Elka Synthex: Der Synthesizer der Orgelbauer

Der Elka Synthex erblickte das Licht der Musikwelt im Jahre 1984 und kostete seinerzeit 7900,- DM. Dabei vereint er alle Tugenden der „guten alten Analogen“ in sich.

Er bietet einen vollen und warmen Grundsound, ist aber auch in der Lage, sehr extreme und ausgefallene Klänge zu produzieren. Zudem lässt sich der Elka Synthex sehr leicht und intuitiv bedienen, da für jeden Parameter ein eigener Regler zur Verfügung steht. Weil sich der Synthex trotz seines verhältnismäßig konservativen Klangerzeugungs- und Bedienungskonzeptes durch seine MIDI-Schnittstelle auch problemlos in ein modernes MIDI-Setup integrieren lässt, verwundert es nicht weiter, dass er für eine Vielzahl professioneller Musiker (unter ihnen Keith Emerson, Rick Wakeman und auch Martin Gore) zu einem durchaus ernstzunehmenden und wichtigen Werkzeug wurde.

Elka Synthex – Ein Geheimtipp – und zwar zu Unrecht

Dass der Elka Synthex trotzdem bisher eher ein Geheimtipp unter Insidern geblieben ist, liegt zum einen an dem nicht gerade niedrigen Verkaufspreis, zum anderen an Elka selbst. Die italienische Firma war in erster Linie als Orgelhersteller bekannt. Bis zur Entwicklung des Synthex war es in Sachen Synthesizer ein unbeschriebenes Blatt. So wurde der Elka Synthex frei nach der Devise „was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“ von der Mehrzahl der Musiker schlichtweg übersehen oder ignoriert.

Dass dem Instrument dieses Schicksal eindeutig zu Unrecht widerfuhr, wird jedoch deutlich, wenn man sich die Features genauer anschaut.

Elka Synthex – Stimmenarchitektur

Für jede der acht Stimmen des Elka Synthex stehen zwei Oszillatoren mit jeweils einem fünfstufigen Oktavwahlschalter (16‘, 8‘, 4‘, 2‘, 1‘) zur Verfügung. Dazu kommt eine 12-stufige Transpose-Funktion (1 Oktave); die Wellenformen Dreieck, Sägezahn, Rechteck und Puls sind möglich. Zur Erzeugung komplexer Obertonstrukturen kann die Pulswelle von Osz. 1 durch Osz. 2 und die Pulswelle von Osz. 2 durch Osz. 1 moduliert werden. Auch die Möglichkeit der Ringmodulation ist gegeben.

Zur Erzeugung von Schwebungen zwischen den beiden Oszillatoren steht ein Detune-Regler zur Verfügung. Die  Oszillatoren können dabei auch gesynct werden. Als zusätzliche Klangquelle dient ein Rauschgenerator, der sowohl Rosa und Weißes Rauschen erzeugt.

Die Pegel von Osz. 1, 2 und dem Rauschgenerator sind über entsprechende Drehpotentiometer stufenlos regelbar. Zur Bearbeitung der Basisklänge steht ein Multimode-Filter zur Verfügung, welches sich wahlweise als 24dB/Okt. Tiefpass-Filter, 6dB/Okt. Oder 12dB/Okt. Bandpassfilter oder 12dB/Okt. Hochpassfilter einsetzen lässt. Das Filter des Elka Synthex bietet Regelmöglichkeiten für Eckfrequenz, Resonanz, Hüllkurvenmodulation (positiv und negativ) sowie Keyboardtracking. Die Eckfrequenz des Filters lässt sich darüber hinaus auch durch den LFO modulieren.

Sowohl das Filter als auch der VCA sind jeweils mit einer separaten ADSR-Hüllkurve ausgestattet, und die Release-Funktion der Hüllkurven lässt sich per Tastendruck ein- und ausschalten.

Elka Synthex: einige Soundbeispiele…

Elka Synthex – Niederfrequenzoszillatoren

Der Elka Synthex bietet gleich zwei LFOs. LFO 1 ist für programmierbare Modulation vorgesehen, LFO 2 lässt sich ausschließlich über den Joystick aktivieren. Die Ausstattung des ersten LFO ist recht umfangreich: 4 Wellenformen (Dreieck, aufsteigender und abfallender Sägezahn, Rechteck), mit denen die Frequenz von Osz. 1+2, die Pulsbreite von Osz. 1+2, die Eckfrequenz des Filters sowie die Amplitude des VCA moduliert werden können.

Zur Justage der Modulationsstärke stehen zwei separate Regler zur Verfügung: einer ist für die Oszillatormodulation, der andere für die VCF- und VCA-Modulation. Zusätzlich zum obligatorischen Frequency-Regler ist LFO 1 mit einem Delay-Potentiometer ausgestattet, mit dem sich der Einsatz der Modulation um maximal 10 Sekunden verzögern lässt.

LFO 2 ist mit zwei Frequenzreglern ausgestattet. Einer ist zuständig für die Grob-, einer für die Feineinstellung der Frequenz. LFO 2 bietet lediglich eine Wellenform (Sinus) und kann zur Modulation der Tonhöhe oder der Filter-Eckfrequenz eingesetzt werden.

Elka Synthex – Der Joystick

Als Spielhilfe bietet der Elka Synthex einen Joystick an, wie man ihn auch von den Korg- oder EMS-Synthesizern her kennt. Damit können wahlweise Pitchbending (+/- 7 Halbtöne), Modulation der Oszillatoren durch LFO 2 oder Modulation des Filters durch LFO 2 gesteuert werden. Dabei kann man noch wählen, ob die Betätigung des Joysticks den Upper-, Lower-Sound, oder beide gleichzeitig beeinflusst.

Die Unterscheidung in Upper- und Lower-Sound resultiert aus der Tatsache, dass der Elka Synthex ebenso wie der Roland Jupiter-8 in der Lage ist, zwei verschiedene Sounds gleichzeitig zu erzeugen. Der Anwender kann die Sounds entweder zwei verschiedenen Sektionen der Tastatur zuordnen, wobei sich dann der Split-Punkt der Tastatur beliebig definiert lässt. Er hat aber auch im Dual-Modus die Möglichkeit, zwei Sounds übereinander zu legen. Werden Split- oder Dual-Modus aktiviert, so ist der Elka Synthex selbstverständlich nur noch vierstimmig polyphon spielbar.

Elka Synthex – Programmierbarkeit

Der Elka Synthex bietet insgesamt 80 Speicherplätze: 40 im ROM gespeicherte Werkspresets und 40 im RAM gespeicherte Programme. Die Erstellung eigener Sounds erfolgt entweder im Manual-Modus von Grund auf oder durch entsprechende Editierung eines vorhandenen Programms.

Der Vorgang des Editierens ist dabei denkbar einfach. Wie auch der Prophet 5 ist der Elka Synthex immer im Edit-Modus, und eine Parameter-Veränderung erfolgt einfach durch entsprechende Regler-Justierung. Entspricht der editierte Sound den Vorstellungen, genügt ein Druck auf den Store-Taster und die entsprechende Speicherplatznummer. Damit ist der Klang abgespeichert. Abspeicherbar sind übrigens alle Tipptasten- und Reglereinstellungen, bis auf die Parameter für Gesamtstimmung, Lautstärke, (Stereo-)Balance, Joystick, Sequenzer-Frequenz und Sequenzer-Gate. Wem die 40 Speicherplätze nicht genügen, der hat mittels des integrierten Kassetten-Interfaces des Elka Synthex die Möglichkeit, Inhalte extern zu archivieren.

Elka Synthex: …und hier der bekannte Laser-Sound, den Jean-Michael Jarre benutzte

Elka Synthex – Extras

An zusätzlichen Besonderheiten bietet der Synthex einen eingebauten, in drei Stufen schaltbaren Choruseffekt, einen Stereo-Modus, bei dem die einzelnen Töne abwechselnd im rechten oder linken Kanal erscheinen, sowie einen integrierten Sequenzer.

Bei der Programmierung des Sequenzers hat man die Wahl zwischen der Step by Step-Programmierung (wobei sowohl Tonhöhe, Tondauer und Legato- oder Staccato-Spielweise eingegeben werden können) und der Echtzeit-Eingabe. Der Sequenzer ermöglicht die Speicherung von bis zu vier verschiedenen monophonen Sequenzen mit jeweils maximal 128 Schritten. Nachträgliche Korrekturen der Sequenz sind aber auch möglich.

Bei gesplitteter Tastatur kann der Sequenzer wahlweise auf die obere, die untere oder beide Keyboardhälften wirken. Auch die Wiedergabe mit zwei unterschiedlichen Sounds ist realisierbar. Zusätzlich zu der Möglichkeit, die Sequenzen in Echtzeit zu transponieren, lässt sich der Sequenzer durch ein externes Signal synchronisieren. Zuletzt können die Sequenzen bei Bedarf über das Kassetteninterface des Elka Synthex extern archiviert werden.

Elka Synthex – Fazit

Der Sound ist durchweg überzeugend und kann sich in puncto Klangqualität meiner Meinung nach durchaus mit dem Jupiter-8 oder dem Prophet 5 messen. Das Instrument liefert ein sehr sauberes, rauschfreies Ausgangssignal. Warme Streicherklänge lassen sich ebenso realisieren wie metallische oder experimentelle Sounds beim Einsatz von Cross- und Ringmodulation.

Der eingebaute Sequenzer ist sicherlich in erster Linie für die Skizzierung spontaner Melodieideen oder die Programmierung von Basslinien geeignet, da seine Kapazität für andere Anwendungen wohl kaum ausreichen dürfte. Wer allerdings mit dem Elka Synthex per Sequenzer komplexere Kompositionen realisieren möchte, dem bietet ja die integrierter MIDI-Schnittstelle (in Verbindung mit einem externen Sequenzer) hierzu die entsprechenden Möglichkeiten.

Die Bedienung des Elka Synthex ist durch das vorbildlich übersichtliche Bedienungsfeld so einfach, dass selbst die Erstellung eigener Sounds zum Vergnügen wird.

Elka Synthex – ein Comeback…oder doch nicht?

Im April 2015, pünktlich zur Musikmesse, startete eine Crowdfunding-Kampagne, durch die der Elka Synthex wieder produziert werden sollte. Die Rechte an der Elka-Marke hatte zuvor der italienische Instrumentehersteller Generalmusic. Der wiederum wurde von der finnischen Soundion Oy Ltd-Gruppe aufgekauft.

Im Juli 2015 war die Zeit für die Crowdfunding-Kampagne abgelaufen, ohne dass das Ziel erreicht wurde. Somit ist das Projekt (vorerst) gestoppt.