Funktion gerne nutzen. Die Chords im Einzelnen sind: Oktaven (0, -12, +12, +24), Fünfte (-5, 0, +7, +12), Moll (0, 3, 7, -5), Dur (0, 4, 7, -5) Moll7 (0, 3, 7, 10) Septime (0, 4, 7, 11) und der hier bereits belegte Userchord, den ihr selbst erraten dürft. Die 0 steht stets für den Grundton.

Dreadbox Abyss Test: noch zu erwähnen …

… wären sicher die Anschlüsse! Auf der Rückseite des Dreadbox Abyss gibt es neben dem Anschluss fürs externe Netzteil samt Schalter 6,3-mm-Klinkenbuchsen: Main Out, Dry Out – also ohne Effektsektion – und Signal in. Letzterer Input wiederum geht direkt auf die Effektkette ab Drive. Phaser (+/-12V), Delay (0-5V), Reflector (+/-5V) und Cutoff (+/-12V) können über die CV-in-Buchsen direkt angesteuert werden. Auch verstehen diese Buchsen Expression-Pedal-Signale. Für MIDI-Signale stehen DIN-Buchsen für in und through bereit. Da der Dreadbox Abyss keinerlei MIDI-Signale ausgibt, hat er dementsprechend auch keine MIDI-out-Buchse. Schade eigentlich, denn das wäre bei der guten Haptik schon nicht verkehrt gewesen.

Dreadbox Abys Test Rückseite Anschlüsse
Die Anschlüsse des Dreadbox Abyss und die Dip-Schalter

Übrigens reagiert der Dradbox Abyss auch nur sehr begrenzt auf MIDI-CC. Neben dem bereits erwähnten CC1 sind das #64 für Sustain oder Hold, #63 zum An- oder Abschalten der Glide-Funktion (Portamento-Switch) und #123 für All Notes Off. Das ist eigentlich ein bisschen sehr wenig heutzutage. Cutoff-Fahrten etc. muss man eben schrauben oder kann sie wenigstens über CV realisieren.

Und dann sind da noch die ganzen Dip-Schalter. Mit den ersten vier wird der MIDI-Kanal gewählt. Nr. 5 aktiviert die Multitimbral-Funktion, mit der die Hüllkurve jeder Stimme einzeln eingestellt werden kann. Nr. 6 wiederum aktiviert das Vibrato-Delay. Damit wird aus dem LFO-Fader im Bereich Detune ein Regler für die Verzögerung des einsetzenden Vibratos. Benutzt man Schalter Nr. 7, so wird aus dem großen Wave-Poti ein Regler zum Finetuning aller vier Stimmen. Und hinter Dip-Schalter Nr. 8 verbirgt sich mit der Autotune-Funktion keinesfalls der Cher-Effekt, sondern die Möglichkeit, den Dreadbox Abyss sich selbst neu kalibrieren zu lassen. Allerdings braucht man das nicht ständig, sondern nur, wenn sich mal was schief anhört. Und dann bitte auch erst mindestens 20 Minuten nach dem Einschalten, denn erst dann hat der Synthesizer seine richtige Betriebstemperatur erreicht – analog eben!

Dreadbox Abyss Test: Wie ist er denn nun?

Absolut eigenständig! Darf ein Synthesizer von seinen Effekten leben? Nun, wenn es sich um Hall & Co. handelt, sicher nicht. Das gibt nur Probleme im Mix. Aber hier ist das anders. Der Grundsound ist toll, das Filter packt gut zu, und die Effekte sind beim Dreadbox Abyss nicht hintendran geklebt, sondern gehören komplett zur Klangerzeugung dazu. Dazu kommt eine sehr wertige Hardware. Die ist sehr gut verarbeitet, und auch die Haptik ist prima. Beim Preis von 1.099 Euro bin ich ein wenig hin- und hergerissen. Einerseits ist das nicht gerade günstig, zumal man hier ja stets auf einen externen Zuspieler angewiesen ist. Da bekommt man heute bei anderen Firmen auch Geräte mit Tastatur. Dafür ist der Dreadbox Abyss aber eben sehr „unique“, wie man so schön zu sagen pflegt, und halt auch keine Analogsimulation auf irgendwelchen digitalen Chips, sondern das echte Ding. Raus aus der Matrix, rein ins echte Analogleben.