Behringer Deep Mind 12
Behringer Deep Mind 12 im Test

Die Ankündigung von Uli Behringer, mit dem Behringer Deep Mind 12 nun auch Synthesizer herzustellen, war sicherlich ein Paukenschlag. Und er hat sich eigentlich den richtigen Zeitpunkt ausgesucht, denn die Tastenfraktion ist mit dem Analog-Hype spürbar im Aufwind.

Überraschend, dass der Erstling dann kein Clone einer Synthesizerlegende war, sondern ein komplett eigenständiges Instrument. Kostete der Behringer Deep Mind 12 anfänglich rund 1.200 Euro, so ist der Streetpreis innerhalb kurzer Zeit jetzt sogar knapp unter Euro 800 gerutscht.

Für einen 12-stimmigen Analogsynthesizer schon der Hammer.

Behringer Deep Mind 12 Test – Der erste Eindruck

Metallgehäuse, hölzerne Seitenteile, das macht alles einen sehr stabilen Eindruck. Irgendwie überrascht die geringe Tiefe des Synths, das macht ihn aber angenehm transportabel.

Schaltet man den Deep Mind 12 ein, dann starten unüberhörbar die integrierten Lüfter, die man aber gottseidank abschalten kann (könnte im Studiobetrieb ein wenig nerven).

Das Bedienpanel wirkt sehr aufgeräumt. Über verschiedene Taster und Schieberegler hat man direkten Zugriff auf viele Parameter. So richtig glücklich bin ich allerdings mit den Schiebereglern nicht, die machen mir nicht den stabilsten Eindruck. Im Studio oder zu Hause mag das egal sein, im Livebetrieb können die schon mal zu Bruch oder gar verloren gehen.

Behringer Deep Mind 12 Test – Das Bedienkonzept

Der Deep Mind 12 bietet eine große Menge Parameter im Zugriff. Auf jeden Fall so viele, dass man auf der Frontseite nicht für jede Funktion ein separates Bedienelement hätte vorsehen können. Dabei fand man einen aus meiner Sicht sehr vernünftigen Kompromiss. Die Funktionen, die man eigentlich vermehrt verändert, hat man im direkten Zugriff, andere Parameter erreicht man über eine zweite (Edit) Ebene.

Dafür befindet sich unter jeder Sektion ein Edit-Button über den man die zweite Edit-Ebene aufruft. Dann stehen die dort veränderbaren Funktionen übersichtlich im Display. Die Veränderungen nimmt man mit dem Drehregler, den Pfeiltasten und/oder dem „Data Entry“-Schieberegler vor.

Klar, mancher hätte gerne mehr Funktionen auf der obersten Ebene, aber das würde wieder zu Lasten der Kompaktheit des Synths gehen. Der Deep Mind 12 bietet aber so viele Bearbeitungsmöglichkeiten, dass dies auf einer Ebene gar nicht darstellbar gewesen wäre.

Nach kurzer Einarbeitungszeit hat man sich schnell daran gewöhnt. Will man die Edit-Ebene verlassen, drückt man Progr und ist wieder auf der Programm-Ebene.

Das verbaute Display ist nicht gerade hochauflösend (kein OLED), aber ausreichend. Im Bereich „Global Setting“ sind Kontrast und Helligkeit einstellbar. Gut!

Behringer Deep Mind 12 Display und Bedienlemente
Behringer Deep Mind 12 Display und Bedienlemente

Auf den verschiedenen Bedienebenen gibt das Display auf grafisch einen schönen Überblick über die verschiedenen Funktionen. So werden z.B. die Hüllkurveneinstellungen sehr anschaulich dargestellt.

Wer sich selbst an die Programmierung der Sounds begeben möchte, dem sei die kostenlose Editor-Software ans Herz gelegt, die das schon sehr vereinfacht. Und toll ist, dass man das auch per Tablet und Wifi bewerkstelligen kann.

Behringer Deep Mind 12 Test – Die Tonerzeugung

Der Deep Mind 12 ist ein analoger Synthesizer, wobei es sich nicht um VCOs sondern um DCOs handelt. Dies war übrigens beim „Vorbild“ des Deep Mind 12, dem Roland Juno-106, nicht anders. Und so sehen wir auf dem Bedienpanel von rechts nach links die LFOs, den Oszillatorbereich, dann Filter, Amplifier und Hüllkurven.

Wie der Name schon verrät, ist der Behringer Synth bis zu 12stimmig polyphon, was in der Preisklasse (mittlerweile unter Euro 1.000,-) schon sehr üppig ist.

Aber Vorsicht! Das „bis zu“ soll schon darauf hindeuten, dass nicht bei jedem Sound wirklich die volle Stimmenzahl zur Verfügung steht.

Im Extremfall kann es sein, dass ein Pad, was etwas breiter und fetter klingt, dann gleich 4 (vier!) Stimmen pro Ton ver(sch)wendet, was gleichbedeutend damit ist, dass ich nur noch einen dreistimmigen Akkord spielen kann. Und viele deer vorgefertigten Sounds greifen stets auf mindestens zwei Stimmen pro Ton zurück.

Behringer macht auch gar keinen Hehl daraus. Auf der rechten Seite befinden sich 12 LEDs, die stets anzeigen, welche und wie viele Stimmen ich gerade „verbrauche“. Und bei besagtem Pad leuchten dann bei einem einfachen Akkord alle 12 LEDs auf.

Da man 12 Stimmen mit jeweils 2 DCOs zur Verfügung hat, hören wir dabei nicht weniger als 8 (acht!) DCOs pro Ton. Mmmh…..

Wie die Stimmen übereinanderliegen sollen, das regelt man in der Sektion Poly, die aus einem Schieberegler und dem Edit-Button besteht.

Will man da etwas verändern, drückt man die Edit-Taste und sieht die Parameter im Display. Will man wirklich 12stimmig spielen, dann geht man auf Position „Poly“, Unison 2 bedeutet dann, dass man pro Ton zwei Stimmen verbraucht und quasi 4 DCOs gleichzeitig hört. Bei Unison 4 ist der Deep Mind 12 noch gerade drei- und bei Unison 6 dann noch zweistimmig.

Ganz wichtig ist der Detune-Schieberegler, mit dem man mitnichten die beiden Oszillatoren je Stimme gegeneinander verstimmt, sondern die Stimmen (bestehend aus je zwei DCOs) selbst. Und so hat der Detune-Regler im 12stimmigen Betrieb keine Funktion. Erst ab Poly 2 (6stimmig) wird er aktiv. Das wird dann auch im Display sehr schön grafisch angezeigt.

Im folgenden Klangbeispiel hören wir zuerst den Werkssound „Super Saw“ im Modus Poly 4 und dann den gleichen Sound im 12-stimmigen Modus „Poly“. Der Unterschied ist schon sehr deutlich.

Irgendwie hätte man bei Behringer doch etwas mehr Fokus auf den DCO-Bereich legen sollen.

Behringer Deep Mind 12 Test – Der Oszillatorbereich

So üppig mancher Bereich beim Deep Mind 12 ausgestattet wurde, so spartanisch stellt sich der Bereich der beiden Oszillatoren je Stimme dar.

Behringer Deep Mind 12 Test Osc Section
Behringer Deep Mind 12 Oszillatorbereich

DCO 1 verfügt über Rechteck und Sägezahn, DCO 2 gar nur über ein Rechteck. Dazu kommt, dass ich die Wellenformen beim DCO1 nur ein- oder ausschalten kann (entweder 100 oder 0, das nenne ich mal konsequent digital -)). Lautstärkeregelung, Mischverhältnis: Fehlanzeige. Aber die Lautstärke von Osc 2 lässt sich beeinflussen, dazu gibt es noch einen Schieberegler mit der Bezeichnung „Tone Modulation“.

Dies ist hier eigentlich der wichtigste Regler im DCO-Bereich, denn damit lässt sich die Schwingung des Osc 2 ziemlich drastisch verändern. Im Prinzip regelt er die Pulsbreite des DCO2. Es lohnt sich, sich mal etwas näher mit dieser Funktion zu beschäftigen. Natürlich lässt sich Osc.2 auch verstimmen, dies kann in Intervallen sein oder aber im Bereich von Schwebungen, obwohl nicht ganz so fein wie im Bereich Poly.

Behringer Deep Mind 12 Test – Das Filter

Wir finden hier ein umschaltbares 2- oder 4-Pol-Filter, das vollkommen korrekt arbeitet. Cutoff und Resonance sind auf Edit-Ebene 1 und der Rest auf Edit-Ebene 2. Das macht alles Sinn. Das Filter lässt sich problemlos in Eigenschwingung versetzen (Resonance), was für viele Sounds recht wichtig ist.

Neben dem Tiefpassfilter gibt es noch einen Hochpassfilter sowie einen Boots-Schalter, der dem Sound noch mehr Druck verleihen soll – auch solo einen Art Nachbesserungsschaltung.

Behringer Deep Mind 12 Test – Die Hüllkurven

Wir sehen auf der rechten Seite vier Schieberegler für ADSR. Das bedeutet nicht, dass der Synth nur einen Hüllkurvengenerator für alle Bereiche hat. Es gibt separate Hüllkurven für Filter, Amplifier und Modulation, nur müssen sich diese die vier Schieberegler teilen. Welche Hüllkurve man gerade verändern will, dies bestimmt man mit dem Wahlschalter unterhalb der ADSR-Regler. Das macht alles Sinn und spart eine Menge Platz.

Behringer Deep Mind 12: Envelopes
Behringer Deep Mind 12: Envelopes

Behringer Deep Mind 12 Test – LFO und Modulationen

Der Bereich gehört ohne Zweifel zu den Stärken des Deep Mind 12. Es stehen in einer Art Matrix 22 Modulationsquellen und 119 Modulationsadressen (da sind auch die Effekte dabei) zur Verfügung. Es gibt quasi nichts, was sich nicht modulieren ließe. Pluspunkt!

Für Zuweisung von Modulationsquellen und Adressen stehen 8 Busse zur Verfügung. Das sollte mehr als reichen. Auskunft darüber gibt auch die folgende Grafik.

Was man den „tonangebenden“ Oszillatoren verweigert hat, dies hat man aber den beiden LFOs je Stimme zugestanden. Nicht weniger als jeweils 7 Schwingungsformen stehen zur Verfügung.

Behringer Deep Mind 12 Test – Die Effekte

Advantage Behringer. Da Klark Teknik und TC Electronic zum Konzern gehören, hat man natürlich Zugriff auf (digitale) Effektsysteme von höchster Güte. Und die finden sich beim DeepMind 12.

Für einen Synthesizer ist die Effektsektion schon sehr luxuriös. Da bleiben keine Wünsche offen. Bis zu vier Effekte (aus 33) können gleichzeitig genutzt werden.

Da gibt die kostenlose Editor-Software einen guten Überblick (s. Abb.). Leider fehlt ein Schalter, der die Effektsektion deaktiviert. Das mag Kalkül bei Behringer sein, denn schaltet man die Effekte in der zweiten Edit-Ebene ab, dann verliert der Sound doch schon immens an Breite und Qualität. Und da sind wir wieder beim Grundproblem des Deep Mind 12.

Der Editor des Behringer Deep Mind 12

Behringer Deep Mind 12 Test – Arpeggiator/Sequenzer

Wie bereits gesagt, man hat den Behringer Deep Mind 12 mit allem ausgestattet, was heutzutage möglich ist. So dann auch mit einem Arpeggiator und einen Sequenzer. Ersterer kann auf vielfältige Weise eingestellt werden. So könenn die Notenwerte zwischen ½ bis zu 1/48 eingestellt werden, was den Arpeggiator sehr flexibel einsetzbar macht.

Insgesamt 64 Pattern stehen zur Verfügung, 32 Presets, 32 User Pattern. Der Arpeggiator ist schon eher ein 32-Step-Mono-Sequenzer.

Abgerundet wird der Bereich durch eine Chord-Memory-Funktion und einen Control Sequenzer, der keine Töne aufzeichnet, sondern z.B. Controller Einstellung über die Modulationsmatrix.

Behringer Deep Mind 12 Test –Tastatur

Der Behringer Deep Mind 12 verfügt über eine einfache Tastatur mit 49 Tasten in Normalgröße (ist heute ja auch nicht mehr selbstverständlich). Vielleicht etwas wenig, aber da möchte ich wieder auf die kompakten Maße verweisen.

Die Qualität ist in Ordnung, aber weit entfernt von einer exzellenten Tastatur. Um das Instrument schnell zu transponieren, finden wir auf der linken Seite neben den (beleuchteten) Wheels, Oktaveschalter, die die Stimmung um +/+ zwei Oktaven verändern können.

Die Tastatur ist natürlich anschlagdynamisch und besitzt auch Aftertouch. Beide Funktionen lassen sich in vielfältiger Weise zuweisen.

Behringer Deep Mind 12 Test beleuchtete Wheels
Behringer Deep Mind 12: beleuchtete Wheels

Behringer Deep Mind 12 Test – Programme

Der Behrinegr Deep Mind 12 kommt mit knapp über 1000 Sounds in 8 Bänken, teilweise Presets, die man verändern aber nicht überschreiben kann.

Ein wenig sperrig ist die Programmauswahl. Man kann zwar die Klänge nach Kategorien ordnen, einen gewünschten Sound aber spontan wiederfinden, dies ist schon eine Art von Gedächtnistraining.

Weniger hilfreich finde ich, dass der aktive Sound nicht in großer Schrift im Display erscheint. Dies ist auf der Bühne nicht ganz so glücklich. Auch braucht der Deep Mind 12 beim Umschalten zwischen den Programmen eine kurze Zeitspanne, so dass die Klangerzeugung dabei unterbrochen wird. Ganz kurz, aber manchmal störend.

Anschlüsse

Alles da, was man braucht USB/MIDI, MIDI in/out/Thru, Stereo -out (balanced) und Kopfhörer. Dann gibt es noch einen CV-Eingang bzw. Anschluss für externes Audio, was den Deep Mind 12 sogar in einer Eurorack-Umgebung glänzen lässt

Vorbildlich die WiFi-Funktion, die es u.a. ermöglicht, den Synth z.B. über ein Tablet zu bedienen.

Behringer Deep Mind 12 Test – Fazit

Wie bewerten wir den Erstling von Behringer? Zum momentanen Streetpreis, der unter Euro 900 liegt, ist der Deep Mind 12 ohne Zweifel eine Empfehlung. Da bekommt man einiges fürs Geld.

Er klingt gut, aber nicht überragend. Einen eigenen Charakter hat er nicht unbedingt. Mich stört, dass bei den richtig guten (sprich: fetten) analogen Sounds eine Menge der 12 Stimmen verbraucht werden. Ich weiß gar nicht, wie das beim Deep Mind 6 gehen soll?

Richtig gut gelungen ist die Integration der Effektsektion, wobei ich trotzdem gerne darauf verzichtet hätte, wenn man bei den DCOs nicht so viele Kompromisse eingegangen wäre. Will man böse sein, so bessern die Effekte das aus, was man bei der grundlegenden Tonerzeugung versäumt hat. Liegt das daran, dass die Entwickler eher aus der Pro Audio-Ecke kommen denn aus dem Bereich Synthesizer?

Geradezu üppig dagegen, die Modulationsmatrix. Da gibt es nichts, was eigentlich nicht geht. Das gilt auch für die Vielzahl anderer Funktionen, was vielleicht für den Einsteiger ein wenig zu üppig ist (aber man muss sich ja nicht damit beschäftigen, wenn man nicht will).

Und so liegen die Stärken des Deep Mind 12 weniger in den typisch analogen Sounds als vielmehr in Effektsounds, die teilweise relativ abgefahren sind.

Gut Pads entstehen leider nur, wenn man die Stimmenzahl deutlich reduziert. Der Deep Mind 12 hat einen Vintage Synthesizer als Vorbild (Juno-106). Dass aber der Deep Mind 12 jemals selbst zu einem gefragten Vintage Synthesizer wird, dies wage ich zu bezweifeln.

Man hätte viel mehr Wert auf den Basissound legen sollen und dann vielleicht in der Vielzahl der Zusatzfunktionen reduzieren sollen. Manchmal ist weniger mehr.

Ich bin jetzt auf den Behringer Model D gespannt. Denn ein Minimoog-Clone muss gerade im Bereich der Oszillatoren liefern.

Klangbeispiele (Playlist mit 8 Tracks!)