Nick Rhodes von Duran Duran, Foto: Keyboard Magazine

Er ist seit mehr als 30 Jahren der Chef-Technologe von Duran Duran: Im Nick Rhodes Interview erzählt er über die aktuelle Scheibe „Paper Gods“ und über seine Liebe zu analogen Synthesizern.

Du hast 2011 gesagt, dass eine Band, die es schon sehr lange gibt, es immer schwerer hat, innovative Musik zu machen. Ihr seid nach 14 Alben aber immer noch so motiviert wie früher?

Es ist für uns wichtig, bei jedem Album etwas Neues zu machen. Das war auch beim letzten Album Red Carpet Massacre so, als wir mit Timbaland und Justin Timberlake zusammengearbeitet haben. Und die „DNA“ dieses Albums führte uns dann zu Paper Gods, unserem aktuellen Album.

In gewisser Hinsicht ist das neue Album eine Kombination aus den Erfahrungen bei der Arbeit für Red Carpet Massacre und das, was wir vom Produzenten Mark Ronson bei All You Need Is Now gelernt haben.

Einen Großteil des letzten Jahres haben wir mit der Suche nach musikalischen Schätzchen verbracht. Und wir haben auch tolle Songs und Melodien gefunden. Aber erst die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Ben Hudson führte dazu, die guten Dinge von den schwächeren zu isolieren. Er brachte viel frischen Wind in unsere Arbeit. Mit ihm zusammen haben wir zusätzlich auch an neuen Stücken gearbeitet. Er wolle eigentlich nur ein paar Tage bleiben, aber wir entführten ihn für rund 6 Monate!

Wenn man mit Leuten arbeitet, denen man vertraut, und sie in den Produktionsprozess integriert, dann entwickeln sich neue Perspektiven. Es bringt eine Band wirklich weiter. Das sind Leute wie Mick Ronson, Nile Rodgers, unser Ton-Ingenieur und Co-Producer Josh Blair und alle anderen Musiker, mit denen wir zusammen gearbeitet haben.

Wie hat euch die Arbeit an den letzten Duran Duran-Alben verändert?

Auf Red Carpet Massacre haben wir uns viel mit Programming beschäftigt. Ich werde nie vergessen, wie wir mit einem ganzen Truck voller Drums, analogen Keyboards und Gitarren in New York im Studio von Timbaland ankamen. Er schaute sich das ganze Zeug an und sagte: „Was wollt ihr denn mit dem ganzen Zeug?“

Er arbeitete mit dem Laptop und einer Akai MPC3000. Und da wurde uns klar, welcher großer Unterschied sich zwischen dem, wo wir musikalisch herkamen, und dem, wo sich Timbaland befand, auftat. Es gab eine Menge Gemeinsamkeiten, was die Liebe zu starken Melodien und rhythmischen Strukturen betrifft, aber ich merkte immer mehr, das der Weg dorthin total unterschiedlich war. Und so übernahmen wir etwas davon für unsere Arbeit.

Bei All You Need is Now wollte Mark Ronson ein Follow-up bzw. Re-Make zu Rio machen. Er ist ein Perfektionist, und wir machten wirklich extreme Dinge. Wir nahmen Bass und Schlagzeug auf einer analogen 24-Spur-Maschine auf und verwendeten die gleichen Snyths wie auf dem Original-Album. Mark hatte wirklich einen Plan und gab die Richtung vor.

Er fragte mich, ob ich nicht nochmals so einen Song wie „The Chauffeur“ entwickeln könnte, und ich meinte, dass ich darüber nachdenken würde. Ich verkroch mich dann mit Jon Blair in meinem eigenen Studio und erinnerte mich, wie der Song damals entstand. Es begann mit einem Rhythmus von einer Roland TR-808. Und so ging ich weiter vor, genauso wie damals. Daraus entstand der Song „The Man Who Stole a Leopard“.

Bei der Arbeit mit Mark lernten wir, wo unsere Stärken lagen, und dass wir keine Angst haben müssten, uns selbst zu zitieren. Wenn du mehr als dreieinhalb Dekaden hinter dir hast, in denen du viel ausprobiert hast, dann darf und muss man seine frühen Einflüsse nicht verleugnen.

Wenn man die Dance- und Drum-and-Bass-Einflüsse von Red Carpet Massacre nimmt, dazu die selbst-reflektierende Seite von All You need is Now und noch die Kombination von analogen Synths und Computern, dann hat man den genetischen Code unserer Arbeit geknackt.

Welche Keyboards hast du benutzt?

Sachen wie den Elka Synthex, dann zwei Roland Jupiter-8, einen Roland Jupiter-4 und eine Crumar Performer Stringmachine, die ich eigentlich auf jedem Duran Duran-Album gespielt habe. Häufig eingesetzt habe ich auch den Prophet-5 und den Alesis Andromeda. Für den ARP Quadra wollte ich auch noch einen Platz finden, der war dann aber nicht mit dabei.

Gibt es aktuell irgendetwas, was dich fasziniert?

Nick Rhodes.
Nick Rhodes mit einem MicroKorg, V-Synth GT und Andromeda. (Foto: Keyboard Magazine)

Am Ende der Produktion kam ein Teenage Engineering OP-1 Synthesizer dazu. Das ist der erste kleine digitale Synthesizer, in den ich mich verliebt habe. Das kleine Ding ist sehr intuitiv und verleitet zum Experimentieren. Ich war nie ein Anhänger von Workstations wie der Korg M1 und ähnlichen Geräten. Aber der OP-1 ist eine Workstation in Mini-Format. Man kann damit aufnehmen, Samples laden und hat eine coole Drummachine.

Ich hatte eine Menge Spaß damit, und etwas davon findet sich auch auf der Platte wieder. Am Ende der Produktion brachte Roland mir den JD-Xa. Das Ding hat einen tollen Vocoder an Bord und ich habe Sounds für diesen Synthesizer programmiert. Auf Paper Gods ist er nicht zu finden, denn zu der Zeit waren die Aufnahmen bereits fertig.

Aber ich glaube, dass ich ihn in der Zukunft intensiv verwenden werde. Ich habe eine lange und gute Beziehung zu Roland und hatte auch die V-Synths massiv im Gebrauch, aber der Roland JD-Xa ist wirklich ein Knaller!

Ihr habt auch mit Mr. Hudson gearbeitet, der auch für seine Arbeit mit Kanye West und Jay-Z bekannt ist…

Wir lieben Grooves, und wenn jemand kommt, der da völlig neue Wege geht, dann ist das elektrisierend. Man muss ehrlich sein, die frühe House Music und der Hip-Hop haben die Dinge stark verändert. Von unserem Album Thank You, was vor rund 20 Jahren erschien, haben wir den HipHop-Song „911 Is a Joke“ zusammen mit „White Lines“ gecovert, die immer noch Teil unserer Live Shows sind. Es war gar nicht so einfach, da etwas Neues daraus zu machen, denn das waren schon musikalisch starke Nummern.

Wie war es für euch, Nile Rodgers wieder an Bord zu haben, mit dem ihr seit „Notorious“ nicht mehr zusammen gearbeitet hattet?

Wir haben 1983 das erste Mal mit Nile gearbeitet, als er einen Remix von „The Reflex“ gemacht hatte. Dann machten wir 1984 „Wild Boys“, das Album Notorious 1986, und auch das Astronaut-Album 2003. Es macht immer einen Riesenspaß, mit ihm zusammenzuarbeiten. Er kann die Dinge auf den Punkt bringen wie kein anderer.

Der Größte ist aber, mit ihm zusammen zu spielen. Es gibt keinen besseren Rhythmus-Gitarristen als ihn. Ich spiele meine Parts eigentlich nie im Aufnahmeraum, sondern höre lieber alles direkt im Regieraum. Als er spielte, habe ich das Keyboard genommen und bin zu ihm rein. Ich war sicher, dass dabei etwas anderes entstehen würde. Und es kam „Pressure Off“ dabei raus.

Die Songs bestehen nicht nur aus Intros, Melodien und Refrains, sie entwickeln sich fortlaufend.

Simon und ich habe diese Vorliebe für überraschende Akkord-Voicings. Leider hört man immer wieder und wieder die gleichen Akkordfolgen. Nutzt man ungewöhnliche Akkordfolgen, dann entsteht etwas Überraschendes.

Auf der nächsten Seite: Nick Rhodes erzählt über die neuen Songs und das eingesetzte Equipment!