NAMM 2018, Foto: Axel Fischer
NAMM 2018, Foto: Axel Fischer

Jedes Jahr Ende Januar wird das Städtchen Anaheim nahe Los Angeles zum Mekka der Musikinstrumentenindustrie: Die NAMM 2018 ist da.

Längst hat die NAMM die Musikmesse in Frankfurt an Bedeutung überholt, aber schon immer war der Anteil deutscher Besucher in Anheim nahe dem Disneyland hoch. Vertreter von Vertrieben, Händlern, Herstellern, Presse gaben und geben sich ein Stelldichein. Die meisten haben dort deutlich mehr Zeit und Muße für Gespräche als in Frankfurt, da kaum einer einen eigenen Stand zu bewirtschaften hat.

Und so ist die NAMM 2018 auf ein wichtiger Fixpunkt für die Kommunikation geworden, die man auch mit den modernsten digitalen Mitteln nicht ersetzen kann.

Böse Zungen behaupten ja, dass der Hauptgrund für den Flug über den großen Teich das im Januar zumeist angenehm warme Wetter in Kalifornien ist, und man die Meetings gerne draußen, im Schatten einer Palme, geschützt durch eine Sonnenbrille und ausgestattet mit einem Schirmchengetränk führt.

Dies weist der Autor, selbst jahrelanger NAMM-Gänger, jedoch mit Entrüstung zurück.

NAMM 2018 – neue Hallen

Im Gegensatz zur Musikmesse expandiert de NAMM. So wurde 2018 die neue „North Hall eingeweiht, so dass mehr Fläche denn je zur Verfügung steht.

Die Ausdehnung kommt in erster Linie dem Bereich Pro Audio zugute, der im Gegensatz zu Frankfurt hier auf der NAMM immer etwas unterrepräsentiert war. Das liegt wohl daran, dass die NAMM als Veranstalter, eigentlich der Verband der Musikalienhändler ist, und sich auf de Ware konzentriert, die über den normalen Handel abgewickelt wird.

Wie dem auch sei. Die NAMM ist schon seit je her auch das Mekka der Synthesizer-Freaks, denn alles was Rang und Namen hat, ist hier. Da kann es schon mal passieren, dass man dem guten alten Tom Oberheim in die Arme läuft oder dem legendären Dave Smith. Und da L.A. nicht weit ist, tummeln sich auch viele bekannte Künstler auf der NAMM 2018.

Die Stände sind allesamt kleiner als auf der NAMM, was das Leben des Besuchers deutlich einfacher macht. Und immer wieder trifft man auf dem Gang bekannte Gesichter der Branche und geht in die Sonne, um eine Cola zu schlürfen.

NAMM 2018 – Synthesizer

Was ist denn aus Synthesizersicht auf der NAMM 2018 zu erwarten? Wohl viele neue analoge Synthesizer und ein größeres Angebot im Bereich der Modularsynthesizer. Auch sind semi-modulare Systeme, die auch ohne Verkabelung durch den User schon funktionstüchtig sind en vogue.

Und dann wartet man natürlich, nach den vielen (wahrscheinlich gesteuerten) Gerüchten,  was der gute Uli Behringer an neuen (alten) Synthesizern auf den Markt bringen wird.

Nachdem Day 1 nun rum ist muss man die Erwartungen wohl etwas bremsen. Absolutes Highlight ist bisher der KORG Prologue, ein Analogsynthesizer den es mit 16 Stimmen in der großen und mit 8 Stimmen in der kleineren Ausführung geben wird.  Attraktive ist der Preis mit 1990 Euro zw. 1490 Euro.

Ebenfalls spannend scheint der Arturia Minibrute 2 zu sein, einer Fortführung des bekannten Minibrute-Synthesizers. Der Minibrute2 zeichnet sich u.a. durch seine semi-modulare Struktur aus. Er verfügt über ein großes Patchfeld, was ihn kompatibel mit der Modular- bzw. Eurorackwelt macht.

Einen interessanten Weg geht Arturia mit dem Minibrute 2S. Man verzichtet da nicht nur auf di Tastatur sondern rüstet den Expander mit einem deutlich leistungsfähigeren Sequenzer aus, der in der Tastaturversion nur in einfacher Ausführung vorhanden ist.

Ein kleines, aber feines Gerät ist der KORG Volca Mix, eine Mischeinheit, die bis zu drei Volcas zusammenschließt und auch synchron starten kann.

Wo sind die News der großen Player?

Etwas enttäuschend bisher die News von Roland und Yamaha. Letztere haben ein Firmware-Update für den Yamaha Montage als Top-News im Bereich Synthesizer verkündet.

So kommen die weiteren interessanten Neuheiten von den Underdogs, wie z.B. die Multi Engine von Sonicware, die mit dem ELZ_1 eine witzige aber nicht uninteressante Synthersizer-Variante auf den Markt bringen.

Radikal kommt genauso mit einem semi-modularen System (Delte Cep A), wie Analog Solutions mit einem gar puristischen Analogsystem, dem Treadstone aus der Synthblock-Serie.

Ach ja, Waldorf zeitgt mit dem STVC einen neuen String Synthesizer, basierend auf dem bekannten Streichfett, in Kombination mit einem Vocoder.

Ja, bisher ist alles überschaubar, aber mal sehen, was der zweite Tag zu bieten hat.

Behringer ist nicht da, jedenfalls nicht als Aussteller, aber doch mal wieder in aller Synthesizer-Munde. Man nutzt die Aufmerksamkeit der NAMM, um einen neuen Synthesizer zu launchen: Den Behringer Neutron. Viel weiß man noch nicht, er ist rot! Der Neutron ist analog. Der Neutron ist scheinbar klassisch aufgebaut. Wie viele Stimmen hat er? Auf jeden Fall geistert schon mal ein Teaser-Video herum. Neutron! Neutron? Irgendwie erinnert mich das an meinen alten Freund Axel Hartmann … weiß auch nicht warum?

Behringer Neutron im Teaser-Video

Wo wir gerade bei Synthesizern sind, die es eigentlich gar nicht gibt. Nicht rot, sondern schwarz ist ein Synthesizer der Firma Black Corporation. Mehr als das Foto ist allerdings nicht bekannt. Das Ding soll offiziell zur Superbooth auf den Markt kommen.

Black Corporation, Foto: Richard Divine, Instagram
Black Corporation Synthesizer, Foto: Richard Divine, Instagram

Kommen wir wieder zurück in die Realität: Weder rot noch und auch schon real ist der Digitone Polyphonic FM Synthesizer von Elektron, ein kleiner Desktop Synth mit integriertem Sequenzer, FM Synthese und subtraktivem Signalweg. Klingt spannend.

Schon bemerkenswert, dass die Neuheiten von den Underdogs kommen und die Biggies , KORG ausgenommen, doch mehr die Sonne Kaliforniens genießen …

So auch der Microvolt 3900 aus dem Hause Pittsburgh Modular. Dies ist ein kleiner analoger Desktop-Synth, der mit einer Vielzahl von Patchpunkten semi-modular aufgebaut ist

Spricht nicht für die Innovationsfreude der diesjährigen NAMM im Bereich der Synthesizer, wenn ich dann schon ein Umhängekeyboard als Highlite präsentieren muss: den Alesis Vortex2 Wireless Keyboard Controller.

yudo neuman 2 synthesizer
Youdo Neuman 2 Synthesizer

Is it real Life or is it just Fantasy? Das ist das, was mir zum Neumann-2 Synthesizer der japanischen Firma Yudo einfällt. Das Bedienpanel ist ein einziger riesiger Touchsreen. Ob das Ding über den Stufe eines Prototypen hinwegkommt? Ich möchte das bezweifeln.

Mal sehen, was es sonst noch so geben wird. Ich bin bis hier ziemlich enttäuscht. Wäre da nicht der KORG Prologue, dann hätte sich aus Synthesizersicht der Ausflug ins Disneyland nicht gelohnt … glaube kaum, dass am letzten Messetag noch große Überraschungen präsentiert werden.

NAMM 2018 – das Synthesizer-Fazit

Und so war es dann auch. Die NAMM 2018 war für Synthesizer-Liebhaber – abgesehen von den hier vorgestellten Highlights – nicht gerade aufregend. Hier und da gab’s noch ein paar neue Module zu sehen, aber insgesamt war da nicht viel. Das haben wir in den letzten zwei Jahren ganz anders erlebt.

Hoffen wir mal, dass Roland mit den Software-TRs nur die Zeit bis zum nächsten großen (oder Boutique-kleinen) Knaller überbrückt und Yamaha nach der Montage-Produktpflege auch schon an neuen Dingen schraubt. Ob sich einige Hersteller vielleicht in diesem Jahr auf die Musikmesse oder vielleicht eher auf die Superbooth konzentrieren? Werden wir sehen, da sind wir vor Ort!